Corbyn ante portas

Corbyn hat im Bundestag gesprochen, auf Einladung der AfD, also der Bruder: Piers Corbyn.
Der steht zwar in gesellschaftlichen Fragen ganz hinter seinem jüngeren Bruder Jeremy und macht auch mal Wahlkampf für ihn, aber beim Thema menschengemachter Klimawandel hat er eine ganz andere Position als die Labour Party: er hält ihn für einen großangelegten wissenschaftlichen Betrug. Als ausgebildeter Astrophysiker, der seinen Lebensunterhalt seit Jahrzehnten damit verdient, auf der Basis der Beobachtung der Sonne und ihrer Zyklen langfristige Wettervorhersagen zu machen und zu verkaufen, ist er dafür gar nicht mal schlecht aufgestellt. Ich habe seinen Standpunkt bereits vorgestellt.

Es ist interessant zu beobachten, welche Empörung und Ausgrenzung ihm im Bundestag dafür entgegenschlägt. Herr Prof. Schnellenbach, rechts neben ihm sitzend, kein Naturwissenschaftler, sondern Ökonom, kann sein aufrichtiges Naserümpfen kaum verbergen. Und die Ausschussvorsitzende Sylvia Kotting-Uhl gibt sich 2 Mal allergrößte Mühe, ihre aufrichtige grüne Empörung über Corbyns freche Äußerungen hinter der Geschäftsordnung zu verbergen. Ein sehenswertes Zeitdokument:

Man sieht an dieser Einladung, dass es durchaus sein Gutes hat, wenn die AfD mit Einladungen in den Bundestag für ein wenig Dissens bei manchen Themen sorgt. Das ist oft besser als selbst zu viel schimpfen, denn niemand wird Corbyn öffentlich vorwerfen, dass er im Bundestag ‚gehetzt‘ habe: hat er nicht, sondern nur seine Meinung gesagt.
So können deutsche Politiker nicht gemütlich im nationalen Saft selbstzufrieden schmoren und sich einbilden, alles sei klar, sie wüssten Bescheid und seien wieder mal die Guten. Wenig ist klar, und Corbyn könnte diesen Kampf um die wissenschaftliche Wahrheit letztlich tatsächlich gewinnen: 50:50.
Warten wir’s ab, denn Klimaskeptiker haben viel Zeit und der ‚Winter of Discontent‘ (Corbyn) hat gerade erst begonnen.

Wie seriös ist der Klima-Konsens?

Die Klimawissenschaft und ihre überschätzten Daten

Harald Lesch versucht aufzuklären

Harald Lesch hat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen einen bemerkenswerten Terra-X-Beitrag gemacht, in dem er versucht, die Kritiker der Klimaerwärmungstheorie zu widerlegen:

Interessant an diesem Beitrag ist, dass er hauptsächlich Meta-Wissenschaft bietet, also Gerede über notwendiges Vertrauen in die Wissenschaft und ungerechtfertigte („lautstarke“) Zweifel an der Klimawissenschaft. Diese Argumentation hat ihre Schwäche darin, dass Glaube an die Wissenschaft keine Wissenschaft ist, sondern nur Glaube.
Die eigentlich wissenschaftlichen Informationen in dem Beitrag sind dagegen minimal:

  • Einige Grafiken über den Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte, die gar nichts über die Ursache des Anstiegs verraten können: menschengemacht oder mit anderen Ursachen?
  • Einen einzigen Chart über den Anstieg des Meeresspiegels, den ich als Standbild ausgeschnitten habe und hier zeige (nur die grünen Markierungen sind von mir):

StandbildLesch_bearbeitet

Dieser im Video nur kurz eingeblendete Chart ist aus vielerlei Gründen bemerkenswert:

  1. Der rote Kringel ist original und soll wohl ein Problem zeigen:
  2. Der seit ca. 1880 bis heute, also in 140 Jahren, stattgefundene Anstieg ist mit nicht einmal 25 cm objektiv nicht sehr groß
  3. Er war seit ca. 1880 ziemlich linear mit weniger als 25cm / 140 Jahre = 1.8 mm/Jahr
  4. Er war von einem ziemlich starken Rauschen überlagert, das den Meeresspiegel kurzfristig stark schwanken ließ
  5. Davor war der Meeresspiegel dagegen ziemlich glatt und langsam schwankend
  6. Um das Jahr 1880 herum zeigt sich also ein Bruch in den Daten, der sogar nahelegt, dass die Daten davor und danach nicht auf dieselbe Art gewonnen wurden. Diesen Punkt werde ich unter ‚Plausibilisierungen‘ ausführen.

Plausibilisierungen

Für eine einfache Plausibilisierung des Charts von Leschs vergleiche ich sie mit zwei Zeitreihen für die Pegel von Cuxhaven an der Elbmündung und Brest in der Bretagne:

Cuxhaven_140-012_meantrend

Brest_190-091_meantrend

An diesen Pegeln fallen zwei Dinge auf:

  • Sie steigen mit kleinen mittelfristigen und großen kurzfristigen Schwankungen langfristig bis heute ziemlich streng linear mit 2.1 mm/Jahr für Cuxhaven und 1.1 mm/Jahr für Brest. Brest liegt also ein gutes Stück unter der Rate von 1.8 mm/Jahr, die Lesch seit 1880 in seinem Chart gezeigt hat, und Cuxhaven liegt ein wenig darüber. Im Vergleich damit ist also Leschs Zahl durchaus plausibel. Dasselbe gilt auch für das Rauschen auf seinen Daten seit 1880.
  • Für beide Pegel ist aber dieser lineare Trend schon viel länger als seit 1880 bestätigt: im Falle Cuxhavens seit etwa 1840 und im Falle von Brest sogar seit 1820.

Wie plausibel ist es, dass sich der globale Meeresspiegel wie in Leschs Chart vor 1880 komplett anders verhalten hat als nach 1880, wenn zwei wichtige Seepegel durch dieses Datum ohne irgendeinen erkennbaren Trendbruch durchgelaufen sind?
Der in Leschs Chart gezeigte recht konstante Verlauf zwischen 1820 und 1880 ist mit den Pegeln von Brest und Cuxhaven schlecht vereinbar. Es wäre ein großer Zufall, wenn an beiden Orten andere Effekte exakt denselben Pegelverlauf fortgesetzt hätten, obwohl sich der globale Meeresspiegel in dieser Zeit kaum verändert hat.

Warum ist es wichtig, dass der lineare Anstieg in Wahrheit schon lange vor 1880 begonnen haben könnte? Die Antwort ist klar: die 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts liegt für den größten Teil der Welt vor der Industrialisierung. Von Menschen, also ihren Maschinen und Kohleheizungen, produziertes fossiles CO2 kann damals keine wesentliche Rolle gespielt haben. Der Meeresspiegelanstieg hätte also andere Ursachen.

Nun gehört es aber zu den häufigen und gut dokumentierten Vorwürfen an die Klimaforschung, dass sie ihre Effekte dadurch produziert, dass sie die Startzeitpunkte ihrer Zeitreihen geschickt wählt.

Rungholt gegen die Klimaforschung

Ein älterer Terra-X-Beitrag über Rungholt liefert eine weitere Plausibilisierung: er behauptet glaubwürdig, dass 1362 beim Untergang Rungholts der Meeresspiegel der Nordsee etwa einen Meter niedriger lag als zum Zeitpunkt der Ausstrahlung 2014. Rechnet man diese Differenz auf einen linearen Anstieg um, kommt man auf 1000 mm / 652 Jahre = 1,53 mm/Jahr. Das wäre wiederum eine Rate, die höher liegt als in Brest und niedriger als in Cuxhaven und gar nicht so weit von der, die Leschs Chart ab 1880 zeigt. Es ist also ein weiteres Indiz, dass der Meeresspiegel schon viel länger steigt als in Leschs Chart, dass der Knick um 1880 also nicht korrekt ist.

Sogar Wikipedia weiß es

In einem Wikipedia-Artikel, der zu beweisen versucht, dass der Anstieg des Meeresspiegel seit 1850 besonders bedrohlich ist, findet sich trotzdem dieser Chart, der den Anstieg des Meeresspiegels in den letzten 24000 Jahren zeigt:
600px-Post-Glacial_Sea_Level
Man erkennt, dass der Meeresspiegel vor  18000-24000 Jahren, im Höhepunkt der letzten Eiszeit, um nicht weniger als 120m tiefer lag als heute, bevor er dann Tausende von Jahren lang rasant anstieg. Aus dieser Sicht ist das, was wir in den letzten Jahrhunderten gesehen haben, zum Beispiel den einen Meter Anstieg in der Nordsee seit 1362, nur noch der letzte Ausläufer einer praktisch abgeschlossenen Entwicklung.

Auf diese abgeschlossene Geschichte versucht die Klimaforschung jetzt eine neue Bedrohung draufzusetzen, in dem sie den an vielen Pegeln messbaren Restanstieg des Meeresspiegels von 1-2 mm/Jahr u.a. mit neueren Satellitenmessungen auf über 3mm/Jahr hochrechnet:

TideGaugesSatelliteData

Diese Pegeldaten (rote Kurve) stehen in deutlichem Widerspruch zu den Beispielen Brest und Cuxhaven oben, die sogar bis heute einen konstanten langsameren Anstieg zeigen. Sehr viele Pegel zeigen einen linearen Trend, der klar unterhalb von 3mm/Jahr liegt. Es ist nicht so ganz klar, wie dazu  ein globaler Anstieg von mehr als 3mm/Jahr passen soll.

Wichtig ist hier aber auch der Vergleich zu Harald Leschs Daten: sein Chart zeigt einen linearen Anstieg von 1.8 mm/Jahr, also viel weniger als die gut 3mm/Jahr im letzten Chart ab 1990. Die Leute, die den Klima-Konsens verteidigen, scheinen sich nicht so ganz einig zu sein, was denn dieser Konsens aussagt, und zeigen gerne auch einmal abweichende Daten.

Eine uralte Horror-Story

Die Geschichte vom Anstieg des Meeresspiegels ist eine uralte Horror-Story, gerne auch in Relotius- und Hollywood-Manier optisch in Szene gesetzt:

MeeresspiegelEntwicklung

Der Horror des Meeresspiegelanstiegs konkretisierte sich immer mehr auf eine handhabbare Größe: 30-110 cm im Jahr 2100 laut dem letzten Sonderbericht des IPCC.

