Der Vortrag lohnt sich:
Hartmann zeigt an vielen Stellen im Vortrag die Verantwortung der SPD für die von ihm beschriebenen Fehlentwicklungen auf, nicht zuletzt am Ende mit einem Gruß an den Bundespräsidenten Steinmeier.
Hartmann geht neben Pforzheim in Baden-Württemberg auf die wirtschaftliche Entwicklung und das Wahlverhalten im Landkreis Sonneberg in Südthüringen ein. Die Region sei massiv desindustrialisiert worden und habe ein besonders niedriges Einkommen. Ursprünglich hätten die Protestwähler hier vor allem die Linke gewählt, seit dem Amtsantritt von Ramelow seien sie jedoch immer stärker zur AfD abgewandert.
Plausibilisierung
Zwei Nachbarkreise von Sonneberg liegen in Bayern: Coburg und Kronach:

Sowohl Coburg als auch Kronach sind ländliche Industrieregionen, mit Autozulieferern und auch Spielzeugherstellern wie ehedem Sonneberg.
Beide litten zuletzt wieder verstärkt unter Insolvenzen und Stellenabbau. Wie haben beide Landkreise bei der Landtagswahl in Bayern am 8.10.2023 gewählt?
Wie zu erwarten waren die Wahlergebnisse der ehemaligen Arbeiterpartei SPD in beiden Wahlkreisen 2018 und 2023 noch deutlich höher als im Landesdurchschnitt (9,7% und 8,4%).
Und in beiden Wahlkreisen war die SPD 2023 auch der größte Wahlverlierer, im Gegensatz zum Land deutlich mehr als die Grünen. Der größte Wahlgewinner war dagegen die AfD, die 2023 von einem durchschnittlichen auf ein deutlich überdurchschnittliches Ergebnis anwuchs. Die Stimmenanteile und Zuwächse der Freien Wähler sind dagegen geringer als im Landesdurchschnitt (11,5% auf 15,6%).
Es spricht also einiges dafür, dass der hohe Zuwachs der AfD hier mit den starken Verlusten der SPD etwas zu tun hat, anders als etwa in Niederbayern, wo die SPD selbst am Industriestandort Dingolfing nur noch wenig zu verlieren hatte und wo vor allem die Grünen und die CSU gerupft wurden zugunsten der Freien Wähler.
Und diese Vermutung zu Coburg und Kronach wird durch andere Wahlanalysen auch gedeckt:
„Die AfD ist die neue Arbeiterpartei. In dieser Berufsgruppe baut die AfD ihren Stimmanteil im Vergleich zu 2018 um 9 Punkte auf 31 Prozent aus„.
SPD versagt strukturell
Die SPD in Bayern schwimmt seit Jahren im Fahrwasser der Grünen und hat damit prinzipiell keine Chance, Wähler in den meist ländlichen Regionen mit „alten“ Industrien zu halten oder zurück zu gewinnen. Schon im letzten Landtagswahlkampf kam die Spitzenkandidatin Natascha Kohnen (Bildmitte) nicht über akademisch-symbolische Kämpfe „gegen Rechts“ hinaus:

Der diesjährige Spitzenkandidat Florian von Brunn (der natürlich ebenfalls im Großraum München daheim ist und grün bis in die Haarspitzen) zielte ebenfalls komplett am traditionell SPD-wählenden Facharbeiter in der bayerischen Provinz vorbei:

SPD-Politiker von außerhalb der Hauptstadt haben in der eigenen Partei nichts zu sagen, auch wenn sie dort sehr viel mehr Stimmen holen als die Zentrale:

