Falscher Held im Mummenschanz

Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat“ Friedrich Dürrenmatt

Jetzt ist der Herr Maaßen also gefeuert und befördert. Sauber.

Kein Held und Freiheitskämpfer

Da stellt sich die Frage, wie er zum Helden eines Teils der Anti-Merkel-Fraktion werden konnte. Durch diese Aussage soll es geschehen sein:

„Es liegen keine Belege dafür vor, dass das im Internet kursierende Video zu diesem angeblichen Vorfall authentisch ist. Nach meiner vorsichtigen Bewertung sprechen gute Gründe dafür, dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken“

Da war nichts dahinter. Die Authentizität des Videos hat er zu keinem Zeitpunkt erschüttern können, was auch gar nicht nötig war bei der geringen Aussagekraft eines Videos über einen unklaren Einzelfall. Der zweite Teil der Aussage ist nichts weiter als eine parteiische Behauptung. Kann man so sehen, aber „gute Gründe“, die mehr wären als auch meine Meinung, hat er ebenfalls nie geliefert. Was wurde da spekuliert über Wunderwaffen, die er bald noch aus dem Ärmel ziehen würde, um alles zu beweisen! Dabei konnte es diese der Natur der Sache nach gar nicht geben — außer das Video wäre in einer Werkstatt des VS auf Geheiß seines Chefs angefertigt worden.
Dann, ja dann, hätte er die Vogel-Strauß-Presse aber sauber vorführen können! „Wir haben es zusammengeschustert, und Ihr Pressetölpel habt den Köder dumm und gierig gefressen, um Eure Inländerfeindlichkeit mal wieder widerlich ausleben zu können„. Das alles kam aber (natürlich) nicht. Was sonst hätte kommen sollen?

Was hat Maaßen also in der Sache geleistet? Gar nichts. Moment, er hat den sächsischen Behörden und ihrem Ministerpräsidenten Kretschmer die Beachtung dafür gestohlen, dass sie sich zuvor mit dieser Aussage vor die sächsische Öffentlichkeit gestellt haben:KretschmerAussage
Die autoritätssuchenden Merkel-Verzweifelten hofften wohl, dass der Behördenchef Maaßen dem gewählten politisch Verantwortlichen einen höheren Segen erteilen würde. Aber da kam nichts, konnte nicht, außer dass eben ein Behördenchef plötzlich in der ersten Reihe stand und den Politikern die Autorität absprach, das Geschehen politisch zu werten. Darüber kann man sich schon aufregen als gewählter Politiker: Merkel darf das und Kretschmer hätte das natürlich auch dürfen. Auch wer Merkel und ihre Politik gar nicht mag, darf das erkennen, dass der Behördenchef Maaßen seine Kompetenzen überschritten hat, indem er keine Fakten lieferte, aber die politische Kommunikation und Wertung an sich zog. Die politische Debatte zwischen dem absolut vertretbar und entschlossen zugunsten seiner Bürgerschaft argumentierenden MP Kretschmer und dessen politischen Gegnern hat von Maaßen nicht profitiert, auch Kretschmers Position hat nicht profitiert. Es war ein Bärendienst, für den der Bär von großen Teilen der rechten Presse frenetisch als Freiheitsheld gefeiert wurde. Das ist peinlich. Das spricht gegen diese Presse.

Die Amri-Weste des Geheimdienstchefs

Taugt ein Geheimdienstchef zum Freiheitshelden? Ich denke, eher selten. Und die Weste des Geheimdienstchefs ist so stark mit dem Fall Amri verbunden, dass ich sie unmöglich weiß nennen würde. Mit starken Zweifeln am Fall Amri bin ich keineswegs allein:
SchützendeHandÜberAmri
Und der Geheimdienstchef soll sich dafür stark gemacht haben, dass Medien nicht über die V-Leute in Amris Nähe berichten:

Korrekturbitten

Jetzt darf man natürlich zweifeln an dem, was der Tagesspiegel berichtet, und auch über den Zeitpunkt der Veröffentlichung, 1.5 Stunden nach dem Artikel über die Kretschmer-Rede (!), kann man ins Grübeln kommen. Aber für die V-Leute im Umfeld von Amri sollte man sich interessieren, auch und gerade wenn der islamistische Terrorist wunderbar zur eigenen Angst vor dem islamistischen Terror passt. Die Berichte gibt es nämlich schon lange:
VMannAmriMerkur

Das Attentat vom Breitscheid-Platz und die Vorgeschichte Amri sind, gelinde gesagt, insgesamt sehr dubios, geheimdienst-verdächtig. Die Frage lautet: Welcher Geheimdienst? Und: Was weiß der VS darüber?

Die allererste Merkwürdigkeit entstand nämlich sofort am Abend des Attentats:
LutzBachmannWeißZuviel
Zum Zeitpunkt, als Bachmann von einem Tunesier twitterte, hatte die Berliner Polizei noch einen Pakistani als Verdächtigen in Gewahrsam. Der Tunesier Amri kam erst am nächsten Mittag ins Spiel, als die Berliner Polizei die Ermittlungen an den Generalbundesanwalt übergeben hatte.
Wie wäre es, wenn Lutz Bachmann seine Insider-Informationen nicht von der Polizei, sondern von einem Geheimdienst erhalten hätte, und wenn der Schutz Amris vor polizeilichen Ermittlungen vor dem Attentat damit in Zusammenhang stünde?

Die Linke wittert eine Kumpanei zwischen Maaßen und dem Rechtsextremismus. Man mag das für eine fixe Idee halten, aber es wäre in vielen Ausprägungen denkbar. Es sollte jeden interessieren, ob es irgendeine Form der Zusammenarbeit gibt. Der Verdacht, dass Bachmann von Geheimdiensten gefüttert und zum Verbreiten vorbereiteter Informationen genutzt wird, sollte gerade auch Rechte interessieren.

Dass ein Geheimdienstchef mit einem solchen Verdacht an der Backe zum Staatssekretär im Innenministerium aufsteigt, sollte jeden interessieren. Die Frage, ob und was er zu seinem Wissen und seiner Rolle am 26. September noch im Bundestag sagen wird, sollte jeden interessieren. Es ist eher unwahrscheinlich, dass aus diesem Material reinweisse Freiheitshelden gemacht werden.

Update 1.8.2019
Es findet jetzt eine mediale Offensive für Maaßen statt, u.a. im Tagesspiegel:
MaaßenTagesspiegel
Notabene: Maaßen ist ein ‚Radikalkritiker‘, kein Rechter. Dieses Prädikat vergibt der Tagesspiegel viel lieber an Michael Kretschmer, dem ausgerechnet Maaßen zu Chemnitz in die Parade gefahren war:

KretschmerTagesspiegel2
KretschmerTagesspiegelDie Foto-Auswahl spricht ja auch Bände: Maaßen intellektuell, Kretschmer ein Tölpel zwischen Überforderung und rechtsaußen. Wirklich?
Der Autor der Maaßen-Hymne ist Frank Jansen, ein alter Bekannter  und Nebelkerzen-Werfer aus der NSU-Vertuschung, also ein sehr geheimdienstnaher Journalist. Passt doch gut zu Maaßen, dem ehemaligen Chef des sogenannten ‚Verfassungsschutzes‘!
Und dieser Frank Jansen darf natürlich auch solche Titelzeilen in den Artikel einbauen:

„Das erste Ziel der Werteunion: Merkel muss weg“

Sonst ist das doch ein sicheres Kennzeichen für AfD und andere Rechtsradikale? Tja, wenn zwei das Gleiche sagen, dann ist es nicht Dasselbe!

Und auch in der Rheinischen Post gibt es ein freundliches Interview mit Maaßen:
MaaßenRheinischePost
Ganz billige Masche: eine nichtssagende Phrase und ein ansprechendes Foto. Die rote Krawatte: Ton in Ton mit dem hohlen Anspruch ‚links‘ zu sein. Feinste PR-Arbeit: Maaßen wird für höhere Aufgaben vorbereitet.

Hoppla, der gestrige Maaßen-Artikel im Tagesspiegel scheint heute nachgebessert worden zu sein. Er war wohl doch zu schmeichelhaft:
MaaßenTagesspiegel2

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Ein bemerkenswerter Sieg

Wenig ist im Medien-Mainstream zu lesen über den Erfolg von Gerhard Wisnewski bei der Abwehr einer Klage von Richard Gutjahr. Dabei hatte der BR-Journalist Richard Gutjahr noch Anfang des Jahres ein großes Medien-Echo ausgelöst mit der Ankündigung, sich Personen „weise“ auszusuchen und gegen sie vorzugehen, die ihm ein Vorwissen zu den Attentaten von 2016 in Nizza und München unterstellen. Dabei haben er und sein Anwalt sich offensichtlich gewaltig verschätzt. Hier das  Thriumphgeheul der „Verschwörungstheoretiker“ und hier ein seriöser Jammertext zum überraschenden Prozessausgang.

In meinem Beitrag geht es wenig um den Fall Gutjahr und mehr um Gerhard Wisnewski, seine Stärken und Verdienste und die Schwächen und Grenzen seiner Arbeit. Und natürlich geht es auf dieser Grundlage auch um eine Einschätzung des Urteils:

Gut oder weniger gut für die Freiheit von Meinung und Berichterstattung?

Die Verdienste des Gerhard Wisnewski

Gerhard Wisnewski hat sich als WDR-Journalist mit Recherchen zuRAF-Phantomm Thema RAF-Terrorismus einen Namen gemacht. Er hat im Magazin ‚Monitor‘ nach Recherchen im Sommer 1992 zur bis heute nicht aufgeklärten Ermordung von Alfred Herrhausen Hinweise präsentiert, dass der Kronzeuge der Behörden für eine RAF-Täterschaft, der V-Mann Siegfried Nonne, zu dieser Aussage genötigt und gedrängt worden war. Der Untergang dieser Spur hat zu einem erheblichen Glaubwürdigkeitsverlust des bis dahin in Deutschland in der breiten Öffentlichkeit nie in Frage gestellten Narrativs vom gefährlichen Linksterrorismus geführt. Der Glaubwürdigkeitsverlust könnte so groß gewesen sein, dass er ein Jahr später zum Zwischenfall von Bad Kleinen geführt hat, bei dem mit dem toten Wolfgang Grams endlich ein Mitglied der 3. Generation der RAF auftauchte. Diese Geschichte hat Wisnewski mit 2 Mitautoren in diesem Buch dokumentiert, für Deutschland eine Pionierarbeit auf dem Feld des Terrorismus unter falscher Flagge. Wisnewskis früher Verdacht ist später in sehr akribischen Arbeiten sogar für die 2. Generation der RAF bestätigt worden: Der RAF-Terror muss von staatlichen Stellen mindestens gedeckt worden sein.

Im Jahr 2003 hat es Wisnewski wieder im WDR gewagt, Zweifel an der offiziellen Version zum 11. September zu äußern, namentlich an den Flugzeugabstürzen von Shanksville und ins Pentagon. Dieses Mal hat ihn diese Kühnheit nach sehr negativen Berichten im Spiegel und anderen Medien die Aufträge seines wichtigsten Brötchengebers, des WDR, gekostet.

9/11 – eines der stärksten Tabus unserer Zeit

Wisnewski war eines seiner ersten Opfer, aber das Tabu, den Ablauf des 11.9.2001 in Frage zu stellen, ist eines der stärksten der letzten Jahrzehnte. Kein Wunder, hat doch dieses Ereignis die Rechtfertigung für eine ganze Serie von Kriegen „gegen den Terror“ u.a. in Afghanistan und im Irak geliefert, die allesamt zu katastrophalen humanitären und auch strategischen Ergebnissen geführt haben, wie inzwischen allgemein anerkannt wird.
Wegen Verletzung dieser Tabus sind nach Wisnewski noch weitere Medienschaffende ins Visier massiver Kampagnen geraten, u.a. Ken Jebsen und Daniele Ganser.

Eine der größten medialen Niederlagen für die Staatsversion der Attentate vom 11. September war aber die Veröffentlichung einer rein technischen Arbeit von Vertretern der amerikanischen Ingenieur-Organisation „Architects & Engineers for 9/11 Truth“ in „Europhysics News“, dem Mitteilungsblatt der Dachorganisation der Europäischen Physikalischen Gesellschaften. Dabei wurden solche verstörenden Detailfotos von offensichtlichen Explosionen aus dem Inneren der Gebäude weit unterhalb der aktuell einstürzenden Etagen gezeigt:

AE911ThruthSquibs

und Berechnungen auch zum weniger bekannten Einsturz des dritten, nicht von einem Flugzeug getroffenen Gebäudes  WTC-7 vorgestellt, das bereits im Mittelpunkt von Daniele Gansers Artikel im Schweizer Tagesspiegel im Jahr 2006 zu dem Thema gestanden hatte.
Tatsächlich sind also Zweifel am Ablauf des 11. Septembers in den Jahren seit 2003, dem Jahr des Rauswurfs von Gerhard Wisnewskis beim WDR, durch viele unabhängige Autoren und mit ganz anderen Ansätzen zu verschiedenen Aspekten immer weiter fundiert und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt worden. Die Aussagen des Bürgermeisters von Shanksville, der laut Wisnewski ursprünglich am angeblichen Einschlagsort des Flugs kein Flugzeug gesehen haben will („Da war nichts! … Nur dieses Loch.“) haben seither sehr stark an Bedeutung verloren, denn die inzwischen gesammelten physikalisch-technischen Einwände insbesondere zum Einsturz von WTC1, WTC2 und vor allem WTC7 sind durch korrigierte Zeugenaussagen[1] nicht mehr zu entkräften.
Trotzdem fühlt sich auch ein Medien-Watchdog wie Übermedien noch heute genötigt, diesen Beitrag von Wisnewski als Grund für seinen Rausschmiss beim WDR zu unterstützen:

ÜbermedienEmpört

Andere mutmaßliche journalistische Fehlleistungen oder Unsauberkeiten desselben Kalibers werden von Übermedien wohl gelegentlich kritisiert, aber praktisch nie mit der Forderung verknüpft, den Verantwortlichen auch zu entlassen. Woher die doppelten Standards? Woher der giftige Eifer im Fall Wisnewski? Und warum in einem Fall, wo Wisnewskis Verdacht inzwischen durch viele andere und schwer widerlegbare Arbeiten erhärtet worden ist?

[1] Bei der hohen Brisanz der Thematik für die Weltpolitik ist gleichzeitig auch klar, dass es einem Staat, der bei  einem anderslautenden Befund mit dem Rücken zur Wand stehen würde, nicht schwerfallen sollte, einen kleinen Bürgermeister im eigenen Land zu einer korrigierten Aussage zu drängen, zu nötigen oder auch zu erpressen. Eine Korrektur auch von gegenüber Wisnewski tatsächlich gemachten Aussagen wäre unter diesen  Bedingungen also wenig überraschend und wenig beweiskräftig.

Best of Wisnewski:
Der begründete Anfangsverdacht

Nach der Nachricht vom juristischen Sieg Gerhard Wisnewskis über Richard Gutjahr habe ich mir den betroffenen Jahrgang von „verheimlicht vertuscht vergessen“ bestellt. VVV2017Im Gegensatz zum „RAF-Phantom“ hatte ich bisher kein Buch Wisnewskis aus dieser Reihe gelesen. Das Buch ist seit dem Prozesserfolg und damit dem Ablauf  einer einstweiligen Verfügung beim Autor wieder verfügbar, so dass sich jeder ein eigenes Bild von dem machen kann, was Wisnewski über Gutjahrs mögliche Rolle beim Terror von Nizza und München geschrieben hatte.
Man kann das durchaus als „Raunen“ bezeichnen: Außer bekannten Tatsachen und Spekulationen und Fragen, die Richard Gutjahr nicht beantwortet hat, stehen da keine weiteren Details.

Auch bei anderen Themen findet man viel Gegen-Meinung zu dem, was der Mainstream als Tatsache berichtet oder bewirbt. Die Bandbreite reicht von Flüchtlingen über die Gesundheitsschädlichkeit des Frauen-Karriere-Ideals bis zur Mondlandung. Viele Quellen sind im Mainstream nicht gerade besonders wohlgelitten.

Aber einen Fall, der an die Pionierleistungen des Gerhard Wisnewski anknüpft, habe ich in dem Buch doch gefunden:

Das Eisenbahnunglück von Bad Aibling

Die offizielle Version des Geschehens findet man hier. Dagegen lässt sich der Verdacht Wisnewskis mit wenigen Quellen skizzieren:
Mir war anhand dieses Berichts auch schon damals aufgefallen, dass sich der behauptete Ablauf mit dieser komplexen Fehlerkette mit Fahrlässigkeit durch Ablenkung kaum vereinbaren lässt. Die von Wisnewski zitierte Behauptung der Staatsministerin Haderthauer, dass das Unglück vorsätzlich  entstanden sein müsse, weil die Möglichkeit, dass Fahrlässigkeit so die technischen Sicherungen außer Kraft setzen könne, absolut schockierend sei. Diese Aussage habe ich so im Netz nicht mehr gefunden, stattdessen nur eine stark entschärfte Version davon. Nehmen wir zugunsten von Wisnewski (ähnlich wie beim Bürgermeister von Shanksville) einmal an, dass diese Aussage von interessierter Seite medial nachjustiert worden ist. Die sehr spät angeordnete Untersuchungshaft für den Beschuldigten fand wie von Wisnewski berichtet tatsächlich auch das Lawblog sehr ungewöhnlich. Wisnewski vermutet, dass er damit unter Druck gesetzt wurde, um ein passendes Geständnis zu erreichen. Im Lawblog-Beitrag wird übrigens auch Wisnewskis Hinweis bestätigt, dass der Fahrdienstleiter sein Online-Spiel einige Minuten vor dem Unglück beendet hatte, die Ablenkung so groß also nicht gewesen sein kann. Wisnewski weist auch korrekt auf die Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hin, die bestätigt, dass just am Tag vor dem Unglück eine Inspektion des Stellwerks stattgefunden hat, bei der nach seiner Ansicht eine Manipulation der Anlage vorgenommen worden sein könnte:
„Die in der Antwort zu Frage 3 angesprochene Inspektion am Stelltisch und der Innenanlage fand am 8. Februar 2016 in der Zeit von 9:10 Uhr bis 15:36 Uhr statt. Da anschließend wieder ein regulärer Zugbetrieb erfolgte, kann hieraus kein Zusammenhang mit der Notwendigkeit von Ersatzhandlungen am Folgetag hergestellt werden“
Die alte Spürnase Wisnewski hat damit nach meiner Meinung tatsächlich einen begründeten Anfangsverdacht, dass bei dem Unglück von Bad Aibling nicht alles so gelaufen ist, wie die Medien und die Politik behaupten, dass da durchaus auch ein Sabotage- oder Terrorakt vertuscht worden sein könnte. Wisnewski selbst spekuliert, dass über die Bundesbehörde Bahn die Bayerische Staatsregierung unter Seehofer eingeschüchtert wurde, ihre damals harte Opposition gegen Merkels Politik einzustellen. Das ist aber wirklich Spekulation, denn Hintergründe lassen sich aus den von Wisnewski aufgeführten validen Argumenten nicht ableiten. Inzwischen ist der Fahrdienstleiter übrigens wieder aus der Haft entlassen worden.

Wisnewski hat in diesen Fall offensichtlich wesentlich mehr Mühe investiert als in andere Behauptungen aus dem Buch. Was hätte er noch tun können und müssen, um seinen (ungeheuerlichen) Anfangsverdacht weiter zu bestätigen? Er hätte damals den Prozess beobachten oder beobachten lassen können, um zum Beispiel die Aussagen des Fahrdienstleiters wörtlich festzuhalten. Die Frage ist, ob er dafür als freischaffender Journalist, der vom Mainstream ausgestoßen und isoliert wurde, genug Zeit investieren und trotzdem wirtschaftlich überleben kann.

Fazit

Der Freispruch für Gerhard Wisnewski ist im Sinne der Meinungsfreiheit zu begrüßen. Es muss möglich bleiben, medial favorisierte und staatlich erwünschte Narrative über Terror zu hinterfragen und insbesondere auf merkwürdige Zufälle und die Möglichkeit von Vorwissen bei wichtigen Akteuren hinzuweisen, ohne gerichtsfeste Beweise zu haben.
Gerhard Wisnewski bewegt sich inzwischen sicherlich manchmal am Rande des Seriösen und eines angemessenen Aufwands bei schwerwiegenden Überlegungen und Vorwürfen. Allerdings hielt sich der journalistische Aufwand des Medien-Mainstreams von SPIEGEL bis taz, ihm Fehler und Falschmeldungen wirklich nachzuweisen, anstatt sie ihm mit Gegenbehauptungen einfach nur zu unterstellen, eher in noch engeren Grenzen. Das gilt sowohl für die Arbeiten zum RAF-Phantom als auch zu 9/11 und den Flugzeugabstürzen von Shanksville und ins Pentagon. Behördenbehauptungen waren dem vermeintlichen Qualitätsjournalismus immer schon ausreichend, um Behauptungen eines unbotmäßigen Kollegen in die Verschwörungsecke zu stellen. Deshalb freuen mich der Sieg von Wisnewski und die schlecht verborgenen langen Gesichter im sogenannten „Qualitätsjournalismus“.
Als Denkanregung und Kontrapunkt zu einem Journalismus, der überwiegend staatliche Erzählungen zu jeder Form von Terror geradezu grotesk stützt, finde ich jetzt sogar sein Buch „Verheimlicht vertuscht vergessen 2017“ gar nicht einmal so schlecht. Es lohnt sich durchaus, gelegentlich einmal eine Theorie Wisnewskis zu lesen und darüber nachzudenken, ob sie stimmen könnte und wo seine Argumente gut sind und wo nicht.

Der Leser sollte aber wissen, dass die meisten der vielen Theorien Wisnewskis keine Volltreffer sein dürften. Bei ihrer großen Zahl ist das noch unwahrscheinlicher als die Möglichkeit, dass Richard Gutjahr an 2 Terror-Tatorten innerhalb einer Woche aufgetaucht ist, ohne dass irgendjemand Vorwissen über die Taten hatte. Wer auf dieser vergleichsweise dünnen Grundlage Menschen wie Gutjahr mit Hassmails schmäht und verfolgt, ist tatsächlich nicht gut beraten. Das Gericht hat Wisnewski bestätigt, dass er es schlauer angestellt hat. Trotzdem ist die Gutjahr-Geschichte kein Glanzlicht für einen investigativen Journalisten, der Qualität liefern will. Wisnewski kann es besser, immer noch.

Randnotiz

Sehr interessant finde ich auch die Tatsache, dass Richard Gutjahrs Anwalt Markus Kompa nicht nur diesen Prozess gegen Gerhard Wisnewski, sondern auch einen anderen Prozess mit umgekehrten Vorzeichen verloren hat, bei dem er den Blogger ‚Blauer Bote‘ gegen die Klage des Stern und des Bertelsmann-Konzerns verteidigte. Der ‚Blaue Bote‘ hatte dem Stern nur vorgeworfen, mit der Geschichte von der syrischen Bloggerin Bana Alabed Fake News zu verbreiten. Diese These ist weniger kühn als die von Gerhard Wisnewski über Richard Gutjahr, die Niederlage des ‚Blauen Boten‘ mindestens so bemerkenswert wie der Sieg Gerhard Wisnewskis. Vielleicht hat ja das Hamburger OLG tatsächlich weniger für die Meinungsfreiheit übrig als das Kölner. Vielleicht.

Nachtrag 12.09.2018
Diesen Videokommentar zum Thema finde ich nicht schlecht, um den Rechtsstreit zwischen Richard Gutjahr und Gerhard Wisnewski einzuordnen
WikiWeltKommentarAber auch dieser Kommentar darunter bringt nochmals gute Aspekte ins Spiel:
„gutjahr war privat in nizza, und filmte als einziger exakt zur richtigen zeit am richtigen ort, in münchen war er ebenso zur richtigen zeit am richtigen ort, von der anderen seite filmte seine tochter, die normalerweise in usa studiert, und auch zur richtigen zeit am richtigen ort war um die berichterstattung für die usa zu übernehmen. seine frau war beim israelischen militärgeheimdienst…. ich empfehle etwas stochastik. du begehst in deiner analyse einen denkfehler: der vorwurf lautet ja nicht automatisch dass hinter den geschichten ein geheimdienst steckt, sondern nur dass geheimdienste ein vorwissen hatten, und das ist der punkt den es zu hinterfragen gilt: war es möglich ein vorwissen zu haben? die frage irgendeiner schuld kommt erst danach.“
Personen, die Gutjahr hemmungslos bepöbeln, scheinen aber genau diesen Punkt auch nicht zu verstehen!

Kleine Theorie zum Täter von Berlin

Die Grundlage

buchdeckel

Eine hervorragende, sorgfältige, sehr sachliche Recherche des Sohnes über die Ermordung seines Vaters.
Eine herausragende Rolle für diese Recherche spielten die Nachrichten des 1. Tages, in denen von einer zierlichen Person, vermutlich einer Frau, die Rede war, die auf dem Sozius gesessen und auf das Dienstfahrzeug geschossen hat, bestätigt durch mehrere Zeugen, die sich später wieder bei Michael Buback gemeldet haben.
Die Nachrichten des ersten Tages waren gut, weil (noch) nicht steuerbar. Danach haben die Verfälscher eingegriffen und ein gewünschtes Bild mit Hilfe der Medien produziert.
Der Autor widerlegt diese Korrekturen und entwickelt eine höchst plausible Theorie zur Tat und zur Deckung der Täterin durch Behörden.

Berlin: die Top-Nachricht des 1. Tages

Herausragende Nachricht des 1. Tages nach dem furchtbaren Attentat ist die glückliche Verhaftung des Täters mit Hilfe eines Zeugen, der dem fliehenden Fahrer über eine weite Strecke nachgelaufen ist und eine Polizeistreife auf ihn aufmerksam gemacht hat. Quelle

Ein ungeheurer Glücksfall wird sauer

Die schnelle Verhaftung des mutmaßlichen Fahrers ist ein Glücksfall, mit dem weder aus Sicht der Behörden noch des Täters zu rechnen war. Die Chancen für eine erfolgreiche Flucht standen im Chaos eigentlich sehr gut.
Was wäre nun, wenn sich dieser Glücksfall für die Hintermänner des Täters zu einem GAU entwickelt hätte, weil evtl. der Täter schnell „gesungen“ hat? Was wäre, wenn es sich bei den Hintermännern des Täters um einen Geheimdienst handeln würde, der mächtig genug ist, um mit der Bundesregierung über eine andere „Lösung“ zu verhandeln?
Für eine Freilassung des 1. Tatverdächtigen im Zuge einer solchen Lösung spricht unter anderem die kurz Frist bis zur Freilassung. Man würde erwarten, dass nach diesem starken Beginn der Ermittlungen auch der Beweis einer möglichen Unschuld eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt und bis dahin der einzige ermittelte Täter nicht freigelassen, sondern zur Sicherheit weiter inhaftiert wird. Die Aufmerksamkeit des Publikums und der Wunsch, einen möglichen Täter nicht voreilig frei zu lassen, sind verständlicherweise sehr hoch.

Eine andere Lösung musste her

Für eine andere Lösung blieben in diesem Fall zwischen 24 und 36 Stunden, sehr knapp. Nach der Freilassung im Rahmen eines Deals ist klar, dass die Ermittlungen keinen echten Täter mehr liefern werden. Also muss ein Ersatz-Täter her. Man nimmt da keinen Unschuldigen, sondern durchaus einen „schweren“ Jungen, den man bisher nicht hat abschieben können. Die Innenministerkonferenz sucht und findet ihn beim Innenminister Jäger in NRW.
Jetzt muss die Berichterstattung eingenordet werden: der Glücksfall vom 1. Tag wird kassiert. Die Botschaft lautet jetzt, dass der Zeuge den Fliehenden bald verloren hatte und deshalb der falsche verhaftet worden ist. Der neue Täter wird mit einer großen Überdosis an Beweis glaubhaft gemacht: seinem Ausweispapier unter dem Sitz im LKW. Das ist sehr dick aufgetragen, aber bewährt.  Das Problem, warum ein Asylbewerber aus NRW ein Attentat in Berlin durchführt, wo er sich ja nicht auskennen sollte, wird ebenfalls offensiv in Medienberichten adressiert. Der freigelassene 1. Tatverdächtige aus Berlin ist unterdessen spurlos verschwunden. Der Irrtum seiner Verhaftung wird jetzt intensiv medial in die Köpfe gebläut, damit der erste Eindruck eines Ermittlungsglücksfalls verschwindet.

Wie bereits in der Überschrift ausgedrückt handelt es sich bei der hier vorgestellten Hypothese nur um eine Arbeitshypothese, die aber die bisher medial beobachtbaren Vorgänge, Berichte und Überraschungen bereits ganz gut erklären kann. Die Zeitachse ist sportlich, aber machbar, ganz ähnlich wie im Fall Buback: am 2. Tag stand die offizielle Geschichte.
Eine Verschwörungstheorie kann die richtige Theorie sein, wenn sie die Phänomene richtig beschreibt, muss aber nicht. Die Leser sind eingeladen, diese Theorie für sich und im Bekanntenkreis weiterzuspinnen und um kleine Details zu ergänzen, die das Bild rund machen, bzw. zu widerlegen durch Aufzeigen von Widersprüchen.
Wenn diese Theorie dazu beiträgt, die Masse der Muslime, auch die im letzten Jahr chaotisch eingewanderten Flüchtlinge und sonstigen Migranten vom Verdacht zu entlasten, dass von ihnen jederzeit, spontan und selbstorganisiert mit so einem menschenverachtenden Attentat zu rechnen ist, freut das den Autor dieser Verschwörungstheorie. Es ist eine Sache, wenn junge Männer (in ihrer Not) Frauen in Schwimmbädern und auf Festen begrapschen oder auch kleinkriminelle Aktivitäten beginnen, aber Terrorismus dieser Art ist eine ganz andere Sache. Ich glaube nicht daran. Viel eher ist der Tunesier aus NRW ein Sündenbock für Staatsterrorismus. Das kann selbst dann stimmen, wenn er Islamist war: zu offensichtlich werden die Beweise zusammengeschustert.

Nachtrag 22.12.2016:
Lutz Bachmann hat bereits am Abend der Tat angebliche Informationen aus der Berliner Polizeiführung über einen tunesischen Täter getwittert. Hat Bachmann wirklich Beziehungen in die Berliner Polizeiführung? Oder ist er doch ein V-Mann  der Dienste, was man schon lange vermuten konnte? Wenn ja, wäre es ein großes Opfer der Dienste, ihn so umzuwidmen und seine (unverständliche) Glaubwürdigkeit bei PEGIDA massiv aufs Spiel zu setzen. Das spricht für eine extreme Notlage am Abend des Attentats wegen der schnellen Verhaftung des Verdächtigen.
In jedem Fall muss die Theorie über die Auswahl des 2. Täters angepasst werden: er wurde bereits am Abend der Tat gehandelt. Der intensive Geruch nach Geheimdiensten bei dem Attentat hat sich aber nochmals verstärkt.

Die Nachrichtenmaschine läuft auf Hochtouren, denn die unverständlichen Punkte müssen plausibel gemacht werden: Wie konnte Lutz Bachmann schon am Montagabend vom 2. Tatverdächtigen wissen? Warum wurde das ominöse Dokument im LKW so spät gefunden?
Bei der SZ muss der Leyendecker wieder ran, seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Desinformanten, wenn es darum geht, eine staatliche Version zu einem Verbrechen stur zu verbreiten, gegen jede Rationalität. Das ist unter anderem in diesem Buch zum Mordfall Barschel sehr ausführlich nachzulesen:
mordderkeinerseindurfte

Nachtrag 23.12.2016:
Der Ersatzmann Anis Amri ist heute in Mailand erschossen worden. Es passt perfekt in meine Theorie, dass er nicht lebend gefasst worden ist. Einem Toten muss die Tat nicht mehr nachgewiesen werden. Damit kann das Narrativ ewig aufrecht erhalten werden und niemand wird mehr nach dem anderen Tatverdächtigen fragen. Das ist das Prinzip Lee Harvey Oswald. Oswald hat nie und nimmer Kennedy erschossen und Anis Amri hat höchstwahrscheinlich nicht den Lastwagen gefahren. Der Herr sei seiner Seele gnädig.

Der erste Knackpunkt

Amri soll auf die Polizisten mit einer Waffe des Kalibers .22 geschossen haben (man muss verrückt sein, um mit Kleinkaliber auf bewaffnete Polizisten zu schießen), mit dem auch der LKW-Fahrer von Berlin getötet worden sein soll, nachdem er zuvor mit einem Messer attackiert worden war. Wären die Tatwaffen beider Taten wirklich identisch (nicht nur das Kaliber), wäre meine Theorie widerlegt.
Hierbei ist aber zu bedenken, dass alle Berichte über eine Erschießung des polnischen LKW-Fahres bereits vom 20.12. stammen, also nicht mehr zu den ganz frühen Meldungen gehören wie die von der Festnahme des pakistanischen Tatverdächtigen. Interessant ist hierbei auch, dass der polnische Spediteur, der die Leiche identifiziert hat, selbst nur die Messerstiche gesehen haben will, von der Schussverletzung habe er nur von der Polizei erfahren:
berlin_polnischerfahrer

Es gibt also bisher keine frühen und keine unabhängigen Aussagen über eine Schussverletzung des toten LKW-Fahrers, nur Polizei- und Staatsaussagen. Auf diesem detaillierten Liveticker ist eine Erschießung des LKW-Fahrers erstmals am 20.12. um 10:09  Uhr erwähnt, also eine gute Stunde nachdem die Ermittlungen an die BAW und das BKA abgegeben worden waren. Zwei weitere Stunden später gab es erste Meldungen, dass der 1. Verdächtige alles abstreitet.
Für jemandem, der dem Staat nicht traut, insbesondere wenn es um BAW, BKA, Terrorismus und Schusswaffenidentität geht, ist meine Theorie also immer noch nicht widerlegt. Allerdings spricht einiges dafür, dass Amri bereits länger als Sündenbock vorbereitet gewesen sein müsste als zunächst vermutet. Immerhin hätte man gewusst, dass er eine Pistole mit Kaliber .22 besitzt und verrückt genug ist, diese Kleinwaffe auch gegen viel besser bewaffnete Polizisten einzusetzen.

Nachtrag 24.12.2016:
Quer durch die Bank versuchen Medien mit enormem Aufwand (aber wenig Überzeugungskraft) die offensichtlich grassierenden Zweifel wegen der gefundenen Dokumente zu zerstreuen.

Nachtrag 30.12.2016:
In den letzten Tagen sind weitere interessante Punkte aufgetaucht:
Die merkwürdige Geschichte, dass der polnische Fahrer nach der Kaperung des LKW noch stundenlang gelebt hatte und erst nach dem Attentat am Breitscheidplatz getötet wurde, ist am 26.12.2016 kassiert worden. Der Fahrer sei zwischen 16:30 und 17:30 Uhr tödlich verletzt worden, also sehr bald nach der Kaperung (um 16:00 Uhr wurde der Fahrer in einer Berliner Döner-Bude aufgezeichnet). Welchen Grund hätten Terroristen haben sollen, den Fahrer als Risiko lebend und handlungsfähig mitfahren zu lassen? Diese Story ist fast eine Woche lang durch die Medien gegeistert, ohne in Zweifel gezogen zu werden. Warum sind die meisten Medien so unkritisch? Warum werden solche Unstimmigkeiten immer nur in alternativen Medien besprochen? Warum sieht sich der Mainstream immer bemüßigt offizielle Versionen nicht nur zu verbreiten, sondern auch noch zu verteidigen? Sind solche Geschichten Fake News?
Der Vorort bei Mailand, an dem Anis Amri erschossen wurde, liegt nur einen kurzen Fußmarsch von der Firma entfernt, bei der der polnische LKW vor dem Attentat beladen wurde, um seine Fracht nach Berlin zu bringen. Es wäre also absolut möglich, dass Amris Fingerabdrücke bei Mailand einige Tage zuvor an die LKW-Tür geraten sind. Wer sagt denn, dass Amri Mailand zwischenzeitlich verlassen hat und in den Tagen zuvor in Berlin war? Für einen Sündenbock wäre das ganz unnötig.
Die italienische Presse wusste übrigens bereits am 20.12., am Tag nach dem Attentat, ganz genau, wo der LKW von Berlin womit beladen wurde, noch bevor in Berlin der Ausweis von Amri gefunden worden sein soll.
Und noch etwas war merkwürdig: Die mediale Inszenierung des heldenhaften Polizisten von Sesto San Giovanni:
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Der Mann ist mit einer Kleinkaliber-Pistole an der Schulter getroffen worden. Mit einer solchen Waffe können Sie ein Karnickel im Garten von ihrem Wohnzimmerfenster aus erschießen, wenn es nicht mehr als 10 Meter entfernt ist. Sie müssen aber den Kopf treffen! Ein Treffer durch die Uniform an der Schulter eines erwachsenen Mannes verursacht eine schätzungsweise minimale Verletzung, vielleicht einen Bluterguß und eine oberflächliche Wunde. Warum liegt der Mann im Krankenbett? Warum ist seine Schulter mit Wundgaze abgedeckt? Muss er als Leichtverletzter nie aufstehen? Läuft er dann mit einer nackten Wunde herum und drapiert anschließend die Gaze wieder drauf? Warum feiern ihn seine Kollegen wie einen Helden? Ist das glaubhaft? Kann das echt sein? Das zweite Foto zeigt es noch deutlicher:
polizistsestosangiovanni2

Der Verletzte telefoniert mit der linken Hand und muss den rechten Arm dabei stillhalten, damit die Wundgaze nicht herunterrutscht. Stellen Sie sich mal kurz vor, dass Sie so liegen müssten: wie legen Sie das Telefon auf dem Bettkasten im Hintergrund ab, ohne die rechte Schulter vom Bett zu erheben?
Die Wundgaze ist offensichtlich Dekoration, nur für das Foto aufgelegt. Vieles spricht auch hier für eine Inszenierung.

Fazit

Die Geschichte ist an vielen Stellen merkwürdig und unglaubwürdig. Die normalen Medien hinterfragen diese Merkwürdigkeiten nicht, sondern bemühen sich in erstaunlicher Einheitlichkeit, den Leser über sie hinwegzutäuschen. Der begründete Anfangsverdacht einer Lügengeschichte und Inszenierung ist gegeben.

