4 Jahre Weihnachtsmarkt-Elend

Zuerst kamen die LKW-Sperren, dann, AHA, ein gesunder Hass auf den Glühwein:

Der Terror zeigt Gesicht und wandelt sich: Gesundheit statt blinder Hass

Spaß beiseite: der Terror befindet sich tatsächlich im Wandel, und das hat auch mit dem Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz zu tun.

Vorwissen zum Täter

Das Breitscheidplatz-Attentat war schlecht gemacht mit extrem vielen Pannen. Eine wichtige stellt dieser Tweet von Lutz Bachmann dar:

Liveticker des Berner ‚Bund‘ in den Tagen nach dem Attentat

Der Liveticker ist leider längst gelöscht, aber der am Schluss erwähnte SPIEGEL-Artikel vom 22.12.2016 existiert noch und berichtet im wesentlichen Dasselbe. Am selben Tag war das auch in anderen Medien Thema: FAZ, taz, Stern, Deutsche Welle, BZ, watson.ch.

Brisanter Zeitablauf

Detaillierter Zeitablauf:

19.12. 20:02 Uhr: LKW am Breitscheidplatz vorgefahren
19.12. 21:38 Uhr: Festnahme eines tatverdächtigen Pakistani gemeldet
19.12. 22:16 Uhr: Lutz Bachmann twittert über tunesischen Täter
19.12. 09:53 Uhr: Polizei Berlin: Übergabe der Ermittlungen an GBA
20.12. 12:02 Uhr: Tatleugnung des Verhafteten wird berichtet
20.12. 13:06 Uhr: „Wir haben den falschen Mann“
20.12. 16:30 Uhr: Papiere des Tunesiers Amri im LKW gefunden
20.12. 19:01 Uhr: Meldung über Freilassung des verhafteten Pakistani
22.12. 11:40 Uhr: Bachmann rudert mit „Glaskugel“-Tweet zurück
23.12. 03:00 Uhr: Anis Amri in Sesto San Giovanni/Mailand erschossen

Zwischen dem 1. Tunesier-Tweet von Bachmann und der angeblichen Entdeckung der 1. Spur von Anis Amri lagen also mehr als 18 Stunden!

Bachmann selbst hat dann bis zum 22.12. wohl gemerkt, wie brisant dieses Problem war, und ruderte deshalb zurück:

Lutz Bachmann rudert zurück und braucht dringend Ruhe

Das Hauptproblem war nicht die Frage, wer ihm die Information zugesteckt hat (und warum), sondern dass sie zu diesem Zeitpunkt am Abend des Attentats offiziell noch gar nicht existierte, denn angeblich wurden die Papiere Amris erst am nächsten Tag im LKW gefunden (was natürlich auch wieder Zweifel nährte und umständliche Erklärungen erforderte).

Das war die Bombe für Bachmann:

Und über diese explosive Frage, wer da Vorwissen über den späteren Attentäter hatte und ausgerechnet Bachmann informierte, wurde danach lange geschwiegen, während es viel über andere ‚Pannen‘ mit Amri zu schreiben gab.

Bachmann hat 2020 ausgesagt

Fast 3 Jahre nach dem Attentat hat der Bundestagsuntersuchungsausschuss letztes Jahr beschlossen, Lutz Bachmann zeitnah zu seinem Vorwissen zu vernehmen, auf Antrag der Grünen und mit den Stimmen der AfD:

Alle anderen Fraktionen hatten sich im Vorfeld dagegen ausgesprochen und dann bei der Abstimmung enthalten:
Wir sehen die Gefahr, dass Bachmann die Sitzung für seine rassistischen Reden nutzt. In der Sache selbst wird er keine ehrliche Antwort geben

Die Befürchtung über rassistische Reden halte ich für eine Nebelkerze und sie hat sich auch nicht erfüllt. Es hat dann aber doch wieder fast ein Jahr gedauert, bis Bachmann am 6. November 2020 wirklich vor dem Untersuchungsausschuss ausgesagt hat, nach einigem Hin und Her, abgesagten Terminen und damit fast 4 Jahre nach seinem verdächtigen Tweet:

Bachmann-Aussage vor dem Bundestags-Untersuchungsausschuss

Bachmann hat sich damit optimal aus der Affäre gezogen: sich nur minimal von seiner ursprünglichen Aussage entfernt („mit Berliner Dialekt als Polizist ausgegeben“ statt „aus der Berliner Polizeiführung“) und den Informanten in eine glaubwürdig mögliche Anonymität versteckt. Das wäre gerade dann eine geschickte Aussage, wenn er Kontakte zu einem Geheimdienst hätte, der ihm diese Informationen gezielt gesteckt hatte, damit er damit Stimmung macht.

