Klimawissen mit Prof. Ganteför

Prof. Gerd Ganteför hat in seiner Vorlesungsreihe zum Klimawandel einige interessante Vorträge versammelt, die sich ernsthaft am Thema Klima Interessierte mal anschauen sollten

Eigentlich muss ich dankbar sein für die Wühlaktivitäten grüner Aktivisten im Wikipedia-Eintrag von Prof. Gerd Ganteför.
Denn so bin ich dazu gekommen, mir seine Vorlesungsserie mal etwas gründlicher anzuschauen. Ich hatte einen Vortrag schon vorher mit großem Interesse gesehen, aber es gibt sehr viele und die Qualität ist meist ziemlich gut.
Einige fundamentale Vorlesungen sollte man kennen, wenn man mehr wissen will als der durchschnittliche Klima-Nachplapperer:

Planetenbewegung und Milankovic-Zyklen

Der Titel ist eine Provokation: „Die nächste Eiszeit kommt bestimmt„.
In diesem Vortrag erklärt Ganteför die astronomischen Ursachen der Eiszeiten und die Temperaturgeschichte der letzten Hunderttausende von Jahren: sehr empfehlenswert!

Merke:

  • Eem-Warmzeit (Zwischeneiszeit) vor 120.000 Jahren war einige Grad wärmer als heute (Flusspferde in der Themse), Meeresspiegel war einige Meter höher
  • Die aktuelle Zwischeneiszeit des Holozän war auf dem Optimum vor 8000 Jahren wärmer als heute, aber weniger warm als Eem
  • Diese beiden warmen Zeiten und die dazwischenliegende Eiszeit sind nur die letzten einer langen Reihe und von dem serbischen Mathematiker Milankovic seit ca. 100 Jahren erklärt durch:
    – ungleiche Landmassenverteilung auf Nord- und Südhalbkugel
    – variable Exzentrizität der Erdumlaufbahn um die Sonne: Umlaufbahn ist kein exakter Kreis, sondern eine Ellipse mit kleiner, variabler Abweichung vom Kreis, verursacht vor allem durch die Anziehungskräfte der direkten Nachbarplaneten Venus und Mars
    – Präzessionsbewegung der Erdrotationsachse um ihren Mittelwert von ~23°
  • In den warmen Zeiten ist die Temperatur an der Erdoberfläche recht stabil, in den Eiszeiten gibt es große Temperatursprünge
  • Wir befinden uns am Ende der wärmeren Holozän-Zwischeneiszeit und würden eigentlich in die nächste Eiszeit laufen
  • Besonders gut arbeitet er heraus, dass das CO2 in der Vergangenheit die großen Temperaturänderungen nicht verursacht hat, sondern ihnen gefolgt ist. (vgl. hier). Hier zeigt er auch ziemlich deutlich, dass Al Gore in seinem Film „An inconvenient truth“ diesen Zusammenhang falsch / verdreht dargestellt hat.
  • Und dieser astronomisch zu erwartenden Abkühlung überlagert sich nun (angeblich) eine durch CO2 verursachte neue Erwärmung.

Das Holozän

Klimaoptimum der letzten 10000 Jahre: Grüne Sahara und Weinberge in England.
Das war die Phase der Klimageschichte, in der sich das menschliche Leben stürmisch entwickelt hat:

Nach vielen Ausführungen über warme Phasen in den letzten 10000 Jahren (die für den Menschen sehr günstig waren) und die kleine Eiszeit, aus der es viele Zeugnisse einer starken Abkühlung gab, geht er am Schluss auf eine letzte „Überarbeitung“ der Klimadaten durch die zeitgenössische Klimaforschung ein.

Über die dort abgeleitete sehr glatte Temperaturentwicklung bis ins 20. Jahrhundert („Hockey-Stick“) zeigt er sich angesichts der zuvor gezeigten Fakten sehr überrascht und lässt Zweifel durchblicken.
Zu diesem Widerspruch hatte er schon einmal ein separates Video gemacht:

Er wundert sich darüber, dass die großen Klimaschwankungen der letzten 2000 Jahre aus den Lehrbüchern durch „neuere Forschungen“ plötzlich überholt sein sollen, vor allem die Kälte der Kleinen Eiszeit, die ja auch in Texten und Bildern gut überliefert ist.
Da ist er sehr nahe dran an einer erheblich beunruhigenderen Erklärung.

Sonnenaktivität und -flecken

Neben den Schwankungen der astronomischen Parameter der Erdbewegungen gibt es auch Schwankungen der Sonnenaktivität (Kernfusion+Abstrahlung) selbst, die durch Sonnenflecken beschrieben werden:

Klimakatastrophe in Oklahoma

Ein interessantes Beispiel für eine Klimakatastrophe mit menschlichem Beitrag:

Die außergewöhnliche Dürre der 1930er Jahre in Oklahoma ist vorbei. Es gibt wieder Grün dort und die lokale Landwirtschaft hat dazugelernt. Dürren sind nichts komplett Neues, und es wird auch nicht alles immer nur schlimmer.

Fazit

Ganteförs Reihe enthält eine Menge lehrreicher Vorlesungen. Mit 70000 Abonnenten, die sich für mehr als Schlagworte, Weltuntergangsgesänge und alternativlose Lösungen interessieren, hat er eine erhebliche Reichweite. Ganteför zitierte in älteren Vorträgen gerne Wikipedia. Nach seinen Erfahrungen in den letzten Wochen mit der diffamierenden Darstellung seiner eigenen Person dort hat der Wissenschaftler, der sich ernsthaft um unaufgeregte Wissensvermittlung bemüht, wohl ganz neue, unangenehme Erfahrungen gemacht.

Nachtrag 14.7.2023
Die bekannten astronomischen Anteile an der Klimaentwicklung sind auf dieser Seite des geophysikalischen Dienstes (jetzt GeoSphere) in Österreich knapp und gut erläutert und zusammengestellt.