Totalitäre Ideologie überleben

zum Beispiel als „Querulant“ (Lieblingsvokabel des Großen Diktators für solche Leute) ist möglich.
Der Quer-ulant muss allerdings einige Jahre schwerer Diskriminierung fürs Quer-sprechen und Quer-handeln aushalten.

Das zeigt das Beispiel das katholischen Vikars Ernst Moritz Roth aus dem Siegerland. Ich habe diese Geschichte ausgewählt, weil sie sehr viele Gemeinsamkeiten mit der Geschichte des katholischen Pfarrers aus seinem und meinem Dorf enthält, die mir mein verstorbener Vater erzählt hat:

So fing es auch mit dem Pfarrer aus unserem Dorf an: mit Worten gegen die NS-Ideologie (die nur eine dünne pseudowissenschaftliche Hülle um einen eher kurzfristigen politischen Plan war).
Und das wurde dann verschärft durch Geplänkel um Termine der Hitlerjugend und der kirchlichen Ministrantentreffen. Es ist unklar, wer damit angefangen hat, die Termine so zu legen, dass sie sich mit den anderen überschnitten. Jedenfalls hat der Pfarrer Ministranten an die Hitlerjugend verloren und dann am Sonntag noch klarer gegen die Nazis gepredigt als schon länger.

Die örtliche Geschichte schaukelte sich im Laufe der Zeit auf die übliche Weise weiter auf:

An Prügeleien von Jungmännern kann ich mich in der Geschichte von meinem Vater nicht erinnern. Aber weil er sonst viel davon erzählte, können sie durchaus auch dazugehören. Nun gehört es immer noch zum Wesen von solchen Prügeleien durch Jungmänner, dass sich die Schuldfrage nie klären lässt, selbst wenn sie eigentlich sehr übersichtlich ist. Aber alles andere war natürlich eingeschlossen: Noch sehr zivilisierte Beschimpfungen wie „Querulant“, „Hohlköpfe“ oder „Hampelmänner“.

Solche Konflikt- und Eskalationsgeschichten können eine Weile laufen, aber nicht jahrelang. Dann kommt es unweigerlich zu Maßregelungen durch den Staat und auch durch die eigenen Vorgesetzten:

Damit ist in jedem Staat immer zu rechnen. Wer deswegen schon einknickt, ist kein echter Widerständler, noch nicht einmal ein Quer-ulant. Dabei bleibt es auch nicht:

Trotz allen hartnäckigen Widerstands wird ein Quer-ulant vom Staat normalerweise nicht umgebracht, auch nicht von einem Terror-Regime. Man kann da schon etwas riskieren, um seine Prinzipien nicht zu verraten. Und es gibt auch noch andere Gefahren im Leben.
Der mutige Pfarrer aus dem Dorf meines Vaters, unserem Dorf, wurde übrigens schlechter behandelt und hatte gleichzeitig mehr Glück als der unglückliche Vikar Roth: er wurde irgendwann im Konzentrationslager Dachau eingesperrt, hat es aber überlebt.
Es ist für den einzelnen Quer-ulanten schwer vorhersehbar, wie weit ein Regime gehen wird und ob er Glück hat.

Epilog

Viele haben letztlich auch kein Glück, die einem Regime immer gehorchen und alles tun, was man ihnen sagt. Es kann der Militärdienst in einem unsinnigen Krieg mindestens so tödlich sein wie das Predigen gegen ihn. Mindestens!

Es kann auch die Impfung gegen eine Krankheit für einen selbst tödlicher sein als die Krankheit selbst. Es ist ungewiss, welches Übel einen erwischt. Deshalb ist es in einer freien Gesellschaft vorzuziehen, dass man sich aus freiem Willen entscheidet: Krankheitsrisiko oder Impfung? Dann kann man wenigstens keinem anderen die Schuld geben, wenn es schiefgeht. Das ist auf Dauer sehr wichtig für den inneren Frieden. Denn es gibt nun einmal immer Lebensrisiken, für die es keine dauerhafte kollektive Lösung geben kann.
Am schlimmsten ist es dem Menschen aber, zu etwas gezwungen zu werden, das er für eher nicht sinnvoll oder gar für offensichtlich unsinnig oder gar verbrecherisch hält:

Pfarrerinnen in Schwetzingen mit Chesterton-Zitat

Gedankenexperiment:
Wie lange würde ein Pfarrer in der evangelischen Kirche heute im Amt überleben, der seinen Amtsschwestern auf diesem Foto den Missbrauch des christlichen Glaubens für allzu weltliche Zwecke vorwirft? Wie lange dürfte er in einer staatlichen Schule Religionsunterricht halten?
Würde er damit zweieinhalb Jahre lang durchkommen wie der Vikar Ernst Moritz Roth?
Dabei hat tatsächlich DIE Corona-Wissenschaft ihre Parallelen mit der Eugenik. Und die Eugenik gehörte zur NS-Ideologie, die Ernst Moritz Roth von Beginn an als unchristlich denunzierte, ohne jemals nachzugeben.
Und ich sage es meiner ehemaligen Kirche mit den Worten von Keith Gilbert Chesterton:

Seitdem die Pfarrer nicht mehr an Gott glauben,
glauben sie nicht etwa an nichts, sondern an alles Mögliche

Geimpfte können sehr wohl andere anstecken, wie vielfach erwiesen ist. Die wissenschaftliche Basis für die Behauptung, dass Impfung mehr sei als das Streben nach Eigennutz, nämlich sogar Nächstenliebe, ist damit sehr, sehr dünn. Und ohne eine solide wissenschaftliche Basis handelt es sich dabei eben um eine Ideologie.
Statt um Nächstenliebe geht es beim Impfen eher darum, Freiheiten zurück zu bekommen (die zuvor entzogen wurden und bei Weigerung entzogen bleiben). Das ist kein Geheimnis:


Es gibt einen Zwang, nämlich mit Macht verordnete tägliche Gängelung und Freiheitsentzug, der die Impfung zu einer eigennützigen Entscheidung macht (die sie aber vielleicht doch gar nicht ist). Aber es gibt keinen durchsetzbaren Impfzwang, weder in der Schweiz noch in Deutschland. Bis heute ist jede Impfung ohne Ausrede freiwillig. Wer es nicht will, muss nur Nein! sagen.

Sobald diese (wie gesehen höchst widersprüchliche) Ideologie das Recht für sich in Anspruch nimmt, andere ihrem Willen zu unterwerfen, ist diese Ideologie totalitär. Der Rubikon wird schneller überschritten, als viele denken, lange vor einem KZ.

450

Nachtrag 30.7.2021
Diese Zweig-Zitat ist zwar aus verschiedenen Stellen seines Werks zusammengefasst, bringt das totalitäre Vorgehen aber prägnant auf den Punkt:

Nachtrag 1.8.2021
Hochintelligenter Beitrag von Radio München zur Rolle der Impfung im Corona-Kult:
Die Corona-Impfung als Kommunion

Nachtrag 2.8.2021
Auszug aus dem Buch Täter von Harald Welzer:

Grenzüberschreitende Wissenschaft

Dirk Pohlmann spricht mit dem Wissenschaftsphilosophen und Leopoldina-Mitglied Prof. Dr. Michael Esfeld über die Instrumentalisierung der Wissenschaft in der Corona-Krise:

Michael Esfeld ist im Dezember durch die Kritik an der Stellungnahme der Leopoldina für die Corona-Politik der Regierung bekannt geworden.
Diese Kritik hat ein breites Echo verursacht: BILD, Achse des Guten, TichysEinblick, Frische Sicht, NZZ, Nau.ch, MDR, KenFM, Schweriner Volkszeitung.
Es fällt aber auf, dass die überregionalen deutschen Tages- und Wochenzeitungen dabei (mal wieder) weitgehend ausfallen.

