Ich distanziere mich von mir

mein Lieblingstext unter den #allesdichtmachen-Videos kommt von Hanns Zischler, sowohl was die Form als auch was die Inhalte betrifft.

Ihm ist ein wunderbarer Text gelungen: „Ich bin, aber auch manchmal nicht😀, Schauspieler…“

„…ich distanziere mich von morgens bis abends. Ich nehme Abstand“

Er wusste offenbar genau, was folgen würde, und hat es gleich in seinen Text eingebaut. Damit ist er fein raus und hat doch viel von dem gesagt, was zu sagen war.

Warum diese Distanzierung inzwischen „von morgens bis abends“ stattfinden muss, macht Markus Gläser mit Text und Kameraführung sichtbar:

Der Sprecher hat seine „Ecke“ gar nicht unter Kontrolle. Sie wird ihm von außen zugewiesen und er muss sich dort hinbewegen, wo der „Kameramann“ (bzw. die aktuelle Kamera) ihn haben will, sonst fällt er raus – aus der Wahrnehmung.

Abschied von Überzeugungen

Die szenische Illustration der „rechten Ecke“ bringt das auf den Punkt, was Rainer Mausfeld vor mehr als einem Jahr analysiert und prognostiziert hat: Durch geeignetes Framing lässt sich der ‚Kampf gegen Rechts‘ gegen absolut jede Art von Opposition instrumentalisieren:

Mausfeld schreibt:
Zugleich dient die durch eine Verwendung bedeutungsleerer, doch effektstarker Worthülsen hervorgebrachte politische Diskursvermüllung – der gegenüber sich jedes altmodische Reden über fake news nur noch als lächerlich erweist – einem weitergehenden machtstrategischen Ziel.
Es geht nämlich um das machtstrategisch sehr viel tiefere psychotechnische Ziel, bei der Bevölkerung – in Hannah Arendts Worten – grundsätzlich die Befähigung zu blockieren oder zu zerstören, überhaupt irgendwelche Überzeugungen ausbilden zu können

Das Buch ist 2019 erschienen und wusste also noch nichts von der neuartigen Corona-Angst!
(Ich halte Rainer Mausfeld für einen sehr guten Analytiker zu Themen wie ‚Angst und Macht‘, würde diese Analyse aber nie auf ‚kapitalistische Demokratien‘ einschränken, weil sie in allen Gesellschaften eine Rolle spielen, insbesondere auch in sozialistischen)

Ziel ist es dabei, dass Untertanen jeder Wendung der Regierungspolitik folgen, ohne sich auch nur daran zu erinnern oder gar zu stören, dass ihnen die Regierung früher das Gegenteil ihrer heutigen Entscheidung als richtig verkündet hat. Nehmen wir beispielsweise diese Gegenüberstellung von 1989 und 2021:



Völlig unabhängig davon, ob jemand an das Freiheitsversprechen von 1989 geglaubt oder es für das Instrument einer neuen (unwillkommenen) Herrschaft gehalten hat, ob er also damals rechts oder links war, kann er eigentlich erkennen, dass sich die realexistierende Bundesrepublik im Jahr 2021 von diesem Freiheitsversprechen endgültig emanzipiert hat. Und er könnte deshalb die Herrschenden und die Mituntertanen auf den Verlust der (versprochenen) Freiheit hinweisen und auf die Rückkehr zu einer offeneren Form der Diktatur. Genau das gilt es aber im Sinne der Legitimation der neuen Herrschaft zu verhindern. Zu diesem Zweck muss die sich rein logisch aus der Bedeutung der Sprache ergebende gemeinsame Einsicht in den Verlust der Freiheit von Rechten und Linken als Gefahr bekämpft werden. Zu diesem Zweck wird jetzt jede Anhänglichkeit an die alte Freiheit, Bewegungsfreiheit, Berufsfreiheit, Meinungsfreiheit, als „rechts“ geframet, selbst wenn sie von lebenslangen Linken kommt. Die Begriffe „rechts“ und „links“ haben also ihre Bedeutung eingebüsst und werden reine Machtinstrumente im Meinungskampf. Freiheit ist immer rechts und in typisch Orwell’scher Manier bedeutet gleichzeitig der linke Wert der „Solidarität“ nichts anderes mehr als Gehorsam gegenüber der Regierung.

Der Lack ist ab

Wie offen auf Kritik (woran auch immer) inzwischen die offene Drohung mit der Keule der gesellschaftlichen und beruflichen Vernichtung folgt, hat Politiker (SPD) und Rundfunkrat Garrelt Duin deutlich gemacht:

Wer so gegen Regierungspolitik spricht, muss seine Arbeit für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verlieren! Das ist offensichtlich DDR, ganz unabhängig davon, ob man die DDR für eine üble Diktatur (alt-rechts) oder für ein nicht perfektes, aber im Prinzip gutgemeintes Staatswesen (alt-links) hält. Die Einsicht in die Strukturgleichheit der DDR und der heutigen BRD ist gar nicht mehr von der Hand zu weisen: auch in der DDR gab es immer noch Regimetreue, die die Bestrafung (Ausbürgerung) Biermanns als zu hart empfanden. Sie konnten das zunächst auch noch sagen, bis sie sich entscheiden mussten, was sie opfern wollten: den Dissidenten oder ihre Existenz IM Staat.

Und solche Entscheidungen müssen ab heute auch die 53 Schauspieler treffen, die an allesdichtmachen.de mitgewirkt haben:

Der Druck ist derselbe und die Konsequenzen auch: drinnen oder draußen. Und deshalb wird auch die überwältigende Zustimmung für eine Politik, die die Macht hat, kaum ausbleiben:

Nachtrag 16.5.2021
Die extreme Berichterstattung (um nicht ‚Hetze‘ zu sagen) über #allesdichtmachen ist dem Tagesspiegel böse nach hinten losgegangen. Das zeigte schon dieses Mea Culpa im Tagesspiegel selbst:
„Wir haben ihn mit Äußerungen aus diesen Auftritten zitiert und diese als ‚antidemokratisch‘ bezeichnet. Dieser Begriff ist durch Brandenburgs Äußerungen nicht gedeckt. Online haben wir das korrigiert. Zudem haben wir Paul Brandenburg vor der Publikation nicht um eine Stellungnahme gebeten – eigentlich ein journalistisches Muss“
Ein Rückblick in Meedia bestätigt diesen Eindruck:

Nachtrag 29.4.2021
Interview von Jan Josef Liefers mit der Berliner Zeitung:


Im Tagesspiegel ist ein Artikel gegen #allesdichtmachen erschienen. Unter den Autoren ist Julius Geiler, der mir bereits im Zusammenhang mit der Demonstration von Leipzig als jorunalistischer Hetzer und Schlägertyp aufgefallen ist: Tageshetze spiegelt. Es ist einigermaßen lustig, dass sie ausgerechnet den Clip von Hanns Zischler (s.o.) in den Artikel eingebettet haben, der mir so gut gefällt.

Nachtrag 28.4.2021
Die „Tagesschau“ wählte für ihre Meldung nicht einen Titel wie „Schauspieler kritisieren Coronapolitik“, das wäre alter Journalismus gewesen, sondern: „Internet-Aktion sorgt für Kritik“. Die Beteiligten, hieß es dort, würden weiter beschäftigt, auf Bewährung vermutlich. Wo bin ich, welches Jahr, welches Land?

Nachtrag 26.4.2021
Offensichtlich ist, dass Unterstützung für die Meinungsfreiheit derzeit eher von der CDU (Laschet, Sack) kommt als von der SPD (Schwesig, Duin).

Nachtrag 25.04.2021
Einer der Köpfe der Aktion, Dietrich Brüggemann, hat ein Interview gegeben. Sehr klar und lesenswert:
Ich habe damit gerechnet, dass sie (die Aktion) missverstanden wird. ✅
Dass hier eine privilegierte Situation kritisiert wird, indem wir sie spielerisch einnehmen und satirisch so überhöhen, damit jeder merkt, dass das bescheuert ist
Wir haben eine gewisse Anzahl an Toten, die akzeptieren wir, nur Corona-Tote akzeptieren wir nicht
Wir haben ein schizophrenes System aus zwei Regelwerken, und das führt dazu, dass wir uns absurden Regeln unterwerfen und uns etwas vorlügen und uns als Gesellschaft in eine Zwangsjacke stecken, was zu psychischen Verrenkungen führt
-Es ist nicht die Aufgabe von Schauspielern, Musikern, Künstlern, Lösungen zu präsentieren
Es gibt eine Gruppe von alten, erprobten Medizinern um einen gewissen Matthias Schrappe. Die schreiben ein Thesenpapier nach dem anderen, wie man das alles anders und deutlich besser machen könnte
In den Medien gibt es schon ein bisschen Widerspruch, aber es bleibt vollkommen wirkungslos. Ein Widerspruch bis zum gewissen Grad ist vollkommen okay, aber wenn man dann zu laut wird oder zu grell, dann wird aufgeheult. Dann gibt es einen unglaublichen Shitstorm. Deswegen ist es tatsächlich so, dass sich Leute nicht trauen, ihre Meinung zu sagen
Das, was ich für sinnvoll hielt, war fast immer eher links. Auch in dieser Situation tue ich, was ich für richtig halte
Die Diskussion, wie viel Lockdown verhältnismäßig ist und wie viel wir kaputt machen in unserer Gesellschaft – das kann man doch nicht der AfD überlassen. Und den Prozess dann stigmatisieren und jedem, der protestiert, sagen: „Du vertrittst jetzt hier AfD-Positionen.“ Das ist doch totalitär. Damit ist das ganze Thema im Keim erstickt
Aber generell und in der Gruppe kann ich Ihnen sagen, dass so ein Shitstorm gar nicht so leicht auszuhalten ist. Das macht die Leute wirklich fertig. Teilweise kriegen sie Morddrohungen
Von einigen Leuten, deren Videos nicht mehr online sind, weiß ich, dass die komplett hinter der Aktion stehen und das wahnsinnig wichtig finden, aber die Kinder werden bedroht und sie möchten das Video deswegen erstmal nicht mehr online haben
Unser Ansatz war, dass wir den Diskursraum wieder aufmachen, und das ist geglückt, es wird drüber geredet
Dass viele Millionen Menschen in diesem Land die Welt nicht nicht mehr verstehen und die Maßnahmen in dem Ausmaß auch nicht mehr mittragen wollen. Dass wir damit auch eine Wahrheit ausgesprochen haben
Dass jede Menge Heuchelei und Selbstbetrug im Spiel sind, auch von Seiten der bessergestellten Klasse, die auf Twitter die Lufthoheit hat
-Interviewer: Prallt die Kritik, der sogenannte Shitstorm, an Ihnen weitgehend ab? Immerhin kann sowas in Zeiten von „Cancel Culture“ auch ganz schnell berufliche Probleme mit sich bringen
Aber diese Hassattacken auf Leute, wie man auch bei Hendrik Streeck seit einem Jahr beobachten kann die Schärfe, der Tonfall, der totalitäre, einseitige Vernichtungsfuror, der sich ihm gegenüber breit macht der drängt das ganze Land in eine Richtung, in der ich nicht sein möchte
In der Presse steht wenig davon, aber wenn man ein paar internationalen Wissenschaftlern auf Twitter folgt, dann sieht man da schon einiges. Wenn man das in Deutschland sagt, wird man wieder gleich als Querdenker beschimpft. Und das ist ein bisschen schwierig
Der hat für die Verantstaltungszenen gesprochen. Hat das irgendwas gebracht? Hat das irgendwen interessiert? Niemanden, der etwas zu sagen hat
Helldeutscher Kopf:

Nachtrag 24.4.2021
Interessant zu verfolgen und zu dokumentieren, wer eine besondere Freude an Widerrufen auszuleben hat:

„Was einmal gedacht wurde, kann nicht zurückgenommen werden“ (Friedrich Dürrenmatt)

Auch Garrelt Duin hat inzwischen widerrufen, aber nicht alles:

Freunde des Grundgesetzes

In Dresden deklamierte am 17.4.2021 einer alleine mit seinem Fahrrad an der Hand das Grundgesetz. Sehen Sie selbst, was dann passiert ist:

Quelle

Das Endergebnis:

Brüssel war kein Unfall, sondern ist jetzt überall.

Nachtrag 19.4.2021
Weiterer Videobeitrag dazu:

Andererseits ist ganz klar, dass nicht alle Polizisten mit diesem Vorgehen einverstanden ist. Dazu der Einsatzleiter der Stuttgarter Polizei bei einer Anti-Corona-Demonstration:

Nachtrag 20.4.2021
Ein Beitrag eines Namensvetters zum Grundgesetztag aus dem letzten Jahr:

„Wir müssen also sehr hellhörig werden, wenn das Grundgesetz zur rein taktischen Waffe in der politischen Auseinandersetzung eingesetzt – in Wirklichkeit aber versucht wird, die Grundrechte auszuhebeln. Darum ist es ein Segen, dass die Grundrechtsartikel der „Ewigkeitsformel“ unterliegen: Sie dürfen in ihrem ‚Wesensgehalt (nicht) angetastet werden‚ (Art. 19 Abs. 2 GG)“
Das gilt eigentlich in jeder Richtung!