Ergebnis:
1. Bachmann hat jetzt seine Ruhe
2. Sein Informant ist geschützt
3. Die Berliner Polizei(führung) ist ein Stück weit entlastet
4. Das dokumentierte Vorwissen ist bestätigt.

Mediale Nebelkerzen

Vor der Vorladung und noch zwischen Vorladung und Aussage hatten Medien immer wieder versucht, Nebelkerzen zu werfen. Zum Beispiel die Tagesschau am 10.6.2020:

„Über undichte Stellen in der Berliner Polizei gab es von Beginn an eine Debatte. So hatte der rechtsradikale ‚Pegida‘-Gründer Lutz Bachmann wenige Stunden nach dem Attentat vom 19. Dezember 2016 auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche über den Kurznachrichtendienst Twitter folgende Meldung verbreitet: ‚Interne Info aus Berliner Polizeiführung: Täter tunesischer Moslem. Das der Generalbundesanwalt übernimmt, spricht für die Echtheit'“.
Und wieder am 24.9.2020:

Die Vernebelung bestand hier darin, dass wenn ein Berliner Polizist in einer AfD-Chatgruppe noch am Tatabend die tunesische Nationalität an Lutz Bachmann verraten hätte, ein viel größeres Problem sofort offensichtlich wäre:

Die Tatsache nämlich, dass die Information am Tatabend in der Polizei überhaupt schon existierte.
Was das bedeutet, wurde aber von Medien weder unmittelbar nach dem Attentat, noch in den fast 4 Jahren bis zu Bachmanns Aussage noch danach thematisiert
, weil sie die offizielle Version des Attentats auf den Kopf stellt.

Zahllose Pannen

Nach dem Attentat sind zahlreiche Pannen bekannt geworden, die von den Medien in immer neuen Variationen berichtet werden.
Die Quintessenz der Pannen war, dass Amri keinesfalls ein unbeschriebenes Blatt, sondern den Sicherheitsbehörden so bekannt war, dass man sich fragen muss, warum er noch im Land und auf freiem Fuß war und ob er evtl. von Behörden geschützt wurde:

Peter Schaar, Trügerische Sicherheit

Und hier wird nur die allzu berechtigte Frage gestellt, inwieweit die Sicherheitsbehörden und die Überwachung (nicht) in der Lage sind, Sicherheit herzustellen. Die Frage, ob sie etwa beim Terror aktiv mitmischen oder ihn fingieren, wird nicht gestellt.

UA-Mitglieder haben eine Ahnung

Auch Mitglieder des Bundestagsuntersuchungsausschusses finden viele sehr merkwürdige Punkte in der Amri-Geschichte:

Das sind alles valide Punkte. Die Sache mit Mailand zB bedeutet, dass Amri am 19.12.2016 gar nicht in Berlin gewesen sein müsste, damit doch Spuren von ihm am LKW gefunden werden konnten. Die angebliche und bereits am 23.12.2016 erforschte Fluchtroute von Amri von Berlin nach Mailand war ja auch reichlich kompliziert.
Dieser Punkt war anderen Beobachtern allerdings noch im Dezember 2016 aufgefallen:
Ein Rätsel ist zum Beispiel auch die Tatsache, dass der Lkw, den Amri offenbar für sein Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt benutzte, seine Fahrt ursprünglich in Italien begonnen hatte. In Cinisello Balsamo, nur ein paar Kilometer von Sesto San Giovanni entfernt. Ein Zufall?“

Apropos „Helden von Mailand„: Foto mit Hitlergruß sorgt für Wirbel
(Was für ein Extremisten-Stadel!)

Aufklärung nicht zu erwarten

Es wirkt, als träten die Untersuchungen auf diese Weise jahrelang auf der Stelle. Die Rätsel und Pannen werden zwar hier und dort erwähnt oder gar gesammelt, aber niemals zu einem Bild zusammengefügt, das der offiziellen Version widerspricht:

Verdrehen, Vernebeln und Verschleppen, bis es niemanden mehr interessiert.

Der entscheidende Punkt dabei ist, dass Anis Amri offiziell tot ist und ihm keine Schuld mehr gerichtlich nachgewiesen werden muss. Es reicht also aus, die offizielle Tatversion gelegentlich in Medien zu wiederholen, z.B. im Zusammenhang mit dem Gedenken an die Opfer, um aus ihr eine unbestreitbare Wahrheit zu machen.

