Totalitäre Ideologie überleben

zum Beispiel als „Querulant“ (Lieblingsvokabel des Großen Diktators für solche Leute) ist möglich.
Der Quer-ulant muss allerdings einige Jahre schwerer Diskriminierung fürs Quer-sprechen und Quer-handeln aushalten.

Das zeigt das Beispiel das katholischen Vikars Ernst Moritz Roth aus dem Siegerland. Ich habe diese Geschichte ausgewählt, weil sie sehr viele Gemeinsamkeiten mit der Geschichte des katholischen Pfarrers aus seinem und meinem Dorf enthält, die mir mein verstorbener Vater erzählt hat:

So fing es auch mit dem Pfarrer aus unserem Dorf an: mit Worten gegen die NS-Ideologie (die nur eine dünne pseudowissenschaftliche Hülle um einen eher kurzfristigen politischen Plan war).
Und das wurde dann verschärft durch Geplänkel um Termine der Hitlerjugend und der kirchlichen Ministrantentreffen. Es ist unklar, wer damit angefangen hat, die Termine so zu legen, dass sie sich mit den anderen überschnitten. Jedenfalls hat der Pfarrer Ministranten an die Hitlerjugend verloren und dann am Sonntag noch klarer gegen die Nazis gepredigt als schon länger.

Die örtliche Geschichte schaukelte sich im Laufe der Zeit auf die übliche Weise weiter auf:

An Prügeleien von Jungmännern kann ich mich in der Geschichte von meinem Vater nicht erinnern. Aber weil er sonst viel davon erzählte, können sie durchaus auch dazugehören. Nun gehört es immer noch zum Wesen von solchen Prügeleien durch Jungmänner, dass sich die Schuldfrage nie klären lässt, selbst wenn sie eigentlich sehr übersichtlich ist. Aber alles andere war natürlich eingeschlossen: Noch sehr zivilisierte Beschimpfungen wie „Querulant“, „Hohlköpfe“ oder „Hampelmänner“.

Solche Konflikt- und Eskalationsgeschichten können eine Weile laufen, aber nicht jahrelang. Dann kommt es unweigerlich zu Maßregelungen durch den Staat und auch durch die eigenen Vorgesetzten:

Damit ist in jedem Staat immer zu rechnen. Wer deswegen schon einknickt, ist kein echter Widerständler, noch nicht einmal ein Quer-ulant. Dabei bleibt es auch nicht:

Trotz allen hartnäckigen Widerstands wird ein Quer-ulant vom Staat normalerweise nicht umgebracht, auch nicht von einem Terror-Regime. Man kann da schon etwas riskieren, um seine Prinzipien nicht zu verraten. Und es gibt auch noch andere Gefahren im Leben.
Der mutige Pfarrer aus dem Dorf meines Vaters, unserem Dorf, wurde übrigens schlechter behandelt und hatte gleichzeitig mehr Glück als der unglückliche Vikar Roth: er wurde irgendwann im Konzentrationslager Dachau eingesperrt, hat es aber überlebt.
Es ist für den einzelnen Quer-ulanten schwer vorhersehbar, wie weit ein Regime gehen wird und ob er Glück hat.

Epilog

Viele haben letztlich auch kein Glück, die einem Regime immer gehorchen und alles tun, was man ihnen sagt. Es kann der Militärdienst in einem unsinnigen Krieg mindestens so tödlich sein wie das Predigen gegen ihn. Mindestens!

Es kann auch die Impfung gegen eine Krankheit für einen selbst tödlicher sein als die Krankheit selbst. Es ist ungewiss, welches Übel einen erwischt. Deshalb ist es in einer freien Gesellschaft vorzuziehen, dass man sich aus freiem Willen entscheidet: Krankheitsrisiko oder Impfung? Dann kann man wenigstens keinem anderen die Schuld geben, wenn es schiefgeht. Das ist auf Dauer sehr wichtig für den inneren Frieden. Denn es gibt nun einmal immer Lebensrisiken, für die es keine dauerhafte kollektive Lösung geben kann.
Am schlimmsten ist es dem Menschen aber, zu etwas gezwungen zu werden, das er für eher nicht sinnvoll oder gar für offensichtlich unsinnig oder gar verbrecherisch hält:

Pfarrerinnen in Schwetzingen mit Chesterton-Zitat

Gedankenexperiment:
Wie lange würde ein Pfarrer in der evangelischen Kirche heute im Amt überleben, der seinen Amtsschwestern auf diesem Foto den Missbrauch des christlichen Glaubens für allzu weltliche Zwecke vorwirft? Wie lange dürfte er in einer staatlichen Schule Religionsunterricht halten?
Würde er damit zweieinhalb Jahre lang durchkommen wie der Vikar Ernst Moritz Roth?
Dabei hat tatsächlich DIE Corona-Wissenschaft ihre Parallelen mit der Eugenik. Und die Eugenik gehörte zur NS-Ideologie, die Ernst Moritz Roth von Beginn an als unchristlich denunzierte, ohne jemals nachzugeben.
Und ich sage es meiner ehemaligen Kirche mit den Worten von Keith Gilbert Chesterton:

Seitdem die Pfarrer nicht mehr an Gott glauben,
glauben sie nicht etwa an nichts, sondern an alles Mögliche

Geimpfte können sehr wohl andere anstecken, wie vielfach erwiesen ist. Die wissenschaftliche Basis für die Behauptung, dass Impfung mehr sei als das Streben nach Eigennutz, nämlich sogar Nächstenliebe, ist damit sehr, sehr dünn. Und ohne eine solide wissenschaftliche Basis handelt es sich dabei eben um eine Ideologie.
Statt um Nächstenliebe geht es beim Impfen eher darum, Freiheiten zurück zu bekommen (die zuvor entzogen wurden und bei Weigerung entzogen bleiben). Das ist kein Geheimnis:


Es gibt einen Zwang, nämlich mit Macht verordnete tägliche Gängelung und Freiheitsentzug, der die Impfung zu einer eigennützigen Entscheidung macht (die sie aber vielleicht doch gar nicht ist). Aber es gibt keinen durchsetzbaren Impfzwang, weder in der Schweiz noch in Deutschland. Bis heute ist jede Impfung ohne Ausrede freiwillig. Wer es nicht will, muss nur Nein! sagen.

Sobald diese (wie gesehen höchst widersprüchliche) Ideologie das Recht für sich in Anspruch nimmt, andere ihrem Willen zu unterwerfen, ist diese Ideologie totalitär. Der Rubikon wird schneller überschritten, als viele denken, lange vor einem KZ.

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Nachtrag 30.7.2021
Diese Zweig-Zitat ist zwar aus verschiedenen Stellen seines Werks zusammengefasst, bringt das totalitäre Vorgehen aber prägnant auf den Punkt:

Nachtrag 1.8.2021
Hochintelligenter Beitrag von Radio München zur Rolle der Impfung im Corona-Kult:
Die Corona-Impfung als Kommunion

Nachtrag 2.8.2021
Auszug aus dem Buch Täter von Harald Welzer:

Tageshetze spiegelt

Politik und Medien sind überwiegend voller Empörung darüber, dass die Polizei die Anti-Corona-Demonstration in Leipzig am vergangenen Samstag nicht rigoros aufgelöst hat.

Exemplarisch waren Berichterstattung und Kommentare im Berliner Tagesspiegel:

Man sieht hier, wie ungut es ist, Berichterstattung und Kommentare durch Einbettung in Tweets zu vermischen:
„Der Mob“: damit sind die Polonaise-Tänzer von Video 4 gemeint.
„Elmsfeuer“ ist ein anonymes Profil, das erst seit September (!) 2020 bei Twitter unterwegs ist und sich seither hauptsächlich an Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen abarbeitet und dabei praktisch täglich radikalisiert. Sein Lieblingsfeindbild scheinen dabei Anwälte zu sein. Das Profil trägt nicht nur den Hashtag #nofdp, sondern fordert jetzt auch den Rücktritt des sächsischen Innenministers Roland Wöller (CDU) im Gleichklang mit weiteren Medien und Politikern:

Aktivismus und Journalismus werden hier völlig ununterscheidbar.

Und das alles wegen eines Polizeieinsatzes und einer genehmigten Demonstration, bei der objektiv niemand zu Schaden gekommen ist.

Wirklich katastrophal ist, dass die Wertungen solcher Radikalinskis, von denen niemand weiß, um wen es sich handelt, aus dem Live-Ticker praktisch 1:1 auch in die Kommentare des Tagesspiegels übernommen werden:

Die ‚Eskalation‘, von der hier die Rede ist, ist in keinem der Videos nachzuvollziehen, die allesamt friedliche Szenen zeigen. Die Eskalation geht vor allem von solchen Aktivisten und Kommentaren aus, die oft allein deshalb scharf werden, weil viele Demonstranten keine Masken tragen, wie man auch hier in der Bildunterschrift lesen kann. Dabei sind schon die Fakten falsch, denn die Pferde tragen keine Masken, sondern ein Plastik-Schutzschild über den Augen.

Auch der Tagesspiegel-Journalist Julius Geiler tut sich wie die anonymen Profile auf Twitter damit hervor, pausenlos auf Anti-Corona-Aktivisten einzuprügeln. Es stört ihn und die anderen Kommentatoren ungemein, wenn Demonstranten und Polizisten gleichermaßen mit dem friedlichen Verlauf in Leipzig zufrieden sind:

Und Geiler (dem ‚elmsfeuer1‘ und ‚Shelly Pond‘ auch auf diesen Tweet antworten: Zitierzirkel?) schreibt regelmäßig Kommentare über Anti-Corona-Demonstrationen, immer mit demselben Tenor:
Seit Monaten radikalisiert sich die Bewegung aus Pandemie-Leugnern, Verschwörungsideologen und Skeptikern der Corona-Maßnahmen im Schnelldurchlauf

Gefangenen-Experiment?

Könnte es sein, dass sich nicht nur die „Skeptiker der Corona-Maßnahmen“ radikalisieren, sondern vor allem auch ihre Beobachter beim Tagesspiegel? Weil sie sich als Bewacher anderer zugunsten der Corona-Regeln verstehen und zunehmend aggressiv auf ihre sture Opposition reagieren?

Das Stanford-Gefangenen-Experiment ist berühmt dafür, dass es die Eskalation in der Beziehung zwischen Gefangenen und Wärtern experimentell untersucht und erklärt hat. Als Faktoren für diese Eskalation hat es auf Seiten der Wärter u.a. identifiziert:

Eskalationsfaktoren im Stanford-Gefangenen-Experiment

Es war kein Zufall, dass die Faktoren für die Eskalation damals vor allem auf der Seite der Wärter gefunden wurden. Es wäre schlimm, wenn sich Pressevertreter eingestehen müssten, dass sie in der Auseinandersetzung mit den Querdenkern die Rolle von Gefängniswärtern besetzen.

Angesichts dieser misslichen Rolle trifft es sich gut, dass das Experiment nach fast 50 Jahren seit ungefähr 2 Jahren in die Kritik geraten ist: die Ergebnisse seien gewollt gewesen und herausgekitzelt worden.
Es kann natürlich sein, dass heilige Kühe der Sozialwissenschaft, mit denen Generationen von Schülern bearbeitet wurden, just in dem Augenblick zu Recht bezweifelt werden, wo sich Journalisten wieder vermehrt als Gefängniswärter der Bürger fühlen und betätigen. Kann natürlich sein.
Kann aber auch sein, dass der Zeitgeist sich nach den Interessen derjenigen richtet, die sich mehr und mehr daran gewöhnt haben, die geistige Macht zu haben. Marx: „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“.

Noch mehr Druck auf die Sachsen

Gefangene hin, Wärter her: der Druck auf Sachsens MP Michael Kretschmer und seinen Innenminister Roland Wöller (CDU), härter auch gegen friedliche Demonstrationen vorzugehen, wächst enorm.
Er kommt nicht nur von der Presse, sondern auch von Politikern, u.a. unserem durchgriffigen MP Söder, vor allem aber auch von Die Linke, den Grünen und der SPD, die ja sonst von polizeilicher Deeskalation nie genug bekommen kann.