Man hüte sich aber davor, eine bestimmte Geschichte für bewiesen zu halten. Dafür wären noch viele Details zu recherchieren und zu dokumentieren. Dieses Blog hat dafür weder Zeit noch eine ausreichende Motivation, aber jedes Verständnis, wenn andere das ordentlich tun, zum Beispiel Angehörige des vermeintlichen Täters Amri oder Muslime, die das Berliner Verbrechen nicht auf ihrer Religion sitzen lassen wollen. Volles Verständnis!
Alternative Medien hinterfragen zwar die Merkwürdigkeiten bei diesem Verbrechen, haben aber oft ebenfalls nicht den nötigen langen Atem, um gute Arbeit abzuliefern. Allzu schnell wird eine bestimmte Variante des Geschehens für bewiesen erklärt, das Beweisbare nicht von der Spekulation getrennt. Auch da sollte man skeptisch bleiben.

Die große Schwierigkeit bei diesem Fall besteht darin, dass es niemals einen Prozess geben wird, weil der Täter tot ist. Die Angriffspunkte zur Aufdeckung von Lücken und Widersprüchen sind gering, weil keine Anklageschrift sich bemühen muss, eine konsistente Version der Ereignisse zu liefern. Dazu kommt die Verteilung der Tatorte auf Deutschland und Italien, getrennte Ermittlungen in verschiedenen Sprachen. Durch die kleinen Recherchen oben ist aber bereits deutlich geworden, dass eine gute Theorie, die das Geschehen anders erklärt als die offizielle Version (eine sogenannte „Verschwörungstheorie“), davon ausgehen müsste, dass Amri nicht ad-hoc als Ersatztäter ausgewählt worden ist, sondern als Sündenbock sorgfältig vorbereitet war. Meine Arbeitshypothese, die das anders gesehen hatte, kann bereits als widerlegt gelten. Sollte die offizielle Geschichte aber gegen jede Evidenz doch stimmen, dann wäre sie ebenfalls ein Desaster für die Fähigkeiten der deutschen Sicherheitsbehörden. Wir haben nur die Wahl, was uns lieber ist: die Opferung eines Sündenbocks für ein Geheimdienstverbrechen oder pure Inkompetenz.

Sehr viel günstiger sind die Voraussetzungen im NSU-Komplex: jahrelange Berichterstattung über einzelne Taten, eine Anlageschrift und ein mehrjähriger Prozess mit entsprechender Berichterstattung liefern zahlreiche Eindrücke und Angriffspunkte. Insbesondere hat sich der Eindruck verbreitet und festgesetzt, dass das Ende des NSU in Eisenach kein Selbstmord, sondern ein Doppelmord war. Vergleichen Sie dazu auch meine eigene Medienrecherche von Ende 2014: Nichts davon muss zurückgenommen werden. Die offizielle Geschichte ist faul, ein Doppelmord wird gedeckt, aus welchen Gründen auch immer.

Wenn Sie aber eine besonders klare Terrorgeschichte nachlesen wollen, bei der die staatliche Version unhaltbar war und von einem äußerst peniblen Forscher detailliert wiederlegt worden ist, kann ich Ihnen das Buch von Michael Buback (s.o.) nur wärmstens empfehlen. Wegen vieler günstiger Umstände, u.a. seiner wissenschaftlichen Kompetenz und Akribie, seinem  nachvollziehbaren hohen Interesse an der Wahrheit und seiner ideologischen Ferne von den Tätern, hat der Autor eines der besten Bücher dieser Art abgeliefert. Eines,  das sich so schnell nicht wird übertreffen lassen. Es lohnt sich, genau dieses Buch zu lesen.

Hier erklärt Christoph Sieber die Funktion des „internationalen Terrorismus“.

Nachtrag 2.1.2016:
Seit einigen Tagen kommt ein angeblich zwischenzeitlich Verdächtigter in den Medien zu Wort, der Pakistaner ist und Naveed B. heißt. Es wäre ein Fehler zu glauben, dass jemand, der so öffentlich auftritt, im Szenario meiner Arbeitshypothese der wirkliche Täter gewesen sein kann. Vielmehr würde seine Aufgabe sein, eine klassische Fehlspur zu legen, um den wirklichen Täter als zweiter Schutzring zu schützen (der erste Schutzring ist Anis Amri). Das erste Indiz dafür sind seine Behauptungen, er sei von der Polizei misshandelt worden. Das erzeugt ordentlich Wirbel und lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums ab.
Das zweite Indiz findet man im oben schon erwähnten Liveticker am 19.12.2016 um 23:45 Uhr:“Der mutmassliche Täter soll pakistanischer Nationalität sein. Zunächst hiess es, er sei Tschetschene.
Die Originalmeldung dazu stammt aus der WELT:
tschetschene

Interessant, oder? Die Polizei hat noch keine Angaben gemacht, aber die WELT weiß, dass es sich nicht um ein Tschetschenen, sondern um einen Pakistaner handelt. Von wem? Von den Diensten. Das passt: Stefan Aust ist bekanntermaßen ein ebenso dienstfertiger Journalist wie Hans Leyendecker und immer wieder in Terrorfällen hyperaktiv unterwegs (u.a. auch in den Wendungen des Mordfalls Buback). Auch der Tagesspiegel berichtet „unter Berufung auf Sicherheitskreise“, also auf Dienste.
Wenn meine Theorie stimmt, wurde bereits hier ein weiterer Schutzring um den wahren Täter gelegt, zusätzlich zu Anis Amri. Nur der Zeuge, der ihn verfolgt hat und die ersten Ermittler der Berliner Polizei würden wissen, dass es ihn gibt und dass er womöglich mit Naveed B. gar nichts zu tun hat. Welche Chancen hätten sie noch, mit ihrem Wissen die Öffentlichkeit zu erreichen und zu überzeugen?

Nachtrag 26.2.2017:
Dieses Video sollte man sich zum Thema Amri (und Sicherheit vs. Überwachung) unbedingt anschauen.

Nachtrag 16.3.2017:
Wer unbedingt daran glauben will, dass das Attentat so stattgefunden hat wie berichtet, findet hier den passenden Ausgang.

Nachtrag 4.4.2017:
Paul Schreyer: Einige Fragen zum Anschlag in Berlin

Nachtrag 25.05.2017:
Seit einigen Tagen kursieren Berichte, dass das Landeskriminalamt Berlin Akten zu Amir gefälscht habe, Beispiel: Das ist die gefälschte Akte im Fall Anis Amri
Was ist davon zu halten? Es geht um Vorwürfe von relativ geringer Schwere: Amri hätte vor dem Attentat wegen Drogenhandels verhaftet werden müssen. Man sagt damit, dass das Attentat hätte verhindert werden könne, aber wegen Behördenschlamperei nicht wurde. Zur Vertuschung dieser Schlamperei seien dann Akten gefälscht worden. Diese Delikt wird von Politik und Medien unglaublich aufgebauscht: der Innensenator hat Anzeige gegen das LKA erstattet. Ich möchte aber wetten, dass nichts Substanzielles passieren und es keine substanzielle Strafe geben wird, nur jede Menge Fakes.
Der ganze Wirbel wäre geeignet davon abzulenken, dass mit dem Attentat etwas viel Grundlegenderes nicht stimmt. Das alles fühlt sich für mich so an wie der ständige Wirbel über Behördenversagen beim NSU. Nebelkerzen um kleines Versagen, die einen großen Betrug und viel schwerere Verbrechen verschleiern.

