Dringend überarbeiten!

Die „Pogrome“ von Amsterdam zeigen, wie Hetze funktioniert.
Ereignisse sind leicht zum Horror aufzubauschen. Die ganze Wahrheit kommt erst nach Tagen hinterher, manchmal nie.

Hier ein Bericht von Sky News zu den Tumulten von Amsterdam in der Nacht vom 7. auf den 8. November, erschienen am 8.11.:

Sky News zu Amsterdam: Original

Dieser Bericht wurde später von Sky News entfernt und durch eine überarbeitete Version ersetzt:

Sky News zu Amsterdam: korrigierte Fassung

Der Originalbericht betonte die Vorgeschichte, Gewalt und rassistische Lieder von Fans des Clubs Maccabi Tel Aviv. Offizielle kamen erst am Ende des Berichts mit ihren Verurteilungen der Gegengewalt zu Wort.
In der neuen Fassung wurde die Vorgeschichte weniger betont, die Gewalt der arabischstämmigen Bewohner Amsterdams mehr, und Verurteilungen durch Politiker bekamen einen früheren Platz im Bericht.

Deutsche Medien: FAZ

Deutschsprachige Medien gingen den umgekehrten Weg. So berichtete die FAZ am 8.11. fast ausschließlich über die Empörung, die das „Pogrom“ von Amsterdam gegen „Fussballfans“ausgelöst habe:

FAZ am 8.11.2024: „Pogrome“ gegen „Fussballfans“ aus dem Nichts

Ebenfalls am 8.11. schrieb FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube einen Kommentar, der auf dem frühen Kenntnisstand die wesentlichen Schlußfolgerungen bereits zog:

Zwei Tage später schob die FAZ die zunächst fast ganz weggelassene Vorgeschichte gründlich nach:

Keine Schulen mehr, Kinder tot

Der Bericht ließ kaum noch eine Tatsache aus, die zuvor schon auf Sozialen Medien verbreitet und mit Videoaufnehmen belegt worden war, u.a. diesen Schlachtruf von Maccabi-Fans:

Es gibt keine Schulen mehr in Gaza, alle Kinder sind tot.
Olé, olé, olé

Diese Schlachtruf passt durchaus zu dem Video, das der israelische Ministerpräsident selbst zum Krieg in Gaza verbreitet hat:

Video getwittert von PM Netanyahu am 9.10.2023

Das Ergebnis der Bombardierungen wird durch zahlreiche Berichte und Videos bestätigt:

Zerstörung in Gaza

Seit Januar 2024 gibt es eine Völkermord-Klage vor dem Internationalen Gerichtshof gegen Israel wegen des Krieges in Gaza. Die Veröffentlichungen Netanjahus, die Äußerungen anderer Regierungsmitglieder und jetzt eben auch der Schlachtruf israelischer Fußballhooligans sind Indizien, dass in Israel wichtige und auch viele Personen durchaus Völkermord-Ideen pflegen und gutheißen. Deshalb sind solche Berichte wie in der FAZ eher skandalös und unerwünscht: Verharmlosung von „Pogromen“.

Nachgefechte

Mehr als eine Woche nach den Ausschreitungen hatte sich das Thema am 16.11. immer noch nicht beruhigt, und die FAZ veröffentlichte einen weiteren langen Artikel, mit vielen neuen Details, aber ohne grundlegend neue Erkenntnisse:

Nicht in großen Medien

Sehr wenig berichtet wurde darüber, dass der israelische Mossad die Fußballfans nach Amsterdam begleitet hat:

Vorwissen aus dem ndl. Telegraaf in der Jerusalem Post

Zitat:
„Am Dienstag berichtete die niederländische Zeitung Telegraaf, dass Mossad-Agenten zusätzlich zum Sicherheitspersonal von Maccabi mit dem Team nach Amsterdam reisen, um maximale Sicherheit zu gewährleisten“

Bei Geheimdiensten sind aber Zweifel immer berechtigt, ob sie wirklich nur defensiv Sicherheit herstellen wollen oder Tumulte auch ins rechte Licht rücken, um aus ihnen einen politischen Vorteil für die Regierung ihres Landes herauszuholen. Letzteres ist schließlich ihr eigentlicher Auftrag.
Und das alles zufällig einen Tag vor dem 9. November, an dem Pogrome genau ins BILD passen und auch in der BILD:

Die Anfangs noch berichteten Fällen, dass angegriffene Israelis in den Fluss geworfen wurden und spurlos verschwunden sind, haben sich übrigens in Luft aufgelöst. Das gehörte zu den Übertreibungen des Augenblicks: komplett unschuldige Opfer und Mordhorror fast wie am 7. Oktober 2023.

Nachtrag 20.11.2024
Interessantes Interview zum Hintergrund:

Nachtrag 22.11.2024
Der Internationale Strafgerichtshof hat gestern einen Haftbefehl ausgestellt gegen Benjamin Netanjahu, seinen frisch entlassenen Verteidigungsminister und einen (womöglich bereits toten) Hamas-Anführer:

Dazu kam es in der FAZ auch einen entsetzten Kommentar mit einigen vielsagenden Punkten:

Man könnte denken, das Entsetzen entspringt der Tatsache, dass westliche Länder nicht mehr in der Lage sind, den IStGH einseitig nur gegen ihre Gegner zu instrumentalisieren, z.B. „afrikanische Despoten“ und Putin.
Aus dieser Tatsache entsteht die Gefahr, dass er „seine Autorität“ verliert und die „internationale Ordnung“ zerfällt, die also ganz objektiv eine sehr parteiische gewesen sein muss.

Im Rückblick auf diesen Beitrag vom 17.11. fällt die extreme zeitliche (13 Tage) und örtliche (50 km) Nähe beider Nachrichten auf: Wäre es denkbar, dass die „Pogrome“ von Amsterdam die Entscheidung von Den Haag in einer anderen Richtung beeinflussen sollten, als die gestern tatsächlich bekannt gewordene?

Nachtrag 29.7.2025
Die Niederlande stufen Israel als Sicherheitsrisiko ein und werfen ihm vor, im eigenen Land Kampagnen durchzuführen:
„Ein zentraler Vorfall, auf den sich die niederländische Antiterrorbehörde bezieht, ereignete sich im November 2024: Nach gewaltsamen Ausschreitungen in Amsterdam, an denen Fans des israelischen Fußballvereins Maccabi Tel Aviv beteiligt waren, verbreitete das israelische Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten ein Dokument mit falschen Anschuldigungen. Es wurde außerhalb diplomatischer Kanäle an niederländische Politiker und Journalisten verschickt und unterstellte mehreren Personen Verbindungen zur Hamas, darunter Thomas van Gool von der Friedensorganisation Pax. Diese Vorwürfe entbehrten jeglicher Beweise.
Später tauchte das Dokument im niederländischen Parlament auf. Dort nutzte Caroline van der Plas von der Bauernpartei BBB es als „Beleg“ für angebliche Verbindungen zwischen niederländischen NGOs und Terrororganisationen. In der Folge verabschiedete das Parlament zwei Anträge: einen zur Untersuchung betroffener Organisationen und einen weiteren, der forderte, Gruppen, die „die Zerstörung des israelischen Staates anstreben“, auf die Terrorliste zu setzen. Erst später stellte sich heraus, dass das zugrunde liegende Dokument vollständig gefälscht war. Dennoch blieb es Grundlage politischer Entscheidungen“

Die Spalte überwinden

Die Spaltung der Gesellschaft nach Loyalität zu Narrativen, Personen und Parteien ist ein mächtiges und raffiniert eingesetztes Werkzeug.
Es ist sinnvoll, sich dieser Spalterei wenigstens manchmal zu entziehen und die Mühe eher in sachliche Information zu investieren.

Sehr guter Artikel von Peter Frey:

Die zentralen Zitate aus dem insgesamt lesenswerten Artikel:

Die uns erreichende Propaganda strebt nicht nur danach, dass gesellschaftliche Gruppen bis hinunter zu Individuen gespalten werden. Diese Gruppen sollen diese Spaltung auch noch selbst betreiben und verstärken

Aber warum sind sie alle, oder zumindest die große Mehrheit der Menschen dort, in den Gräben; in welchen auch immer? Was hat die Menschen dort hineingetrieben? Was lässt sie auf einem Spielfeld agieren, das sie sich nicht wirklich ausgesucht haben können? Glauben Sie weiterhin, dass man beim „Genuss“ der Massenmedien weghören kann? Glauben Sie auch, dass, so Sie sich unglücklicherweise unbewusst einem Psychopathen „empfehlen“, einfach weghören können, wenn er seinen psychologischen Angriff auf Sie beginnt? Weghören können wir da nicht, aber davongehen, das können Sie und ich sehr wohl.

Die „Brandmauer“ zur AfD hat auf beiden Seiten der Mauer ihre Wirkung entfaltet, nicht nur auf einer Seite. Aber die „Brandmauer“ ist ein strategischer Begriff und in Wirklichkeit keine Mauer, sondern ein Brandbeschleuniger. Das Ziel der „Brandmauer“ ist nicht etwa eine fiktive Rettung von Demokratie, sondern die Aufrechterhaltung und Vertiefung der innergesellschaftlichen Spaltung.

Aktuelles Beispiel

Den letzten Punkt kann man sehr schön durch die jüngsten Vorgänge in Thüringen illustrieren mit einer Frage an jede Seite:

Beide Seiten beantworten diese Frage nicht befriedigend, sondern nur mit Unterstellungen an die jeweils andere Seite. Der Eklat wurde also gezielt und auf Biegen und Brechen inszeniert. Er sollte nie vermieden werden, sondern politischen Profit bringen.
Das ist so eine Stelle, wo man als Beobachter, der sich nicht hineinziehen lassen will, einfach davongehen kann: Das Ergebnis ist, wie es ist. Aber es ist noch nicht klar, wer den politischen Profit am langen Ende einstreicht.
Die zweifelhafte Rolle des BSW in dieser Sache ist noch ein Thema für sich: das Risiko höher, der direkte Nutzen geringer als für die CDU, die am Ende den Landtagspräsidenten und wohl auch den Ministerpräsidentenposten besetzt.

Schleichwege über die Spalte

Wer sich aus der Inszenierung der Spaltungen heraushalten will, kann mehrere Dinge tun:

SPALTER beobachten

Schöne Beobachtungsobjekte sind derzeit etwa die späte und lammfromme Kritik von Cem Özdemir an der Migrationspolitik, die Zuspitzung durch die BILD-Zeitung und die teilweise heftige Empörung von Personen, die bisher der grünen Blase zumindest nahestanden. Es ist offensichtlich, dass Özdemir sich für konservative Wähler vor allem in Baden-Württemberg hübsch machen will und trotzdem nichts sagen, was ihm morgen zu 95% bei den Grünen wieder die Fortsetzung dieser Migratonspolitik erlaubt. Die BILD hilft dabei, ihn als starken Kämpfer gegen Migrantengewalt zu inszenieren, und die Grünen für die CDU wieder akzeptabler zu machen. Jeder weiß und konnte vorher wissen, dass die Migrationspolitik der letzten 10 Jahre extrem und gefährlich war, aber die AfD soll nicht davon profitieren, dass es jetzt zugegeben werden muss.

Eng damit im Zusammenhang steht der Streit um die Attacken von Merz (und Söder) gegen Habeck und die Grünen: Kinderkram wie „Kinderbuchautor„. Letztendlich geht es um die Frage, ob die Union unter Merz doch noch mit den Grünen eine Koalition bilden kann. Özdemir signalisiert ein kräftiges „Ja!“, und nach dem SPD-Wahlsieg in Brandenburg und den schweren grünen Niederlagen heißt die Alternative wieder Große Koalition (aber noch geschrumpfter als letztes Mal).

Sachthemen bearbeiten

Die lohnenden Sachthemen sind dieselben wie schon länger:

Schäden durch Corona-Impfungen sind statistisch mehr als wahrscheinlich, zu deutlich die Veränderungen seit 2021 bei Sterblichkeit, zahlreichen Krankheiten und besonders auch bei Geburten- und Totgeburtenraten. Ähnlich wie bei den folgenden Dingen handelt es sich hier um ein Thema, das viele Menschen in ihrem Lebensumfeld aus eigener Anschauung mitbekommen. Das macht sie zu einer weniger leichten Beute für dauerhafte Desinformation.

Die Wirtschaft rutscht jetzt in eine größere Krise, weil das deutsche Geschäftsmodell durch Krieg, Nordstream-Sprengung und auch China-Sanktionen beschädigt worden ist, mehr als nur ein bisschen.

Das Klima-Narrativ hat schon bei den Landtagswahlen im Osten und heute in Österreich politisch geschwächelt, aber es wackelt grundsätzlicher und deutlicher, als viele wissen. Das zeigen nicht nur starke Schneefälle in Südafrika, sondern auch Eisbären, die von Grönland nach Island auswandern, weil die Population in Grönland eher wächst als schrumpft und es dieses Jahr im Sommer besonders viel Eis vor seiner Küste gab. Da stirbt so bald nichts aus!

Ausblick

Lassen Sie sich weniger spalten, liebe Leser!
Das Eis und auch die Eisbären werden Grönland so bald nicht ausgehen. Und das ist eine gute Nachricht.
Es ist Unsinn, diese den Strenggläubigen ins Gesicht zu brüllen, aber es ist (noch) erlaubt, es ganz sachlich und immer wieder den anderen zu berichten und auch denen zu widersprechen, die uns mit Angst spalten wollen in Strenggläubige und Leugner.