Begründete Zweifel sind Hass

Ein sehr gutes Video über das Attentat vom Breitscheidplatz wurde bereits mehrfach von Youtube gelöscht weil es angeblich ‚Hassreden‘ verbreitet:

Das Video ist allerdings noch vereinzelt auf anderen Plattformen verfügbar. Hier kann noch jeder selbst nach der Hassrede suchen:

Video ohne Hassrede, aber mit unerwünschten Einsichten zum Attentat auf dem Breitscheidplatz

Das gilt auch für Bücher, die zu ähnlichen Schlüssen kommen:

Terror mit begrenzter Wirkung

Das Attentat am Breitscheidplatz ein gutes Jahr nach der Einwanderungswelle von 2015 hat nicht ausreichend gewirkt, auch nicht der erneute Versuch ein Jahr später von SPIEGEL und WELT, Angela Merkel damit zu stürzen.
Texte, Videos und Bücher, die die offizielle Version bezweifeln, hatten offensichtlich eine so große Reichweite, dass sie die Wirkung des Attentats stark reduzierten.

Terrorexperte denkt weiter und quer

Terrorexperte Peter R. Neumann war sehr nah dran und schnell bei Amri:

„Starke Beweise“, dass es eine direkte Verbindung zum IS gab:
Die ZEIT machte einen wahren Artikel daraus.
Nicht weniger gern als das Qualitätsblatt nahm Bild später den neuesten Schrecken aus Nahost:

Oder auch die Mainpost. Aber so langsam ging es abwärts mit dem IS-Schrecken:

Peter R. Neumann über das Weihnachtsmarkt-Attentat von Strasbourg

Auch wenn das Thema mit Wien nochmals aufgeflackert ist:

Das Thema islamistischer Terror läuft insgesamt nicht mehr rund.
Außerdem spielt es „Rechtspopulisten“ zu sehr in die Hände, auch wenn sich Lutz Bachmann ein wenig die Finger daran verbrannt hat.

Zeit also zum Umdenken und zu neuen Perspektiven:

Nicht nur in BILD, sondern auf allen Kanälen, auch beim ZDF:

Da kommt etwas Neues. Auf die Radikalisierung bei Peter R. Neumann ist Verlass. Er forscht und arbeitet daran, und schon eine ganze Weile in Richtung Corona.
Mit diesem Wissen kann man die Querdenker nur vor Radikalisierung warnen, vor allem natürlich vor naiver und geschwätziger Radikalisierung wie im Sympathisanten-Umfeld der RAF.

Nachtrag 8.3.2021
Das Kratzen an der Oberfläche des Attentats vom Breitscheidplatz geht weiter:
Neues Gutachten zieht Amris Täterschaft in Zweifel
Damit keine Zweifel aufkommen, dass das Attentat überhaupt so abgelaufen ist, könnte der Fahrer doch ein anderer böser Islamist gewesen sein.
Das wird aber an der offiziellen Version wenig ändern: Amri war’s.

Gates sieht Super-Chance

Bill Gates lässt in einem Interview mit der US Chamber of Commerce Foundation die Katze aus dem Sack:

18.11.2020: Der Video-Ausschnitt wurde inzwischen von Youtube gelöscht. Hier ist das vollständige Gespräch, die entscheidende Passage zwischen Minute 6:00 und 7:00:

Das Transkript des ganzen Interviews findet sich hier mit Datum vom 26.6.2020. Es wird auch aus dem Interview klar, dass das Interview kürzlich, also nach dem Ausbruch von Corona 2020, stattgefunden hat. Gates sagt in dem Ausschnitt im Video:

„In fact, the testing could have been ramped up very quickly. A few countries that have almost avoided the epidemic entirely like Taiwan, New Zealand, and Australia, they took their experience and actually prepared, and moved a lot faster. We have to prepare for the next one. That will get attention this time

„Tatsächlich hätten die Tests sehr schnell ausgeweitet werden können. Einige wenige Länder, die die Epidemie beinahe vollständig vermieden haben wie Taiwan, Neuseeland und Australien, haben ihre Erfahrungen gemacht und sich tatsächlich vorbereitet und schneller gehandelt. Wir müssen uns auf die nächste vorbereiten. Und die wird dann wirklich Aufmerksamkeit bekommen

Vor dem letzten Satz macht er eine Pause und baut er auch stimmlich sehr stark Spannung auf, und als er ihn ausspricht, läuft ihm ein unwiderstehliches Grinsen übers Gesicht wie einem schlechten Pokerspieler, der weiß, dass er 4 Asse oder einen Royal Flush auf die Hand bekommen hat. Und auch seine Frau grinst im Standbild ganz glücklich, obwohl es doch um eine für viele Menschen sehr schlimme Sache geht (Remember: 500000 Tote weltweit). Das war aber noch gar nix, das nächste Release wird wirklich richtig cool:

Die natürlichste Frage der Welt lautet: Was weiß Gates? Und woher?

Ist das die 2. Welle, über die selbst ein intensiver Medienkonsument wenig Beunruhigendes weiß und Schlimmes nur vermuten kann?

Ist es dieselbe 2. Welle, die Markus Söder in derselben Woche auch ganz sicher kommen sah:
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Was tun?

Sich Gedanken darüber machen, wie eine 2. Welle aussehen könnte.
Unnötige Risiken meiden: Menschenmengen, Super-Spreader-Events, Flugreisen
Abwehrkräfte stärken: Sommer an der frischen Luft verbringen, viel schlafen, sich gut ernähren
Vorräte überprüfen: Lebensmittel, Nudeln, Reis, Konserven, Falt-Wasserkanister, Werkzeug, wichtige Ersatzteile für Haus und Fahrrad etc.
Kontakte knüpfen und pflegen: Kontakte zu welchen Menschen sind wirklich wichtig, wenn es wieder Kontaktbeschränkungen gibt? Wer tickt ähnlich bei der Virus-Angst? Wer ist stabil und zuverlässig? Wer sorglos oder panisch?
Nachrichten verfolgen: welche Nachrichten sind wirklich neu und nicht die übliche langweilige Panikmache oder die übliche Schlamperei?

Das Leben geniessen! Es wird nichts besser davon, dass man es sich schon vor der nächsten Welle vermiesen lässt.


Christchurch und ein Muster

In einem neuseeländischen Bericht über die beiden Polizisten von Christchurch, die den Attentäter überwältigt haben, fällt folgende Passage auf:

We now know more about exactly what happened in the moments before, including the fact that the officers were at a training day, preparing for an event like Friday’s tragedy

Die Beamten waren also auf einem Training, wo für genau das trainiert wurde, was gleichzeitig geschah: ein terroristischer Anschlag. Das ist natürlich ein wahnsinniger Zufall: „hell of a coincidence„.

Noch viel unglaublicher wird der Zufall, wenn man weiß, dass genau diese Art von Zufall in den letzten Jahren und Jahrzehnten sehr häufig bei großen terroristischen Ereignissen auftritt, völlig unabhängig davon, ob das Attentat aus rechtsradikalen oder islamistischen Motiven begangen wurde. Dasselbe Phänomen wurde sowohl bei den Pariser Attentaten 2015, also auch beim Breivik-Attentat von Oslo als auch am 11. September 2001 beobachtet.

Eine gute Zusammenfassung dazu gibt es in einem Heise-Artikel von 2015:

Der trainierte Terror

Ermittler bezweifeln die offiziell behauptete Logik der Pariser Anschläge. Eine Übung am gleichen Tag wirft Fragen auf. Zahlreiche Übungen vor vergleichbar schweren Anschlägen in der Vergangenheit legen zudem ein Muster nahe

Exakt dieses Muster hat sich jetzt also auch in Christchurch wieder gezeigt. In der Bewertung dieses Musters war der Autor sehr vorsichtig:

Die Gleichzeitigkeit für sich genommen ist wohl kaum mehr als ein ungewöhnlicher Zufall. Eine weitergehende Prüfung ergibt allerdings, dass vielen der bekanntesten Terroranschläge der letzten 15 Jahre in westlichen Metropolen (Paris 2015, Boston 2013, Norwegen 2011, London 2005, Madrid 2004, New York und Washington 2001) Notfallübungen unmittelbar voraus gingen, die oftmals auch noch einem Szenario folgten, das ganz ähnlich dann Realität wurde. Zumindest für einige der bekanntesten Anschläge ist das belegbar (Details siehe unten). Im herkömmlichen Rahmen lässt sich eine solche Koinzidenz nicht erklären

In dieser Häufung sind das eindeutig zu viele Zufälle. Die Lektüre des Artikels von 2015 lohnt sich, um sich die unwahrscheinliche Häufung dieser Art von Zufall an vielen Beispielen deutlich zu machen. Und natürlich ist es bedeutsam, dass genau dieses Muster jetzt in Christchurch erneut aufgetreten ist.

 

Nachtrag 21.03.2019
Hier noch eine neuseeländische Zeitung, die Details zum Training berichtet:
The officers, who the Herald has agreed not to name, are both based in smaller towns out of Christchurch.
Their boss rural response manager Senior Sergeant Pete Stills said the pair had travelled into Christchurch to attend a training session at Princess Margaret Hospital in Cashmere. The training was held on a disused floor of the hospital and was around room clearance and dealing with offenders in armed incidents.
They were actually training when the call came through that there was an active armed offender in Christchurch

Ein bemerkenswerter Sieg

Wenig ist im Medien-Mainstream zu lesen über den Erfolg von Gerhard Wisnewski bei der Abwehr einer Klage von Richard Gutjahr. Dabei hatte der BR-Journalist Richard Gutjahr noch Anfang des Jahres ein großes Medien-Echo ausgelöst mit der Ankündigung, sich Personen „weise“ auszusuchen und gegen sie vorzugehen, die ihm ein Vorwissen zu den Attentaten von 2016 in Nizza und München unterstellen. Dabei haben er und sein Anwalt sich offensichtlich gewaltig verschätzt. Hier das  Thriumphgeheul der „Verschwörungstheoretiker“ und hier ein seriöser Jammertext zum überraschenden Prozessausgang.

In meinem Beitrag geht es wenig um den Fall Gutjahr und mehr um Gerhard Wisnewski, seine Stärken und Verdienste und die Schwächen und Grenzen seiner Arbeit. Und natürlich geht es auf dieser Grundlage auch um eine Einschätzung des Urteils:

Gut oder weniger gut für die Freiheit von Meinung und Berichterstattung?

Die Verdienste des Gerhard Wisnewski

Gerhard Wisnewski hat sich als WDR-Journalist mit Recherchen zuRAF-Phantomm Thema RAF-Terrorismus einen Namen gemacht. Er hat im Magazin ‚Monitor‘ nach Recherchen im Sommer 1992 zur bis heute nicht aufgeklärten Ermordung von Alfred Herrhausen Hinweise präsentiert, dass der Kronzeuge der Behörden für eine RAF-Täterschaft, der V-Mann Siegfried Nonne, zu dieser Aussage genötigt und gedrängt worden war. Der Untergang dieser Spur hat zu einem erheblichen Glaubwürdigkeitsverlust des bis dahin in Deutschland in der breiten Öffentlichkeit nie in Frage gestellten Narrativs vom gefährlichen Linksterrorismus geführt. Der Glaubwürdigkeitsverlust könnte so groß gewesen sein, dass er ein Jahr später zum Zwischenfall von Bad Kleinen geführt hat, bei dem mit dem toten Wolfgang Grams endlich ein Mitglied der 3. Generation der RAF auftauchte. Diese Geschichte hat Wisnewski mit 2 Mitautoren in diesem Buch dokumentiert, für Deutschland eine Pionierarbeit auf dem Feld des Terrorismus unter falscher Flagge. Wisnewskis früher Verdacht ist später in sehr akribischen Arbeiten sogar für die 2. Generation der RAF bestätigt worden: Der RAF-Terror muss von staatlichen Stellen mindestens gedeckt worden sein.

Im Jahr 2003 hat es Wisnewski wieder im WDR gewagt, Zweifel an der offiziellen Version zum 11. September zu äußern, namentlich an den Flugzeugabstürzen von Shanksville und ins Pentagon. Dieses Mal hat ihn diese Kühnheit nach sehr negativen Berichten im Spiegel und anderen Medien die Aufträge seines wichtigsten Brötchengebers, des WDR, gekostet.

9/11 – eines der stärksten Tabus unserer Zeit

Wisnewski war eines seiner ersten Opfer, aber das Tabu, den Ablauf des 11.9.2001 in Frage zu stellen, ist eines der stärksten der letzten Jahrzehnte. Kein Wunder, hat doch dieses Ereignis die Rechtfertigung für eine ganze Serie von Kriegen „gegen den Terror“ u.a. in Afghanistan und im Irak geliefert, die allesamt zu katastrophalen humanitären und auch strategischen Ergebnissen geführt haben, wie inzwischen allgemein anerkannt wird.
Wegen Verletzung dieser Tabus sind nach Wisnewski noch weitere Medienschaffende ins Visier massiver Kampagnen geraten, u.a. Ken Jebsen und Daniele Ganser.