Nachtrag 10.7.2017:
Das Thema Amri wird weiterhin heftig nachbearbeitet. Besonders interessant sind die Artikel von Magazinen und Journalisten, die bereits in anderem Zusammenhang als extrem staatsnah aufgefallen sind. Hier der SPIEGEL und sein „Chefreporter“ Jörg Diehl:
Gescheiterte Ausreise war Auslöser für Amris Anschlag.
Unterschlagen wird dabei grundsätzlich, dass niemand den Auslöser kennt, dass man sich hier immer im Feld der Spekulation bewegt. Aber die Amri-Story an sich wird dadurch nochmals in die Köpfe gebläut.
Warum stoppte niemand Amis Amri?
Hier geht es darum, das (mutmaßliche) Versagen der Behörden einerseits zu wiederholen (und damit die grobe Story nochmals zu bestätigen) und andererseits darum, das Versagen so weit zu banalisieren („Buchstabendreher“), dass diese Behörden ihre Autorität nicht verlieren. Mit einiger Erfahrung findet man immer wieder dieselben Muster: Wiederholung des groben Plots, „Pleiten, Pech und Pannen“, Mehr Kompetenzen für den Staat als Masterlösung

Nachtrag 20.10.2017TrügerischeSicherheit
In diesem Buch von Peter Schaar findet man einen
interessanten Satz über Amri, der sich auch in der Vorschau nachlesen lässt:

BuchauszugAmri

Man findet hier dasselbe Prinzip „Pleiten, Pech und Pannen“ wie bei der RAF und wie beim NSU. Die Vermutung, dass sich dahinter schützende Hände von Teilen des Sicherheitsapparats selbst befinden, ist einfach nur rational.

Nachtrag 11.03.2018
Im Dezember 2017, ein knappes Jahr nach dem Attentat am Breitscheidplatz, ist ein Artikel im Magazin ‚Rubikon‘ erschienen, der ebenfalls die Korrektheit der offiziellen Darstellung des Attentats in Zweifel zieht.

Nachtrag 14.06.2018
1,5 Jahre nach der Tat ist einem Innenpolitiker der Grünen auch bewusst geworden, dass es da bei Mailand einen interessanten „Zufall“ gab:
KonstantinVNotz

Nachtrag 06.08.2018
Dieses Interview mit Christian Ströbele zur merkwürdigen Amri-Vorgeschichte ist mir letztes Jahr durch die Lappen gegangen.

Nachtrag 02.12.2018
Man findet immer wieder Neues zum Thema. Das hier dürfte der beste Video-Beitrag derjenigen sein, die beweisen wollen, dass es gar keinen Anschlag gegeben hat, sondern nur eine ziemlich plumpe Inszenierung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Märchen aus Deutschland

Der französische Journalist Luc Rosenzweig war u.a. von 1987 bis 1991 Deutschlandkorrespondent für Le Monde. Zum Abschied hat er damals diesen Text in der ZEIT veröffentlicht. Jetzt hat er im Meinungsmagazin ‚Causeur‘ einen sehr spöttischen Beitrag über die deutsche Berichterstattung zu al Bakr, dem Terroristen von Chemnitz, geschrieben, den ich hier in Auszügen übersetzt wiedergebe:

Flüchtlinge gegen Terroristen:
ein Märchen aus Deutschland

Uff, die Merkel’sche Moral  ist unbeschädigt

Bevor er sich in seiner Zelle erhängte, war der syrische Migrant, der wegen der Vorbereitung eines Terroraktes verhaftet wurde, von einigen seiner Landsleute überwältigt und angezeigt worden. Die „guten“ Syrer neutralisieren den bösen: das ist die schöne Geschichte, die (sich) die deutschen Behörden erzählen…

(zuerst beschreibt er die Abläufe, die zur Festnahme führten und die in Deutschland überwiegend bekannt sein dürften)
….
Für die Behörden ist das ein Geschenk des Himmels in Sachen Kommunikation: die Boulevard-Presse fing an sich darüber aufzuregen, dass die Polizei unfähig war, einen Terroristen auf der Flucht zu „schnappen“ und die Opposition von rechts gegen die Regierung Merkel sah sich in ihren Anschuldigungen von Inkompetenz im Kampf gegen die Terroristen gestärkt. Indem sie massiv syrische Flüchtlinge ins Land gelassen habe, habe die Regierung laut ihren Kritikern die terroristischen Wölfe in den deutschen Schafstall gelassen. Bingo! Die „guten“ Syrer neutralisieren den bösen. Die Merkel’sche Moral ist unbeschädigt! Das Heldentum des Mohammed A. und seiner Freunde wird von den politisch Verantwortlichen hochgespielt, und Letzterer spricht in den Medien, um ihre Heldentaten zu erzählen, bevor er ein wenig spät merkt, dass ihnen das Unstimmigkeiten mit al Bakrs Freunden einbringen kann…
Angela macht einen Punkt in der öffentlichen Meinung, aber es ist nicht gewiss, dass Mohammed und seine Freunde dabei auf ihre Kosten kommen…
Aber hatten sie überhaupt eine Wahl? Al Bakr laufen zu lassen, hätte aus ihnen Komplizen gemacht und ihr Projekt der Eingliederung in Deutschland zerstört in dem (sehr wahrscheinlichen) Fall, dass die Polizei seinen Fluchtweg rekonstruiert hätte. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, den 13. Oktober, nimmt sich der „am besten überwachte Gefangene Deutschlands“ das Leben durch Erhängen in seiner Zelle im Gefängnis von Leipzig, und beraubt die Ermittler dadurch der Hinweise auf seine Ziele und sein eventuelles Terrornetzwerk, die er hätte geben können. Die Polemik geht wieder los und manche böse Zungen jenseits des Rheins meinen, dass es sinnvoller gewesen wäre, al Bakr in der Obhut seiner Denunzianten zu belassen. Es gibt keine Moral in dieser Geschichte!

Kommentare:

  • Rosenzweig ist heute definitiv nicht mehr das, was er in dem ZEIT-Artikel von 1991 immer bleiben wollte: ein Linker. Er ist vielmehr ein typischer Vertreter der islamkritischen Intelligenz jüdischer Abstammung in Frankreich, keiner von den ganz polemischen (wie sie in Deutschland von Henryk Broder repräsentiert werden), sondern gemäßigt, aber doch deutlich.
  • Wichtiger für diesen Beitrag: Rosenzweig veröffentlicht weiterhin viele Beiträge über Deutschland und kennt sich hierzulande gut aus. Die scharfe Kritik an der deutschen Politik und insbesondere der Regierung Merkel ist dabei unübersehbar. Da hat sich in den letzten 25 Jahren sehr viel Entfremdung angesammelt, und es lohnt sich den oben verlinkten ZEIT-Beitrag zum Abschied aus dem wiedervereinigten Deutschland nochmals zu vergleichen.
  • Insbesondere hört man aus dem Beitrag jede Menge Erstaunen heraus, mit was für rührenden Geschichten, Politiker der deutschen Öffentlichkeit kommen können, ohne ausgelacht zu werden: „Märchen aus Deutschland“, Kindergartengeschichten.
  • Rosenzweig deutet beispielsweise ganz kühl darauf hin, dass al Bakr das Wissen um Ziele und Hintermänner des geplanten Anschlags mit ins Grab nimmt. Daraus folgt unmittelbar die Frage, ob andere als er selbst ein Interesse an seinem Tod gehabt haben könnten. In Deutschland stellen diese Frage nur sehr wenige „Verschwörungstheoretiker“, dafür gibt es jede Menge Anklagen gegen die „rassistischen“ Sachsen, die mal wieder einen irgendwie doch bedauernswerten Möchtegernterroristen wenn nicht gemeuchelt, dann eben nicht am Selbstmord gehindert haben. Ist Deutschland tatsächlich in diesem Ausmaß ein Kindergarten der dummen Betroffenheit, dass es praktisch jedem wachen ausländischen Beobachter auffallen muss?
  • Ceterum censeo Angelam esse mittendam (Im übrigen bin ich der Ansicht, dass Angela Merkel gefeuert werden muss)

Nachtrag 9.9.2017:
Passend dazu ein Interview mit Douglas Murray in der Basler Zeitung:
„Jedes Mal, wenn es in Deutschland einen Anschlag gibt, ist Angela Merkel, die deutsche Bundeskanzlerin, darauf angewiesen, dass die Schuld daran nicht ihr angelastet wird. Der jeweilige Attentäter darf also keiner sein, der vor Kurzem auf ihre Einladung hin nach Deutschland gekommen ist. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern eine simple Beobachtung.“

