Rebeccas dubiose Rolle

Rebecca Sommer war im Bundestag und hat Peter Altmaier in ziemlich unfreundlicher Weise mit Fragen bedrängt. Die Fakten zum Beispiel in der ZEIT:

Das war eine ungute, wenn auch zu keinem Zeitpunkt gewalttätige oder gefährliche Aktion. Der Freitag wiegelt deshalb ab:

Mir geht es um einen ganz anderen Punkt: die merkwürdige Rolle von Rebecca Sommer. Schon länger sammle ich Material für einen Artikel über ihre merkwürdigen Medienauftritte, habe aber bisher noch auf einen Artikel verzichtet.
Jetzt, mit diesem neuen Auftritt in einem ganz anderen Thema, hat sich das geändert und das Material (und die Überlegungen dazu) haben einen guten Anlass gefunden, veröffentlicht zu werden.

Damaskuserlebnis

*Damaskuserlebnis: vom Saulus zum Paulus bekehrt
Erstmals begegnete mir Rebecca Sommer im Frühjahr 2018 als Kronzeugin gegen die Flüchtlingspolitik.
Die Geschichte: eine Flüchtlingshelferin hat gelernt, dass es sich bei ihren Schützlingen um undankbares, integrationsunwilliges Gesindel handelt:

So richtig ich Kritik an der Migrationspolitik von 2015 fand, so merkwürdig kam mir doch dieser schnelle Drehung innerhalb von 2,5 Jahren um 180 Grad vor: Wie kann es sein, dass ein erwachsener Mensch mit „2 Jahrzehnten“ Erfahrung in der Arbeit mit „indigenen Völkern“ eine so wenig stabile Meinung über die Chancen von Migration und ihre Risiken hat, vor allem wenn sie so extrem und unkontrolliert abläuft wie 2015/16? Soll ich an diese wundersame Bekehrung glauben? In diesen Zweifeln hat mich der Kommentar eines echten Flüchtlingshelfers unter dem Artikel bestätigt:

Das passt wie die Faust aufs Auge: Rebecca Sommer hat anscheinend zunächst mit ihrer Naivität gegenüber Flüchtlingen genervt (vgl. auch Tagesspiegel-Bericht unten). Andere Flüchtlingshelfer waren viel realistischer und hatten deshalb große Probleme mit ihr. Dann hat sie plötzlich ihre Position um 180 Grad gedreht. Haas weist explizit darauf hin, dass dieser Wechsel von der totalen Naivität in eine große Ablehnung überhaupt nicht zu ihrer großen Erfahrung passt. Sie hätte 2015 bereits kritischer sein müssen und wegen erwartbaren Missbrauchs der Hilfsbereitschaft durch manche nicht komplett umkippen dürfen.

Die Frage war bereits 2018:
Ist Rebecca Sommer zu trauen? Oder spielt sie ein perfides Spiel? Arbeitet sie gar daran mit, die Öffentlichkeit mit unversöhnlichen Extrempositionen zu quälen und wechselt sie deshalb zwischen diesen hin und her?

Die bösen Geister von Mordor Moria

Dieses Jahr hat Frau Sommer nun „exklusiv“ vom brennenden Flüchtlingslager Moria auf Lesbos berichtet:

Telefoninterview von Lesbos mit „brandheißen“ Insiderinfos

Ich behaupte gar nicht, dass nicht vieles stimmt, was sie in diesem Interview erzählt, dass die Feuer in Moria koordiniert gelegt wurden und dass es da auch einen Zusammenhang zu politischen Aktionen in Deutschland gibt: da kann durchaus vieles stimmen.

Auffällig ist die Rolle von Rebecca Sommer, wie sie sich in diesen Zitaten aus dem Interview widerspiegelt:
„Dann kamen Nachrichten von NGOs, mit denen ich in Kontakt stehe“
„Gestern Nacht haben meine Kontakte im Camp einen Mann und eine Frau gesehen, deutsche NGOs laut ihrer Ausage“
„Ich habe übrigens im Moria-Camp selbst auch in vielen Zelten solche Drohnen gesehen. Die kriegen sie von den NGOs, die wirklich unglaublich gut organisiert sind“

Rebecca Sommer behauptet einerseits, sie habe Kontakte zu NGOs, die sie mit Informationen versorgen. Andererseits erhebt sie unglaubliche Vorwürfe gegen diese NGOs. Wie passt das zusammen?
Was sie über ihre eigene Rolle preisgibt, klingt mehr oder minder nach einer Agententätigkeit, ihrer Tätigkeit als Agentin zwischen den Fronten der Flüchtlingspolitik, zwischen NGOs und Gegnern, die diese NGO als Schleuserorganisationen bezeichnen. Agenten dieser Art veröffentlichen aber normalerweise ihre Erkenntnisse nicht selbst, um sich und ihre Quellen zu schützen.
Andererseits ist Rebecca Sommers Überlaufen ins Camp der Migrationsgegner seit 2018 weithin bekannt und sie ist auch als „rechte“ Gegnerin identifiziert. Das dürfte eine erfolgreiche Agentenrolle in den NGO ziemlich erschweren.
Rebecca Sommers Berichte über ihre Rolle sind unglaubwürdig und können mit mehreren Hypothesen erklärt werden:

– Sie erfindet wesentliche Teile ihrer Behauptungen über Aktivitäten der NGOs
– Sie erhält ihre Informationen nicht direkt von Quellen in den NGOs, sondern über ein wesentlich komplexeres Netzwerk, über das sie sich ausschweigt

Kaum denkbar, dass sie sich mit Erik Marquardt trifft und von ihm Informationen bekommt, was die NGOs gerade wieder planen:

Würden sie zusammenarbeiten, dann hätten sie jedenfalls ein optimales Konzept, wie sie die Öffentlichkeit gezielt spalten und beide Seiten maximal gegeneinander aufbringen könnten.

Alte Geschichten

Die Menschenrechtsaktivistin

Auch Qualitätsmedien haben früher (eher sehr positiv) über Rebecca Sommer berichtet. 2012 tat das zum Beispiel das ZDF in einer Reportage:

Die GFBV (Gesellschaft für bedrohte Völker) die sich darüber freute, wurde übrigens als „rechte“ Menschenrechtsorganisation gegründet, die sich am liebsten mit Menschenrechtsverletzungen in kommunistischen Staaten beschäftigte. So gesehen hatte Rebecca Sommer schon immer einen eher „rechten“ als „linken“ Hintergrund bei ihrer Arbeit mit „indigenen Völkern“.

Das helle Deutschland

Der Tagesspiegel, der sich heute besonders eifrig über die „rechte Aktivistin“ im Bundestag empört, war 2015 noch voller Begeisterung über Sommers Arbeit mit Flüchtlingen:


Die Naivität von 2015, die Uli Haas glaubwürdig erwähnt und kritisiert hat, wurde damals vom Tagesspiegel aufs Feinste dokumentiert: Tanzen und „mit nach Hause nehmen“ – alles ganz easy, keine Gefahren!

Sommer, die damals als „Helles Deutschland“ abgefeiert wurde, löst heute mit der „dunklen“ AfD im Bundestag Empörung aus.
Die Währung „politische Korrektheit“ scheint eine kurze Haltbarkeit zu haben!

AfD unklug

Ich halte es für extrem unklug von der AfD, jetzt beim ganz anderen Thema Corona-Maßnahmen diese Frau aus dem Flüchtlingskontext ins Boot und in den Bundestag zu holen. Glaubt man dem ZEIT-Artikel scheint so ganz klar noch nicht einmal zu sein, wer genau diese Frau eingeladen hat zu einem Plenartag, zu dessen Thema sie ja nun wirklich nichts beizutragen hat:
„Frau Sommer wurde von meinem Büroleiter angemeldet auf Bitten eines Fraktionskollegen, der sie ursprünglich eingeladen hatte, aber verhindert war“.
Andere Version der taz:
„Am Nachmittag änderte der AfD-Abgeordnete Bystron seine Aussage“
Das ist ein extrem interessanter Punkt bei einer Frau, die einen strengen Agenten-Geruch verströmt.

Die AfD war anfangs bei Corona durchaus auch auf der alarmistischen Schiene unterwegs:

Man möchte ihr gerne glauben, dass sie dazugelernt hat, was die Gefährlichkeit des Virus und die Unangemessenheit der Maßnahmen angeht. Das gilt natürlich genau dann nicht, wenn sie das Thema nutzt, um einer dubiosen Aktivistin wie Rebecca Sommer einen Auftritt im Bundestag zu verschaffen.

Mit dem Auftritt von Rebecca Sommer wurde der Eindruck einer eigentlich moderaten und guten Rede von Alexander Gauland im Bundestag komplett getilgt:

Einen hammwer noch

Ex-Geheimdienstler Maaßen mit Rebecca Sommer

Rendez-vous der falschen Helden und Heldinnen?