Original: Christian Wolffs Blog

Nachtrag 21.4.2021
Heute in Berlin waren die Freunde des Grundgesetzes wieder im Einsatz:


Straße des 17. Juni

Nachtrag 22.4.2021
Beinahe wäre ich noch auf ein Video hereingefallen, auf dem ein böser Polizist eine nette alte Dame zu Boden wirft, natürlich grundlos. Aber dem war nicht ganz so:

Das Video mit der älteren Dame, die von einem Polizisten niedergerungen wird, wird gerade unter Polizeigewalt getaggt. Klar, ist ja heftig. Wieso sie allerdings auf die Idee kommt, dem Beamten eine pfeffern zu wollen, weiss wohl nur sie. In so einer Lage nicht sehr klug. #b2104

Originally tweeted by Dr. ju. tub. Dunning-Kruger (@iHeini) on April 21, 2021.

Diese wesentliche Zusatzinfo habe ich bei Tichys Einblick gefunden.
Also immer schön kritisch bleiben! In alle Richtungen! Man will uns hemmungslos aufhetzen, beide Seiten.
Dass die Ermächtigungen für die Bundesregierung überflüssig und gefährlich sind, bleibt davon aber unberührt.

Nachtrag 6.5.2021
Der pensionierte Richter Dr. jur. Manfred Kölsch äußert seine Ansicht zu den Vorgängen in Deutschland:

(Nachtrag 22.6.2021: wie so oft wurde das Video von Manfred Kölsch auf Youtube gelöscht. Hier gibt es noch eine Version:

Nachtrag 24.5.2021
Norbert Häring hat mit Sascha Wolf gesprochen und einige Hintergründe zu der Grundgesetzvorlesung in Dresden zusammengetragen.
Die wichtigsten Punkte:
– Gegen Sascha Wolff, der in Dresden das Grundgesetz vorgelesen hat, läuft kein Verfahren.
– Wolff will zivil-und strafrechtlich gegen die Polizisten vorgehen, die ihn zu Boden gebracht haben
– Die offiziellen Stellungnahmen der Polizei sind widersprüchlich und verraten eine gewisse Distanzierung von den NRW-Kollegen, die für die Aktion verantwortlich waren

Von Brüssel nach Waterloo

Heute ging eine Szene durch die sozialen Medien, bei der gestern in Brüssel eine junge Frau von einem Polizeipferd umgeritten und schwer verletzt wurde:

Offensichtlich nicht gewalttätige junge Frau wird von einem Polizeipferd von hinten umgeritten: alles nur für ihre Gesundheit

Die Szene ist ab Sekunde 28 auch in diesem längeren Video des belgischen Sportsenders DHSports enthalten, der auch andere Berichte und auch Fotos von verletzten Polizisten auf seiner Website bereithält:

Übersetzung des französischen Tweets:
„Heute in Brüssel viele zehn Polizisten, zu Pferde oder zu Fuß, mit Aufstandsausrüstung + Wasserwerfern, um eine Versammlung im Bois de la Cambre aufzulösen, 1 Frau schwer verletzt durch ein Pferd! Diese ganze Armee ist mobilisiert im Namen der Epidemie“

Und folgende längere Szene von hinter den Polizeilinien habe ich ebenfalls im Netz gefunden:

Deutsche Medienberichte

Die Auseinandersetzungen waren der Tagesschau einen Bericht wert:

Das in den Bericht eingebettete Video zeigt die Szene mit der umgerittenen Frau nicht, aber einige Szenen, die die Gewalt gegen die Polizei dokumentieren.

Die ZEIT betont die Illegalität der Veranstaltung:

berichtet aber im Gegensatz zu anderen Zeitungen nur von 3 verletzten Polizisten (siehe auch belgische Berichte unten).

Einen langen, ziemlich guten und um Objektivität bemühten Artikel hat die Frankfurter Rundschau:

Hier ist auch der Vorfall mit der umgerittenen Frau enthalten.

Belgische Medienberichte

In Le Soir gibt es einen Bericht mit vielen Fotos und Videoausschnitten.

Die Anwesenden sind (gegen 17 Uhr) offensichtlich nicht so betrunken wie in dt. Berichten behauptet und rufen „Freiheit! Freiheit! Freiheit!“

Ein belgischer Medienbericht von Sudinfo ist besonders informativ zu dem Vorfall mit dem Polizeipferd, enthält nicht nur das Video, sondern auch zahlreiche Fotos und eine Zusammenfassung des Polizeiberichts:

Demnach wurden 26 Personen verletzt, davon nur 3 Polizisten. (Über den Zustand der umgerittenen Frau ist nichts bekannt)
6 Polizeifahrzeuge wurden beschädigt, 5 hatten die Scheiben eingeschlagen und die Reifen zerstochen. Mehrere Polizeipferde müssen zum Tierarzt.
Ca. 20 Personen wurden am Donnerstagabend in Gewahrsam genommen, gegen 4 ein Haftbefehl erlassen und eine Person steht bereits am 22 April vor Gericht.

La Libre Belgique berichtete dagegen am Freitag von 23 verletzten Polizisten unter insgesamt 26 Verletzten. Mit 3 bis 23 Polizisten gibt es doch eine erhebliche Bandbreite. Von den verletzten 8 Teilnehmern seien 2 ins Krankenhaus gekommen.
DHNet berichtet, dass nur ein Polizist ins Krankenhaus gekommen sei und dieses bereits wieder verlassen habe. Auch zwei leichtverletzte Teilnehmer seien ins Krankenhaus gekommen.

Über die umgerittene Frau findet man keine spezifischen Berichte.

Der Kanal 7sur7 hat ein Interview mit einer anonymen Organisatorin des Events im Park, das ‚La Boum‘ genannt wird. Sie sagt mehr oder minder, dass es eine Gaudi hätte werden sollen, um aus dem Alltag auszubrechen und die Leute zum Lachen zu bringen. Der Veranstaltungssektor habe seit einem Jahr alles verloren. Sie spricht von einem ‚Boisson d’Avril‘, einem Aprilscherz bzw. einer April-Gaudi, die sie im Park veranstalten wollten.
Im Nachrichtenteil berichtet der Sender von erneut 11 Verhaftungen am Freitag, davon nur eine mit Haftbefehl wegen Schlägen gegen ein Pferd. Kuriosum: zwei Pferde seien reiterlos in ihre Kaserne zurückgekehrt.

Alles in allem kann ich jetzt nicht behaupten, dass belgische Medien besser und umfassender über die Vorfälle im Park berichtet hätten als deutsche Medien, aber sie stellten definitiv mehr Fotos und Videos online, die zeigen, dass die jungen Leute keineswegs so betrunken oder generell gewalttätig waren, wie in manchen Berichten behauptet.

Lage: auf dem Weg nach Waterloo

Der Stadtpark ‚Bois de la Cambre‘ liegt an der Nationalstraße von Brüssel nach Waterloo:

Corona-Lage in Belgien ist jetzt unkritisch

Nicht ganz so schlecht ist die Corona-Lage in Belgien, das anfangs das am schwersten betroffene Land in Europa war. Belgien zählt derzeit weniger „Fälle“, also positive Tests, als Frankreich oder Schweden, aber mehr als Deutschland:

Bei den Corona-Toten sieht es noch besser aus. Belgien liegt etwa auf dem Niveau von Schweden und Deutschland, aber deutlich unter Frankreich:

Und diese relativ entspannte Lage spiegelt sich auch im Sterblichkeitsmonitor Euromomo wieder, der alle Todesfälle unabhängig von der Ursache misst:

In Belgien liegt die Sterblichkeit derzeit auf normalem Niveau, in Deutschland herrschte in den letzten Wochen sogar Untersterblichkeit.

Maßnahmen unrechtmäßig

Die Corona-Maßnahmen in Belgien sind nach einem Gerichtsurteil unrechtmäßig erlassen.
Das bestritt auch die Tagesschau am Tag vor den Auseinandersetzungen nicht:

Die Maßnahmen sind unrechtmäßig, aber was nicht passt, kann und wird noch passend gemacht werden, so die Tagesschau.
Rechtmäßigkeit hin oder her, das Ergebnis steht in jedem Fall fest.
Lockerungen sind jedenfalls nicht in Sicht. Ob das etwas mit der Gewalt in Belgien zu tun haben könnte?

Nachtrag 12.4.2021
Gute Nachricht: die umgerittene Frau aus dem Park ist zwar K.O. gegangen, aber nicht gefährlich verletzt worden. Es hätte aber natürlich böse ausgehen können.