Nachtrag 24.07.2018:
Luc Rosenzweig ist gestorben

Ein großer Politiker und Ehrenmann

war

francois_mitterrand_1959

François Mitterrand

Geboren am 26. Oktober 1916, also vor demnächst  100 Jahren, hatte Mitterrand bereits eine äußerst bewegte politische Karriere hinter sich, als er 1981 Präsident der Republik wurde und zwei Amtszeiten lang bis 1995 blieb.
Besonders interessant sind jeweils sehr „ambivalente“ Rollen in prägenden Ereignissen der französischen Geschichte:

– zwischen dem Kollaborationsregime von Vichy  und der  Résistance
– beim  Kampf um Algerien
– beim Putsch gegen General de Gaulle

Seine wirkliche Rolle blieb für die französische Öffentlichkeit immer hinreichend dubios, damit ihm einerseits viele links und rechts nicht über den Weg trauten, er aber mit einer Anfang der 70er Jahre neugegründeten Partei, der Sozialistischen, doch noch Präsident werden konnte. Er wurde ein gerade in Deutschland sehr angesehener Staatsmann und Partner von Helmut Kohl.

In diesem Blog-Beitrag geht es um eine Episode, die mir erstmals ein konservativer französischer Studienfreund Anfang der 90er Jahre erzählt hat, und die ein naiver deutscher Sozialdemokrat (damals) kaum glauben konnte:

Das Attentat von der Avenue de l’Observatoire

In der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober 1959 wurde gegen Mitternacht an dieser Straße das Auto Mitterrands, eines Senators und ehemaligen Ministers, von sieben Kugeln durchlöchert, nachdem Mitterrand unverletzt in die Büsche entkommen war. Der Politiker konnte detaillierte Angaben über das Attentat machen.
Die sofort in die Welt gesetzte und verfolgte Spur war, dass Anhänger der Zugehörigkeit Algeriens zu Frankreich (Algérie française), die damalige extreme Rechte in Frankreich, das Attentat geplant und durchgeführt hätten. Mitterrand, der gerade politisch unter Druck gewesen war, gewinnt kurzfristig wieder an Popularität in der Öffentlichkeit und wird zum Anführer im Kampf gegen Rechts, nachdem er zuvor lange Zeit auch als Minister für brutale Politik gegen die algerischen Unabhängigkeitsbestrebungen verantwortlich war.
Am 27.11.1959 wird die Immunität Mitterrands aufgehoben, am 8. Dezember 1959 Anklage erhoben gegen die Täter des Attentats und Mitterand, der die Täter zuvor getroffen und den Attentatsversuch angestiftet haben soll. Die Affäre schadet ihm politisch für einige Zeit erheblich. Der innere Kampf um Algerien wurde erst später richtig blutig, nachdem den OAS-Sympathisanten dieses eine Attentat mindestens zum Teil untergeschoben worden war und Mitterrand als Sprungbrett dienen sollte.
1966 werden die Ermittlungen im Rahmen einer Amnestie durch den Präsidenten Georges Pompidou eingestellt. Es bleibt für die Öffentlichkeit trotz zahlreicher Bücher und Berichte immer im Nebel, ob das Attentat auf Betreiben Mitterrands inszeniert wurde (einfacher False Flag) oder ob er selbst wiederum dazu überredet und auf diese Weise letztlich hereingelegt wurde. Unbestritten ist aber, dass er selbst wusste, dass ein Attentat gegen ihn durchgeführt werden sollte, bei dem für ihn selbst keine Gefahr bestand, aber ein Werbeeffekt zu erwarten war. Es ist auch unbestritten, dass er die Öffentlichkeit und die Ermittlungsbehörden über sein Vorwissen belogen hat.
Die Welt ist klein: in der Liste der möglichen Hintermänner des Attentats tauchte zeitweilig auch noch Jean-Marie Le Pen auf.

gken in der deutschen Wikipedia

Es ist weder Gedankenlosigkeit noch Angeberei, dass ich im Text oben auf die französische Wikipedia verlinke, um zu zeigen, dass ich mir die Geschichte nicht aus den Fingern gesogen habe. Wie schon gesagt: so habe ich sie schon vor 25 Jahren gehört.
Das Problem besteht darin, dass der Eintrag zu Mitterrand in der deutschen Wikipedia nur eine äußerst knappe Aussage zum Attentat enthält:
„1959 wurde auf Mitterrand auf der Avenue de l’Observatoire in Paris ein Anschlag verübt, dem er durch einen Sprung hinter eine Hecke entkommen konnte. Dieser Anschlag verschaffte ihm hohe mediale Aufmerksamkeit.“
Das ist nicht ganz falsch, aber in der Kürze  doch grob irreführend, meinen Sie nicht?
Diese Glättung der Biografie Mitterrands in Richtung eines makelloseren Kampfes gegen die deutsche Besatzung, gegen die Beherrschung Algeriens und überhaupt in Richtung  einer ständigen Läuterung vom Bösen zum Guten in der Welt ist im deutschen Wikipedia-Eintrag auffällig. Der deutsche Leser erfährt wenig von dem konstanten Zwielicht um Mitterrands politische Aktivitäten. Der Vergleich mit der französischen Wikipedia ist äußerst aufschlussreich.
Wer auf Deutsch mehr Details über das Zwielicht der Observatoire-Affäre erfahren will, wird in einem alten Spiegel-Artikel fündig. Der Spiegel war in dem Fall gar nicht so schlecht.

Nachsatz: Noch Zeitgenossen des späten Präsidenten Mitterrand kurz vor seinem Tod berichten, Mitterand sei auch in den unmöglichsten Momenten hauptsächlich mit der Frage beschäftigt gewesen, wie er anderen eine Falle stellen könnte.

Querverweise:

  • Der Fall Mitterrand zeigt sehr schön, wie ein Politiker, der in Frankreich vielen als ‚escroc‘ (Gauner) galt, in Deutschland als moralische Autorität zitiert werden konnte. (Mein Kumpel war der Überzeugung, dass alle Politiker Gauner sind und dass  es nur darum geht, den am wenigsten gefährlichen Gauner zu erkennen und zu wählen,  eine in Deutschland unterentwickelte Erkenntnis)
  • Solche Phänomene sind deshalb möglich, weil es keine europäische Öffentlichkeit gibt, die ein einigermaßen gemeinsames Bild von Personen und Tatsachen hat. Dass  Tatsachen aus der Wikipedia in der einen Sprache aus der Wikipedia der anderen Sprache herausgehalten werden, ist ein Mosaikstein dieses Bildes.
  • Wolfgang Streeck behauptet, dass Unterstützung für die Gesichtwahrung ausländischer Staatsoberhäupter die höchste EU-Pflicht sei, also gemeinschaftliche Sicherung von Glaubwürdigkeit für den Machterhalt im jeweils eigenen Land. Kohl und Mitterrand haben sich in dieser Hinsicht nie ein Auge ausgehackt, was der Kern ihrer „Freundschaft“ gewesen sein dürfte. Man kann sich umgekehrt vorstellen, wie Leaks kompromittierender Art ein Mittel der Kriegführung sind und als solche beantwortet werden, auch wenn sie der Wahrheit entsprechen.
  • Emmanuel Todd analysiert, wie die Öffentlichkeiten verschiedener Länder jeweils ökonomische Vorurteile und Halbwahrheiten als Einheitsdenken konservieren, obwohl diese inkonsistent und sogar untereinander inkompatibel sind, und wie daraus ökonomische Fehlentwicklungen/Ungleichgewichte im globalen Maßstab entstehen konnten. Auch für einen künftigen Beitrag zu diesem Thema kann der Fall Mitterrand und seine Wikipedia-Inkonsistenz als Schlaglicht dienen.