Déjà vu: Eugenik

Besonders bemerkenswert finde ich die Passage, in der Michael Esfeld die grenzüberschreitend verwendete, also missbrauchte Wissenschaft in der Corona-Politik mit dem vergleicht, was im Zusammenhang mit der „wissenschaftlichen“ Eugenik zu Beginn des 20. Jahrhunderts, etwa zwischen 1900 und 1930 passiert ist:
„Die Eugenik ist ein sehr gutes Beispiel, treffend für die jetzige Situation….In der Eugenik ging es darum, ein Übel abzuwenden….Das Übel bestand darin, dass wissenschaftlich mit absoluter Notwendigkeit erwiesen war (Sie können direkt die Phrasen von heute nehmen), dass es minderwertige Gene gibt, dass bestimmte Menschengruppen Träger dieser minderwertigen Gene sind…Deshalb drohte der Untergang der zivilisierten Menschheit, ein bevorstehendes großes Übel und da muss man jetzt staatlich eingreifen…“

Grenzüberschreitender wissenschaftlicher Irrweg

Diese internationalen, keineswegs ursprünglich deutschen Ideen lassen sich sehr gut in diesem empfehlenswerten Buch von Hermann Ploppa nachlesen:

Und nicht nur das: im Jahre 1914 erarbeiteten US-Regierung, angesehene Stiftungen wie Carnegie oder Rockefeller, sowie die besten Wissenschaftler amerikanischer Universitäten ein detailliertes Rassenaufartungsprogramm nicht nur für die USA, sondern für die gesamte Menschheit. Nach diesem Plan sollten bis zum Jahre 1985 allein in den USA 45 Millionen „Minderwertige“ „eliminiert“ werden. Adolf Hitler hat dieses Programm in „Mein Kampf“ mit Eifer propagiert. Hitler hat auch nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er den US-Amerikanern Henry Ford, Madison Grant und Lothrop Stoddard entscheidende Anregungen verdankt.

Déjà vu: Industrielle Revolution

Der oben erwähnte Henry Ford war nicht nur ein Anhänger eugenischer und rassenhygienischer Ideologien/Wissenschaft, sondern auch eine Schlüsselfigur der Industriellen Revolution, genaugenommen der Zweiten Industriellen Revolution.
Und wie bei der Eugenik, bei der Michael Esfeld eine klare Parallele zur Corona-Wissenschaft sieht, verbindet sich auch in der Corona-Politik eine Komponente von (Volks-)Gesundheit mit einer starken Komponente von Industriepolitik.

Klaus Schwab

Niemand verbindet beide Themen unbekümmerter und offensichtlicher als Klaus Schwab, der als Gründer des Weltwirtschaftsforums (ausgerechnet in Davos) berühmt wurde:

Zwischen beiden Buchtiteln liegt gerade mal ein gutes Jahr

Die Sprengkraft der Vierten Industriellen Revolution wird seit Jahren beschrieben, manchmal nicht nur mit ihren Verheißungen, sondern auch mit ihren düsteren Schatten.
Wenn Schwab das mit Covid-19 verbindet, bleibt wenig Raum für Interpretationen: Die Coronakrise ist kaum in erster Linie eine Gesundheitsfrage, sondern ein Vehikel für mehr, für Technologie- und Kapitalinteressen.
Schwab wird von den einen kritiklos als wohltätiger Visionär („ihnen geht es darum, eine bessere Zuunft zu gestalten“) gefeiert:

von anderen aber als Prophet eines neuen Faschismus bezeichnet:

Bill Gates

Während Klaus Schwab kein Unternehmer ist, gibt es mit Bill Gates einen zweiten Prominenten in der Corona-Krise, der noch besser zu Henry Ford passt. Gates ist ein Big Player der Dritten industriellen Revolution.
Und der Machtballung in den Händen der Digitalkonzerne. Ich finde es beispielsweise schon lange verdächtig, wie aggressiv das von ihm gegründete Microsoft sich das Recht erobert, Updates quasi automatisch auf den Rechner jedes Benutzers zu schieben und auch noch die Anmeldung am PC möglichst mit einem Microsoft-Account vornehmen zu lassen. Wer das duldet, muss sich nicht wundern, wenn solche Konzerne anschließend auch wie selbstverständlich Meinungsäußerungen auf ihren Plattformen zensieren.
Und dieser Bill Gates ist natürlich aus rein humanitären Gründen ein Big Player im globalen Gesundheitswesen geworden.

Fazit

Der von Michael Esfeld und Dirk Pohlmann vorgenommene Vergleich mit der (pseudowissenschaftlichen) Eugenik vom Beginn 20. Jahrhunderts und die Verbindung mit der dahinterliegenden industriellen Dynamik und Macht, die dem Faschismus den Weg bereiteten, zeigen, dass die pseudowissenschaftliche Corona-Politik und ihre tiefe Verbindung mit der industriellen Dynamik der fortschreitenden Digitalisierung ein hohes Potenzial haben, wieder totalitären Ideologien und Praktiken den Weg zu ebnen.
Die aggressiven Löschungen von Corona-Kritik auf den Plattformen der Digitalkonzerne legen schon heute täglich Zeugnis davon ab. Wenn Digitalkonzerne das mit absolutem Gesundheitsschutz begründen, handelt es sich im wesentlichen um eine pseudowissenschaftliche Ideologie.

Nachtrag 7.3.2021
Dass der von Michael Esfeld gezogene Vergleich mit der Hongkong-Grippe angemessen ist, zeigen übrigens die Zahlen zu Corona in Frankreich.
Corona ist deshalb keine Pandemie, die nie existiert hat, sondern eine massiv aufgebauschte.

Nachtrag 29.4.2021
Michael Esfeld hat in einem großen Beitrag für die NZZ nachgelegt:

„Der Mechanismus besteht darin, aktuelle Herausforderungen zum Anlass zu nehmen, existenzielle Krisen herbeizureden – ein Killervirus, das umgeht, eine Klimakrise, welche die Existenzgrundlagen der Menschheit bedroht. Die Angst, die man auf diese Weise schürt, ermöglicht es dann, Akzeptanz dafür zu erhalten, die Grundwerte unseres Zusammenlebens beiseitezuschaffen…
Wie die alten, so kommen auch die neuen Feinde der offenen Gesellschaft aus ihrem Inneren. Für Wissenschafter und Intellektuelle ist es offenbar schwer einzugestehen, kein normatives Wissen zu haben, das die Steuerung der Gesellschaft ermöglicht“

Nachtrag 7.6.2021
Weiteres Interview mit Prof. Esfeld bei Gunnar Kaiser:

Nachtrag 29.7.2021
Sehr schöner Twitter-Faden zum Vergleich Corona-Wissenschaft vs. Eugenik-Wissenschaft:

Pandemie mit tiefen Wurzeln

Paul Schreyer hat in einem kompakten Vortrag einen Überblick über die (lange) Geschichte der Pandemie-Planspiele gegeben:

Der Vortrag gibt einerseits einen Überblick über Inhalte seines Buches, das in 2020 einige Wochen in den Bestseller-Listen war:

Inhaltsübersicht und Buch zum Thema

Der letzte Vortragsteil über das Börsenbeben im September 2019 ist dagegen im Buch noch nicht enthalten.