Eine der größten medialen Niederlagen für die Staatsversion der Attentate vom 11. September war aber die Veröffentlichung einer rein technischen Arbeit von Vertretern der amerikanischen Ingenieur-Organisation „Architects & Engineers for 9/11 Truth“ in „Europhysics News“, dem Mitteilungsblatt der Dachorganisation der Europäischen Physikalischen Gesellschaften. Dabei wurden solche verstörenden Detailfotos von offensichtlichen Explosionen aus dem Inneren der Gebäude weit unterhalb der aktuell einstürzenden Etagen gezeigt:

AE911ThruthSquibs

und Berechnungen auch zum weniger bekannten Einsturz des dritten, nicht von einem Flugzeug getroffenen Gebäudes  WTC-7 vorgestellt, das bereits im Mittelpunkt von Daniele Gansers Artikel im Schweizer Tagesspiegel im Jahr 2006 zu dem Thema gestanden hatte.
Tatsächlich sind also Zweifel am Ablauf des 11. Septembers in den Jahren seit 2003, dem Jahr des Rauswurfs von Gerhard Wisnewskis beim WDR, durch viele unabhängige Autoren und mit ganz anderen Ansätzen zu verschiedenen Aspekten immer weiter fundiert und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt worden. Die Aussagen des Bürgermeisters von Shanksville, der laut Wisnewski ursprünglich am angeblichen Einschlagsort des Flugs kein Flugzeug gesehen haben will („Da war nichts! … Nur dieses Loch.“) haben seither sehr stark an Bedeutung verloren, denn die inzwischen gesammelten physikalisch-technischen Einwände insbesondere zum Einsturz von WTC1, WTC2 und vor allem WTC7 sind durch korrigierte Zeugenaussagen[1] nicht mehr zu entkräften.
Trotzdem fühlt sich auch ein Medien-Watchdog wie Übermedien noch heute genötigt, diesen Beitrag von Wisnewski als Grund für seinen Rausschmiss beim WDR zu unterstützen:

ÜbermedienEmpört

Andere mutmaßliche journalistische Fehlleistungen oder Unsauberkeiten desselben Kalibers werden von Übermedien wohl gelegentlich kritisiert, aber praktisch nie mit der Forderung verknüpft, den Verantwortlichen auch zu entlassen. Woher die doppelten Standards? Woher der giftige Eifer im Fall Wisnewski? Und warum in einem Fall, wo Wisnewskis Verdacht inzwischen durch viele andere und schwer widerlegbare Arbeiten erhärtet worden ist?

[1] Bei der hohen Brisanz der Thematik für die Weltpolitik ist gleichzeitig auch klar, dass es einem Staat, der bei  einem anderslautenden Befund mit dem Rücken zur Wand stehen würde, nicht schwerfallen sollte, einen kleinen Bürgermeister im eigenen Land zu einer korrigierten Aussage zu drängen, zu nötigen oder auch zu erpressen. Eine Korrektur auch von gegenüber Wisnewski tatsächlich gemachten Aussagen wäre unter diesen  Bedingungen also wenig überraschend und wenig beweiskräftig.

Best of Wisnewski:
Der begründete Anfangsverdacht

Nach der Nachricht vom juristischen Sieg Gerhard Wisnewskis über Richard Gutjahr habe ich mir den betroffenen Jahrgang von „verheimlicht vertuscht vergessen“ bestellt. VVV2017Im Gegensatz zum „RAF-Phantom“ hatte ich bisher kein Buch Wisnewskis aus dieser Reihe gelesen. Das Buch ist seit dem Prozesserfolg und damit dem Ablauf  einer einstweiligen Verfügung beim Autor wieder verfügbar, so dass sich jeder ein eigenes Bild von dem machen kann, was Wisnewski über Gutjahrs mögliche Rolle beim Terror von Nizza und München geschrieben hatte.
Man kann das durchaus als „Raunen“ bezeichnen: Außer bekannten Tatsachen und Spekulationen und Fragen, die Richard Gutjahr nicht beantwortet hat, stehen da keine weiteren Details.

Auch bei anderen Themen findet man viel Gegen-Meinung zu dem, was der Mainstream als Tatsache berichtet oder bewirbt. Die Bandbreite reicht von Flüchtlingen über die Gesundheitsschädlichkeit des Frauen-Karriere-Ideals bis zur Mondlandung. Viele Quellen sind im Mainstream nicht gerade besonders wohlgelitten.