IPCC-Sonderbericht wiegelt gleichzeitig ab und auf

Die Horrorszenarien von mehreren oder gar vielen Metern Anstieg des Meeresspiegels in „naher Zukunft“ sind längst vom Tisch, prägen aber weiterhin den Eindruck eines Schreckensszenarios.

In den nächsten 81 Jahren würde allein der konstant fortgeschriebene lineare Trend von Cuxhaven (siehe oben) zu einem Anstieg des Meeresspiegels von 17 cm führen. Der IPCC hat seinen Schätzbereich von 30-110 cm also so gelegt, dass er sein Risiko begrenzt, stark daneben zu liegen.

Gleichzeitig würden auch selbst die in den letzten 20 Jahren (angeblich) gemessenen 3mm/Jahr bis 2100 nur zu zusätzlichen 25 cm führen. Die Prognose des IPCC-Sonderberichts setzt also noch eine spürbare Beschleunigung des Anstiegs voraus, vor allem dann, wenn das obere Ende des Schätzbereichs erreicht werden soll.

In den letzten Tagen sind international wieder zahlreiche Artikel (z.B. hier, hier, und hier) erschienen, die einen Meeresspiegelanstieg von bis zu 2 Meter bis 2100 verkaufen wollten. Offensichtlich sind manchen die einigermaßen moderaten Prognosen des IPCC nicht mehr knackig genug.

Fazit meines kleinen Exkurses in die Meeresspiegel-Messungen mit Harald Lesch:
Die Klimawissenschaft scheint über wesentlich weniger solide Daten zu verfügen, als sie behauptet. Selbst ein Fürsprecher des Klimawandels muss mit Daten auskommen, an denen schon einfache Plausibilisierungen mit Daten unterschiedlicher Quellen erhebliche Zweifel nähren. Gleichzeitig weicht er mit diesen Daten stark von dem ab, was die Klimawissenschaft in der Zwischenzeit an Daten aufgetan hat, um die Prognose einer bedrohlichen Entwicklung überhaupt noch aufrechterhalten zu können. Das Abwiegeln des IPCC wiederum führt zur Veröffentlichung von Szenarien, die seine Prognosen weit überschreiten..
Das ist nicht so vertrauenerweckend, wie man von einer Wissenschaft erwarten würde, an der nicht gezweifelt werden darf! Abweichungen vom Konsens, die nach oben zeigen, sind offensichtlich eher akzeptabel als Abweichungen nach unten. Das klingt viel mehr nach Politik als nach reiner Wissenschaft.

Nach diesem Exkurs in die Daten sind wir vorbereitet auf die Argumente sogenannter

Klimaleugner

Ich habe beispielhaft sechs Wissenschaftler ausgewählt, die der Klimawissenschaft in einigen Punkten widersprechen. Die meisten von ihnen sind Physiker, und alle haben in ihrem Berufsleben Beiträge geliefert zu einem Themengebiet, das die Klimaforschung tangiert.

Klimaleugner 1: Nils-Axel Mörner

Mörner ist Geologe, Geophysiker und Ozeanograph und hat sich sein ganzes wissenschaftliches Leben lang mit der Messung des Meeresspiegels beschäftigt. Das ist keine Trivialität, weil Pegeländerungen nicht nur durch einen absoluten Anstieg des Meeresspiegels, sondern auch durch Hebungen und Senkungen der Landmassen oder durch Änderungen von Meeresströmungen zustande kommen können. Das ist auch der Grund, warum die über die Welt verteilten Pegel sich unterschiedlich verhalten, auch innerhalb Europas.
In diesem Interview mit der Basler Zeitung gibt Mörner auf Deutsch einen guten Einblick in seine Kritik an den Meeresspiegel-Prognosen des IPCC. Bereits für 2007 lassen sich seine Thesen auf Englisch nachlesen:

“Ich habe als Experte für den IPCC Reviews durchgeführt, 2000 und letztes Jahr. Als ich es zum ersten Mal gelesen habe, war ich außerordentlich überrascht: Zunächst einmal hatte ich es mit 22 Autoren zu tun, aber keiner von ihnen —keiner— war ein Meeeresspiegel-Spezialist“
Kommentar: Das ist witzig, denn gerade Verteidiger der Klimaforschung lieben es, jeden in die Pfanne zu hauen, der es wagt der Klimaforschung zu widersprechen, ohne selbst ein Klimaforscher zu sein.
Die Meeresspiegel-Aussagen qualifiziert er in dieser Grafik größtenteils als ‚Nonsense‘:
MörnerMalediven

„All dieses Gerede vom Steigen des Meeresspiegels stammt aus Computer-Modellen, nicht von Beobachtungen. In den Beobachtungen sieht man das nicht”.

Das zeigen ja auch meine Plausibilisierungen oben: die Pegel zeigen nirgends die aus den Modellrechnungen häufig herauskommende und verbreitete Botschaft, dass der Meeresspiegel künftig schneller steigen soll als bisher. Die Pegel steigen bisher stur immer gleich langsam weiter oder fallen sogar.

Mörner hat es vor allem auf die Messungen eines beschleunigten Anstiegs seit den 1990er Jahren abgesehen, die ich oben aus einem Wikipedia-Beitrag gezeigt und kurz diskutiert habe:

“Nun zurück zur Satellitenhöhenmessung, die das Wasser zeigt, nicht nur die Küsten, sondern den Ozean als Ganzes. Und man misst das mit Satelliten. Von 1992 bis 2002 war das Chart des Meeresspiegels eine ebene Linie, Schwankungen entlang einer ebenen Linie, aber überhaupt ohne Trend. Wir konnten diese Spitzen sehen: einen schnellen Anstieg, aber dann fielen sie in einem halben Jahr wieder ab. Aber gar keinen Trend, und um einen Anstieg des Meeresspiegels zu haben braucht man einen Trend. Dann 2003 änderte sich plötzlich derselbe Datensatz, der in ihren Veröffentlichungen, auf ihrer Website eine ebene Linie war, und zeigte einen sehr starken Anstieg, 2.3 mm/Jahr, denselben wie von den Pegelmessungen. Und das sah nicht so schön aus. Es sah aus, als hätten sie etwas aufgezeichnet, aber sie hatten nichts aufgezeichnet. Es war der originale, den sie plötzlich nach oben gebogen hatten, indem sie einen ‚Korrekturfaktor‘ einführten, den sie von den Pegelmessungen nahmen. Also war es keine gemessene Sache, sondern eine Zahl, die sie von außen eingeführt hatten. Ich warf ihnen das bei der Akademie der Wissenschaften in Moskau vor – ich sagte Ihr habt einen Faktor von außen eingeführt. Das ist keine Messung. Es sieht aus, als sei es vom  Satelliten gemessen, aber Ihr sagt nicht, was wirklich passiert ist. Und sie antworteten, dass wir es hatten tun müssen, weil wir sonst keinen Trend bekommen hätten!“
Das ist ein Hammer: Mörner wirft den Kollegen hier einfach vor, dass sie die Daten so hingebogen haben, dass es zu dem passt, was sie sehen wollten, was sie aber nicht messen konnten: einen Anstieg des Meeresspiegels!

 “Ja, es könnte 1.1 mm pro Jahr sein, aber absolut nicht mehr. Es könnte weniger sein, weil sich andere Faktoren auf die Erde auswirken, aber sicher nicht mehr. Absolut nicht! Es ist wieder eine Frage der Physik”
So weit muss ich nicht gehen. Ich kann mit den 2.1 mm/Jahr, die man am Pegel von Cuxhaven ablesen konnte, gut leben, auch wenn ein Spezialist wie Mörner vielleicht weiß, dass das Land in Cuxhaven absinkt und deshalb den Anstieg des Meeresspiegels überzeichnet. Seine Behauptung würde jedenfalls gut zum Pegel von Brest passen, und der kündigt ganz sicher keine Katastrophe an.

Mit seinen Aussagen ist Mörner inzwischen jedenfalls ein rotes Tuch für die Klimaforschung. Entsprechend unfreundlich ist sein Wikipedia-Artikel. Und der deutsche Klima-Papst Stefan Rahmstorf haut ihn persönlich in die Pfanne: Wie erkennt man echte Klimaexperten?:
Natürlich ist die Zahl der Zitierungen nicht 100% “foolproof” – es gibt gelegentlich Betrüger, und es gibt Experten, die nach der Pensionierung zunehmend seltsamere Thesen verbreiten“

Nils-Axel Mörner ist ein Problem für die Klimaforschung, weil er nicht einfach als fachfremd abgetan werden kann. Deshalb muss er eben ein wunderlicher Pensionär sein. Seine Thesen sind nämlich ein Killer für die Klimaforschung, aber wir haben bereits gesehen, dass sie so ganz abseitig gar nicht sind, jedenfalls nicht zweifelhafter als Harald Leschs Chart, den Rahmstorf eher nicht in die Pfanne hauen wird.

Klimaleugner 2: David Dilley

David Dilley nennt sich Meteorologe und Klimatologe. Dilley ist bekannt durch ein Paper, das er 2012 veröffentlicht hat (mit einem Vorläufer von 2008). Er ist anders als Nils-Axel Mörner akademisch gar nicht  etabliert, sondern betreibt kommerzielle Wettervorhersagen mit seiner Firma ‚Global Weather Oscillations Inc‘. Er behauptet, dass  der menschengemachte Klimawandel Unsinn sei und die Temperaturen auf der Erde direkt durch die Sonne bestimmt werden und durch solare Zyklen schon immer sehr starken Schwankungen unterlagen. Diese hängen auch mit vulkanischen Aktivitäten auf der Erde zusammen. Alles das hat er in einem Chart untergebracht:
VolcanicCycles

Man sieht bei Dilley den Temperaturanstieg seit ca. 1880 und auch den Temperaturrückgang in den 100 Jahren davor, wie er z.B. auch im oberbayerischen Observatorium Hohenpeißenberg langfristig gemessen und dokumentiert wurde:
TemperaturenHohenpeißenberg

Ähnliche Zyklen mit etwas anderen Zahlen, z.B. einem 132-Jahre-Zyklus, werden uns später auch noch bei Piers Corbyn begegnen. Ähnlich wie Corbyn ist Dilley ebenfalls der Meinung, dass die wärmsten Jahre bereits hinter uns liegen.
Ich habe Dilley hier in der Liste, weil er sich mit seinen Prognosen sehr weit aus dem Fenster hängt und präzise ab 2020 eine globale Abkühlung verbunden mit zunehmender vulkanischer Aktivität vorhersagt. Verifizierbare quantitative Vorhersagen z.B. mit Jahreszahlen sind eine wichtige Eigenschaft exakter Naturwissenschaften. Nun hatten wir 2019 bereits einen recht kalten Winter mit viel Schnee u.a. in den Alpen und auch mit recht vielen Ausbrüchen auf dem pazifischen Vulkanring. Deshalb ist es eine feine Sache, dass wir schon in den nächsten Jahren mehr dazu erfahren werden, ob David Dilleys Prognosen völlig falsch sind.
Bis wir Aussagen der Klimaforschung überprüfen können, müssen wir in jedem Fall Jahrzehnte warten, aber ihren Empfehlungen soll die Welt möglichst sofort befolgen. Dilley bietet also einen besseren Deal an — und kann damit scheitern.

Klimaleugner 3: Piers Corbyn

Piers Corbyn ist Astrophysiker (mit Master vom Imperial College in London), betreibt eine Website mit langfristigen (Monate im voraus) Wettervorhersagen und ist der ältere Bruder des Chefs der Labour-Party Jeremy Corbyn. Weil sein Wikipedia-Eintrag ganz informativ und einigermaßen fair ist, beschränke ich mich hier auf seine wichtigsten Aussagen.

Piers Corbyn bestreitet sehr vehement und radikal die Existenz eines menschengemachten Klimawandels und hat auch klare Vorstellungen darüber, wozu der ‚Betrug‘ der Klimaforschung gut ist:

„The climate policy we have is not to control climate, it’s to control you“
Klimapolitik ist nicht dafür da, das Klima zu kontrollieren, sondern Dich zu kontrollieren

Seine Methodik zur Wettervorhersage und seine Meinung über den menschengemachten Klimawandel erläutert er in einem älteren Video von 2010. Das Video zeigt, dass er damals auch Hitzewellen vorhergesagt hat, nur die Ursachen sieht er völlig anders als die Klimaforschung:

Für die nächsten Jahre sieht er dagegen ähnlich wie Dilley eine Mini-Eiszeit, die 2020 beginnen und 2035 ihren Tiefpunkt erreichen soll. Schon den kommenden Winter nennt er den „Winter of Discontent“ für Großbritannien. Das ist eine kühne Prognose, und wir sind gespannt.
Hier noch ein frisches Paper.

Klimaleugner 4: Nir Shaviv

Nir Shaviv ist ein israelischer Physik-Professor und sehr moderater Klimaleugner. Er schließt einen menschengemachten Klimawandel nicht aus, ist aber davon überzeugt, dass der Einfluss des CO2 auf das Klima geringer ist als der der solaren Schwankungen, wie sie ähnlich auch Corbyn und Dilley beschreiben. Den solaren Einfluss veranschlagt er mit 50-70%. Er empfiehlt, sich dem erwarteten geringen Temperaturanstieg durch CO2 eher anzupassen, als ihn zu bekämpfen, weil das viel teurer sei.

Klimaleugner 5: Richard Lindzen

Richard Lindzen ist Atmosphärenphysiker und war  bis 2013 30 Jahre lang Professor für Meteorologie am MIT und hat zahlreiche Beiträge auch zur Klimatologie geliefert. Er hält den menschengemachten Klimawandel für überschätzt:
„Lindzen war längere Zeit Mitautor an wichtigen Teilen des IPCC-Berichts, insbesondere zur zentralen Rolle des Wasserdampfs, und hat den in dem Zusammenhang allgemein wie auch den speziell in der IPCC-Zusammenfassung für die Politik des dritten Sachstandsberichtes (2001) genannten wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel energisch bestritten…
Es gehe vielmehr darum, eine früher eher am Rand befindliche Wissenschaft aufzuwerten und aufwendige Forschungsprojekte und Simulationsrechner im Zusammenhang mit Politikberatung zu finanzieren“.
Während die deutsche Wikipedia Lindzen in erster Linie als ‚Klimaleugner‘ vorführt, ist sein englischer Wikipedia-Eintrag erheblich umfassender und ausgewogener in der Darstellung seiner Standpunkte.
In öffentlichen Auftritten argumentiert Lindzen weniger mit klaren Kontrapositionen als mit einem betont agnostischen Standpunkt. Er leugnet nicht die grundsätzlichen Mechanismen, sondern die Größe der Effekte und hält die Prognosen über die Auswirkungen auf die Menschheit für Angstmacherei:

„Wenn ich mich über den Klimawandel täusche,
werden wir das in 50 Jahren sehen und dann etwas unternehmen“
Hier gibt es eine relativ muntere Debatte mit Richard Lindzen über den Klimawandel:

So ganz isoliert steht er nicht da, aber für meinen Geschmack sind seine Aussagen etwas wenig pointiert. Das macht ihn aber natürlich auch weniger angreifbar.

Klimaleugnerin 6: Judith Curry

Judith Curry ist Geophysikerin und hat Beiträge zur Klimaforschung geleistet, u.a. Klimamodelle evaluiert. Ihr Wikipedia-Beitrag denunziert sie (noch) nicht explizit und unwiderruflich als Klimaskeptikerin, sondern als Wissenschaftlerin, die für eine weniger politisierte Debatte in der Klimawissenschaft eintritt. Seit 2009 tritt sie jedoch regelmäßig mit agnostischen bis klimakritischen Äußerungen in Erscheinung und klagt die Vertreter des Klimakonsenses an, Kritiker rigoros auszugrenzen. Einfach mal reinhören in einen Podcast!
Judith Curry sagt darin u.a., dass die Meeresspiegelprognosen das greifbarste Objekt der Klimaforschung sind. Deshalb bin ich ganz froh, dass ich exakt diese Daten ausgewählt habe, um die Probleme zu erläutern.

Ein angeblicher Konsens von 97% sagt nichts aus

Gute Wissenschaft war nie eine Frage eines Konsenses. Die überlegenen Argumente und vor allem ein geeigneter experimenteller Nachweis schlagen in der Wissenschaft letztlich auch den Konsens der vielen.

Die Beispiele zeigen, dass es eine durchaus intelligente und vielfältige Szene von wissenschaftlich kompetenten und tätigen Menschen gibt, die der Theorie vom menschengemachten Klimawandel skeptisch gegenüberstehen. Der Eindruck eines fast 100%igen Konsenses entsteht auch deshalb, weil diese Wissenschaftler in Medien verschwiegen und  gerade auch in der Wikipedia als irrelevant ausgegrenzt werden, in der deutschen mehr als in der englischen. Ihre teilweise sehr übertriebene und unfaire Negativzeichnung spricht letztlich auch gegen den guten Glauben der Anhänger des menschengemachten Klimawandels. Wer sich seiner Argumente sicher ist, kann auch Andersdenkende ertragen, ohne sie in die Pfanne zu hauen.

Für mich ist klar, dass das, was die Klimaforschung an Daten und Methoden zeigt, zu dünn und widersprüchlich ist, um einen echten 97%-Konsens zu rechtfertigen. Der übergroß dargestellte  Konsens ist deshalb eine Einladung, eine konträre Position  einzunehmen. Bei (angeblich) 97% Konsens bietet die Gegenposition mehr Chancen, vor allem dann, wenn die Daten eher für mindestens 30% Unsicherheit gut sind.

Und der Klima-Konsens bedeutet in der Sache auch denjenigen wenig, die so tun, als würden sie ihn unterstützen: Al Gore denkt nicht daran, seinen CO2-Fußabdruck zu verkleinern, Barack Obama hat sich ein Haus wenig über dem heutigen Meeresspiegel gekauft.

Klimaskeptiker sind keine Umweltsäue

Die Zweifel an der drohenden Katastrophe durch menschengemachtes CO2 sind keineswegs ein Plädoyer für hemmungslosen Verbrauch fossiler Brennstoffe. Es gibt andere gute Gründe, das nicht zu tun:

  • Die Förderung fossiler Brennstoffe ist immer mit Umweltschäden verbunden
  • Energieeffizienz senkt die Kosten und minimiert die Abhängigkeit des eigenen Lebens von Zulieferungen anderer: eine wichtige Voraussetzung für Resilienz und damit Freiheit
  • Besonders der Kampf ums Erdöl und Erdgas ist ein zentraler Grund für große Kriege und kleine Militäroperationen, für die hemmungslos gelogen und gemordet wird.
  • Photovoltaik ist für alle, die die bauliche Möglichkeit dazu haben, eine gute Option, um die eigene Energieunabhängigkeit zu verbessern und (für alle Krisenfälle[1]) eine Minimalstromversorgung bereitzuhalten. Überschussstrom kann ¾ des Jahres auch einfach für die Warmwassererzeugung genutzt werden, was das eigene Leben wieder ein Stück unabhängiger macht
  • Radfahren ist eine wunderbare Form der individuellen Mobilität ohne Stau und mit täglich erlebter Natur: immer wieder sehr erfrischend und belebend

Alle diese Argumente sind motivierender für die Gestaltung der eigenen Freiheit als der tägliche Horror einer pseudoreligiösen Schulderzählung, wie sie der ‚menschengemachte Klimawandel‘ offensichtlich auch bewusst darstellen soll. Die tägliche Klimameldung hat durchaus Ähnlichkeiten mit dem Marterl, das früher an jedem Feldweg stand: ‚da schau her, Du bist schuldig!‘

Macht Euch frei von dieser Kollektivschuld! Fahrt in aller Freiheit Fahrrad! Dreht mal die Heizung runter! Investiert in eine sparsamere Heizung. Es lohnt sich und macht unabhängiger. Aber staatliche Verbote und Vorschriften für jede Lebenslage gibt es bereits heute viel zu viele!

[1] Normale netzgeführte Photovoltaikanlagen können bei Stromausfall NICHT als Inselanlage Strom für den Hausgebrauch bereitstellen, nicht einmal mit einem Batteriespeicher! Dafür sind besondere Vorkehrungen notwendig, die aber inzwischen von einigen Herstellern angeboten werden.

Nachtrag 10.11.2019

Klimaleugner Nr. 7: Fritz Vahrenholt

Mit Vahrenholt will ich einen wichtigen deutschen Protagonisten nicht vergessen. Er kommt aus der Umweltbewegung, ist SPD-Mitglied und ein Klima-Dissident. In einem kürzlich gegebenen Interview (Paywall, Inhalt auch hier) kritisiert er die Klimahysterie:
Vahrenholt
Aus wissenschaftlicher Sicht vertritt er keine erkennbare Gegenposition, erkennt vielmehr einen durch CO2 menschengemachten Klimawandel an. Ähnlich wie Nir Shaviv (Nr. 4) und Richard Lindzen (Nr. 5) schreibt er diesem Effekt aber höchstens 50% der Erwärmung der letzten Jahrzehnte zu und hält die unter dem Stichwort Klimanotstand diskutierten Gegenmaßnahmen für völlig unangemessen und selbstzerstörerisch.

Nachtrag 14.11.2019

Piers Corbyn wurde am 6.11. im Bundestag angehört (auf Einladung der AfD-Fraktion). Die grüne Ausschutz-Vorsitzende hält es offensichtlich für eine Zumutung, dass da jemand etwas behauptet, was ihrer tiefempfundenen moralischen Überzeugung widerspricht, und der rechts neben ihm sitzende (Ökonomie-)Professor Schnellenbach wirkt auch ein wenig fassungslos:

Verbrenner sind nicht schlimmer

Ich muss vorausschicken, dass ich zunächst ein Autogegner war: wegen des Straßenbaus, der überall so viel Fläche gefressen hat (und immer noch frisst), wegen der teilweise sinnlosen Verplemperei von wertvollem Kraftstoff für übergroße Autos und teilweise gedankenlose Fahrten, wegen des Friedhofs an den Straßenrändern (den man als Radfahrer sehr intensiv wahrnimmt), wegen der Raserei auf dem flachen Land und wegen der Staus. So kam es, dass ich noch als Familienvater nur gelegentlich am Wochenende ein Auto gemietet habe, wenn eine Fahrt anstand, bei der die Bahn ungünstig war. In der Stadt brauche ich nämlich kein Auto. Und das hat sich bis heute kaum verändert.

Irgendwann war ich aber in einem Tech-Unternehmen firmenwagenberechtigt, und wer kein Auto hatte, bekam ersatzweise – nichts. Es gab aber die Möglichkeit, statt eines relativ teuren Leasingwagens (Mercedes, BMW, Audi oder VW) Geld für einen privat gekauften PKW zu erhalten. Er musste nur der ‚Firmenwagen-Policy‘ entsprechen, also mindestens Kompaktklasse und höchstens 5 Jahre alt sein. Ich habe mir ausgerechnet, dass ich mit dieser ‘Car Allowance‘ und einem einfacheren Auto an der Untergrenze der ‚Policy‘ sogar noch einen Gewinn einstreichen könnte, während das Auto die meiste Zeit ungenutzt vor der Tür stand. Die Mietwagen konnte ich mir dann zusätzlich auch noch sparen. Warum also nicht ein Auto kaufen, statt den Vorteil allein Kollegen zu überlassen, die viel fahren?

Meine Autos

So kam es, dass ich die Nr. 1 in der Liste gekauft habe, die in diesem Jahr den 3. Nachfolger erhalten hat. Die Nr. 1, 2 und 4 sind verschiedene Generationen desselben Modells, also sehr gut vergleichbar, Nr.3 ein Van auf der Plattform von Nr. 2:
Tabelle
Insgesamt war ich mit den wieder weiterverkauften Nr. 1-3 sehr zufrieden. Sie waren günstig in der Anschaffung, vernünftig beim Platzangebot für eine Familie und beim Unterhalt. Sie sind zuverlässig gefahren und haben keinen echten Ärger mit unreifer oder schlechter Technik gemacht. Nr. 2 ist mit 15 Jahren und gut 150.000 km auch immer noch innerhalb der Familie im Einsatz: ein grundsolides Auto für Leute, die das Geld nicht für ein Prestige-Auto raushauen wollen oder können.

Und die Erfahrungen mit dieser Liste von Autos erlaubt mir jetzt einige Schlussfolgerungen für die  allgemeine Autodebatte:

Kleine Benziner sind perfekt für Wenigfahrer

Alle Autos habe ich immer unter der Prämisse gekauft, dass ich als umweltbewusster schwäbischer Wenigfahrer auf den sparsamsten Benziner setze. Man sieht, dass die Technik in diesen 17 Jahren Fortschritte gemacht hat: die Motoren wurden kleiner, leistungsfähiger und (ein wenig) sparsamer. Im Stadtverkehr ist bei Nr. 4 die Start/Stopp-Automatik angenehm, die bessere Motorleistung macht sich vor allem bei Bergfahrten angenehm bemerkbar. Die Autos wurden aber auch etwas schwerer.
Der Verbrauchsrückgang wurde jedoch in den Werksangaben übertrieben, was in den letzten Jahren allgemein von Autokäufern bemängelt wurde. Ich nutze das Auto kaum in der Stadt (weil es im Vergleich zum Fahrrad und dem ÖPNV wenig Sinn macht), sondern meist für Überland- und Autobahnfahrten. Dabei lag mein Verbrauch mit Nr. 1-3 immer zwischen dem für Überlandfahrten angegebenen und dem Durchschnittsverbrauch, also bei 108-117% des dafür versprochenen Werts: akzeptabel.
Beim jüngsten Auto sind diese Werte utopisch niedrig. Noch sind die Erfahrungswerte nicht stabil, weil im Sommer oft die Klimaanlage gelaufen ist, aber 4,5 oder gar 4 l/100km bei Überlandfahrten scheinen völlig außer Reichweite zu liegen. Der tatsächliche Verbrauch liegt mit fast 140% des versprochenen Werts deutlich schlechter als zuvor. Eine wachsende Neigung, die Kunden mit schönen Zahlen hinters Licht zu führen, wie sie beim Diesel-Abgas-Skandal besonders sichtbar wurde, zeigt sich also auch hier.
Insgesamt aber bin ich zufrieden mit den Benzinern. Für meine Nutzung scheinen sie mir die perfekte Synthese von Ökonomie und Ökologie zu sein, wenn Fahrrad, Bus oder Bahn mein Mobilitätsbedürfnis nicht vernünftig befriedigen können, also vor allem bei Fahrten aufs Land hinaus oder in den Urlaub.

Autobesitz und –fahren ist nicht teurer geworden

Nicht für jemanden, der sich konsequent an den kleinsten Benzinmotor gehalten hat, und nicht durch den „gierigen“ Staat. Der Rückgang von Verbrauch und Kfz-Steuer ist nicht durch einen höheren  Benzinpreis aufgefressen worden. Und nach den jüngsten Klimabeschlüssen der Großen Koalition sieht es auch nicht so aus, als würde das in den nächsten 5 Jahren deutlich anders aussehen. Die Kfz-Steuer ist gemessen am tatsächlichen CO2-Ausstoß (der ja letztlich proportional zum tatsächlichen Verbrauch sein muss) sogar stark gesunken: mir soll es recht sein.

Technisch geht wohl noch was

Ich bin davon überzeugt, dass bei sparsamen Benzinern das technisch Mögliche noch nicht ausgereizt ist. Erstens sollten die Gewichte wieder Richtung 1t sinken. Zweitens sollte sich die Technik der kleinen 3-Zylinder-Benziner erst noch bei den Kunden etablieren und optimiert werden. Ford setzt schon am längsten auf diese Technik und fährt dafür regelmäßig Auszeichnungen ein:

FordEcoboostEngineOfTheYearWährend das Produkt aber technisch gelobt wird und Ford auch konsequent auf diesen Motor setzt,  scheint er sich erst in jüngster Zeit in relativ guten Absätzen auszuzahlen. Die Motoren von Ford sind zwar bei der Leistung der Konkurrenz überlegen, aber nicht unbedingt beim Verbrauch.

Die stetige Arbeit an den Benzinern hat sich für die Unternehmen wenig ausgezahlt, weil die Kunden den Autos ein wenig die kalte Schulter zeigten: zu wenig hip, zu wenig sexy, zu wenig Prestige. Die schicken Karossen und die (unnötig?) großen Leistungen zum moderaten Verbrauch gab es eben bei den Leuten und den oft übergewichtigen Fahrzeugen vom Diesel-Hype:

Diesel-Hype nicht mitgemacht

Bei geringer Laufleistung war der Diesel für mich zu keinem Zeitpunkt wirtschaftlich eine Option. Außerdem wurde ich 2006, also vor dem Kauf von Nr. 2, von einem Kfz-Meister gewarnt: „Da wird es Probleme mit dem Abgas geben“. Das war genau 10 Jahre vor dem offenen Ausbruch des sogenannten Diesel-Skandals. Es scheint mir deshalb völlig unglaubwürdig, dass deutsche und europäische Aufsichtsbehörden nicht in den Diesel-Betrug eingeweiht waren und nicht beide Augen zugedrückt haben.
Außerdem betraf der Abgas-Skandal gar nicht den Kraftstoff-Verbrauch und damit den CO2-Ausstoß. Es ging ja gerade darum, den günstigen Verbrauch im Alltag zu erreichen, ohne im Abgastest an hohen NOx-Werten zu scheitern.
Für PKW, die viel im Langstreckeneinsatz unterwegs sind, halte ich trotzdem den Diesel noch nicht für erledigt. Müsste ich viel Langstrecke fahren, z.B. als Vertreter oder Pendler, würde ich mir wohl trotz allem einen kleinen und effizienten Diesel kaufen. Gerade beim Verbrauch (und damit CO2-Ausstoß) sind die nämlich trotz des Skandals gut.

Das Problem ist nicht der Diesel als solcher, sondern die Tatsache, dass die deutschen Hersteller (außer Opel und Ford) gemeinsam auf dieselbe Technik gesetzt haben, um vor allem große und schwere Fahrzeuge zu verkaufen und damit den US-Markt zu erobern:

DieseloffensiveBILD

Just in dem Jahr 2006, in dem ich schon von Abgasproblemen gehört hatte. Da muss man sich nicht wundern, wenn sich gut 10 Jahre später folgende Frage stellt:DeutscheImFadenkreuzNun, die Antwort liegt in der „deutschen Diesel-Offensive“ von 2006. Amerikaner mögen keinen (offenen) Korporatismus. Sie haben auch eine schwache Autoindustrie, die diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen konnte, Konkurrenten zurechtstutzen, die ihr in der Oberklasse das Leben seit langem sehr schwer machten. Das ist der Grund, warum der Skandal in den USA aufgeflogen ist und nicht durch die deutschen und europäischen Behörden aufgedeckt wurde, die lieber mit der Industrie kungelten.

Rechtzeitig mit dem Tod des Diesel-Hypes gibt es glücklicherweise einen neuen Trend, mit dem sich die Hippen vom Pöbel unterscheiden und weiterhin überschwere Fahrzeuge fahren können:

Elektrisch ist nicht die Lösung für Alles

Elektrofahrzeuge halte ich für Wenigfahrer nicht für eine attraktive Alternative: zu hoch sind die Anschaffungskosten (ca. 40000 Euro statt ca. 20000 Euro Neupreis für meine oben gelisteten 4 Fahrzeuge), zu teuer die Batterie, wenn sie viel ungenutzt herumsteht (und sich entlädt). Und zu wenig ausgereift ist auch die Infrastruktur und die Technik.
Natürlich ist es in Ordnung, wenn sich Leute für ein Elektrofahrzeug entscheiden, sei es, weil sie überwiegend in der Stadt fahren (Taxen, Lieferdienste, Pflegedienste,…) oder weil sie auf dem Land leben, eine eigene PV-Anlage betreiben und über eine passende Distanz pendeln. Gut, wenn sie für sich ausprobieren, ob sie mit einem e-Auto besser fahren als mit einem Verbrenner.

Und das sieht auch der ökologische Verkehrsclub VCD so:

Der große Fortschritt bei den alternativen Antrieben lässt leider weiter auf sich warten. Daher hat der VCD – abgesehen von einer Handvoll Elektroautos – vor allem sparsame Verbrenner in seine Positiv-Liste aufgenommen. Neben den bewährten Hybriden und Erdgasautos sowie Benzinern sind darunter auch Diesel…
Weiterhin empfiehlt der VCD kleine Benziner, die auch ohne Direkteinspritzung sparsam sind…
Familien, die ein sparsames und günstiges Auto mit viel Platz benötigen sind gut beim Ford Focus 1.0 l EcoBoost aufgehoben…
Für Vielfahrer listet der VCD zum ersten mal seit drei Jahren auch wieder einige Diesel-Pkw auf

Und die Begründung liegt u.a. in dieser Aufstellung:
VCDElektro

e-Autos haben ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen, letztere nicht nur bei der Batterieherstellung, bei längeren Überlandfahrten, für Wenigfahrer, sondern zum Beispiel auch bei Kälte im Winter und bei Batteriebränden.

Die Hippen und der e-Hype

Promis jeder Art, junge Frauen und alte weiße Männer, finden sich leicht, wenn es darum geht, sich gegenseitig Aufmerksamkeit zu verschaffen:
GretaArnie

Dabei wird einer frischen Ikone gerne auch einmal ein e-Auto zur Verfügung gestellt, weil es als ökologisch gilt. Dabei ist es doch oft nur absurder alter Wein…

ArnieHummer

..in neuen Schläuchen, jetzt eben vollelektrisch, aber immer noch überdimensioniert, übergewichtig und um ein Vielfaches umweltschädlicher als der Verbrenner von Otto Normalverbraucher:

ArnieElektrisch

Wichtig ist für die Hippen immer das Rampenlicht und der große Auftritt, nicht eine brauchbare Lösung für die Vielen.

Zusammenfassung

Wir befinden uns in einer Zeit, in der viele technische Lösungen für den Verkehr miteinander konkurrieren. Die meisten haben für den einen oder anderen Bedarf einen Vorteil und sollten dafür auch genutzt werden können, sofern auch ökologisch Mindeststandards eingehalten werden. Ich habe deutlich gemacht, dass für meinen Bedarf sparsame Verbrenner eine ökonomisch und ökologisch sehr gute Lösung sind. Wenn andere auf Diesel oder Elektrofahrzeuge setzen, dann ist das für mich OK, aber ihre Sache.

Staatliche Eingriffe durch Vorgaben und Steuern zum Beispiel für Benzin sind natürlich grundsätzlich legitim und auch absehbar gar kein Problem für die verfügbaren effizienten Verbrennungsmotoren, denn für solche ist der Spritpreis nur ein Kostenfaktor unter vielen.

Aber disruptive Eingriffe, zum Beispiel ein völliges Verbot von Verbrennungsmotoren, wie es die Grünen für 2030 fordern, halte ich für völlig unangemessen. Ein solches Verbot würde beispielsweise mein Interesse sowohl an einer ökonomischen als auch einer ökologischen Lösung für meinen Mobilitätsbedarf verletzen. Und das alles zugunsten einer e-Mobilität, die selbst starke ökonomische und auch ökologische Probleme mitbringt. Entsprechende Forderungen folgen weniger einer technischen und wirtschaftlichen Logik als der Logik eines irrationalen Hypes, mit dem die eine Technik für gut und die andere für böse erklärt wird. Und solche staatlich erzwungenen Privilegien  für einzelne Technologien bergen ein sehr hohes Risiko, am Ende schlechte Ergebnisse zu produzieren, sowohl ökonomisch als auch ökologisch.

Technologieoffenheit halte ich für wesentlich im Wettbewerb um bessere Lösungen für den Verkehr, gerade auch weil der Batterieantrieb nicht das Ende der technischen Entwicklung darstellt. Technologie oder Technologieverbote sind aber noch keine Lösung. Es kommt auch darauf an, das Fahren ökonomisch und für sinnvolle Zwecke einzusetzen statt einen gesellschaftlichen Selbstzweck daraus zu machen. Das gilt selbstverständlich auch für das elektrische Fahren.

Und selbstverständlich habe ich diesen Artikel nicht geschrieben, weil ich in irgendeiner Weise mit der Auto- oder Ölindustrie unter einer Decke stecke. Die Frage nach Interessen darf durchaus auch denjenigen einmal gestellt werden, die Elektromobilität zur alleinseligmachenden Technik erklären. Werden dort keine Interessen von (anderen) Autoherstellern oder von Stromerzeugern verdeckt gefördert?

Die Afghanistan-Pipeline

Hochinteressante Hintergründe des Einmarsches in Afghanistan im Rahmen der Energie-Geopolitik.

Paul Schreyer

Kunduz-a

30. September 2019   —   Am vergangenen Wochenende fanden in Afghanistan Präsidentschaftswahlen statt, an denen allerdings bloß 20 Prozent der registrierten Wähler teilnahmen. Die politische Lage ist weiterhin so instabil wie seit Jahrzehnten. Abseits der Wahlen bleiben die Taliban ein bestimmender Faktor im Land, jüngst brach Donald Trump direkte Verhandlungen mit ihnen ab. Den folgenden Text, der die Vorgeschichte des Angriffs der USA und der Nato auf Afghanistan schildert, schrieb ich vor 15 Jahren, im Herbst 2004. Es war meine überhaupt erste journalistische Arbeit, entstanden und veröffentlicht damals im Rahmen eines Buchprojektes – eines Romans über 9/11, der auch einen 80-seitigen Faktenanhang enthielt. Das Buch ist lange vergriffen, der vorliegende Text aber, so scheint mir, weiterhin aktuell. Die Pipeline, um die es darin geht, wird derzeit gebaut.

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Grenzland des Rechtsstaats

Jeffrey Epstein ist tot. Wie zu erwarten war, wird er nicht mehr in seinem Prozess aussagen. Mit der Ansicht war ich nicht allein. Merkwürdige Zufälle haben wieder eine große Rolle gespielt. Ein Anlass mehr, diesen Beitrag endlich zu veröffentlichen.

Sonderbare Geschichten rauschen durch den Blätterwald, Geschichten, die vor nicht allzu langer Zeit noch als Verschwörungstheorien galten:
SchlagzeileTagesanzeiger
EpsteinInquiryEin Abgrund tut sich da plötzlich auch in den Medien auf. So schreibt der Schweizer  Tagesanzeiger in seinem unbedingt lesesenswerten Bericht:

„Warum erhielt Epstein bei einer ersten Anklageerhebung gegen ihn 2008 in Florida eine lächerlich niedrige Strafe nach einem undurchsichtigen und offenbar rechtswidrigen Deal zwischen seinen Staranwälten und dem damaligen US-Staatsanwalt Alexander Acosta?“

„Immerhin umfasste sein Bekanntenkreis den globalen Geldadel ebenso wie hochrangige Politiker und Showgrössen. In Epsteins Adressbuch, das sein ehemaliger Diener Alfredo Rodriguez stahl, fanden sich Mick Jagger und Rupert Murdoch, diverse Kennedys und Michael Jackson, Alec Baldwin und Namoi Campbell, Bill Clinton und Prinz Andrew, Richard Branson, der saudische Kronprinz Mohamed bin Salman und Ehud Barak sowie viele andere Angehörige der globalen Elite. Allein für Donald und Melania Trump sowie mehrere Angestellte der Trumps existierten 14 Telefonnummern in Epsteins Adressbuch“

Oho, gut vernetzt, würde man das unter schöneren Umständen nennen. Aber die Geschichte geht weiter:

„Heimlich fotografierte oder gefilmte Sexszenen mit Minderjährigen wären in diesem Szenario ein Mittel zur Erpressung gewesen“

Ganz heiße Verschwörungstheorie

Genau das ist die „Verschwörungstheorie„, die mir erstmals im Zusmamenhang mit der Frage untergekommen ist, warum Großbritannien am Irakkrieg teilgenommen hat, obwohl die Bevölkerung den Krieg mehrheitlich heftig ablehnte. Damals munkelten Kriegsgegner im Netz, die Blair-Regierung sei wegen Pädophilie in der Hand Dritter. Und für Pädo-Kriminelle schienen sie irgendwie schon länger ein Herz zu haben. Und nun, ei, taucht wie bestellt auch Tony Blair in Epsteins Gästeliste auf:
Gästeliste

Die Grenzen des Rechtsstaats

Und zu alledem hat der Schweizer Tagesanzeiger noch ein kleines, passendes Detail zu berichten:AcostaAussageDeutsch

Das ist die brisanteste Aussage im ganzen Artikel, zeigt sie doch, dass ein US-Staatsanwalt einfach Ermittlungen mit einem „rechtswidrigen“ milden Deal beendet, wenn er (woher auch immer: das wurde nirgends konkretisiert) einen Wink bekommt, dass es sich beim Beschuldigten um jemanden handelt, der mit Geheimdiensten zu tun hat. Und diese Aussage ist nicht in irgendeinem Hinterzimmer gefallen, sondern öffentlich bei der Anhörung des Ministerkandidaten Acosta im Kongress vor seiner Berufung zum Arbeitsminister Trumps. Das bedeutet, dass der Senat  das gehört und für irgendwie normal oder akzeptabel gehalten hat. Jedenfalls hat er Acostas Nominierung mit 60:38 bestätigt. Acosta erhielt auch Stimmen von 8 demokratischen und einem unabhängigen Senator. Die Abgeordneten wussten also, dass mit Epstein doppelt etwas nicht stimmt: Pädophilie + geheimdienstliche Verstrickungen + Schonung aus diesem Grund durch Acosta auf Anweisung von unbekannter Stelle.

So konnten amerikanische Medien mit vollem Recht berichten, dass sich die Affäre vor aller Augen entwickelt hat
DailyBeastWardStory

So ist es zum Beispiel kein Gerücht, dass Acosta in seinem Berufungshearing zu Epstein befragt wurde, sondern es stand 2017 in der internationalen Presse. Das beweist erstens, dass damals allgemein bekannt war, dass Epstein nicht astrein war und dass Acosta einen Deal mit ihm gemacht hat, der für ihn gefährlich werden könnte. So gefährlich, dass er jetzt eben genau deswegen von seinem Ministeramt zurücktreten musste. Und in diesem Artikel steht eben auch das Detail von Acostas Geheimdienst-Bemerkung:

AcostaAussageEnglisch

Das Wissen war also da, was aber nicht bedeutet, dass auch jedes jetzt neu aufgetauchte Detail stimmen muss. Vor allem der Spin kann bei konstanten Fakten gedreht werden.
Es war schon erstaunlich, dass das jetzt so breit in die Öffentlichkeit kam. Es deutet auf einen schweren Machtkampf innerhalb der Zirkel hin, die in der Vergangenheit solche Schweinereien und Konflikte vor der Öffentlichkeit verborgen haben. Und auf schwere Machtkämpfe deutet ja auch international seit Jahren einiges hin, vom Terror in Europa, über den Brexit die Begleitmusik zur Wahl von Trump bis zum Zittern der Kanzlerin.

Die Lückenpresse glänzt – mit Lücken

Es war eine große Ausnahme, dass der Zürcher Tagesanzeiger die gelb markierte, brisante Aussage von Ex-Arbeitsminister Alexander Acosta ebenfalls dem deutschsprachigen Publikum verfügbar machte.
In der Meldung vom Tod Epsteins in der Tagesschau stand darüber nichts, auch nicht in der früheren Meldung über den Rücktritt Acostas. Wohl wird noch Acostas Schonung, also Trumps Arbeitsministers, für Epstein thematisiert, aber schon die stärkere persönliche Beziehung Bill Clintons zu Epstein wird hier weggelassen, die Geheimdienst-Connection und das breite Wissen des US-Establishments darüber sowieso.
Nicht besser sieht es in der FAZ aus, damals vor dem Rücktritt Acostas und heute nach dem Tod Acostas. Auch in der Süddeutschen Zeitung fand der interessierte Leser nicht mehr Informationen. Ebenso wenig in der ZEIT. In den meisten dt. Medien wurde der Zusammenhang mit Donald Trump besonders betont. Der SPIEGEL, rückt Trump und Clinton gleichermaßen in Epsteins Nähe, unterschlägt aber auch den Geheimdienstverdacht und das entsprechende Zitat Acostas.
Auch in der von manchen als „Westfernsehen“ verklärten NZZ (Neuen Zürcher Zeitung) stand aber nichts zu Geheimdienstkontakten und politisch gewünschter Schonung: strikte Personalisierung der Taten. Und auch nicht in der Basler Zeitung (aber hier wies ein Kommentator unter den Lesern auf Acostas brisante Aussage hin).

Eine Erklärung für dieses merkwürdig einheitliche Verhalten der deutschsprachigen Presse liefert der Medien-Navigator des Swiss Propaganda Research:

SWPRMedienNavigator

Die betrachteten großen Zeitungen sind in den linken drei Spalten und damit als besonders ‚NATO-konform‘ eingestuft, der hier gelobte Tagesanzeiger in der 3. Spalte noch am wenigsten. Wer NATO-konform ist, berichtet nicht unbedingt offen alle Informationen, die in den USA offen diskutiert werden. In diesem Fall geschieht das mehr im rechten Teil dieser Übersicht, zB bei ‚Telepolis‘ oder ‚KenFM‘

Muster auch aus Deutschland bekannt

Bei der Sonderbehandlung von Jeffrey Epstein, sowohl damals durch Staatsanwalt Acosta als auch heute bei den Ermittlungen zu den Umständen seines Todes, ist ein Muster beobachtbar: Solche Dinge, die „mit Geheimdiensten zu tun haben“

  • gehen bei den „Verantwortlichen“ einfach durch, auch wenn sie rechtswidrig sind
  • werden in den Massenmedien, gerade auch den seriösen, möglichst nicht oder mindestens stark beschönigend berichtet, um das Publikum nicht zu beunruhigen, das daran glauben will, dass es in einem Rechtsstaat lebt, der solche Rücksichten nicht kennt

Dieses Muster wurde auch bei spektakulären Kriminalfällen in Deutschland beobachtet.
Heinrich Wille beschreibt sehr deutlich die harten „Grenzen des Rechtsstaats“ im Fall Barschel und auch den undurchdringlichen Nebel, den prominente Journalisten wie Hans Leyendecker, damals noch beim SPIEGEL, um diese Grenzen herum erzeugten.

MordDerKeinerSeinDurfteBuch

Michael Buback ist im Zuge seiner Ermittlungen ebenfalls zum Ergebnis gelangt, dass die sachgerechte Ermittlung und Anklage immer genau dort geendet hat, wo Geheimdienste betroffen waren. So ist es erklärlich, dass bei den meisten Morden, die die RAF begangen haben soll, die genauen Tatumstände und vor allem die ausführenden Täter bis heute nicht bekannt sind. Und die RAF-Mordserie von 1977 endete ebenfalls mit dem Selbstmord der Stammheimer Terroristen der 1. Generation, die mit diesen Morden freigepresst werden sollte. So wird es in seriösen Medien berichtet.

Nach dem Tod des Kronzeugen

Nachdem Epstein jetzt tot ist und nicht mehr „singen“ kann, scheint der ganze enge Meinungskorridor auch deutschsprachiger Medien etwas auseinanderzufallen:

NZZNachDemTod

 

Die NZZ scheint es nicht zu stören, dass Ermittlungen unnötig wären, wenn der Selbstmord so bombensicher wäre, wie sie mit dem Titel suggeriert. Ein ähnliches Problem hat die SZ:
SZNachDemTod

Das von Donald Trump retweetete Video ist übrigens dieses. Und darauf konzentriert sich auch die Basler Zeitung:

BAZNachDemTod

Eine ganz andere Strategie wählt die ZEIT: Frontalangriff auf alles, was den wünschenswerten Versionen widerspricht. Statt um Verschwörungen, die es nie gibt, geht es natürlich um böse, böse Verschwörungstheorien. Diese New Yorker, grundsätzlich sonst die coolsten Typen der Welt, sind eben ein wenig überdreht:

ZEITNachDemTod

Machen wir es kurz: es ist keine ‚Analyse‘, sondern eine Handreichung für den guten Glauben. Im Gegensatz dazu hält sich die WELT mit Wertungen erfreulich zurück
WELTNachDemTod

, betont aber am Ende des Artikels die vergangenen Beziehungen von Trump zu Epstein.

Besonders distanziert bezüglich der Frage, ob es sich um einen Selbstmord handelt, ist der Artikel der FAZ:
FAZNachDemTod

Der Suizid wird nur in Anführungszeichen genannt, viele offene Fragen ausführlich erwähnt. Unter anderem mit einem Zitat von Justizminister Barr:

„Dabei wird es vermutlich auch darum gehen, wie Epstein – der wegen sexuellen Missbrauchs minderjähriger Mädchen angeklagt war – allem Anschein nach gleich zweimal versuchen konnte, sich das Leben zu nehmen.
Barr teilte mit, er sei entsetzt darüber, dass Epstein nach einem ‚offenkundigen Suizid‘ in seiner Zelle in einem Bundesgefängnis in New York leblos aufgefunden wurde. ‚Herr Epsteins Tod wirft ernste Fragen auf, die beantwortet werden müssen.'“

Aber auch die FAZ versäumt es nicht, abschließend Trump (mit einem Zitat von 2002) in die Nähe von Epstein zu rücken. Das ist einfacher,  als die Verankerung korrupter Praktiken und Deals tief im Staat und lange vor Trumps Präsidentschaft zu thematisieren.

Fazit: Trump oder die anderen?

Trump verhält sich mit seinem Retweet für einen Präsidenten in der Tat sehr ungewöhnlich. Er stellt sich damit außerhalb des Konsenses, der solche „unschönen Dinge“ normalerweise vornehm beschweigt oder „rückhaltlose Ermittlungen“ ankündigt, von denen niemand mehr Aufklärung erwartet. Er beschuldigt statt dessen seinen Lieblingsgegner, ohne wirklich Beweise zu liefern, auch wenn der #ClintonBodyCount durchaus schon länger bekannt ist und eine beachtliche Strecke von Opfern umfasst.

Zwischen Trump und einem erheblichen Teil der (alten?) US-Eilte scheint das Tischtuch vollständig zerschnitten. Und das Volk liest mit und verliert das Vertrauen in einen Rechtsstaat, der wohl schon länger sehr grenzwertig war  und seine schmutzigen Geheimnisse nicht mehr bei sich behalten kann. Wo könnte das enden?

 

Nachtrag 22.08.2019
Dieses Video zeigt einen kuriosen persönlichen Zusammenhang zwischen der Epstein-Autopsie und einem zentralen pathologischen Detail in einem anderen prominenten Kriminalfall der US-Geschichte. Das ist wirklich so kurios, dass man es gar nicht glauben möchte, aber die Anwesenheit dieser Person ist gar nicht strittig.

 

Das Große Zittern

Angela Merkel hat zwei Mal auffällig und beunruhigend gezittert:

Tagesspiegel
Kaum ein etabliertes deutsches Medium ging wie der TAGESSPIEGEL so weit, die Gesundheit und sogar die Amtsfähigkeit der Kanzlerin ernsthaft in Frage zu stellen. Die Zeitung bezweifelte zwar die sonst gern verbreitete Erklärung der Dehydrierung, diskutierte aber keine alternative medizinische Erklärung. Die Idee ihrer Abdankung scheint da bereits stark genug zu sein, dass sie mit der Belastung im Amt und dem fortgeschrittenen Alter als Begründung auskommt. Die Krankengeschichten der Altkanzler sollten wohl zusätzlich betonen, dass man den Beschwichtigungen der Regierung nicht unbedingt Glauben schenken muss.
Ein bisschen genauer wüssten wir es schon gern. Was boten denn andere Medien?

Jede Menge Larifari

LariFariMontage

Die WELT tut so, als würde jemand erwarten, dass der Arzt der Kanzlerin seine Diagnosen öffentlich macht, nur um selbst gar nicht darüber reden („spekulieren“) zu müssen, woran es denn liegen könnte.
Der MERKUR erteilt Ratschläge gegen Dehydrierung, als sei die Ursache klar und ein ständiges Problem für jeden von uns.
Die ZEIT tut so, als würde sich die Öffentlichkeit nur dafür interessieren, weil die Kanzlerin eine Frau ist: Wackel-Dackel oder was?
Und der Spiegel beschäftigt sich breit mit der abenteuerlichen grünen Theorie (unbezweifelbare Wissenschaft!), dass wie an allem anderen auch daran nur der Klimawandel schuld sein kann.
Kurzum: jedes Larifari ist vielen Medien gut genug, um nicht ernsthaft nach der Ursache für das beunruhigende Zittern fragen zu müssen. Selbst hauptberufliche Medienkritiker haben nichts Besseres zu tun, als diejenigen in die Pfanne zu hauen, die es wagen, nur ein wenig von dieser akzeptablen Linie abzuweichen.

Immerhin erläuterte auch der Südkurier nach dem zweiten Zittern ziemlich klar, warum die von Medien bereitwillig und in allen möglichen Ableitungen bemühte Dehydrierung kaum als Ursache für die beobachteten Symptome in Frage kommt.
Der Focus ist ähnlich kritisch wie der Tagesspiegel, schließt aber zusätzlich noch Parkinson mit einer unbegründeten Ferndiagnose aus. Kanzlerin loswerden, ohne die Frage wirklich zu klären, was eigentlich mit ihr los ist?

Was kann es denn sonst noch sein? Warum geht kein seriöses Medium auf das Thema  Medikamente bzw. Drogen ein? Ist nicht das Wetter zu heiß, sondern diese Spur?

Fotos sind schon lange schlimm

Dass mit Angela Merkel etwas nicht stimmt, vermute ich schon lange, ohne sicher zu wissen, was genau es ist. Unter anderem die vielen schlimmen Fotos von ihr aus den Jahren 2015-2017 waren ein Indiz dafür, dass etwas gar nicht stimmte:

Unerträglicher Druck bis hin zu psychischen Problemen?

Die Medikamenten-Spur

Selbst in ausländischen Medien, wo erstaunlich breit über Angela Merkels Zittern berichtet wurde, wird wenig über mögliche Ursachen des Zitterns berichtet. Eine wichtige Ausnahme ist die als ‚unseriös‘ verschriene britische ‚Daily Mail‚. Diese berichtet erstaunlich ausführlich und begründet, dass die meisten Ärzte darin übereinstimmen, dass Dehydrierung wahrscheinlich nicht für Merkels Zittern verantwortlich ist (vgl. SÜDKURIER). Auch Parkinson wird im Artikel (vgl. FOCUS) ausgeschlossen. Eine mögliche Ursache könne ein orthostatischer Tremor sein. Und die ‚US National Library of Medicine‘ liste 17 Medikamente auf, zu deren Nebenwirkung ein Zittern gehöre. Mehrere davon sind Psychopharmaka.

Zu diesen Medikamenten gehört Lorazepam, das auch unter dem Namen Tavor bekannt ist. Lorazepam ist ein angstlösendes Medikament. Zu seinen Nebenwirkungen gehört auch ‚Lallen‘ bzw. eine ’schleifende Aussprache‘ , die bei Merkel erst im April bei einer Pressekonferenz aufgefallen ist. Bei einer dann folgenden Dosisminderung kommt es leicht zum Zittern als einer Entzugserscheinung des Medikaments mit hohem Suchtpotenzial.

BravesBürgerlein.jpg

(hier wieder eines der bedrückenden Fotos der letzten Jahre,
die eben auch zu den Nebenwirkungen von Tavor passen)

 Tavor und die Angst des Uwe Barschel

BarschelBücher

Der Fall Barschel kommt hier zunächst in den Sinn, weil Uwe Barschel bekanntermaßen über lange Zeit den Angstlöser ‚Tavor‘ in hoher Dosis eingenommen hat. Im Buch von Wolfram Baentsch ist das Bekennerschreiben eines professionellen Killers an die Witwe Freya Barschel abgedruckt, das Bezug nimmt auf die Schwierigkeiten, die dieses Mittel den Mördern bei der medikamentösen Betäubung des Opfers im Hotelzimmer in Genf bereitet habe.
Und Uwe Barschel hatte gute Gründe, große Angst zu haben. Im Frühjahr seines Todesjahres 1987 hatte er einen mysteriösen Flugzeugabsturz als einziger von 4 Insassen um Haaresbreite überlebt. Die im Spiegel-Artikel beschriebene rätselhaft niedrige Flughöhe des Flugzeugs vor dem Absturz erklärt Baentsch durch eine Fehlleitung des Flugzeugs. Nicht im Spiegel-Artikel erwähnt ist, dass der Sendemast, an dem das Flugzeug hängenblieb, seine Höhe von 16 Metern zum Unglückszeitpunkt erst seit kurzer Zeit hatte und nach dem „Unglück“ wieder durch einen kürzeren Mast ersetzt wurde. Nicht besser war es im STERN:
Schon damals machte eine Verschwörungstheorie die Runde, dass angeblich die Stasi einen Mordversuch unternommen habe. Doch der Untersuchungsbericht des Luftfahrt-Bundesamtes schließt einen Sabotageakt aus

Das Buch des ermittelten Oberstaatsanwaltes Heinrich Wille beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Widerstand, den der politisch-mediale Komplex den Ermittlungen entgegengesetzt hat. Sein wichtigster Beitrag zur Aufklärung des Falles war es, ein toxikologisches Gutachten durchgesetzt zu haben, das im Ergebnis die offizielle Selbstmord-These als unmöglich erwies, weil das tödliche letzte Gift zu einem Zeitpunkt zugeführt worden sein muss, als das Opfer bereits durch früher verabreichte Mittel handlungsunfähig gewesen sein musste.
In einen größeren Zusammenhang gestellt wurden die Vorgänge um Barschel erst mit dem jüngsten Buch von Baab und Hakavy. Einen guten Eindruck von diesen Zusammenhängen kann sich der Leser mit diesem Video von der Buchpräsentation schnell verschaffen. Demnach sei Uwe Barschel bereits in Studententagen als CIA-Mitarbeiter angeworben worden und habe später über das Notariat, in das er nach dem Studium eingetreten war, hochbrisante Waffengeschäfte beglaubigt. Das Einfädeln solcher Geschäfte sei der Grund gewesen, warum er noch in seiner Zeit als Ministerpräsident von Schleswig-Holstein regelmäßig in die DDR gefahren sei. Die Tatsache dieser DDR-Reisen war bereits lange bekannt und wird bereits in den Büchern von Wolfram Baentsch und vor allem Wille ausführlich besprochen.

Spätestens seit dem Tod von Olof Palme, eineinhalb Jahre vor seinem eigenen, dürfte Barschel als intelligenter Insider geahnt haben, wie gefährdet auch seine eigene Existenz war. Der Flugzeugabsturz ein Jahr später dürfte ihm die letzten Zweifel genommen haben, dass er sich selbst im Fadenkreuz befand. Ein starkes Psychopharmakon half in dieser Situation gegen die Todesangst. Die Angst hat sich mit dem lange mit aller Macht vertuschten Mord in Genf als gut begründet herausgestellt.

Der hämische Ton, den der SPIEGEL 1987 anschlug, als er versuchte, den Angstlöser Tavor allein zum persönlichen Problem Uwe Barschels zu machen, war jedenfalls in der Sache unangemessen und Teil einer großangelegten Kampagne zur nachträglichen Vernichtung auch von Barschels Charakter (deshalb Baentschs Buchtitel ‚Doppelmord‘).
Ein hämischer Ton ist auch heute gegenüber Angela Merkel unangemessen. Ihre Probleme sind zu einem guten Teil auch die Probleme der Deutschen.

Gute Gründe für Angst bei Angela Merkel

Auch für Angela Merkel gibt es schon von außen betrachtet gute Gründe für große Angst.

Der Konflikt mit den USA

Angela Merkel galt sei ihrem Auftritt 2003 gegen Gerhard Schröders Irakpolitik als besonders getreue Vasallin der USA. Diese Rhetorik dürfte über ihren Amtsantritt hinaus in Washington große Erwartungen geweckt haben. Ein Meinungsbeitrag des Ex-US-Botschafters John Kornblum in der Welt von 2015 deutet daraufhin, dass diese Erwartungen substanziell enttäuscht worden sind: „Mach weiter so, Kanzlerin! Mach nur weiter so!„. Man kann diesen Text durchaus auch als Kündigungsschreiben oder Abgesang verstehen:
„Dieses Gesetz besiegelte das Schicksal der Sowjetunion. Es wird auch Europa dahin führen, wohin es gehen muss. Wir sind mit Ihnen, Angela. Machen Sie weiter so!“
Dieser Text wurde etwa ein Jahr vor Trumpsspiegel-cover-klein-1 Wahl zum US-Präsidenten veröffentlicht, so dass die Ungnade, in die Angela Merkel gefallen ist, keinesfalls allein seiner Präsidentschaft zugeschoben werden kann.
Allerdings ist seine Präsidentschaft und seine offen vorgetragene Feindseligkeit gegen Deutschland und Merkel durchaus ein Hinweis, der in mein Bild passt. Dass Trump nur ein Aushängeschild für diese Unzufriedenheit und einen fundamentalen deutsch-amerikanischen Konflikt ist, ist erst kürzlich deutlich geworden: Ein Tritt in den Hintern kann der deutschen Kanzlerin jederzeit nicht nur von Trump, sondern auch im Namen einer Beraterin des Präsidentschaftskandidaten Joe Biden verpasst werden. Der Spiegel schreibt am Drehbuch von Merkels Horror mit.

Terroranschläge

Starke Ängste dürften bei Angela Merkel natürlicherweise auch die Terroranschläge auslösen, die Deutschland und die Nachbarländer, insbesondere Frankreich, seit Jahren heimsuchen. Exemplarisch dafür steht das dubiose Weihnachtsattentat vom Breitscheidplatz 2016. Vorwürfe wegen dieses Attentats in den Medien richteten sich persönlich an sie:

MerkelBreitscheidplatz

Die Regierungsflieger

Noch konkreter wird die Angst für Angela Merkel durch die sich häufenden Störfälle in ihrer Flugbereitschaft, bei denen sie an Bord bereits zu einer Notlandung gezwungen wurde:

WeltSabotage

Die Situation stellt sich aus Sicht der Kanzlerin in höchstem Grade furchteinflößend dar. Ein angstlösendes Medikament scheint bei genauer Betrachtung ihrer unmenschlichen Lage eine absolute Notwendigkeit zu sein.

Erbarmen für Angela Merkel

Alle diese Details ihrer Lage werfen die Frage auf, ob die Lage der Kanzlerin nicht ein Regime-Change-Szenario darstellt, das sorgfältig um sie herum aufgebaut wurde. In einem solchen Regime-Change-Szenario könnten auch Medien wie der TAGESSPIEGEL und der FOCUS mit Forderungen nach einem schnellen Abschied einen Platz haben. Und auch für die AfD und andere Merkel-Kritiker stellt sich die Frage, inwieweit sie (bewusst oder unbewusst) Teil einer orchestrierten Regime-Change-Kampagne sind.

Die Liste der Gründe für existenzielle Angst bei Angela Merkel ließe sich noch verlängern, z.B. damit, dass die Euro-Krise keineswegs gelöst, sondern nur vertagt und eine dramatische Eskalation jederzeit möglich ist.
Es geht mir hier gar nicht darum, ganz bestimmte Gründe für Merkels Angst verantwortlich zu machen, sondern um den Nachweis, dass sie genug Gründe für eine grausame Angst hat: mehr als genug.
Pflicht ist es, die Anwendung eines starken Angstlösers plausibel zu machen. Diese Pflicht sehe ich hiermit als erfüllt an. Die Kür ist es, die tatsächlichen Gründe nachzuweisen. Diese Kür liegt jenseits der Möglichkeiten eines Blogbeitrags und auch des Blogs.

Fazit und Ausblick

Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass sich Angela Merkel in einer Situation befindet, in der sie über das erwartbare Maß hinaus unfrei ist in ihren Entscheidungen. Ihre jahrelange Erscheinung und ihre jüngsten Ausfälle deuten darauf hin, dass sie persönlich so unter Druck steht, dass sie diesem Druck nach und nach nicht mehr standhält.
Auch ihre Nachfolgerin als CDU-Vorsitzende spürt bereits massiv den Druck, den sie selbst seit Jahren ertragen muss und immer schlechter erträgt:

MerkelAKK
Bei aller berechtigten Kritik an Teilen von Merkels Politik sind persönliche Angriffe auf ihre Person deshalb weiterhin falsch. Kritik ist geboten, gerade weil sie nicht frei zu handeln scheint und das anscheinend auch zum Schaden des Landes. Rufe nach ihrer Ablösung sind legitim und vielleicht sogar in ihrem eigenen Interesse, aber Hass ist weiterhin falsch.
Das gilt insbesondere auch deshalb, weil die seit Jahren erkennbare Zuspitzung ihrer Situation ein schlimmes Ende nehmen könnte. Wie wäre es, wenn sie nach einer Ablösung anfangen würde, davon zu sprechen, welcher Art von Druck (und vor allem: durch wen?) sie tatsächlich ausgesetzt war? Mit einem Ende nach den Mustern Barschel oder Buback könnte das verhindert werden. Für das Muster Buback bräuchte es Täter und geistige Anstifter. Diese werden sich unter denjenigen finden, die Hass oder gar Drohungen gegen das Opfer äußern.
Auch die in jüngster Zeit auffällig häufigen Medienberichte über ‚rechtsradikale Netzwerke‘ bis hinein in Polizei und Sicherheitsorgane geben in einem solchen Szenario einen besonders düsteren Vorgeschmack darauf, wie sich die seit Jahren bedrückende Situation in einem bösen Knall auflösen könnte.

Nachtrag 11.07.2019
Beim ihrem 3. öffentlichen Zitter-Anfall gestern in Berlin soll Angela Merkel laut einer Lippenleserin mantrahaft gemurmelt haben: „Ich schaffe das“.
Das ist sehr autosuggestiv und klingt genau nach der enormen Belastung, die ich bei ihr vermute und zwar seit langem. Es könnte um die primäre Belastung durch ihr Amt gehen, aber auch um den Kampf gegen die Nebenwirkungen des Entzugs.

Nachtrag 19.07.2019
Heute zufällig eine Radiosendung von BR2 eingeschaltet:
Chance oder Risiko Wie viel Schwäche darf ich im Job zeigen?“
Frauen sprechen darüber, wie sie in eine schwere Depression/Burnout hineingeraten sind, wie schwer es war, sich das einzugestehen und wieder herauszukommen. Wie zufällig kommen sie auf Angela Merkel zu sprechen. Diese muss aber nichts sagen „wegen der schrecklichen Häme“, die über sie hereinbrechen würde. So teilt man dem Hörer durch die Blume mit, welche Art von Erkrankung dahinter stecken könnte, ohne es wirklich auszusprechen. Ziel: Gewöhnung an die Idee, die bisher noch nicht ausgesprochen werden darf.

Nachtrag 30.10.2019
Ich bin auf einen Text hingewiesen worden, der schon etwas älter (von Sommer 2016) ist und wunderbar zu dieser Beschreibung von Merkels Lage passt:
Merkel, als Vasallin, die nicht mehr gehorcht, aber es nicht offen zeigt:
„Merkel ist ein knallharter Machtmensch und keine willenlose Marionette…Achten Sie immer auf die entscheidenden geopolitischen Taten und vergessen Sie die gegenseitigen offiziellen Freundschaftsbekundungen…Denn Merkel weigert sich…Der Elitenkreis hinter Merkel ist die deutsche Wirtschaft…Deutschland hat eine Million Flüchtlinge vom Balkan zu sich gezogen und damit die Situation auf dem Balkan stabilisiert…Der Flüchtlingsstaubsauger ist ein Verteidigungsakt. Das war so nicht eingeplant. Merkel hat damit den Einsturz ihrer großen Pläne verhindert, aber jetzt hat sie ein Problem mehr, um das sie sich kümmern muss. Im Volk brodelt es und die USA sind schon dazu übergegangen, den Finger in diese Wunde zu legen, um Deutschland aus den Angeln zu hebeln…
Das Problem zwischen Deutschland und USA ist, dass die USA nichts mehr zu geben haben…Es ist eine Sache, selbst von Demokratie zu schwafeln, wenn man seine Sklaven ruhig hält. Und es ist eine andere Sache, für Demokratiegeschwafel selbst Sklave zu werden… Ja, mein Herr, sagt Merkel zu Obama. Ja mein Herr, gewiss mein Herr…
Dank Merkel geht Deutschland langsam den Bauch runter, während um uns herum alle im freien Fall in den Abgrund stürzen…
Merkel ist keine US-Agentin und keine Psychopathin…Merkel ist eine herausragende Machtpolitikerin…Merkel will Deutschland aus dieser Phase als europäischen Hegemon mit weltweiter geopolitischer Bedeutung herausführen. Der Herr greift Deutschland an, um das nicht zuzulassen. Merkel hält dagegen“

Das ist schon sehr gut! Muss nicht stimmen, würde aber vieles stimmig erklären, was auch dieses Blog in den letzten Jahren beobachtet hat.

Politische Kultur und nationale Identität

Zur Wahl in Dänemark bin ich auf diesen ganz hervorragenden Hintergrundbericht hingewiesen worden.
Ich bin von ihm so fasziniert, weil er aktuell und atmosphärisch das bestätigt, was Emmanuel Todd bereits 1990 über das dänische politische System geschrieben hat:

„In Dänemark führt die antirationalistische und populäre religiöse Bewegung, deren Symbol der Theologe und Dichter Grundtvig war, zu einer Neuordnung der gesamten Kirche in einem anti-autoritären Sinne. Im Jahr 1855 erlangen die dänischen Bauern das Recht, ihre Pastoren zu wählen. Die traditionelle lutherische Mechanik löst sich auf“

Die hemmungslos autoritäre Art, in der in Deutschland mit dem erhobenen Zeigefinger über die dänischen Sozialdemokraten geurteilt wird, dürfte exakt die „lutherische Mechanik“ sein, von der Todd spricht und die seit der dt. Wiedervereinigung zunehmend ganz Deutschland in den autoritären Griff genommen hat:

„Die Rechtspopulisten schrumpfen bei der Parlamentswahl in Dänemark stark, weil die Sozialdemokraten große Teile ihrer Agenda kopieren. Das ist billig und effektiv – vor allem aber gefährlich“

Hier also nun der tolle Hintergrundbericht von seidwalk:

seidwalk

Die dänische Folketingswahl 2019 ist Geschichte. Und sie wird Geschichte machen. Unter Führung der Sozialdemokraten hat der linke Block wieder die Zügel übernommen. Er konnte das nur, weil die Sozialdemokratie unter Mette Frederiksen die straffe Einwanderungspolitik der „Dänischen Volkspartei“ in ihre eigene implementiert hat und weil einige ihrer potentiellen Koalitionspartner wie die „Radikale Venstre“ oder die „Sozialistisk Folkeparti“ für ihre Verhältnisse deutlich zulegen konnten.

Effektiv haben die Sozialdemokraten sogar ein paar tausend Stimmen verloren und ihr liberal-konservativer Hauptgegner, die „Venstre“ unter Lars Løkke Rasmussen, ein paar zehntausend Stimmen dazugewonnen, aber durch den Zugewinn auf der ultralinken und vor allem durch den massiven Verlust der „Dansk Folkeparti“ hat sich das Gefüge deutlich verschoben.

Mette Frederiksen hat nun die komplizierte Aufgabe, die bunte, wesentlich radikale Mosaiklinke hinter sich zu einen und mit ihr vor allem ihr sozialpolitisches Programm durchzusetzen. Aber ebenso schwer dürfte es sein, gegen ihre Koalitionspartner und vermutlich mit Hilfe…

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