Wichtige Folien und Querverweise

Der Vortrag kommt relativ zügig zur Anti-Terror-Kampagne der 1990er Jahre in den USA, und dort zu Joe Biden und seiner zentralen Rolle bei der Vorbereitung des ‚Patriot Act‘, also der gezielten Einschränkung von Bürgerrechten:

Joe Biden war eine Schlüsselfigur der Anti-Terror- und Notstandsgesetzgebung in den USA

Das Thema Terror mit Biowaffen wurde ebenfalls in den 1990er Jahren hochgefahren mit Bezug zu Saddam Hussein:

Vorausplanend wurde Saddam Hussein mit Anthrax in Verbindung gebracht, aber an den tatsächlichen Anthrax-Anschlägen nach dem 11. September 2001 wurde ihm keinerlei Beteiligung nachgewiesen

Eine Schlüsselfigur, die seit den 1990er Jahren am Thema führend und planerisch mitwirkte, war Robert Kadlec. Sein Zitat von 1998 ist äußerst aufschlussreich:

Robert Kadlec über den „glaubwürdig abstreitbaren Einsatz von Biowaffen“ für eine Seuche

Das Thema Biowaffen und die Abstreitbarkeit ihres Einsatzes habe ich im Mai 2020 thematisiert als Unsicherheitsfaktor für das Auftreten einer zweiten Welle.

Auch das Thema Kriegsrecht, Quarantäne, Impfung und Polizeieinsatz gegen die Bevölkerung wurde bereits vor 20 Jahren vorgedacht:

Und derselbe Robert Kadlec beriet 2020 auch wieder die Regierung Trump bei der Reaktion auf das Coronavirus:

Die Einschränkung der Bürgerrechte, die heute vor unseren Augen stattfindet, wurde bereits in der Übung mit Kadlec im Jahr 2001 (vor 911) thematisiert:

Nach den Anschlägen vom 11. September wurde als Reaktion auf die Anthrax-Briefe die „Global Health Security Initiative“ ins Leben gerufen, der von Anfang an auch Deutschland angehörte:

Sehr bald wurde von dieser Initiative die Gleichheit der Strategien gegen Bioterrorismus und eine Grippeepidemie beschrieben und geübt:

Das zum Beispiel beschreibt genau die Realität des Jahre 2020:

Die Ideen sind international abgestimmt. Jacques Attali, der Entdecker von Präsident Macron, hat sich bereits 2009 so geäußert:

Und im Lockstep-Szenario der Rockefeller-Stiftung war bereits der China-Bezug (in paradoxer Weise als Bösewicht oder Vorbild auslegbar) im Pandemie-Szenario enthalten:

2017 sei die Bedrohung der „Weltordnung“ durch den Präsidenten Trump ins Spiel gekommen und habe der Pandemie-Planung neue Dynamik gegeben:

Senator McCain auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2017

Auf derselben Münchner Sicherheitskonferenz sprach auch Bill Gates Klartext und verknüpfte explizit die Themen Pandemie und Militär:

Bill Gates auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2017

Im selben Jahr (also 2 Jahre früher als auf einer von mir thematisierten Konferenz der Unionsfraktion) wurde ein Berater-Gremium der Bundesregierung ins Leben gerufen, dem auch bereits Christian Drosten und ein Vertreter der Gates-Stiftung angehörten:

Christian Drosten (hinten Mitte) im Beratergremium der Bundesregierung

Die Frage nach dem akuten Auslöser

Bei der Frage „Warum gerade 2020?“ kommt Schreyer auf die sich im Herbst 2019 wieder verschärfende Finanzkrise zu sprechen, wie sie in diesem Artikel der ZEIT beschrieben wurde:

Das ist nicht sehr weit von meinen ersten Gedanken zum Ausnahmezustand im März 2020 entfernt.

Diese Grafik der Bilanzsumme der US-Notenbank zeigt, dass die US-Wirtschaft (und unsere) im Grunde seit 2008/2009 nicht aus Problemen herausgekommen ist, die es mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 aufnehmen können:

Mit der Krisenpolitik würden einseitig die Banken unterstützt, sagt dieser Artikel von Januar 2020, auf den sich Schreyer bezieht.

Zensur von „Falschnachrichten“

Nicht zuletzt habe die vieldiskutierte Pandemie-Übung „Event 201“ ergeben, dass kritische Medien zur Durchsetzung einer Pandemie-Politik zensiert werden müssen.

Dass der Vorwand dafür behauptete ‚Falschmeldungen‘ sind, ist auch mir bereits im April 2020 aufgefallen: Fake News über Falschnachrichten

Fazit

Einerseits ist es schön, dass Schreyer viele von mir beschriebene Beobachtungen und Vermutungen bestätigt, andererseits hat er es mit Buch und Vortrag hervorragend geschafft, ihre sehr viel tieferen Wurzeln in der Vergangenheit überzeugend nachzuweisen:
Die Wurzeln der Plandemie stecken im Boden der Kriegs- und Terrorpolitik. Die personellen Verflechtungen hat Schreyer auf viel höherem Niveau nachvollzogen, als es mir früh aufgefallen war.

Nachtrag 7.1.2021
Schreyers Buch hat im Gesamtjahr 2020 Platz 20 in der SPIEGEL Bestseller-Liste Sachbuch Paperback belegt, obwohl es erst am 14. September erschienen ist:

Aktuell gehört es zu den schnellsten Aufsteigern:

Nachtrag 30.03.2021
Ich habe heute festgestellt, dass diese Seite relativ häufig gefunden wird, weil jemand nach „Jacques Attali“ und „Zitat 2009“ sucht. Interessant.
Dazu gibt es oben eine Folie. Ich habe deshalb über Attali etwas gelesen. Er ist die „Graue Eminenz“ der französischen Politik der letzten gut 40 Jahre. Präsidentenmacher und Prophet, aber nie mit einem Ministeramt oder einem demokratischen Mandat ausgestattet, mischte er links ebenso mit wie rechts. Sein Aufstieg ist eng mit François Mitterrand verknüpft, den ich bereits vor langem als dubiosen Politiker beschrieben habe. Aber er hat auch die Präsidenten Sarkozy, Hollande und Macron „gemacht“. Mit Macron ist seine eigene Links/Rechts-Agnostik letztlich auch in seinem Objekt angekommen.
Interessant, interessant: der einzige Präsident der letzten 40 Jahre, dessen Ohr er nicht hatte, war: Jacques Chirac. Ausgerechnet Chirac. C’est remarquable!

Nachtrag 13.04.2021
Sehr spannendes niederländisches Video (deutsch synchronisiert) mit weiteren Hintergründen

Orwells Leben und Sterben

Diesen Originaltext kann man auf Tw***er nicht mehr verlinken, weil er „möglicherweise schädlich“ ist:
Deshalb habe ich den Text von Martin Sieff über George Orwells Leben und Sterben hier übernommen und übersetzt:

Wie das britische Empire George Orwell geschaffen und getötet hat

Die British Broadcasting Corporation (BBC), bereitwillig verstärkt vom Public Broadcasting System (PBS) in den USA, das seine Weltnachrichten übernimmt, haut weiter seinen üblichen Dreck raus (Anm. des Übersetzers: das dt. Wort ‚dreck‘ auch im Original) über das angebliche wirtschaftliche Chaos in Russland und den ausgedachten elenden Zustand des russischen Volkes.

Es sind natürlich alles Lügen. Patrick Armstrongs verlässliche regelmäßige Updates einschließlich seiner Berichte auf dieser Website sind ein notwendiges Korrektiv zu so kruder Propaganda.

Aber inmitten ihrer zahllosen Fiaskos und Fehlschläge auf jedem anderen Gebiet (einschließlich der höchsten COVID-19-Todesrate in Europa gemessen an der Bevölkerung und einem der höchsten in der Welt) bleiben die Briten Weltmarktführer beim Management von globalen Fake News. Solange der Ton zurückhaltend und würdevoll bleibt, wird wirklich jede Verleumdung von den Gutgläubigen geschluckt und jeder schmutzige Skandal und jede Schandtat kann vertrauensvoll vertuscht werden.

Nichts davon hätte den späten großartigen George Orwell überrascht. Es ist heutzutage in Mode, ihn endlos vor sich her zu tragen als Zombie-Kritiker (tot, aber angeblich am Leben – so dass er es nicht selbst zurechtrücken kann) Russlands und all der anderen globalen Nachrichtenquellen außerhalb der Kontrolle der New Yorker und Londoner Plutokratien. Und es ist gewiss wahr, dass Orwell, dessen Hass und Angst vor dem Kommunismus sehr echt war, vor seinem Tod als Informant dem MI5 diente, dem britischen Inlandsgeheimdienst.

Aber es war nicht die Sowjetunion, Stalins Schauprozesse oder seine Erfahrungen mit der trotzkistischen POUM-Gruppe in Barcelona und Katalonien während des spanischen Bürgerkrieges, die „aus Orwell Orwell machten“, wie es das in Anglo-Amerika gängige Weisheitsnarrativ will.
Es war sein tiefsitzender Abscheu gegen das britische Empire, im 2. Weltkrieg ergänzt um seine Arbeit für die BBC, die er zuletzt angewidert aufgab.

Und es waren seine BBC-Erfahrungen, die Orwell die Vorlage lieferten für sein unvergessliches Ministerium für Wahrheit in seinem großen Klassiker „1984“.

George Orwell hatte in einem der großartigsten Weltzentren für Fake News gearbeitet. Und er wusste es.

Noch schwerwiegender: Das große Geheimnis von George Orwells Leben hat sich 70 Jahre lang, seit er starb, für alle sichtbar versteckt. Orwell wurde zum sadistischen Folterer in den Diensten des britischen Empires während seiner Jahre in Burma, dem heutigen Myanmar. Und als ein grundsätzlich anständiger Mann war er so angewidert von dem, was er getan hatte, dass er den Rest seines Lebens damit verbrachte, nicht nur Buße zu tun, sondern langsam und absichtlich Selbstmord zu begehen vor seinem tragisch vorzeitigen Tod noch in seinen Vierzigern.

Der erste wichtige Durchbruch in dieser fundamentalen Neubestimmung Orwells stammt aus einem der besten Bücher über ihn. „Finding George Orwell in Burma“ wurde geschrieben und 2005 veröffentlicht von „Emma Larkin“, das Pseudonym einer herausragenden amerikanischen Journalistin in Asien, hinter der ich seit langer Zeit eine alte Freundin und tief respektierte Kollegin vermute, deren andauernde Anonymität ich respektiere.

„Larkin“ machte sich die Mühe, während seiner unterdrückerischen Militärdiktatur weit in Burma herumzureisen, und ihre glänzende Forschung offenbart grundlegende Wahrheiten über Orwell. Nach seinen eigenen Schriftzeugnissen und seinem zutiefst autobiografischen Roman „Burmese Days“ (Dt.: „Tage in Burma“) verabscheute Orwell seine ganze Zeit als Kolonialpolizist in Burma, dem heutigen Myanmar.

Der Eindruck, den er in diesem Roman und dem klassischen Essay „Einen Elefanten erschießen“ systematisch erweckt, ist der eines bitter einsamen, entfremdeten und tief unglücklichen Mannes, verachtet und sogar verabscheut von seinen britischen Mit-Kolonialisten überall in der Gesellschaft, und eines lächerlichen Versagers in seinem Job.

George Orwell in der Polizeischule in Burma 1922

Das war jedoch nicht die Realität, die „Larkin“ entdeckte. Alle überlebenden Zeugen waren sich einig, dass Orwell – Eric Blair, der er damals noch war – in hohem Ansehen blieb während seiner Jahre im kolonialen Polizeidienst. Er war ein hoher und effizienter Polizist. In der Tat war es genau sein Wissen über Verbrechen, Laster, Mord und generell die Schattenseite der menschlichen Gesellschaft während seines Dienstes in der Kolonialpolizei noch in seinen Zwanzigern, die ihm die Intelligenz der Straße, Erfahrung und moralische Autorität gaben, durch all die zahllosen Lügen von rechts und links, von amerikanischen Kapitalisten und britischen Imperialisten als auch europäischen Totalitären für den Rest seines Lebens hindurchzublicken.

Die zweite Offenbarung, die Licht wirft auf das, was Orwell in jenen Jahren zu tun hatte, kommt von einer der berühmtesten und entsetzlichsten Szenen in „1984“. In der Tat, beinahe nichts sogar in den Erinnerungen von Überlebenden der Nazi-Todeslager hat etwas Vergleichbares: Das ist die Szene, wo „O’Brian“, der Geheimpolizist, den „Helden“ (wenn man ihn so nennen kann) Winston Smith foltert, indem er sein Gesicht an einen Käfig fesselt, in dem eine verhungernde Ratte bereit ist, herauszuspringen und ihn zu verschlingen, wenn er geöffnet wird.

Ich erinnere mich, dass ich mir, als ich erstmals der Kraft von „1984“ an meiner vorzüglichen nordirischen Schule ausgesetzt war, dachte: „Was für eine Sorte von Geist könnte etwas so Entsetzliches erfinden?“. Die Antwort war so offensichtlich, dass sie an mir wie an fast jedem anderen komplett vorüberging.

Orwell hat die Idee nicht „erfunden“ oder „sich ausgedacht“ als Vorrichtung in einer fiktionalen Geschichte: Es war nur eine Routine-Verhörtechnik, die von der britischen Kolonialpolizei in Burma, dem heutigen Myanmar, verwendet wurde. Orwell hat eine so teuflische Foltertechnik niemals „brillant“ erfunden als ein literarisches Konstrukt. Er brauchte es sich nicht auszudenken. Sie wurde routinemäßig von ihm und seinen Kollegen verwendet. Das war es, wie und warum das britische Empire so gut für so lange funktionierte. Sie wussten, was sie taten. Und was sie taten, war überhaupt nicht nett.

Ein letzter Schritt in meiner Erleuchtung über Orwell, dessen Schriften ich mein ganzes Leben verehrt habe – und ich tue es immer noch – wurde von unserer beunruhigend brillanten ältesten Tochter vor etwa einem Jahrzehnt geliefert, als auch sie „1984“ zu lesen bekam als Teil ihres Schul-Curriculums. Als ich es eines Tages mit ihr diskutierte, machte ich beiläufig eine offensichtliche Bemerkung, dass Orwell im Roman „Winston Smith“ war.

Mein in den USA groß gewordener Teenager korrigierte mich dann natürlich: „Nein, Papa, sagte sie, „Orwell ist nicht Winston, oder er ist nicht nur Winston. Er ist auch O’Brian. O’Brian mag tatsächlich Winston. Er will ihn nicht foltern. Er bewundert ihn sogar. Aber er tut es, weil es seine Pflicht ist.“

Sie hatte natürlich recht.

Aber wie konnte Orwell, der große Feind der Tyrannei, Lügen und Folter sich so gut mit dem Folterer identifizieren und ihn so gut verstehen? Deshalb, weil er selbst einer gewesen war.

„Emma Larkins“ großartiges Buch bringt ans Licht, dass Orwell als hoher Kolonialpolizist in den 1920er Jahren eine führende Figur eines skrupellosen Krieges war, den die Behörden des britischen Empires gegen kriminelle Drogen- und Menschenhandelskartelle führten, die kein bisschen weniger böse und rücksichtslos waren als die in der Ukraine, Kolumbien und Mexiko heute. Es war ein „Krieg gegen den Terror“, in dem alles und jedes erlaubt war, um „den Job zu erledigen“.

Der junge Eric Blair war so angewidert von der Erfahrung, dass er, als er heimkehrte, den respektablen Lebensstil der Mittelklasse aufgab, den er immer genossen hatte, und nicht nur ein idealistischer Sozialist wurde, was viele in jenen Tagen taten, sondern ein mittelloser hungernder Tramp. Er gab sogar seinen Namen auf und seine Identität. Er erlitt einen radikalen Zusammenbruch der Persönlichkeit: Er tötete Eric Blair. Er wurde George Orwell.

Orwells frühes berühmtes Buch „Down and Out in London and Paris“ ist ein Zeugnis, in welchem Ausmaß er sich buchstäblich folterte und demütigte in jenen ersten Jahren, als er von Burma zurückgekommen war. Und für den Rest seines Lebens.

Er aß erbärmlich schlecht, war dünn und von der Tuberkulose und anderen gesundheitlichen Problemen gezeichnet, rauchte stark und verweigerte sich jede anständige medizinische Hilfe. Seine Erscheinung war beinahe gräßlich. Sein Freund, der Schriftsteller Malcolm Muggeridge spekulierte, dass sich Orwell als Karikatur eines Tramps neu erfinden wollte.

Die Wahrheit war ganz klar, dass Orwell sich niemals vergab, was er als junger Agent des Empires in Burma tat. Sogar seine buchstäblich selbstmörderische Entscheidung, in die primitivste, kälteste, nasseste und verarmteste Ecke der Schöpfung auf einer entlegenen Insel vor der Küste Schottlands zu gehen, um „1984“ in Isolation fertigzuschreiben, bevor er starb, war konsistent mit den gnadenlosen Bestrafungen, die er sich selbst sein ganzes Leben angetan hatte, seit er Burma verlassen hatte.

Die Folgerung ist klar: Bei all der Intensität von George Orwells Erfahrungen in Spanien entsprangen seine Leidenschaft für Wahrheit und Integrität und sein Hass gegen Machtmissbrauch nicht den Erfahrungen des spanischen Bürgerkriegs. Sie flossen direkt aus seinen eigenen Handlungen als Agent des britischen Empires in Burma in den 1920er Jahren: Genauso wie seine Erschaffung des Ministeriums für Wahrheit direkt aus seinen Erfahrungen bei der Arbeit im Bauch der Bestie BBC in den frühen 1940er Jahren entsprang.

George Orwell verbrachte mehr als 20 Jahre damit, langsam Selbstmord zu begehen wegen der furchtbaren Verbrechen, die er als Folterer für das britische Empire in Burma beging. Wir können deshalb keinen Zweifel haben, wie sein Horror und Abscheu wäre gegen das, was die CIA unter Präsident George W. Bush tat in ihrem „Globalen Krieg gegen den Terror“. Auch würde George Orwell sofort und ohne Zögern die echten Fake News beim Namen nennen, die heute aus New York, Atlanta, Washington und London kommen, genauso wie er es in den 1930er und 1940er Jahren tat.

Lasst uns uns deshalb auf den echten George Orwell zurückbesinnen und ihn unterstützen: das Anliegen des Kampfes zur Verhinderung eines 3. Weltkrieges hängt davon ab.

——–

Autor Martin Sieff ist ein oppositioneller amerikanischer Publizist über außenpolitische Themen:

Bücher von Martin Sieff

Meine Anmerkungen:

– Die erwähnten Bücher von George Orwell habe ich alle schon in meiner Jugend mit großem Gewinn gelesen, besonders auch das weniger bekannte „Erledigt in London und Paris“. Etwa die Episode über die Behandlung eines „guten“ Steaks in einem vornehmen Restaurant kann ich nur empfehlen: das gehört sicher auch zu dem, was Sieff bewundernd die „Intelligenz der Straße“ bei George Orwell nennt.

– Die Neubewertung von Orwells Erfahrungen in Burma durch „Emma Larkin“ ist hochinteressant und wirkt auf den ersten Blick schlüssig.
Ihre beiden oben abgebildeten Bücher sind bestellt, ebenso das (hochaktuelle) Buch „Shifting Superpowers“ von Martin Sieff.

– Mehr von beidem (vielleicht) später hier in Nachträgen oder in einem eigenen Blogbeitrag

– Das Foto von Orwell von Anfang der 1920er Jahre hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit einem anderen Zeitgenossen, der damals seine Karriere gestartet hat:

Und hier in der Bildmitte auf dem Bild mit britischen Kolonialisten in Burma ist auch nicht Wilhelm II abgebildet:

Nachtrag 8.2.2021
Das Buch ‚Finding George Orwell in Burma‘ habe ich jetzt zuende gelesen. Es ist ganz interessant, wirft aber mein Orwell-Bild nicht komplett über den Haufen. Dass Orwell als Polizist Kinder mit dem Stock geschlagen hat, die ihn verspotteten, wusste ich allerdings nicht. Dafür zitiert Emma Larkin einen Zeitzeugen, der sich über Orwells späteren Lebensweg deshalb gewundert hatte.
Die Passagen über die Zustände im Myanmar im Jahr 2003 waren mir in diesem Ausmaß nicht bewusst und haben gerade aktuell nach dem erneuten Militärputsch neue Aktualität gewonnen. Natürlich gehen die Meinungen über die Hintergründe auseinander.
Jetzt begonnen, nochmals ‚Burmese Days‘ von George Orwell selbst zu lesen.

Nachtrag 13.07.2021
Sehr interessanter Artikel mit direktem Orwell-Bezug:
Die Globalismus-Erfinder (engl. Original)
„In vielerlei Hinsicht ist die Welt, in der wir heute leben, die Welt, die Orwell voraussah“
In gewisser Weise ist das auch eine „Verschwörungstheorie“ von Amerikanern, die sich immer noch (oder wieder) in den Klauen des Empires wähnen.
Randbemerkung: Bill Clinton war Rhodes-Stipendiat.

Nachtrag 22.07.2021
‚Burmese Days‘ von George Orwell in den letzten Wochen zuende gelesen. Es ist ein sehr düsteres Buch. Das Schicksal des John Flory ist eine trostlose Geschichte.
Die Inhaltsangabe in der deutschen Wikipedia ist sehr akkurat.
Für eine Einordnung und Bewertung sollte man sich aber an die englische Wikipedia halten:
„Der Roman beschreibt einheimische Korruption und imperiale Bigotterie“
So kann man es zusammenfassen.

Ground Zero sicherer Information

Bei umstrittenen Ereignissen kann man sich auf nichts verlassen: es wird etwas behauptet und dann natürlich auch das Gegenteil. Wie kommt man trotzdem an Puzzlestücke von Information, auf die man sich verlassen kann? Etwa über den 11. September 2001 und seine vielen Rätsel und Widersprüche?

Ein Rätsel

Unklar war für mich zum Beispiel, wie es sein kann, dass so viel von dem Material aus den Türmen, vor allem Stahl aus den Fassaden und Aufzugsschächten, aber auch Beton aus den Etagenböden, Möbel und nicht zuletzt Menschen spurlos verschwunden sind. Wie das?
Egal, ob die Türme durch den Brand hineingeflogener Flugzeuge eingestürzt sind oder gesprengt wurden: es hätte mehr Schutt übrigbleiben müssen. Bei Sprengung und Einsturz wird zwar ein wenig Material pulverisiert, aber viel mehr bleibt in massiven Trümmern von faustgroß bis richtig groß übrig, so dass sich ein Schuttkegel bildet, der nicht wirklich verschwindend ist im Vergleich zum ursprünglichen Gebäude.
In New York blieb aber von WTC-1 und -2 vor allem sehr viel feinster Staub übrig, vor allem Stahlstaub, aber auch alles andere wurde in dem Staub nachgewiesen. Schon auf Fotos des Einsturzes scheinen die Türme mit feinem Staub zu ‚rauchen‘ und zu ’sprühen‘ wie ein Vulkan:

Der Staub legte sich in den Straßen im weiten Umkreis überall hin, auch auf die Orangen an den Obstständen (siehe Foto ganz oben).

Stahlstaub. Warum könnte Stahl zu Staub zerfallen? Bei jedem anderen Einsturz, bei jeder kontrollierten Sprengung bleibt etwa der Stahl aus den Armierungen überwiegend in Form verbogener und zerrissener Stahlstäbe übrig. Der Schwund ist gering. Warum in New York so viel? Die riesigen, mehrere 10 Zentimeter dicken flächigen Stahlträger der Fassade: ein Großteil als Staub verschwunden

Blick aus dem Inneren eines WTC-Turms in der Bauphase: Da steht ein Arbeiter auf einem Querträger. Die Fassade besteht aus Unmengen massiver Stahlträger, größter Massenanteil an der gesamten Bausubstanz.

Alte gedruckte Information

Ich habe vor einiger Zeit einen Tipp für die Lösung gefunden, der sich aus zuverlässiger Quelle von jedem verifizieren lässt, der ein einigermaßen umfassendes altes Englischwörterbuch von vor 2001 in seinem Regal stehen hat, kein Schulwörterbuch.
Meines habe ich 1989 in Oxford gekauft und später in durchsichtige Folie eingewickelt. Seither wurde es bei jedem Umzug unverändert wieder ins Bücherregal gestellt:

Und da steht der Tipp wirklich so drin, wie vom Tippgeber behauptet:

In richtig großen alten Wörterbüchern, nicht der Kompaktvariante, steht noch etwas ausführlicher:
„below or above the centre of a nuclear explosion“
Das war also die Bedeutung von ‚ground zero‘ bis zum 11.09.2001. Die einzige.
Das können viele so oder so ähnlich im eigenen Lexikon noch nachschlagen, wenn es nur alt genug ist. Es ist dafür unnötig, irgendjemandem etwas zu glauben.

Neu oder digital ist nicht Dasselbe

Zum Beispiel bei Leo:

Es ist eine Fassung mit Großbuchstaben dazugekommen, die sich speziell auf den Ort des 11. September bezieht. Die allgemeine Übersetzung bringt weiterhin den Explosionsfußpunkt, aber hier ohne jede Spezialisierung auf ’nukleare‘ Explosion.

Wenn so ein digitaler Eintrag irgendwann geändert wird, bekomme ich weder mit noch kann ich in der Regel hinterher nachvollziehen, was da vorher stand und wann es geändert wurde. Das ist ein großer Unterschied zum gedruckten Collins Concise Stand 1988. Da kann ich mich darauf verlassen, dass er heute noch den Wissensstand enthält, den ich 1989 gekauft habe, ca. 12 Jahre vor dem 11.09.2001. Aktueller ist nicht für alle Zwecke besser.

Schlussfrage und Schlüsselfrage

Welche Bedeutung hat demjenigen auf der Zunge gelegen, der irgendwann kurz nach dem Einsturz am 11. September 2001 als erster den Namen ‚ground zero‘ für den Ort in New York ausgesprochen hat, an dem die Zwillingstürme eingestürzt sind?

Wahre Worte zum Farewell

Die wahren Worte kamen von Richard Grenell, dem scheidenden US-Botschafter in Deutschland. Er sagte:

Sie machen einen großen Fehler, wenn Sie denken, der amerikanische Druck sei vorbei. Sie kennen die Amerikaner nicht

Er sagte das als Antwort auf die Interpretation von Noah Barkin:
„Deutschland atmet kollektiv auf“ – wegen Grenells Abschied, der während seiner zweijährigen Amstzeit dafür bekannt war, sehr undiplomatisch Druck auf das ‚Partnerland‘ Deutschland auszuüben.

Barkin hat für sein Aufatmen ca. 1600 Likes erhalten, Grenell für die Antwort aber im etwa selben Zeitraum 28000.
Am nächsten Tag legte Grenell nochmals mit Details zu seinen konkreten Forderungen nach:

Sie wollten immer, dass ich aufhöre, öffentlich zu fordern, dass Sie Ihre Verpflichtungen gegenüber der NATO bezahlen und Nordstream 2 beenden. Aber das ist US-Politik. Und ich arbeite für das amerikanische Volk

Grenells patzige Antwort an Andreas Nick, CDU-Politiker

Dafür bekam er 47200 Likes, steht damit also keineswegs isoliert.

Abgleich mit der „Theorie“

Ich finde die Nennung von Details gut, weil ich sie mit alten Beiträgen abgleichen kann, in denen ich über Dasselbe spekuliert hatte. Diese Forderungen tauchen nämlich so ähnlich immer wieder aus verschiedenen Mündern auf, nicht nur von einem etwas rüpeligen Botschafter.
So war mir vor mehr als einem Jahr aufgefallen, dass der SPIEGEL kaum verklausuliert einer Beraterin von Joe Biden ähnliche Forderungen in den Mund legte und Merkel einen Tritt in den Hintern formulierte:

Einige Wochen später hat die Kanzlerin ganz schlimm gezittert.
Gegen Jahresende hat sich mir der Eindruck aufgedrängt, dass das womöglich und sehr wahrscheinlich auch mit dem (von Grenell betriebenen und jetzt als dauerhaft angekündigten) Druck gegen Nordstream 2, der Pipeline zur Hölle, zu tun hat.

Zensuren für Grenell

Auf Twitter hat Grenell für seine Arbeit auch Zensuren bekommen. Natürlich lobte ihn Donald Trump junior:
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Lob gab es auch von Nile Gardiner , einem britischen Außenpolitik-Pundit:

Er sagte sinngemäß, dass Grenells harte Worte in Deutschland dringend nötig seien.

Und ein interessantes Zeugnis kam auch von Peter R. Neumann, dem auf diesem Blog bekannten Terror- und Coronaexperten. Leider hat Neumann um den 28. Mai herum große Teile seiner Twitterhistorie gelöscht, so dass ich sie zunächst nicht mehr gefunden habe. Aber Google kennt sogar zwei Tweets von ihm zu Grenells Abschiedsworten:

Und im Google-Cache ließ sich auch der Originaltext noch finden:
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Und später am Tag entstand noch eine (gegenüber Grenell) höflichere Variante des Tweets:
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Zusätzlicher Adressat war jetzt der neokonservative Publizist und Politiker David Frum.
Die Quintessenz seines Zeugnisses lautet: Grenell hat Recht, aber er verprellt die Verbündeten und ist deshalb ineffektiv.
Bei diesem Zeugnis überrascht es nicht, dass sich Neumann als Anhänger von Joe Biden sieht:
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Passt: gleiche Außenpolitik wie Trump, aber mit anderem Image.
Und ganz nebenbei haben wir gelernt, dass Peter R. Neumann im Kern Außenpolitik macht. Da liegt es auch nahe, dass Terrorismus und Corona im Kern keine Science sind, sondern Felder oder Werkzeuge der Außenpolitik und Neumann dort als sogenannter ‚Spindoktor‘ wirkt.

Ausblick

Neuer Botschafter, also Nachfolger von Grenell, wurde Jeremy Issacharoff

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Das klingt jetzt noch nicht so, als würde er sich von Grenell distanzieren und eine völlig andere Politik machen.

Ausnahmezustand

Innerhalb kürzester Zeit ist Europa, ist Deutschland durch das Coronavirus in den politischen und wirtschaftlichen Ausnahmezustand katapultiert worden. Zum Thema Ausnahmezustand präsentiert dieser Vortrag viele Hintergründe und Beispiele:

Souverän ist,
wer über den Ausnahmezustand entscheidet

Nachtrag 13.10.2021: Der Kanal von ‚Gruppe 42‘ auf Youtube existiert nicht mehr. Das Video ist aber nicht verloren:

Allerdings ohne Ton…

Manchmal auch die Finanzbranche

Ab 1:57:24 wird auch die Finanzkrise 2008 als Ausnahmezustand und die Finanzbranche als Souverän behandelt, der über diesen Ausnahmezustand entscheidet.
Die Finanzkrise von 2008 leitete über in die „Eurokrise“ wenige Jahre später und ist bis heute ungelöst: „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ betonten auch verschiedene Autoren immer wieder.
Zum Jahreswechsel bemühten sich viele Medien, diese sogenannten „Crash-Propheten“ lächerlich zu machen und als unseriös darzustellen: SPIEGEL, Süddeutsche Zeitung, FAZ, Augsburger Allgemeine.
In der ARD wurde ein prominentes Buch mit großer Geste in den Müll geworfen:
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Zwei prominente Crash-Autoren waren in dieser hochkarätigen Runde dabei:

Nachtrag 28.10.2020: Das Video wurde gemeinsam mit dem Kanal von Youtube gelöscht. Eine andere Kopie gibt es hier:

Markus Krall: „Ab Sommer 2020 Endspiel für die Banken“

Die Corona-Krise hat im Vergleich zu diesen bösartigen und (natürlich) unbegründeten Prognosen zwei entscheidende Vorteile:

– Sie kommt überraschend aus dem Nichts
– Schuld ist statt Finanzbranche+Politik ein bisher unbekanntes Virus

Und auch so bissige Kritik an früheren Reparaturversuchen, die damals von den Verantwortlichen im Parlament demonstrativ ignoriert wurde, verblasst angesichts einer akuten Viruskrise. Es wäre ja auch schlimm, wenn die Politik zugeben müsste, dass ein Crash so lange vorhersehbar war:

Kurz ist jetzt der Retter

will uns die BILD-Zeitung einreden:

Ich glaube nicht daran, weil ich nicht davon überzeugt bin, dass es gegen das Virus sinnvoll ist, noch die letzte Alpenvereinshütte zu schließen. Solche Extremmaßnahmen sind aber sicherlich gut dazu geeignet, die gesamte Wirtschaft in einen Ausnahmezustand zu treiben, in dem vieles möglich wird und an dessen Ende womöglich die Währungsreform steht.

Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass der neue Ausnahmezustand und die Finanzbranche enger verbandelt sind, als es oberflächlich den Anschein hat.

Nachtrag 19.03.2020
Das passt so großartig rein:
Die Welt as we know it löst sich gerade auf…
Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde. Obwohl es einen »schwarzen April« gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleitegingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt…“
Das Virus ist wie dafür geschaffen, um uns „das Gefühl der geglückten Angstüberwindung“ überraschend und schnell zu verschaffen. Die vorhersehbare Wirtschaftskrise war dagegen wie: „Wenn wir für eine Behandlung zum Zahnarzt gehen, sind wir schon lange vorher besorgt„.
Glasklar (und natürlich im Rückblick) beschrieben von:
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Nachtrag 21.03.2020
Sehr lesenswert dazu:
„Die ‚Schwarzen Schwäne‘ dienen nur im Nachhinein der falschen Etikettierung der jeweiligen Krise als ‚Lehman-Krise‘ und als ‚Corona-Krise'“
Die neue Weltwirtschaftskrise, das Corona-Virus und ein kaputt gesparter Gesundheitssektor. Oder: Die Solidarität in den Zeiten von Corona. Von Winfried Wolf
Besonders aufschlussreich ist die Tatsache, dass mit der staatlich angeordneten Schließung aller Fachläden wirksam der Einzelhandel von Onlinehandel und Logistikbranche liquidiert wird.

Nachtrag 16.06.2020
Gute Rede am 14.06.2020 in Ulm von Prof. Christian Kreiß, Fachhochschule Aalen, genau zum Thema Corona+Wirtschaft:

„Es geht nicht um einen Diktator“

schrieb Prof. Hans-Christof Kraus in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schon 2012, als der Syrienkrieg gerade ein Jahr im Gange war.

Heute hat Angela Merkel diesen Versuch, Assad von außen zu stürzen, für einen Fehler und für gescheitert erklärt:

Was hat das zu bedeuten?

Bietet Sie sich als Vermittlerin zwischen den Konfliktparteien an?
Mit den grün unterstrichenen Passagen schont sie jedenfalls erkennbar beide Parteien, die sich in Idlib gegenüberstehen, die türkische Regierung einerseits und die syrisch-russische Allianz andererseits, die sie sehr sachlich und fast neutral als Tatsache beschreibt. Die Türken mögen heute auch Leidtragende des Konflikts sein, aber aus russisch-syrischer Sicht hat die Türkei auch eine wesentliche Rolle dabei gespielt, islamistische Kämpfer in Syrien zu infiltrieren und zu unterstützen. Das deutet sie mit dem letzten, rot unterstrichenen Satz an: wer islamistische Kämpfer entwaffnen könnte, hat wohl auch (viel) Einfluss auf sie. Damit ist sie nahe an der russischen Sicht. Aber sie gibt zu bedenken, dass der Einfluss der Türkei vielleicht überschätzt wird.
Ganz oben im Text finden sich aber noch zwei Hämmer: dem Westen gibt sie auch eine Mitschuld. Er habe wohl damals (irgendwann um 2011 oder davor) den Plan gefasst, die syrische Regierung zu stürzen und sei damit gescheitert. Damals war sie auch schon deutsche Kanzlerin und hat sich durchaus zum Westen gerechnet. War sie dagegen oder distanziert sie sich nachträglich?

Es ging immer um Geopolitik

Jetzt aber die Rückblende auf die Sicht des Geschichtsprofessors Kraus, die heute noch genauso interessant ist wie 2012:

Die wichtigsten Passagen passen hervorragend zu Angela Merkels Kritik:

Es geht nicht vorrangig darum, der syrischen Bevölkerung zu helfen

Im Gegenteil: Sie haben auch nach 1945 immer wieder gerade dort interveniert, wo es ihnen erforderlich schien, die eigene Machtstellung konsequent zu stärken. Nicht zuletzt der Ölreichtum und die auch strategisch entscheidend wichtige Lage der Region zwischen dem östlichen Mittelmeer und dem Arabischen Meer haben gerade dieses Gebiet zu einem Hauptaktionsfeld amerikanischer Außenpolitik werden lassen, bis hin zum letzten Irak-Krieg

Hier war Hans-Christof Kraus sehr nahe an Daniele Gansers Sicht der Politik im Nahen Osten. Und er beschrieb auch die russischen und chinesischen Interessen an Syrien ganz sachlich:

Das Blatt hat sich gewendet

Russen und Chinesen nehmen die gegenteilige Perspektive ein. Die russische Militärbasis am Mittelmeer, im syrischen Hafen Tartus gelegen, steht ebenfalls auf dem Spiel – wie die allgemeine machtpolitische Stellung Moskaus und Pekings im nahöstlich-vorderasiatischen Raum. Der Blick auf einen möglichen militärischen Konflikt zwischen Israel und Iran macht es für die beiden größten Mächte Asiens unabdingbar, hier präsent zu sein.

Es lohnt sich, den ganzen FAZ-Artikel zu lesen. Warum sollte Angela Merkel aus Sicht dieser Beschreibung nicht vermitteln wollen?
Es steht viel auf dem Spiel – für alle Beteiligten. Und die Risiken sind groß.

Nachtrag 09.3.2020
Peter Frey kommentiert:
„Jetzt aber signalisiert ihnen (den Türken) der Wertewesten, dass vor allem sie die Konsequenzen der mit ihm betriebenen, verheerenden Politik schultern sollen“
Das zeigt die Strategie und erklärt auch sehr gut die Wut Erdogans und der türkischen Bevölkerung, die auch in diesem Tagesschau-Bericht zum Vorschein kommt:
„Immer wieder hört man von den Türken, sie fühlen sich inzwischen fremd im eigenen Land. Der innenpolitische Druck auf Erdogan hat in den letzten Monaten zugenommen, etwas gegen die vielen Flüchtlinge zu machen“. Die Flüchtlinge sind natürlich eine Folge einer Syrienpolitik, die die Türkei und westliche Länder gemeinsam verantworten.

Ganz allein die Adelheid

Am 25. April 1990 wurde Oskar Lafontaine bei einem öffentlichen Auftritt in Köln-Mülheim von einer psychisch kranken Täterin mit einem in einem Blumenstrauß versteckten Schlachtermesser lebensgefährlich verletzt. Er hat gottseidank überlebt und ist uns als politischer Quer- und Freidenker ohne falsche Berührungsängste erhalten geblieben, aber der Wahlkampf des charismatischen und bis 1989 sehr populären linksrealistischen Lafontaine um das Kanzleramt in Bonn war am 25.4.1990 definitiv verloren:

SPIEGEL-Artikel aus der Woche nach der Tat

Aktuell ist das Attentat deshalb interessant, weil die konsequente Frau Adelheid Streidel offensichtlich psychisch krank war. Die Umstände sind verblüffend ähnlich dem mutmaßlichen Massenmörder von Hanau. Auch die Adelheid hatte solche Visionen:

Auch der Hanauer Mörder war den Behörden seit einer Weile so bekannt, bekam aber nicht einmal seine Schusswaffe abgenommen. Mangels Kompetenz, aus vorhandenen, sogar aufgedrängten Informationen etwas zu machen, verlangen die Unsicherheitsbehörden jetzt wieder mehr Kompetenzen, insgeheim Informationen zu sammeln 🤔 Verschwörungstheoretiker, wer Schlimmes dabei denkt!
Adelheid ist in der Psychiatrie verschwunden und erst 2014 wieder herausgekommen. Offensichtlicher als bei Tobias R. war bei der Attentäterin Adelheid Streidel, dass sie auch geistig ganz alleine war. Kein schlimmes Medium hatte sie aufgehetzt, keine Partei hatte ihr irgendwelche Stichworte geliefert, also Worte, die das Zustechen verursacht hätten. Jedenfalls hörte man nie etwas davon als braver Bürger und Zeitungsleser im Deutschland von 1990. Alles ging total mit rechten, aber eben verrückten Dingen zu.

Und unser kluger Saarländer, ein Physiker, der sich nicht jeden Bären aufbinden lässt, sondern immer wieder durch entschiedene Ansichten auffällt, hat schon 8 Jahre nach dem überlebten Attentat wieder gezeigt, wie wichtig er zu nehmen war. Als Parteichef der SPD und „Superminister“ für Wirtschaft und Finanzen wurde er von der britischen Sun sogar zum gefährlichsten Mann Europas erklärt:

Wie schon gesagt, niemand hat 1990 in Deutschland öffentlich spekuliert, ob jemand für ein Attentat gegen einen Mann politisch verantwortlich sein könnte, der sich dann später wieder als so wichtig und eben gefährlich erwiesen hat. Auch wir wollen das nicht tun, auch wenn nicht alle anderen jede rechtzeitige, aber außergesetzliche Beseitigung von „gefährlichen Männern“ immer ablehnen.
Es hat damals auch niemand gefragt, ob Adelheid Streidel ein ‚targeted individual‘ gewesen sein könnte und was das überhaupt ist. Wer googelt, findet sofort eine nordamerikanische Seite, die sich auch mit Adelheid als einer solchen ‚verfolgten Person‘ beschäftigt. Und für genau eine solche Person soll sich auch Tobias R. selbst gehalten haben. Deshalb hat er eine Anzeige an die Bundesanwaltschaft geschrieben: Verfolgungswahn! Aber die Schusswaffe durfte er behalten.
Beim ihm, also Tobias R. ist auch sonst alles ganz anders, denn er hat viele Mittäter: Medien, die ihn fütterten, Politiker, die ihn ermutigten, ein bunter Haufen bestehend aus Roland Tichy, Henryk Broder und anderen. Christian Schiffer ist sich im Bayerischen Rundfunk sogar sicher, dass nicht nur Jochen Kopp, sondern auch Daniele Ganser zu demselben allmächtigen, aber widersprüchlichen (alles Tarnung!) Netzwerk gehören, von dem „rechter Terror heute also geplant und zugleich nicht geplant“ wird. Der Wahn hat so seit 1990 eindeutig große Fortschritte gemacht.

Nachtrag 23.02.2020
Als Reaktion auf meinen Artikel hat mir jemand einen ZDF-Beitrag zugeschickt, der genau in die von Christian Schiffer skizzierten Verschwörungstheorien von Adelheid Streidel und Tobias Rathjen hineinpasst:

Gehört das ZDF zum verschwörungstheoretischen Netzwerk von Jochen Kopp? Also ich glaube höchstens die Hälfte davon, denn es ist unglaublich, was der Beitrag da berichtet hat.

Die Afghanistan-Pipeline

Hochinteressante Hintergründe des Einmarsches in Afghanistan im Rahmen der Energie-Geopolitik.

Paul Schreyer

Kunduz-a

30. September 2019   —   Am vergangenen Wochenende fanden in Afghanistan Präsidentschaftswahlen statt, an denen allerdings bloß 20 Prozent der registrierten Wähler teilnahmen. Die politische Lage ist weiterhin so instabil wie seit Jahrzehnten. Abseits der Wahlen bleiben die Taliban ein bestimmender Faktor im Land, jüngst brach Donald Trump direkte Verhandlungen mit ihnen ab. Den folgenden Text, der die Vorgeschichte des Angriffs der USA und der Nato auf Afghanistan schildert, schrieb ich vor 15 Jahren, im Herbst 2004. Es war meine überhaupt erste journalistische Arbeit, entstanden und veröffentlicht damals im Rahmen eines Buchprojektes – eines Romans über 9/11, der auch einen 80-seitigen Faktenanhang enthielt. Das Buch ist lange vergriffen, der vorliegende Text aber, so scheint mir, weiterhin aktuell. Die Pipeline, um die es darin geht, wird derzeit gebaut.

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