Aber einen Fall, der an die Pionierleistungen des Gerhard Wisnewski anknüpft, habe ich in dem Buch doch gefunden:

Das Eisenbahnunglück von Bad Aibling

Die offizielle Version des Geschehens findet man hier. Dagegen lässt sich der Verdacht Wisnewskis mit wenigen Quellen skizzieren:
Mir war anhand dieses Berichts auch schon damals aufgefallen, dass sich der behauptete Ablauf mit dieser komplexen Fehlerkette mit Fahrlässigkeit durch Ablenkung kaum vereinbaren lässt. Die von Wisnewski zitierte Behauptung der Staatsministerin Haderthauer, dass das Unglück vorsätzlich  entstanden sein müsse, weil die Möglichkeit, dass Fahrlässigkeit so die technischen Sicherungen außer Kraft setzen könne, absolut schockierend sei. Diese Aussage habe ich so im Netz nicht mehr gefunden, stattdessen nur eine stark entschärfte Version davon. Nehmen wir zugunsten von Wisnewski (ähnlich wie beim Bürgermeister von Shanksville) einmal an, dass diese Aussage von interessierter Seite medial nachjustiert worden ist. Die sehr spät angeordnete Untersuchungshaft für den Beschuldigten fand wie von Wisnewski berichtet tatsächlich auch das Lawblog sehr ungewöhnlich. Wisnewski vermutet, dass er damit unter Druck gesetzt wurde, um ein passendes Geständnis zu erreichen. Im Lawblog-Beitrag wird übrigens auch Wisnewskis Hinweis bestätigt, dass der Fahrdienstleiter sein Online-Spiel einige Minuten vor dem Unglück beendet hatte, die Ablenkung so groß also nicht gewesen sein kann. Wisnewski weist auch korrekt auf die Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hin, die bestätigt, dass just am Tag vor dem Unglück eine Inspektion des Stellwerks stattgefunden hat, bei der nach seiner Ansicht eine Manipulation der Anlage vorgenommen worden sein könnte:
„Die in der Antwort zu Frage 3 angesprochene Inspektion am Stelltisch und der Innenanlage fand am 8. Februar 2016 in der Zeit von 9:10 Uhr bis 15:36 Uhr statt. Da anschließend wieder ein regulärer Zugbetrieb erfolgte, kann hieraus kein Zusammenhang mit der Notwendigkeit von Ersatzhandlungen am Folgetag hergestellt werden“
Die alte Spürnase Wisnewski hat damit nach meiner Meinung tatsächlich einen begründeten Anfangsverdacht, dass bei dem Unglück von Bad Aibling nicht alles so gelaufen ist, wie die Medien und die Politik behaupten, dass da durchaus auch ein Sabotage- oder Terrorakt vertuscht worden sein könnte. Wisnewski selbst spekuliert, dass über die Bundesbehörde Bahn die Bayerische Staatsregierung unter Seehofer eingeschüchtert wurde, ihre damals harte Opposition gegen Merkels Politik einzustellen. Das ist aber wirklich Spekulation, denn Hintergründe lassen sich aus den von Wisnewski aufgeführten validen Argumenten nicht ableiten. Inzwischen ist der Fahrdienstleiter übrigens wieder aus der Haft entlassen worden.

Wisnewski hat in diesen Fall offensichtlich wesentlich mehr Mühe investiert als in andere Behauptungen aus dem Buch. Was hätte er noch tun können und müssen, um seinen (ungeheuerlichen) Anfangsverdacht weiter zu bestätigen? Er hätte damals den Prozess beobachten oder beobachten lassen können, um zum Beispiel die Aussagen des Fahrdienstleiters wörtlich festzuhalten. Die Frage ist, ob er dafür als freischaffender Journalist, der vom Mainstream ausgestoßen und isoliert wurde, genug Zeit investieren und trotzdem wirtschaftlich überleben kann.

Fazit

Der Freispruch für Gerhard Wisnewski ist im Sinne der Meinungsfreiheit zu begrüßen. Es muss möglich bleiben, medial favorisierte und staatlich erwünschte Narrative über Terror zu hinterfragen und insbesondere auf merkwürdige Zufälle und die Möglichkeit von Vorwissen bei wichtigen Akteuren hinzuweisen, ohne gerichtsfeste Beweise zu haben.
Gerhard Wisnewski bewegt sich inzwischen sicherlich manchmal am Rande des Seriösen und eines angemessenen Aufwands bei schwerwiegenden Überlegungen und Vorwürfen. Allerdings hielt sich der journalistische Aufwand des Medien-Mainstreams von SPIEGEL bis taz, ihm Fehler und Falschmeldungen wirklich nachzuweisen, anstatt sie ihm mit Gegenbehauptungen einfach nur zu unterstellen, eher in noch engeren Grenzen. Das gilt sowohl für die Arbeiten zum RAF-Phantom als auch zu 9/11 und den Flugzeugabstürzen von Shanksville und ins Pentagon. Behördenbehauptungen waren dem vermeintlichen Qualitätsjournalismus immer schon ausreichend, um Behauptungen eines unbotmäßigen Kollegen in die Verschwörungsecke zu stellen. Deshalb freuen mich der Sieg von Wisnewski und die schlecht verborgenen langen Gesichter im sogenannten „Qualitätsjournalismus“.
Als Denkanregung und Kontrapunkt zu einem Journalismus, der überwiegend staatliche Erzählungen zu jeder Form von Terror geradezu grotesk stützt, finde ich jetzt sogar sein Buch „Verheimlicht vertuscht vergessen 2017“ gar nicht einmal so schlecht. Es lohnt sich durchaus, gelegentlich einmal eine Theorie Wisnewskis zu lesen und darüber nachzudenken, ob sie stimmen könnte und wo seine Argumente gut sind und wo nicht.