Apropos Druck: Es gibt Hinweise, dass die sächsische Landesregierung schon früher Druck bekommen hat, weil sie bei den Corona-Maßnahmen nicht mitziehen wollte und sich mit Corona-Maßnahmen-Kritikern wie Prof. Homburg und Prof. Bhkadi getroffen hat.

Nachtrag 10.11.2020
Mich erreichen Fragen, ob der Titel dieses Beitrags vielleicht „Tagesspiegel hetzt“ hätte lauten sollen. So einfach ist das aber nicht, denn das liegt stark im Auge des Betrachters. Hetze kann tatsächlich auch ein Spiegelbild sein. Schließlich war ich in Leipzig nicht dabei, verfüge also nicht über originäre Informationen, sondern nur über Medienberichte gegensätzlicher Ausrichtung

Über den senioren Meinungsmacher des Tagesspiegel findet man nicht viel:

Scheint aber nicht ganz aktuell zu sein. Nachtleben ist ja dicht und der Mann auf dem Foto noch etwas jünger.

Nachtrag 12.11.2020
Mehr Gewalt als gegen Journalisten gab es gegen Teilnehmer der Demonstration. Über diese wurde aber überregional kaum berichtet. Hier von der Leipziger Volkszeitung:

Ein Artikel bei Übermedien konzentriert sich allein auf Gewalt gegen Journalisten und bauscht diese mit Geraune gewaltig auf: Eskalation der Gewalt
Der Autor, Henrik Merker, schreibt u.a. für den ‚Störungsmelder‘ der ZEIT und wurde schon vor Leipzig gemeinsam mit Julius Geiler im Tagesspiegel zum selben Thema zitiert. Medien-Berichte und Übermedien-Berichte zum Thema sind also keineswegs unabhängig voneinander, sondern bewegen sich in denselben Zitierzirkeln.

Nachtrag 25.01.2021
Der Nordkurier meldet, ein geheimes BKA-Papier formuliere folgende Einschätzung:

„Allgemein scheint die (linke) Szene die sogenannten Querdenker-Proteste als von ‚Rechten‘ dominiert, beziehungsweise faschistisch geprägt einzuordnen“, so die Ermittler. Und weiter: „Wiederholt kam es – insbesondere in Leipzig – zu teils erheblichen gewalttätigen Wechselwirkungen zwischen mutmaßlichen Linksextremisten und Teilnehmern der Veranstaltungen.“
Mit anderen Worten: Eines der größten Risiken auf Querdenken-Demos ist, dass ganz normale Bürger von Linksradikalen angegriffen werden – weil diese sie für Nazis halten.

Nachtrag 16.04.2021
Immer Geiler werden die doppelten Maßstäbe bei der journalistischen Bewertung von Demonstrationen:

Hier die Berichte zur Gewalt am Ende der gestrigen Mietendeckel-Demonstration in Berlin.

Nachtrag 29.4.2021
Der Twitteraccount elmsfeuer ist inzwischen suspendiert, seine Tweets und die von Shelly Pond sind aus dem Tagesspiegel-Liveticker entfernt worden. Man erkennt aber noch, wo sie mal eingebettet waren:

Nachtrag 1.8.2021
Es bleibt noch festzuhalten, dass die Hetze des Tagesspiegel gegen die Maßnahmen-Gegner mit der ‚Berichterstattung‘ über #allesdichtmachen einen Tiefpunkt erreicht hatte und auffällig bis offensichtlich geworden war:


Leipzig: Das ist Solidarität

Leipzig, November 2020: Performance

Leipzig, 7. November 2020, Großdemo #le0711:

Video 1, Kundgebung: Medien berichten von 20 – 45 Tausend Teilnehmern

Während der Proteste:

Video 2: Begegnung mit der Polizei

Am Abend nach einem erfolgreichen Tag:

Video 3: Freudenkundgebung
Video 4: Polonaise-Tanzen in den Straßen von Leipzig

Neben Video 2 bestätigen auch der Demonstration herzlich abgeneigte Journalisten, dass es zwischen Demonstranten und der Polizei ausgesprochen entspannt zugegangen sei:

Sonstiges

Der Sprecher/Stimmungsmacher, den man im Hintergrund der Hauptkundgebung (Video 1) hört, ist offensichtlich derselbe, den ich auch in München live gehört habe. Es soll sich um einen Mitbürger mit Namen Nana Domena handeln. Der Kölner Stadtanzeiger hat ihn im Mai 2016 als „Gute-Laune-Mensch“ und „Youtube-Star“ porträtiert.

Porträt Nana Domena, der Gute-Laune-Macher auf der Kundgebung in Leipzig (wie München 12.9.)

Ich kann das weder bestätigen noch dementieren. Ich habe ihn am 12.09. erstmals gehört. Er spricht für meinen Geschmack zu viel, zu schnell und mit einer Nuance zu viel guter Laune angesichts der augenblicklichen Lage.
Meine heutige Google-Suche hat ergeben, dass Correctiv ihm rechtsradikale Verbindungen nachsagt. Das überrascht bei ihm jetzt doch ein wenig (so schnell kann’s gehen), aber bei Correctiv eigentlich nicht.

Fazit

Die Demonstration ist überwiegend in friedlicher Stimmung abgelaufen und erinnert mich mit den Details, Videos und Zitaten an die Münchner Demonstration vom 12.09., über die die Süddeutsche Zeitung ausführlich berichtete. Allerdings trat die Polizei in München weniger konziliant auf und nutzte jede Gelegenheit für Interventionen.

Nachtrag 13.11.2020
Hier der Brief eines ehrenamtlichen Thüringer Bürgermeisters, der in Leipzig dabei war:

Empfertshausen existiert (in der Rhön), und sein ehrenamtlicher Bürgermeister heißt Carsten Brand und ist durchaus umtriebig. Eine verlinkbare Nachricht, dass er diesen Brief tatsächlich geschrieben hat, habe ich noch nicht gefunden.

So bieder sind Reichsbürger

Ich habe noch nie einen Reichsbürger gesehen und verstehe auch überhaupt nicht, was der Punkt an deren politischen Botschaft sein soll. Aber gut, man muss schließlich nicht alles verstehen, was im Fernsehen wichtig genommen wird.

Reichsbürger in der Video-Falle

Nach der Querdenken-Demonstration vorletzte Woche in Köln wurden aber offensichtlich zwei solche Reichsbürger dabei beobachtet und gefilmt, wie sie noch schnell eine originalverpackte Reichsflagge („Schwarz-Weiß-Rot“) aus dem Auto holten, um sie zu schwenken und damit vermutlich „umstrittene“ Bilder von der Demonstration zu produzieren.
Hier das Video:

„Reichsbürger“ packen am Ende der Demo schnell noch eine Reichsflagge aus und werden angesprochen

Der Reichsbürger an sich ist
ein Biedermann

Dieses Foto zeigt die ganze biedere Harmlosigkeit des flaggenführenden Reichsbürgers:

Reichsbürger bereitet die Reichs(kriegs?)flagge für den Sturm auf den Kölner Dom vor

Im nächsten Bild hat sich der Reichsbürger in seiner ganzen Harmlosigkeit aufgerichtet und schwingt seine Kriegsflagge wie ein kleiner Junge die Laterne beim Martinsumzug:

Im gelben Rucksack eine Brotzeit: EPA oder Backmandl?

Sein (Lands-)Knecht wirkt zwar entschlossen und relativ verschlagen, mutmaßlich aber vor allem mit dem Ziel, dass sein Bauch immer gut gefüllt bleiben möge in den Diensten seines Herrn.

Studienrat und Hausmeister? Redakteur und freier Mitarbeiter?
Beides möglich, aber schwer zu sagen!

Die Reaktion der Zeugen

Bemerkenswert finde ich die Demonstranten, die den Reichsbürger ehrlich empört ansprechen, was er denn da treibe:
Mann: „Vorher nicht auf der Demonstration und jetzt holen sie die schwarz-weiß-rote Fahne hier raus, damit man die passenden Bilder erzeugen kann
Frau: „Echt
Mann: „Ja. Guck mal, die hat ja noch die Original-Falten
Frau: „Ist doch Scheiße von Euch!“

Sicher beobachtet, aber sehr zivilisiert formuliert.
Man könnte solche Schweinepriester auch mal….

Identitäre Frage: Wer war das?

Sehr schnell recherchierten viele Hobby-Detektive, um wen es sich bei diesen beiden Reichsbürgern wohl handeln könnte. U.a. der Journalist Boris Reitschuster veröffentlichte Indizien, dass es sich um zwei WDR-Journalisten handeln könnte, u.a. mit diesem Foto-Abgleich aus WDR-Archiven:

Eine gewisse Ähnlichkeit mit WDR-Journalisten fiel auf

Die Übereinstimmung bei Herber fand ich besser als bei Wollentarski:

Aber ein Brillenvergleich wurde mir entgegengehalten:

Und aus diesem Dreh mit einem offensichtlichen WDR-Journalisten:

die auffällige Übereinstimmung eines Mals links unter der Backe:

Hoppla. Ein 100%-Beweis ist das nicht, aber eine verblüffende Übereinstimmung bei 2 Personen, 2 Reichsbürgern und 2 WDR-Journalisten schon: Ein Anfangsverdacht, der nicht von der Hand zu weisen ist.

Dünne Dementis

Der WDR dementierte:

Zuvor hatte der WDR auf Twitter dementiert:

und angeblich auch ein merkwürdig widersprüchliches Dementi einem Interessierten gegeben:

Dabei wurde Herber zu dem Zeitpunkt noch mit Bild auf einer WDR-Seite angezeigt:

Nicht zuletzt ruderte auch Boris Reitschuster spektakulär zurück. Ein ‚Wladimir‘, ein ‚russlanddeutscher Patriot‘, habe sich bei ihm gemeldet und mitgeteilt, dass er der Reichsbürger auf dem Video gewesen sei. Dazu veröffentlichte Reitschuster zwei Fotos von ‚Wladimir‘. Das hier soll der Gegenbeweis sein:

Dieses Foto hat jetzt allerdings eher weniger Beweiskraft als die oben gezeigten. Es ist relativ offensichtlich, dass der Schriftzug „Friedensvertrag“ im Originalfoto nicht enthalten war, sondern dort hinein ‚gephotoshopped‘ worden ist. Man sieht es an der Wirkung der Schrift(größe) und auch an der falschen Perspektive des Schilds. Möglicherweise ist die ganze Figur ‚Wladimir‘ im Vordergrund rechts vor das Distanzfoto montiert worden.

Und noch etwas stört ganz erheblich:
Der oben beschriebene Aufzug des Reichsbürgers in der jägergrünen wattierten Jacke passt zwar zu einem nordwestdeutschen Intellektuellen (Studienrat oder Redakteur oder…), aber nicht zu einem russlanddeutschen ‚Patrioten‘.

Insgesamt wirkt Reitschusters Dementi wie eine eilig zusammengeschusterte ‚Legende‘: weniger plausibel als der ursprüngliche Verdacht. Vor allem aber liefert er gar keine Identität, denn ‚Wladimir‘ ist keine.

Fazit

Sagen wir so:
Der WDR-Verdacht ist zwar dementiert, aber nicht ernsthaft ausgeräumt.
Und auffällig ist auch, dass von einer medialen Verfolgung des Reichsbürger-Nazis ‚Wladimir‘ in den sonst so eifrig Reichsbürger jagenden Medien, gerade auch beim WDR, gar nichts zu hören war. Warum nicht? Lässt man die Sache auf sich beruhen, weil man selbst so günstig aus einer misslichen Lage befreit worden ist? Von Reitschuster.
Unabhängig von der Identitätsfrage bleibt aber ein Eindruck, dass diese gefährlichen Reichsbürger eher harmlos wirken, sobald sie live und aus der Nähe aufgenommen werden. Wie kann das sein?