Nachtrag 23.11.2020
Der Postillon:
„Wenn Ihnen in unserer Demokratie etwas nicht passt, dann gründen Sie gefälligst einen Wirtschaftsverband und bedrohen uns anschließend mit schweren wirtschaftlichen Folgen oder schlechter Presse, wie es sich gehört“

Jens Berger:
„Entweder ihr seid für uns oder ihr seid für die AfD“
Guter Punkt: Wird die AfD dafür eingesetzt, Positionen zu tabuisieren? Spielt sie oder spielen Teile von ihr dabei bewusst mit?
Auch dazu gibt es eine intelligente alte Satire des Postillon:

Nachtrag 21.12.2020
Rebecca Sommer hat sich per eMail gemeldet und über eine Diffamierung Ihrer Person beschwert. Ich verletze Ihre Rechte.
Sie behält sich rechtliche Schritte vor und verlangte zu diesem Zweck meine Meldeadresse, die sie soeben in der Antwort erhalten hat.
Ich habe mich bereit erklärt, eine Verletzung ihrer Rechte ohne rechtliche Schritte abzustellen, sofern sie sie mir glaubhaft macht.
Wegen der Einschätzung, dass sie an Titel und Permalink des Beitrags Anstoß nimmt, habe ich beide geändert.

Nachtrag 23.12.2020
Rebecca Sommer ist damit nicht zufrieden und verlangt formlos (per eMail) die Löschung dieses Blogbeitrags bis heute 12:00 Uhr.
Meinem Wunsch, diffamierende Stellen zu benennen und Änderungen vorzuschlagen, ist sie nicht nachgekommen. Das gebe sie lieber ihrem Anwalt, dann lohne es sich auch.
Ich habe Ihr noch angeboten, eine Gegendarstellung zu veröffentlichen oder in einem sachlichen Blogbeitrag zu verlinken. Ansonsten harre ich der Dinge, die da im Jahr 2021 kommen mögen.

Corbyn ante portas

Corbyn hat im Bundestag gesprochen, auf Einladung der AfD, also der Bruder: Piers Corbyn.
Der steht zwar in gesellschaftlichen Fragen ganz hinter seinem jüngeren Bruder Jeremy und macht auch mal Wahlkampf für ihn, aber beim Thema menschengemachter Klimawandel hat er eine ganz andere Position als die Labour Party: er hält ihn für einen großangelegten wissenschaftlichen Betrug. Als ausgebildeter Astrophysiker, der seinen Lebensunterhalt seit Jahrzehnten damit verdient, auf der Basis der Beobachtung der Sonne und ihrer Zyklen langfristige Wettervorhersagen zu machen und zu verkaufen, ist er dafür gar nicht mal schlecht aufgestellt. Ich habe seinen Standpunkt bereits vorgestellt.

Es ist interessant zu beobachten, welche Empörung und Ausgrenzung ihm im Bundestag dafür entgegenschlägt. Herr Prof. Schnellenbach, rechts neben ihm sitzend, kein Naturwissenschaftler, sondern Ökonom, kann sein aufrichtiges Naserümpfen kaum verbergen. Und die Ausschussvorsitzende Sylvia Kotting-Uhl gibt sich 2 Mal allergrößte Mühe, ihre aufrichtige grüne Empörung über Corbyns freche Äußerungen hinter der Geschäftsordnung zu verbergen. Ein sehenswertes Zeitdokument:


(27.11.2019: „Video nicht verfügbar
Dieses Video ist nicht mehr verfügbar, weil das mit diesem Video verknüpfte YouTube-Konto gekündigt wurde“: so schnell geht’s!)
Hier die Aussagen Corbyns als Text:
AussageCorbyn

Man sieht an dieser Einladung, dass es durchaus sein Gutes hat, wenn die AfD mit Einladungen in den Bundestag für ein wenig Dissens bei manchen Themen sorgt. Das ist oft besser als selbst zu viel schimpfen, denn niemand wird Corbyn öffentlich vorwerfen, dass er im Bundestag ‚gehetzt‘ habe: hat er nicht, sondern nur seine Meinung gesagt.
So können deutsche Politiker nicht gemütlich im nationalen Saft selbstzufrieden schmoren und sich einbilden, alles sei klar, sie wüssten Bescheid und seien wieder mal die Guten. Wenig ist klar, und Corbyn könnte diesen Kampf um die wissenschaftliche Wahrheit letztlich tatsächlich gewinnen: 50:50.
Warten wir’s ab, denn Klimaskeptiker haben viel Zeit und der ‚Winter of Discontent‘ (Corbyn) hat gerade erst begonnen.

Boris Johnson wirbt übrigens im brit. Wahlkampf für Klimaziele, die denen der Grünen in Deutschland am nächsten kommen:
JohnsonNetZero

Das BBC-Video gibt es hier.

Nachtrag 13.01.2020
Es gibt mal wieder eine verfügbare Videoaufzeichnung von Corbyns Auftritt im Bundestag: