Wir haben keinen Einfluss

Dieses Video-Fundstück einfach mal anhören und wirken lassen:

Ich gehe davon aus, dass Christian Lindner hier die Wahrheit sagt:
Die Landesregierung NRW hatte keinen Einfluss darauf, wie sie das Gerichtsurteil gegen die Ungleichbehandlung verschiedener Läden umsetzte. Die Entscheidung, alle Läden auf stärkere Gängelung statt auf Lockerung zu vereinheitlichen, kam aus Berlin (oder darüber), nicht aus Düsseldorf.
Die Landeskabinette werden noch nicht einmal anständig informiert. Das erinnert an alte Geschichten.
Und die Bundeskanzlerin hat offensichtlich zunehmend Probleme mit diesem inoffiziellen Überbügeln der Landesebene (Lindner: „Ausnahmezustand“) und würde es deshalb gerne formalisieren, die Länder also offiziell entmachten.
Der Angriff auf die verfassungsmäßige, föderale Ordnung kommt also von ganz oben.

Ausgangssperren

Und Lindner hat auch bei den Ausgangssperren Recht:

Das zeigt zum Beispiel auch der Vergleich mit Frankreich, wo seit dem 14. Januar landesweit eine Ausgangssperre ab 18:00 Uhr gilt. So haben sich seither die ‚Inzidenzen‘ in Deutschland und Frankreich auseinanderentwickelt: in die falsche Richtung!

Die Daten sind sehr eindeutig: es ist unmöglich, dass die Fallzahlen ein guter Indikator sind und Ausgangssperren gleichzeitig wirksam. Beides passt nicht zusammen, und daran krankt die gesamte Corona-Politik.

Murmeltiertag

Der 26.3. ist Murmeltiertag.
Heute vor einem Jahr erkannte Gesundheitsminister Jens Spahn die Ruhe vor dem Sturm in den Kliniken:

Weil „keiner genau sagen kann“, was kommt, sollte es ganz schlimm kommen. Kam es aber nicht:
Von wegen Überlastung. Im Pandemiejahr 2020 herrschte in Deutschlands Kliniken historischer Leerstand

Und dieses Jahr vor derselben Kulisse sagte Spahn wieder Dasselbe in etwas anderen Worten:

Wenn das so ungebremst weitergeht, laufen wir Gefahr, dass unser Gesundheitssystem im April an seine Grenzen kommt“
Mit vielen Einschränkungen kommt er zu dem Schluss, dass vielleicht etwas an seine Grenzen kommt. Den Zusammenbruch bastelt daraus der Spiegel-Texter.

Wie ist die Lage?

Das sagt das RKI im heutigen Situationsbericht über die Lage auf den Intensivstationen:

Vom heutigen Stand, der bereits um den 10.11.2020 herum einmal erreicht war, benötigte die Belegung 7 Wochen bis zum Maximum Anfang Januar – ohne Zusammenbruch. Das spricht nicht dafür, dass es noch im April zu einem „Zusammenbruch“ kommen wird.

Das Mutanten-Spiel

Politiker und RKI warnen deshalb vor der neuen „englischen“ Mutation B1.1.7, die alles viel gefährlicher machen soll. Sie ist aber schon fast 3 Monate da und trotzdem sind die Zahlen seither vor allem gesunken.
Und Dänemark wurde (angeblich) bereits vor 6 Wochen von dieser Mutante übernommen:

Und wie sahen seither die Zahlen für Dänemark aus?
Bei den Todesfällen war Dänemark nie schlechter als Deutschland und ist jetzt viel besser:

Sogar bei den Fällen, also positiven Tests, liegt Dänemark inzwischen etwas niedriger als Deutschland:

Und bei den Krankenhauseinweisungen sieht es nicht anders aus. Dort hat Dänemark in den letzten 10 Wochen ein Hoch weit hinter sich gelassen:

Die Mutante B1.1.7 hat für Dänemark nichts schlechter gemacht. Deshalb will Dänemark jetzt einen Öffnungsplan ausarbeiten und alle Maßnahmen demnächst aufheben:

Die Argumente für einen „Zusammenbruch“ (SPIEGEL, nicht Spahn) im April überzeugen nicht.
Dafür müsste Spahn noch ein As aus dem Ärmel zaubern. Vielleicht hat ja Bill Gates etwas für ihn?

Nachtrag 2.4.2021
Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), widerspricht den Warnungen in BILD:

„Eine totale Überlastung unseres Gesundheitssystems oder gar Triage wird es in den kommenden Wochen absehbar nicht geben

Nachtrag 12.4.2021
Der Prognose-Zeitraum bis Ende April ist jetzt fast zu Hälfte verstrichen. Und es gibt weiterhin keine Anzeichen, dass die Murmeltier-Prognose ernsthaft eintreten könnte, obwohl sich die Medien sehr bemühen, die sie in die Welt gesetzt haben:

Nachtrag 7.5.2021
Heute Bilanz von Spahn und RKI zB berichtet von der ZEIT:

Seine Warnung war ein Witz, die 3. Welle mehr herbeigeredet als Realität.
Hier die RKI-Zahlen zu den Todesfällen:

Daten der Johns-Hopkins-Universität über Todesfälle:

Krankenhauseinweisungen:

Und Belegung der Intensivstationen mit Corona-Fällen:

Die Abweichung der dt. Intensivpatienten von den Krankenhausneueinweisungen sowie den schwedischen und dänischen bleibt aber ein Rätsel!
Fazit: außer dem statistischen Rätsel Intensivpatienten war da gar nichts besorgniserregend!

Gemeinsam Zukunft

Bericht von der Kundgebung der gleichnamigen Initiative am 31.03.2021 auf der Theresienwiese in München.
Die Veranstalter haben sich vorher stark von den Querdenkern abgegrenzt und wurden darin auch von Medien unterstützt.

Ablauf

Die Veranstaltung begann pünktlich um 16:00 Uhr. Sie blieb überschaubar:

Ich schätze sie auf 200, höchstens 300, Teilnehmer. Eine schwedische Fahne war auch da und immer wieder prominent im Blick.
Die Veranstalter hatten ein buntes Programm aus Musik- und Redebeiträgen zusammengestellt. Ein bekannter FDP-Bundespolitiker hatte der Veranstaltung eine Grußbotschaft geschickt, die abgespielt wurde.
Die Stimmung litt insgesamt unter der winterlichen Kälte (2°C, starker Wind und leichter Schneefall), von der sich zumindest diese Künstlerin aber nicht abschrecken ließ, im leichten Gewand aufzutreten:

Angenehm war, dass der auf diesen Demonstrationen übliche Masken-Hickhack hier kein Thema war: praktisch alle trugen Masken, wie von den Veranstaltern angemahnt. Das erspart diese ständigen Unterbrechungen und tut den Beiträgen gut.
Die Polizei war mit (übertrieben) vielen Fahrzeugen anwesend, oft mit im Stand laufenden Motoren, und die Polizisten patrouillierten auch durch die Reihen, fanden aber kaum etwas zu beanstanden. Dabei waren die Abstände nicht unbedingt größer als auf Querdenker-Demos, die ich auch schon besucht habe.

Angesichts der Kälte und der 7 km, die ich noch nach Hause zu radeln hatte, habe ich die Veranstaltung kurz nach 17 Uhr verlassen. Zum Glück, denn die sich wieder erwärmenden Finger taten nach 2,5 h draußen dann doch schon ordentlich weh.

Inhalte

Die meisten Plakat-Inhalte wären ebenso wie die schwedische Fahne auf praktisch jeder Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen konsensfähig gewesen:

Die Redner kamen dagegen viel stärker aus regionalen, nicht bundesweit medial bekannten Initiativen und aus bayerischen Unternehmen, mit Schwerpunkt aus Niederbayern:

Das war aus meiner Sicht ein Plus gegenüber den Querdenken-Demos.

Auch die Redner haben den Lockdown als überzogene Maßnahme gebrandmarkt, sowie die teilweise völlig willkürlichen Detailregelungen, von denen ein Teil der Wirtschaft regelrecht stranguliert werde. Einer der anwesenden Unternehmer sprach von einer brutalen Enteignung durch staatliche Zwangsmaßnahmen.

Die Schilderungen der Not in betroffenen mittelständischen Unternehmen aber auch in Familien und für die Kinder wirkten sehr authentisch.
Etwas übertrieben finde ich dagegen das Bedürfnis, sich von sogenannten ‚Coronaleugnern‘ abzugrenzen, nicht nur bei den Veranstaltern:

Wer ist schon Coronaleugner?

Wenn man auf anderen Demos war, weiß man, dass solche Plakate sich mehr von Medien-Popanzen abgrenzen als von echten Menschen, denn wer ist schon „Coronaleugner“?
Der Frame sitzt allerdings fest.

Fazit

Sympathische kleine Kundgebung mit widrigen äußeren Umständen, auf der aber auch Kinder ihren Spaß hatten:

Die Veranstalter sollten sich aber noch mehr auf ihre Botschaft und die legitimen Interessen konzentrieren, die sie vertreten.
Übertriebene Abgrenzung von Medien-Popanzen bringt nur wenige Punkte, auch wenn sie zB in der SZ gerne berichtet wird: Keine Chance für Maskenmuffel

Und er war tatsächlich auch da:

Nach meiner Beobachtung ging er ordentlich maskiert und weitgehend inkognito durch die Reihen, aber ich habe ihn sofort erkannt.
Die Süddeutsche berichtet, dass er, der SPD-MdB Florian Post und MdL Fabian Mehring von den Freien Wählern später noch gesprochen haben. Schade, habe ich kältebedingt leider verpasst. Über die Inhalte ihrer Beiträge berichtet die SZ ja keinen Pieps:


Das hätte mich schon noch interessiert, mehr als Klatsch und eine Szene mit Pippi Langstrumpf.

Nachtrag 31.03.2021
Im Oberland hat sich eine Initiative mittelständischer Unternehmen gegen die Corona-Maßnahmen gegründet: Wir stehen zusammen. Textauszug:
Das geht nicht ganz ohne Streit ab.

Es ist doch nur…

Absolut sehenswerte Dramatisierung des Wegs in einen dystopischen Abgrund. Ähnlichkeiten mit realen Ereignissen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt:

Original: https://www.youtube.com/watch?v=W61Zfb6pD1k

Nachtrag 19.03.2021
Sehr gutes zweites Video von Hans-Jörg Karrenbrock:

Kluger Mann. Duckmäuserei ist nicht immer klug.

Nachtrag 30.03.2021, noch ein gutes Video:

Grenzüberschreitende Wissenschaft

Dirk Pohlmann spricht mit dem Wissenschaftsphilosophen und Leopoldina-Mitglied Prof. Dr. Michael Esfeld über die Instrumentalisierung der Wissenschaft in der Corona-Krise:

Michael Esfeld ist im Dezember durch die Kritik an der Stellungnahme der Leopoldina für die Corona-Politik der Regierung bekannt geworden.
Diese Kritik hat ein breites Echo verursacht: BILD, Achse des Guten, TichysEinblick, Frische Sicht, NZZ, Nau.ch, MDR, KenFM, Schweriner Volkszeitung.
Es fällt aber auf, dass die überregionalen deutschen Tages- und Wochenzeitungen dabei (mal wieder) weitgehend ausfallen.

Déjà vu: Eugenik

Besonders bemerkenswert finde ich die Passage, in der Michael Esfeld die grenzüberschreitend verwendete, also missbrauchte Wissenschaft in der Corona-Politik mit dem vergleicht, was im Zusammenhang mit der „wissenschaftlichen“ Eugenik zu Beginn des 20. Jahrhunderts, etwa zwischen 1900 und 1930 passiert ist:
„Die Eugenik ist ein sehr gutes Beispiel, treffend für die jetzige Situation….In der Eugenik ging es darum, ein Übel abzuwenden….Das Übel bestand darin, dass wissenschaftlich mit absoluter Notwendigkeit erwiesen war (Sie können direkt die Phrasen von heute nehmen), dass es minderwertige Gene gibt, dass bestimmte Menschengruppen Träger dieser minderwertigen Gene sind…Deshalb drohte der Untergang der zivilisierten Menschheit, ein bevorstehendes großes Übel und da muss man jetzt staatlich eingreifen…“

Grenzüberschreitender wissenschaftlicher Irrweg

Diese internationalen, keineswegs ursprünglich deutschen Ideen lassen sich sehr gut in diesem empfehlenswerten Buch von Hermann Ploppa nachlesen:

Und nicht nur das: im Jahre 1914 erarbeiteten US-Regierung, angesehene Stiftungen wie Carnegie oder Rockefeller, sowie die besten Wissenschaftler amerikanischer Universitäten ein detailliertes Rassenaufartungsprogramm nicht nur für die USA, sondern für die gesamte Menschheit. Nach diesem Plan sollten bis zum Jahre 1985 allein in den USA 45 Millionen „Minderwertige“ „eliminiert“ werden. Adolf Hitler hat dieses Programm in „Mein Kampf“ mit Eifer propagiert. Hitler hat auch nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er den US-Amerikanern Henry Ford, Madison Grant und Lothrop Stoddard entscheidende Anregungen verdankt.

Déjà vu: Industrielle Revolution

Der oben erwähnte Henry Ford war nicht nur ein Anhänger eugenischer und rassenhygienischer Ideologien/Wissenschaft, sondern auch eine Schlüsselfigur der Industriellen Revolution, genaugenommen der Zweiten Industriellen Revolution.
Und wie bei der Eugenik, bei der Michael Esfeld eine klare Parallele zur Corona-Wissenschaft sieht, verbindet sich auch in der Corona-Politik eine Komponente von (Volks-)Gesundheit mit einer starken Komponente von Industriepolitik.

Klaus Schwab

Niemand verbindet beide Themen unbekümmerter und offensichtlicher als Klaus Schwab, der als Gründer des Weltwirtschaftsforums (ausgerechnet in Davos) berühmt wurde:

Zwischen beiden Buchtiteln liegt gerade mal ein gutes Jahr

Die Sprengkraft der Vierten Industriellen Revolution wird seit Jahren beschrieben, manchmal nicht nur mit ihren Verheißungen, sondern auch mit ihren düsteren Schatten.
Wenn Schwab das mit Covid-19 verbindet, bleibt wenig Raum für Interpretationen: Die Coronakrise ist kaum in erster Linie eine Gesundheitsfrage, sondern ein Vehikel für mehr, für Technologie- und Kapitalinteressen.
Schwab wird von den einen kritiklos als wohltätiger Visionär („ihnen geht es darum, eine bessere Zuunft zu gestalten“) gefeiert:

von anderen aber als Prophet eines neuen Faschismus bezeichnet:

Bill Gates

Während Klaus Schwab kein Unternehmer ist, gibt es mit Bill Gates einen zweiten Prominenten in der Corona-Krise, der noch besser zu Henry Ford passt. Gates ist ein Big Player der Dritten industriellen Revolution.
Und der Machtballung in den Händen der Digitalkonzerne. Ich finde es beispielsweise schon lange verdächtig, wie aggressiv das von ihm gegründete Microsoft sich das Recht erobert, Updates quasi automatisch auf den Rechner jedes Benutzers zu schieben und auch noch die Anmeldung am PC möglichst mit einem Microsoft-Account vornehmen zu lassen. Wer das duldet, muss sich nicht wundern, wenn solche Konzerne anschließend auch wie selbstverständlich Meinungsäußerungen auf ihren Plattformen zensieren.
Und dieser Bill Gates ist natürlich aus rein humanitären Gründen ein Big Player im globalen Gesundheitswesen geworden.

Fazit

Der von Michael Esfeld und Dirk Pohlmann vorgenommene Vergleich mit der (pseudowissenschaftlichen) Eugenik vom Beginn 20. Jahrhunderts und die Verbindung mit der dahinterliegenden industriellen Dynamik und Macht, die dem Faschismus den Weg bereiteten, zeigen, dass die pseudowissenschaftliche Corona-Politik und ihre tiefe Verbindung mit der industriellen Dynamik der fortschreitenden Digitalisierung ein hohes Potenzial haben, wieder totalitären Ideologien und Praktiken den Weg zu ebnen.
Die aggressiven Löschungen von Corona-Kritik auf den Plattformen der Digitalkonzerne legen schon heute täglich Zeugnis davon ab. Wenn Digitalkonzerne das mit absolutem Gesundheitsschutz begründen, handelt es sich im wesentlichen um eine pseudowissenschaftliche Ideologie.

Nachtrag 7.3.2021
Dass der von Michael Esfeld gezogene Vergleich mit der Hongkong-Grippe angemessen ist, zeigen übrigens die Zahlen zu Corona in Frankreich.
Corona ist deshalb keine Pandemie, die nie existiert hat, sondern eine massiv aufgebauschte.

Nachtrag 29.4.2021
Michael Esfeld hat in einem großen Beitrag für die NZZ nachgelegt:

„Der Mechanismus besteht darin, aktuelle Herausforderungen zum Anlass zu nehmen, existenzielle Krisen herbeizureden – ein Killervirus, das umgeht, eine Klimakrise, welche die Existenzgrundlagen der Menschheit bedroht. Die Angst, die man auf diese Weise schürt, ermöglicht es dann, Akzeptanz dafür zu erhalten, die Grundwerte unseres Zusammenlebens beiseitezuschaffen…
Wie die alten, so kommen auch die neuen Feinde der offenen Gesellschaft aus ihrem Inneren. Für Wissenschafter und Intellektuelle ist es offenbar schwer einzugestehen, kein normatives Wissen zu haben, das die Steuerung der Gesellschaft ermöglicht“