Der Leser sollte aber wissen, dass die meisten der vielen Theorien Wisnewskis keine Volltreffer sein dürften. Bei ihrer großen Zahl ist das noch unwahrscheinlicher als die Möglichkeit, dass Richard Gutjahr an 2 Terror-Tatorten innerhalb einer Woche aufgetaucht ist, ohne dass irgendjemand Vorwissen über die Taten hatte. Wer auf dieser vergleichsweise dünnen Grundlage Menschen wie Gutjahr mit Hassmails schmäht und verfolgt, ist tatsächlich nicht gut beraten. Das Gericht hat Wisnewski bestätigt, dass er es schlauer angestellt hat. Trotzdem ist die Gutjahr-Geschichte kein Glanzlicht für einen investigativen Journalisten, der Qualität liefern will. Wisnewski kann es besser, immer noch.

Randnotiz

Sehr interessant finde ich auch die Tatsache, dass Richard Gutjahrs Anwalt Markus Kompa nicht nur diesen Prozess gegen Gerhard Wisnewski, sondern auch einen anderen Prozess mit umgekehrten Vorzeichen verloren hat, bei dem er den Blogger ‚Blauer Bote‘ gegen die Klage des Stern und des Bertelsmann-Konzerns verteidigte. Der ‚Blaue Bote‘ hatte dem Stern nur vorgeworfen, mit der Geschichte von der syrischen Bloggerin Bana Alabed Fake News zu verbreiten. Diese These ist weniger kühn als die von Gerhard Wisnewski über Richard Gutjahr, die Niederlage des ‚Blauen Boten‘ mindestens so bemerkenswert wie der Sieg Gerhard Wisnewskis. Vielleicht hat ja das Hamburger OLG tatsächlich weniger für die Meinungsfreiheit übrig als das Kölner. Vielleicht.

Nachtrag 12.09.2018
Diesen Videokommentar zum Thema finde ich nicht schlecht, um den Rechtsstreit zwischen Richard Gutjahr und Gerhard Wisnewski einzuordnen
WikiWeltKommentarAber auch dieser Kommentar darunter bringt nochmals gute Aspekte ins Spiel:
„gutjahr war privat in nizza, und filmte als einziger exakt zur richtigen zeit am richtigen ort, in münchen war er ebenso zur richtigen zeit am richtigen ort, von der anderen seite filmte seine tochter, die normalerweise in usa studiert, und auch zur richtigen zeit am richtigen ort war um die berichterstattung für die usa zu übernehmen. seine frau war beim israelischen militärgeheimdienst…. ich empfehle etwas stochastik. du begehst in deiner analyse einen denkfehler: der vorwurf lautet ja nicht automatisch dass hinter den geschichten ein geheimdienst steckt, sondern nur dass geheimdienste ein vorwissen hatten, und das ist der punkt den es zu hinterfragen gilt: war es möglich ein vorwissen zu haben? die frage irgendeiner schuld kommt erst danach.“
Personen, die Gutjahr hemmungslos bepöbeln, scheinen aber genau diesen Punkt auch nicht zu verstehen!

Nachtrag 01.01.2020
Der ‚Blaue Bote‘ hat im Dezember 2019 Fotos von der 911-Absturzstelle in Shanksville veröffentlicht, die Gerhard Wisnewskis damaligen Bericht über die Ungläubigkeit des Bürgermeisters durchaus plausibel erscheinen lassen. Schwer vorstellbar, dass hier eine große Passagiermaschine einfach im Boden verschwunden ist:
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Dafür, dass er Zweifel an dieser Geschichte im WDR öffentlich gemacht und (angeblich) den Bürgermeister falsch zitiert hat, hat Gerhard Wisnewski seine Aufträge als freier Mitarbeiter des WDR verloren. Und heute beklagt sich Richard Gutjahr, dass ihm die BR nicht in den Prozessen u.a. gegen Wisnewski beigestanden hat 🤔
Hier der originale WDR-Beitrag, für den Gerhard Wisnewski vom WDR geschasst wurde: