Die vielfache Logik eines Sieges von Trump bei den Präsidentenwahlen war klar, spätestens seit dem Biden-Debakel im Sommer und trotz des enorm teuren Wahlkampfs für Kamala Harris.
Trotzdem hat mich die Höhe des Sieges von Trump überrascht, das breite Versagen der Demoskopen, ihn in den Umfragen zu finden.
Kann man dem Ergebnis trauen, so perfekt wie es nun mal ist für die makellose Manifestation eines reinen Volkswillens für den Wahlsieger, für die Versöhnung des geschmähten konservativen Wählers mit dem politischen System der USA?
Attentate
Die Drehbuch sparte nicht mit dramatischen Momenten, tollen Bildern, großen Worten, Abgründen und natürlich jeder Menge Spannung.
Es ging schon mit dem Attentat los, das perfekte Bilder lieferte, den Umschlag für ein Buch und das Titelbild oben. Es blieb der Streit, ob für die Pannen ein Komplott oder eine Inszenierung verantwortlich ist. Ein zweiter Attentatsversuch wurde bei uns schon weniger beachtet.
Gerichtsverfahren
Zum Skript gehörten schon vorher alle diese bizarren Gerichtsverfahren, die Trump in den Augen seiner Gegner zu einem Schurken machen, in den Augen seiner Anhänger aber zum Opfer und seine Gegner zu Schurken:
Der Fall ist noch nicht beendet: Trump könnte sich womöglich bald selbst begnadigen.
Der Glamour dieser traurigen Geschichten (und Gesichter) gehört zu Trumps Umfeld und ist sicher nicht sympathisch.
Absurde deutsche Kampagnen
Nicht nur in Deutschland gab es eine abenteuerliche Desinformation über den Verlauf des US-Wahlkampfs und die Stimmung in der Bevölkerung, die zu solchen Umfrageergebnisse führte:
Die Deutschen wurden durch Desinformation gezielt dumm gehalten über das, was kommt, auch wenn die Umfragen nicht immer so extrem ausfielen: viel zu hoch jedenfalls für einen vernünftigen Informationsstand.
Besonders ARD und ZDF haben gegen Trump agitiert, als könnten ihre Zuschauer in den USA mitwählen. Wie absurd ist das denn? Was hat das noch mit Journalismus zu tun?
Es geht schon damit los, dass viele gar nicht unterscheiden zwischen dem, was sie erwarten, und dem, was sie sich wünschen.
Bei den professionellen Journalisten und Medienschaffenden darf man da allerdings auch nach einer subtilen Absicht fragen:
Das Nummerngirl Kebekus mag das für Trump-kritisch halten, aber vielleicht setzt es ihr Auftraggeber beim ÖRR als Mittel zur „sanften“ Gewöhnung an den Präsidenten Trump ein? So ein Cowgirl dürfte das bei Trumps Wahlparty bestimmt auch singen, wenn sie danach noch ein wenig bei ihm auf dem Schoß sitzt. Mit Kritik und Politik hat das eben sehr wenig zu tun. Es ist eine Ersatzhandlung, reine Symbolik und Irreführung.
Wenn man sich für Politik interessiert, konnte man von Jahresanfang ahnen, dass Trump zurückkommen soll. Und später konnte man wissen, dass es mindestens ziemlich naheliegend ist.
Extreme Siegesgewissheit
Diese Video zeigt, dass sich Trump seines Sieges sicher gewesen sein muss:
Das war mitten im Wahlkampf, aber das Video konnte erst nach dem Sieg nutzbringend veröffentlicht werden: um eben zu zeigen, wie sicher man sich war, und sich über die Gegnerin lustig zu machen.
Für so ein Video und gemütliches Kaffeetrinken muss man mitten im Wahlkampf erst einmal Zeit haben!
Und jetzt kann er Kamala Harris Video-in-Video, also im Kleinformat, vorführen und ihre Kommunikationsfehler analysieren, umgeben von schönen Frauen, die für ihn arbeiten. Das macht Spaß!
Interessantes Team
Unabhängig von seiner eigenen Person hat Trump es geschafft, ein starkes, vielfältiges Team um sich zu versammeln:
Vizepräsident Vance war eine riskante Wahl, weil er Trump zu ähnlich ist
(weißer Mann) und dieselben Wähler anspricht, aber er hat einen Bestseller geschrieben und wurde nach 2016 zunächst als Trump-Kritiker bekannt.
Die beiden in der Mitte sind erst vor der Wahl von den Demokraten übergelaufen. Kennedy Junior mit dem bekannten Vater und Onkel ist als Medizinkritiker bekannt geworden, die Ex-Soldatin Tulsi Gabbard als Kritikerin der US-Kriege.
Vivek Ramaswamy hat in den Vorwahlen gegen Trump kandidiert und viel Aufmerksamkeit bekommen.
Elon Musk muss als Tesla-Gründer, Technologie- und Raumfahrtunternehmer nicht groß vorgestellt werden, hat aber pünktlich vor der Wahl noch ein neues Kapitel der Raumfahrt aufgeschlagen.
Freiheits-Narrativ gepachtet
Musk hat sich in den 2 Jahren seit der Übernahme von Twitter gerade durch die Auseinandersetzungen mit der ehemals woken Twitter-Blase und der EU als Free-Speech-Champion positioniert:
Nach seiner Wahl hat Trump mit starken Worten daran angeknüpft und einen radikalen Feldzug für die Meinungsfreiheit angekündigt:
Man wird sehen, ob er das so heiß essen wird, wie er es gekocht hat. Eher nicht. Trump spricht hier auch nur von Redefreiheit für US-Bürger, aber nach Jahren eskalierender Zensuranstrengungen gerade auch in Europa sprechen er und seine Regierung damit auch in Europa zahlreiche Menschen an, selbst wenn die europäische Zensur mit dem Pentagon koordiniert wurde (und vielleicht weiter wird).
Die künftige US-Regierung wird also die europäische Zensur-Debatte in hybrider Weise aus mehreren Richtungen unter Druck setzen und in Konflikte zwingen können. Auch das Thema Freiheit lässt sich gut als reines Machtmittel einsetzen, um ausländische Regierungen zu anderem zu zwingen als zur Freiheit ihrer Bürger.
Der Kampf für die Freiheit (der eigenen Anhänger) kann leicht in einen Feldzug gegen die Freiheit der Gegner umgestaltet werden. So machen das die Linksgrünen bei uns, und so kann es auch Trump machen.
Bei anderen Themen wie Gesundheit und Impfung lässt Trump aktuell Kennedy frei reden. Das kommt natürlich gut an nach dem illegalen Impfterror unter dem senilen Greis Biden, auch bei mir.
Diese Freiheit! zieht nach den Erfahrungen der letzten Jahre. Und diese echte oder nur scheinbare Befreiung in der Innenpolitik kann bestens genutzt werden für die:
Außenpolitik
Und auch da kommt das, was zu erwarten war:

Und selbst in der Ukraine-Politik gibt es jetzt auch nicht mehr reine Friedensbotschaften wie noch im Wahlkampf:

Trumps bereits ernannter Sicherheitsberater Mike Waltz setzt auf Zuckerbrot und Peitsche in den Verhandlungen mit Russland über die Ukraine. Es ist noch offen, wie sich das am Ende ausspielt, aber es beginnt grundsätzlich so gefährlich wie unter Biden: Poker-Logik oder mehr?
Fazit
Ich bin sehr zufrieden damit, dass ich früh und klar verstanden habe, dass Trump wohl als Präsident zurückkommt, und auch die Gründe dafür, die primär außenpolitisch sind: bessere Innenpolitik soll den Bumms für die Außenpolitik liefern. Dafür war es natürlich notwendig, die Republikaner an die Macht zu bringen, die die meisten Soldaten der US-Armee stellen und die sich zumindest teilweise gegen die grassierende Zensur und Zwangspolitik gestellt haben.
Das Versprechen von Freiheitspolitik nach innen soll den Machtanspruch nach außen rechtfertigen: sicher keine ungewöhnliche US-Strategie. Wie groß die Freiheit wird und ob sie den Machtanspruch wieder unterfüttern kann, wird sich erst noch zeigen. Einen Friedenspräsidenten Trump wird es jedenfalls nicht so leicht geben. Trump II wird ganz anders als Trump I.
Und das erinnert an Woodrow Wilson, der zur Wiederwahl 2016 mit dem Slogan angetreten ist:
“He Kept Us Out of War”
Wenige Monate nach der Wahl trat er nach letzten Verhandlungsbemühungen in den ersten Weltkrieg ein. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Und gelogen hat Wilsons Kampagne auch nicht, aber seine Wähler haben vielleicht nicht genau genug hingehört. Eine Wahl hatten sie aber auch nicht, denn der Gegenkandidat hatte schon im Wahlkampf für den Krieg gestanden.