Nicht überrascht durch Trump

Trump überrascht mit dem Krieg gegen Iran Teile seiner Basis, aber mich nicht. Die Entwicklung war seit einem Jahr absehbar.

Donald Trump schockiert mit seinem Auftreten im Nahost-Krieg Teile seiner MAGA-Basis.

Die Beispiele zeigen sehr deutlich, dass Trump nicht die Wahrheit sagte, was seine Unterstützer aber nicht gewusst haben wollen.

Es war vorhersehbar


Wer dieses Blog regelmäßig liest, konnte aber seit fast einem Jahr wissen, dass Trump zurückkehren und den Krieg in Nahost gegenüber dem Krieg in der Ukraine priorisieren würde:

Hier die entscheidende Passage aus meiner Analyse der Gründe dafür, warum die Demokraten fallengelassen wurden:

Schon bald nach dem 7. Oktober 2023 hat der heutige US-Gesundheitsminister Kennedy die Richtung angezeigt:

Auch nach der erwarteten Wahl Trumps blieb die Richtung klar absehbar:

 Realitäts- gegen Wunschdenken

Die Realität in den Wirren von Politikerlügen, Mediendesinformation und Kämpfen zu erkennen, ist schwierig genug. Wenn man viel liest und sich anstrengt, kann man es schaffen, die kommende Realität so wie hier richtig zu erkennen. Für das Befördern frommer Wünsche bleibt da wenig Raum. Immerhin habe ich es noch erreicht, dass unsere WEG rechtzeitig Heizöl gekauft hat, als es billiger war als die letzten 3 Jahre, aber die dunklen Wolken schon sichtbar:

Ausblick

Die Erkennbarkeit der Entwicklungen für einen kleinen Blogger bedeuten auch, dass die Machtzentren der Welt mit Sicherheit schon lange wissen, was gespielt wird, und auch schon darüber verhandelt haben. Trump selbst lässt das immer wieder durchblicken, sehr zur Empörung deutscher Leitartikler und „Experten“.
Es ist also möglich, dass er sich mit der russischen Regierung geeinigt hat, dass er ein Kriegsende weitgehend zu ihren Bedingungen in der Ukraine durchsetzt, wenn Russland Iran zum Einlenken beim Atomprogramm bewegt, und sei es in letzter Minute:
„They would like to talk, but they should have done it first….I had 60 days, and they also had 60 days, and on the 61st day I said, ‚We don’t have a deal. They need to reach an agreement.‘ And it hurts both sides, but I say – Iran is not winning this war. They should talk, and they need to talk immediately, before it’s too late.“
Bereits beim Ende der Assad-Regierung in Syrien gab es dafür deutliche Anzeichen. Der Teil Chinas an der Entwicklung wäre dann noch interessant, aber Trump könnte aus der Sache herauskommen, hätte Stärke demonstriert und einen großen Krieg (vorerst) vermieden und einen anderen beendet, was auch seine Basis versöhnen würde.
Wenn das schiefgeht, aus welchen Gründen auch immer, sieht es allerdings übel aus, und ein noch größerer Krieg, ein Weltkrieg könnte im Mittleren Osten beginnen.
Ich hoffe natürlich das Beste für alle Unschuldigen.

Nachtrag 18.6.2025
Es ist immer wieder schön, wenn wenige Tage oder gar nur Stunden nach meinem Beitrag die Bestätigungen in etablierten Medien eintrudeln.
Hier in der ZEIT:
Alles Verständnis also dafür, dass sich Benjamin Netanjahu zum Handeln entschlossen hat: Ein für alle Mal will er Schluss machen mit der atomaren Bedrohung durch den Iran. Zumal er mit Donald Trump einen Freund im Weißen Haus hat, der ihn gewähren lässt. Selbst wenn es wohl kein amerikanisch-israelisches Doppelspiel gegeben hat – wir verhandeln nur zum Schein, ihr habt grünes Licht für einen Angriff –, so konnte sich Netanjahu doch Trumps Rückendeckung gewiss sein. Bei Joe Biden war das anders. Der traute ihm nicht über den Weg
Und auch mit meinem positiven Ausblick ist der Kommentar von Matthias Nass (noch) kompatibel.

Und Politico (Springer) schlug gestern vor, die Ukraine jetzt zu opfern, weil sie nicht mehr „gewinnen“ kann: „Patt“ nennen sie es.

Zölle und Zahlungsunfähigkeit

Was will Trump mit seinen Zöllen und fährt er damit die USA an die Wand? Eine spannende und wichtige Frage!

Wirtschaftsprofessor und Spieltheoretiker Christian Rieck hat vor 5 Tagen seine Meinung veröffentlicht, dass der Umgang der Trump-Regierung mit Zöllen auch als Eingeständnis einer drohenden US-Zahlungsunfähigkeit verstanden werden kann bzw. verstanden werden sollte:

Das ist eine harte Bewertung, aber eigentlich durchaus logisch und nachvollziehbar.
Gestern hat sich das ZDF dieser Ansicht angenommen, um teilweise der Trump-Regierung Vorwürfe zu machen und teilweise die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit kleinzureden:

Der im Beitrag ausführlich zitierte Wirtschaftsprofessor Professor Rolf Langhammer erklärt u.a. die These für Unsinn, dass die USA durch die deutschen Hartz-IV-Reformen und die durch sie verursachten deutschen Exportüberschüsse geschädigt worden seien.
Genau das behauptet aber schon lange auch der keynesianische deutsche Ökonom Heiner Flassbeck. Deshalb gibt er Trump darin auch jetzt Recht:

Schon vor 15 Jahren hat Flassbeck durchaus plausibel argumentiert, dass der deutsche „Exportwahn“ die Eurokrise verursacht habe.

Jedenfalls ist die Debatte um US-Zölle und US-Zahlungsfähigkeit hochinteressant und fundamental für viele Krisen der vergangenen 25 Jahre.
Man sollte sehr genau hinschauen, wie die Sache weitergehen könnte.
Zuletzt musste Trump sogar bei den Zöllen gegen China leicht zurückrudern, weil die Chinesen ihn mit Gegenzöllen und womöglich auch mit dem Verkauf von US-Staatsanleihen in Bedrängnis gebracht haben, auch wenn man noch nicht so weit gehen muss wie dieser Kommentar:

Das Ende scheint durchaus noch nicht ganz festzustehen:

Rückblick

Dass Trump nicht einfach Frieden (in der Ukraine) anstrebt, sondern einen anderen Konflikt mit China (und dem Iran) priorisiert, hatte ich vor der Wahl mehrfach festgehalten.
Dass sich zwischen China und den USA etwas Großes zusammenbraut, hatte ich erstmals zu Beginn und im Zusammenhang mit der Corona-Krise thematisiert, das 2. Mal vor fast 2 Jahren mit Blick auf die miesen Wirtschaftsaussichten für Deutschland und das 3. Mal vor einem Jahr mit Blick auf die (Neben-)Rolle der Grünen in dieser Sache. Das war noch zu Zeiten der Biden-Regierung und hatte also mit der Person Trump wenig zu tun.
Die Hintergründe sind in diesem Buch von 2019 sehr ausführlich dargelegt:

Buch, das auch nach 6 bewegten Jahren noch bei der Einordnung der aktuellen Ereignisse hilft.


Hinter den Kulissen und den politischen Vortänzern geht es immer um Wirtschaftsinteressen. Es ist klar, dass sich Deutschland verschulden muss, wenn den USA die Zahlungsunfähigkeit droht. Deutschland handelt nicht frei im eigenen besten Interesse, sondern komplementär (als Ergänzung) zu Donald Trump: weil sich die USA von Kreditunwürdigkeit bedroht sehen, muss Deutschland jetzt seine (noch) vorhandene Kreditwürdigkeit ausschöpfen, um Waren aus den USA zu kaufen, teure Waffen und teure Energie zum Beispiel.

Zahlungsunfähigkeit und Krieg

Die in Frage gestellte Zahlungsfähigkeit der USA verblasst angesichts der sehr viel näheren Zahlungsunfähigkeit Großbritanniens.
Nun fällt auf, dass Großbritanniens Premierminister Keir Starmer zu den Regierungschefs gehört, die sich in der Ukraine am stärksten engagieren

Darin unterscheidet er sich nicht von Boris Johnson oder Liz Truss, die unabhängig von (scheinbaren?) ideologischen Unterschieden dieselbe Politik verfolgten. Für alle 3 war allerdings der objektive Hintergrund derselbe: die verzweifelte ökonomische Lage Großbritanniens.
Dieser Blogger ist der Meinung, dass die britische Regierung die Flucht nach vorne aus der wirtschaftlichen Not antritt und versucht, die neue US-Regierung im Konflikt um die Ukraine zu halten. Motto: Untergang oder Sieg?

Nachtrag 25.4.2025
Hans-Werner Sinn hat schon vor 10 Tagen zu dem Thema weit ausgeholt:

Nachtrag 28.4.2025
Alex Krainer hat vor 2 Tagen ein Update zu Großbritannien geschrieben: Er ist der Meinung, dass die britischen und französischen Pläne mit der Ukraine gescheitert seien. Er rechnet als Folge mit einem baldigen Kreditereignis (=Pleite) in beiden Ländern. Die Währungen Pfund und Euro seien im verlorenen militärisch verlorenen Ukraine-Krieg verzockt worden.
Hier gibt es den Text auch auf Deutsch.

Nachtrag 29.4.2025
Der Notenbanker und kanadische Wahlsieger Mike Carney soll es gewesen sein, der Trumps Zoll-Initiative mit der Drohung stoppte, Kanada würde sonst gemeinsam mit Japan und Europa seine US-Staatsanleihen verkaufen und den Dollar und alle US-Märkte in den Abgrund ziehen: Artikel

Nachtrag 7.5.2025
Wenigstens einer versucht, die Sache nach hinten und vorne durchzudenken:

Sehr interessanter Beitrag zum Thema