Heißester Epstein-Link nach München

Die Politik-Hoffnung der Münchner SPD, Philippa Sigl-Glöckner, ist in den Epstein-Files aufgetaucht. Eine Spielerin, keine Gespielin der Politikbeeinflussung.

Vor fast 7 Jahren stand auf meinem Blog vieles, was damals noch als Verschwörungstheorie diffamiert wurde, aber heute erwiesen ist. Er war eine fette Spinne in einem Geheimdienstnetzwerk und war vom Staat lange gedeckt worden. Weniger vom russischen Staat, als lange von dem Staat, in dem er auch lebte.

Der Link ins Lokale

Der heißeste Epstein-Link nach München heißt Philippa Sigl-Glöckner und war 2024 SPD-Bundestagskandidatin für München Nord, gerade einmal 7 Jahre nach ihrem Eintritt in die SPD.
Auffällig ist, dass sie nicht nur auf ihrem Wahlkampf-Plakat, sondern auch in der Wikipedia in der ersten Zeile als „Ökonomin“ vorgestellt wird, obwohl sie gerade einmal einen Bachelor-Abschluss gemacht hat, in dem Volkswirtschaft eines von drei Fächern war.
Aber mit dieser dünnen Grundlage hat sie im zarten Alter von 30 Jahren einen ökonomischen „Thinktank“ gegründet. Da ist keine Wissenschaft zu vermuten, sondern lupenreine Politikbeeinflussung.

Medien-Promotion vom Feinsten

Auffällig war, dass ihr dafür eine erstaunliche Medienpräsenz (sowie die Gemeinnützigkeit) geradezu zugeflogen ist: ZEIT, Süddeutsche und allein 4 Auftritte bei Markus Lanz zwischen 2022-2024.
Die Medien-Promotion für Philippa Sigl-Glöckner reicht fast schon an Luisa Neubauer heran. Und natürlich ist auch in ihrem Konzept die Klimapolitik stark vertreten sowie vor allem das leichtere Schuldenmachen.
Die Finanzierung ihres Thinktanks erfolgte in der Frühphase 2021-2023 zu 97% nicht mit deutschem Geld, was sogar (noch) in der Wikipedia steht. Durch ihren Eintritt ins Finanzministerium als Regierungsrätin und auch ihren Partner, einen SPD-Staatssekretär und späteren Minister, erreichte sie aber früh Einsicht in die Staatsausgaben Deutschlands, die sie dann als Influencerin noch stärker beeinflussen wollte und will. Wenn sie es schafft, für die Projekte ihrer eigenen privaten US-Geldgeber viel Staatsgeld locker zu machen, wird sie eine ganz Große im Feld der Public-Private-Partnership sein:

Mehr Klima, mehr Einwanderung, mehr Schulden

Schon vor und nach dem Wahlkampf zur Bundestagswahl 2025 sind mir die Positionen der SPD-Kandidatin Sigl-Glöckner als merkwürdig aufgefallen:

Eine wirtschaftspolitische Initiative für eine „nächste Generation“ aus Lehrern wird lange keinen messbaren Erfolg haben, aber die Zerstörung der dt. Industrie wirkt schneller und ist heute schon zu einem guten Teil schmerzlich messbar. So funktionierem seit langem rotgrüne „Visionen“ für das Land.

Ortskräfte aus Afghanistan sind für den SPD-Wähler in Milbertshofen nicht nützlich, aber potenziell ein ernstes und unkalkulierbares Sicherheitsrisiko.
Für das internationale Netzwerk im Epstein/Gates/Blair-Dunstkreis sind sie dagegen nützlich als Blaupause für künftige Abenteuer und kaum ein Sicherheitsrisiko.
Philippa Sigl-Glöckner verbindet diese durch dicke Mauern und Security getrennten Welten in ihrer Person und ist damit „gemeinnützig“. Ernsthaft.

Wie stark ist der Epstein-Link?

Grüne Moralapostel zeigen, was am Epstein-Link von Sigl-Glöckner mindestens dran ist:

„Fakt ist: #Phillipa Sigl-Glöckner hat sich bei #Epstein Assistentin und bei ihrer Chefin für einen #Friseurtermin bedankt, den diese ihr organsisiert hatte. Nicht mehr, nicht weniger“
Nun, viel weniger geht nicht: Epstein hat für Philippa nur einen Friseurtermin in New York organisiert und bezahlt (falsch s. Nachträge unten!)
SPD-Wähler in Milbertshofen erkennen sich da sofort wieder.

Hier übrigens das Originaldokument dazu, von der Rechercheurin und Finderin persönlich:

Das war 2014, lange nach Epsteins-Verurteilung wegen des Missbrauchs Minderjahriger, lange nach seiner Entlassung aus milder Haft.
Man hat letztlich nichts miteinander zu tun, aber verschafft sich Termine bei exklusiven Friseuren in New York. Frau ist Mitspielerin im großen Macht-Netzwerk, aber kann nichts für das Schicksal der „Gespielinnen“. #Metoo stößt hier an endgültige (Klassen-)Grenzen.

Und natürlich war die „linke“ Philippa auch ‚Young Leader‘ in der Atlantikbrücke:

Wichtig sind auch die indirekten Beziehungen von Sigl-Glöckner . So war sie unbestritten auch früh in ihrer Karriere für die Stiftung von Tony Blair tätig. Tony Blair gehörte schon immer zu den bekannten Spinnen im Epstein-Netz. Auch diesen Punkt hatte ich bereits 2019 nach Epsteins Tod im Blog. Und Blairs persönlicher Mentor, ebenso wie des aktuellen Premierministers Keir Starmer, die Graue Eminenz von New Labour, Peter Mandelson, ist sicherlich der wichtigste Strippenzieher, der in diesem Jahr dem Epstein-Skandal zum Opfer gefallen ist. Das ist aber Stoff für einen eigenen Blogbeitrag.
Es gibt wenig vernünftige Zweifel daran, dass Philippa Sigl-Glöckner von einem internationalen Netzwerk in die deutsche Politik geschoben worden ist, in dem Jeffrey Epstein eine wichtige und hochangesehene Person war:

Weiterungen

Der Cum-Ex- und Wirecard-Experte Fabio de Masi findet in der Personalie Sigl-Glöckner einen wichtigen Link in den Wirecard-Skandal und wirft ein wichtiges, neues Licht auf diesen:

Wann immer irgendwo bei Überwachungen oder Ermittlungen unerklärliche Fehler passieren, kann es sinnvoll sein, die Erklärung in Eingriffen von Geheimdiensten zu suchen. Da könnte so einiges ziemlich gut zusammenpassen. Solche Netze regieren letztlich die Welt, und wenn sie anderen Netzen in die Quere kommen, nennt sich das Krieg. Und die Bürger der beteiligten Staaten wurden zuvor von ihren „Eliten“ in diese Netzwerke verstrickt und müssen deshalb an die Front. In diesem Sinne gehört Sigl-Glöckner ganz sicher zur Elite, Strick-Elite.

Nachtrag 23.2.2026
Florian Post ist der konservative eh. SPD-Landtagsabgeordnete, gegen den Philippa S.-G. 2021 kandidierte und verlor und den sie 2024 als Kandidatin für München Nord beerbte, nachdem Post aus der SPD geekelt worden war.
Er hat persönliches Wissen über Philippas Weg ins Finanzministerium:

Florian Post:
In Deutschland bekam sie unter Mithilfe ihres (jetzigen) Lebensgefährten, des damaligen Staatssekretärs und späteren Kanzleramtsministers @W_Schmidt_ einen Job im Bundesfinanzministerium (hat sie selbst so erzählt und ich schwöre jeden Eid auf das von mir Gehörte) und arbeitete wohl nebenbei auch ab und an für den BND!

Markus Bublitz hat eine andere Sicht auf die Dinge, nicht ganz unplausibel:

Die Promotion von Philippa Sigl-Glöckner begann bereits 2019 in der WELT.
Das ist dieselbe Inszenierung von unbekümmerter Jugendlichkeit (auf dem Boden sitzend) wie in „Hallo München“ fast 5 Jahre später:

Melanie Walker war ihre Chefin bei der Weltbank, die laut Bublitz „nur“ mit der Sekretärin von Epstein den Friseurtermin vereinbart und bezahlt hat. Und Bublitz hat auch ein Dokument (mit Link) dafür:

Das sieht überzeugend aus. Die Gefälligkeit von Epsteins Büro bestand wohl in der Vermittlung des Termins. Sigl-Glöckner wurde primär von ihrer Chefin bei der Weltbank verwöhnt und sie war es auch, die Epstein Jahre später noch davon erzählt haben soll. Sie ist die Schlüsselperson, nicht Epstein persönlich.

Die KI Grok über Melanie Walker:

Links unten sieht man die Profil-Bilder der X-Accounts, die mir auch bekannt sind in dem Kontext. So wunderbar schnell, wie eine KI ist, um solche Informationen auszuwerten und aufzubereiten, so offensichtlich ist auch ihre Anfälligkeit für Zitierzirkel, potenziell fabrizierte Quellen und damit Falschinformationen!

Nachtrag 24.2.2026

Sehr schöner Überblick über Fakten und weitergehende Vermutungen von Stefan Homburg:

Er wartet klug ab, bis er auch die Kritik an ersten Thesen auf X und anderen Kanälen erhalten hat und kondensiert dann das Wesentliche und schlecht Bestreitbare in sein Video.

Nachtrag 5.3.2026: Nachbearbeitung d. DoJ

Ein wesentliches Dokument in den Epstein-Files zum Kontext Philippa Sigl-Glöckner wurde vom US-Justizministerium nachträglich nochmals verändert.
Einige Tage war es nicht da und jetzt gibt es eine zusätzliche Schwärzung.
Original bis vor einigen Tagen:

Sigl-Glöckner bedankt sich persönlich für den Friseurtermin bei Epsteins rechter Hand

Aktueller Stand nach Änderung:

Die Absenderin ganz oben wurde zusätzlich geschwärzt

Diese Änderung zeigt, dass der Wirbel um Sigl-Glöckner in Deutschland wichtig genug war, um hier nochmals nachzuarbeiten.

Grenzland des Rechtsstaats

Jeffrey Epstein ist tot. Wie zu erwarten war, wird er nicht mehr in seinem Prozess aussagen. Mit der Ansicht war ich nicht allein. Merkwürdige Zufälle haben wieder eine große Rolle gespielt. Ein Anlass mehr, diesen Beitrag endlich zu veröffentlichen.

Sonderbare Geschichten rauschen durch den Blätterwald, Geschichten, die vor nicht allzu langer Zeit noch als Verschwörungstheorien galten:
SchlagzeileTagesanzeiger
EpsteinInquiryEin Abgrund tut sich da plötzlich auch in den Medien auf. So schreibt der Schweizer  Tagesanzeiger in seinem unbedingt lesesenswerten Bericht:

„Warum erhielt Epstein bei einer ersten Anklageerhebung gegen ihn 2008 in Florida eine lächerlich niedrige Strafe nach einem undurchsichtigen und offenbar rechtswidrigen Deal zwischen seinen Staranwälten und dem damaligen US-Staatsanwalt Alexander Acosta?“

„Immerhin umfasste sein Bekanntenkreis den globalen Geldadel ebenso wie hochrangige Politiker und Showgrössen. In Epsteins Adressbuch, das sein ehemaliger Diener Alfredo Rodriguez stahl, fanden sich Mick Jagger und Rupert Murdoch, diverse Kennedys und Michael Jackson, Alec Baldwin und Naomi Campbell, Bill Clinton und Prinz Andrew, Richard Branson, der saudische Kronprinz Mohamed bin Salman und Ehud Barak sowie viele andere Angehörige der globalen Elite. Allein für Donald und Melania Trump sowie mehrere Angestellte der Trumps existierten 14 Telefonnummern in Epsteins Adressbuch“

Oho, gut vernetzt, würde man das unter schöneren Umständen nennen. Aber die Geschichte geht weiter:

„Heimlich fotografierte oder gefilmte Sexszenen mit Minderjährigen wären in diesem Szenario ein Mittel zur Erpressung gewesen“

Ganz heiße Verschwörungstheorie

Genau das ist die „Verschwörungstheorie„, die mir erstmals im Zusmamenhang mit der Frage untergekommen ist, warum Großbritannien am Irakkrieg teilgenommen hat, obwohl die Bevölkerung den Krieg mehrheitlich heftig ablehnte. Damals munkelten Kriegsgegner im Netz, die Blair-Regierung sei wegen Pädophilie in der Hand Dritter. Und für Pädo-Kriminelle schienen sie irgendwie schon länger ein Herz zu haben. Und nun, ei, taucht wie bestellt auch Tony Blair in Epsteins Gästeliste auf:
Gästeliste

Die Grenzen des Rechtsstaats

Und zu alledem hat der Schweizer Tagesanzeiger noch ein kleines, passendes Detail zu berichten:AcostaAussageDeutsch

Das ist die brisanteste Aussage im ganzen Artikel, zeigt sie doch, dass ein US-Staatsanwalt einfach Ermittlungen mit einem „rechtswidrigen“ milden Deal beendet, wenn er (woher auch immer: das wurde nirgends konkretisiert) einen Wink bekommt, dass es sich beim Beschuldigten um jemanden handelt, der mit Geheimdiensten zu tun hat. Und diese Aussage ist nicht in irgendeinem Hinterzimmer gefallen, sondern öffentlich bei der Anhörung des Ministerkandidaten Acosta im Kongress vor seiner Berufung zum Arbeitsminister Trumps. Das bedeutet, dass der Senat  das gehört und für irgendwie normal oder akzeptabel gehalten hat. Jedenfalls hat er Acostas Nominierung mit 60:38 bestätigt. Acosta erhielt auch Stimmen von 8 demokratischen und einem unabhängigen Senator. Die Abgeordneten wussten also, dass mit Epstein doppelt etwas nicht stimmt: Pädophilie + geheimdienstliche Verstrickungen + Schonung aus diesem Grund durch Acosta auf Anweisung von unbekannter Stelle.

So konnten amerikanische Medien mit vollem Recht berichten, dass sich die Affäre vor aller Augen entwickelt hat
DailyBeastWardStory

So ist es zum Beispiel kein Gerücht, dass Acosta in seinem Berufungshearing zu Epstein befragt wurde, sondern es stand 2017 in der internationalen Presse. Das beweist erstens, dass damals allgemein bekannt war, dass Epstein nicht astrein war und dass Acosta einen Deal mit ihm gemacht hat, der für ihn gefährlich werden könnte. So gefährlich, dass er jetzt eben genau deswegen von seinem Ministeramt zurücktreten musste. Und in diesem Artikel steht eben auch das Detail von Acostas Geheimdienst-Bemerkung:

AcostaAussageEnglisch

Das Wissen war also da, was aber nicht bedeutet, dass auch jedes jetzt neu aufgetauchte Detail stimmen muss. Vor allem der Spin kann bei konstanten Fakten gedreht werden.
Es war schon erstaunlich, dass das jetzt so breit in die Öffentlichkeit kam. Es deutet auf einen schweren Machtkampf innerhalb der Zirkel hin, die in der Vergangenheit solche Schweinereien und Konflikte vor der Öffentlichkeit verborgen haben. Und auf schwere Machtkämpfe deutet ja auch international seit Jahren einiges hin, vom Terror in Europa, über den Brexit die Begleitmusik zur Wahl von Trump bis zum Zittern der Kanzlerin.

Die Lückenpresse glänzt – mit Lücken

Es war eine große Ausnahme, dass der Zürcher Tagesanzeiger die gelb markierte, brisante Aussage von Ex-Arbeitsminister Alexander Acosta ebenfalls dem deutschsprachigen Publikum verfügbar machte.
In der Meldung vom Tod Epsteins in der Tagesschau stand darüber nichts, auch nicht in der früheren Meldung über den Rücktritt Acostas. Wohl wird noch Acostas Schonung, also Trumps Arbeitsministers, für Epstein thematisiert, aber schon die stärkere persönliche Beziehung Bill Clintons zu Epstein wird hier weggelassen, die Geheimdienst-Connection und das breite Wissen des US-Establishments darüber sowieso.
Nicht besser sieht es in der FAZ aus, damals vor dem Rücktritt Acostas und heute nach dem Tod Acostas. Auch in der Süddeutschen Zeitung fand der interessierte Leser nicht mehr Informationen. Ebenso wenig in der ZEIT. In den meisten dt. Medien wurde der Zusammenhang mit Donald Trump besonders betont. Der SPIEGEL, rückt Trump und Clinton gleichermaßen in Epsteins Nähe, unterschlägt aber auch den Geheimdienstverdacht und das entsprechende Zitat Acostas.
Auch in der von manchen als „Westfernsehen“ verklärten NZZ (Neuen Zürcher Zeitung) stand aber nichts zu Geheimdienstkontakten und politisch gewünschter Schonung: strikte Personalisierung der Taten. Und auch nicht in der Basler Zeitung (aber hier wies ein Kommentator unter den Lesern auf Acostas brisante Aussage hin).

Eine Erklärung für dieses merkwürdig einheitliche Verhalten der deutschsprachigen Presse liefert der Medien-Navigator des Swiss Propaganda Research:

SWPRMedienNavigator

Die betrachteten großen Zeitungen sind in den linken drei Spalten und damit als besonders ‚NATO-konform‘ eingestuft, der hier gelobte Tagesanzeiger in der 3. Spalte noch am wenigsten. Wer NATO-konform ist, berichtet nicht unbedingt offen alle Informationen, die in den USA offen diskutiert werden. In diesem Fall geschieht das mehr im rechten Teil dieser Übersicht, zB bei ‚Telepolis‘ oder ‚KenFM‘

Muster auch aus Deutschland bekannt

Bei der Sonderbehandlung von Jeffrey Epstein, sowohl damals durch Staatsanwalt Acosta als auch heute bei den Ermittlungen zu den Umständen seines Todes, ist ein Muster beobachtbar: Solche Dinge, die „mit Geheimdiensten zu tun haben“

  • gehen bei den „Verantwortlichen“ einfach durch, auch wenn sie rechtswidrig sind
  • werden in den Massenmedien, gerade auch den seriösen, möglichst nicht oder mindestens stark beschönigend berichtet, um das Publikum nicht zu beunruhigen, das daran glauben will, dass es in einem Rechtsstaat lebt, der solche Rücksichten nicht kennt

Dieses Muster wurde auch bei spektakulären Kriminalfällen in Deutschland beobachtet.
Heinrich Wille beschreibt sehr deutlich die harten „Grenzen des Rechtsstaats“ im Fall Barschel und auch den undurchdringlichen Nebel, den prominente Journalisten wie Hans Leyendecker, damals noch beim SPIEGEL, um diese Grenzen herum erzeugten.

MordDerKeinerSeinDurfteBuch

Michael Buback ist im Zuge seiner Ermittlungen ebenfalls zum Ergebnis gelangt, dass die sachgerechte Ermittlung und Anklage immer genau dort geendet hat, wo Geheimdienste betroffen waren. So ist es erklärlich, dass bei den meisten Morden, die die RAF begangen haben soll, die genauen Tatumstände und vor allem die ausführenden Täter bis heute nicht bekannt sind. Und die RAF-Mordserie von 1977 endete ebenfalls mit dem Selbstmord der Stammheimer Terroristen der 1. Generation, die mit diesen Morden freigepresst werden sollte. So wird es in seriösen Medien berichtet.

Nach dem Tod des Kronzeugen

Nachdem Epstein jetzt tot ist und nicht mehr „singen“ kann, scheint der ganze enge Meinungskorridor auch deutschsprachiger Medien etwas auseinanderzufallen:

NZZNachDemTod

Die NZZ scheint es nicht zu stören, dass Ermittlungen unnötig wären, wenn der Selbstmord so bombensicher wäre, wie sie mit dem Titel suggeriert. Ein ähnliches Problem hat die SZ:
SZNachDemTod

Das von Donald Trump retweetete Video ist übrigens dieses. Und darauf konzentriert sich auch die Basler Zeitung:

BAZNachDemTod

Eine ganz andere Strategie wählt die ZEIT: Frontalangriff auf alles, was den wünschenswerten Versionen widerspricht. Statt um Verschwörungen, die es nie gibt, geht es natürlich um böse, böse Verschwörungstheorien. Diese New Yorker, grundsätzlich sonst die coolsten Typen der Welt, sind eben ein wenig überdreht:

ZEITNachDemTod

Machen wir es kurz: es ist keine ‚Analyse‘, sondern eine Handreichung für den guten Glauben. Im Gegensatz dazu hält sich die WELT mit Wertungen erfreulich zurück
WELTNachDemTod

, betont aber am Ende des Artikels die vergangenen Beziehungen von Trump zu Epstein.

Besonders distanziert bezüglich der Frage, ob es sich um einen Selbstmord handelt, ist der Artikel der FAZ:
FAZNachDemTod

Der Suizid wird nur in Anführungszeichen genannt, viele offene Fragen ausführlich erwähnt. Unter anderem mit einem Zitat von Justizminister Barr:

„Dabei wird es vermutlich auch darum gehen, wie Epstein – der wegen sexuellen Missbrauchs minderjähriger Mädchen angeklagt war – allem Anschein nach gleich zweimal versuchen konnte, sich das Leben zu nehmen.
Barr teilte mit, er sei entsetzt darüber, dass Epstein nach einem ‚offenkundigen Suizid‘ in seiner Zelle in einem Bundesgefängnis in New York leblos aufgefunden wurde. ‚Herr Epsteins Tod wirft ernste Fragen auf, die beantwortet werden müssen.'“

Aber auch die FAZ versäumt es nicht, abschließend Trump (mit einem Zitat von 2002) in die Nähe von Epstein zu rücken. Das ist einfacher,  als die Verankerung korrupter Praktiken und Deals tief im Staat und lange vor Trumps Präsidentschaft zu thematisieren.

Fazit: Trump oder die anderen?

Trump verhält sich mit seinem Retweet für einen Präsidenten in der Tat sehr ungewöhnlich. Er stellt sich damit außerhalb des Konsenses, der solche „unschönen Dinge“ normalerweise vornehm beschweigt oder „rückhaltlose Ermittlungen“ ankündigt, von denen niemand mehr Aufklärung erwartet. Er beschuldigt statt dessen seinen Lieblingsgegner, ohne wirklich Beweise zu liefern, auch wenn der #ClintonBodyCount durchaus schon länger bekannt ist und eine beachtliche Strecke von Opfern umfasst.

Zwischen Trump und einem erheblichen Teil der (alten?) US-Eilte scheint das Tischtuch vollständig zerschnitten. Und das Volk liest mit und verliert das Vertrauen in einen Rechtsstaat, der wohl schon länger sehr grenzwertig war  und seine schmutzigen Geheimnisse nicht mehr bei sich behalten kann. Wo könnte das enden?

Nachtrag 22.08.2019
Dieses Video zeigt einen kuriosen persönlichen Zusammenhang zwischen der Epstein-Autopsie und einem zentralen pathologischen Detail in einem anderen prominenten Kriminalfall der US-Geschichte. Das ist wirklich so kurios, dass man es gar nicht glauben möchte, aber die Anwesenheit dieser Person ist gar nicht strittig.

Nachtrag 17.12.2019
Sehr interessanter Beitrag von Übermedien über einen wichtigen Mentor von Epstein und seine Schonung in der Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung:
„Die „Süddeutsche Zeitung“ lässt bemerkenswerte Leerstellen in ihren Berichten zum Fall Epstein, die vor allem John Brockman betreffen, mit dem die SZ, auch und gerade über ihren Feuilleton-Chef, lange verbunden ist“

Nachtrag 30.01.2020
Auch amerikanische Medien wundern sich weiter über die Merkwürdigkeiten im Umgang mit dem Fall Epstein. So beklagt etwa der ‚American Conservative‘, dass sich niemand für Epsteins ‚Sidekick‘, Robert Maxwells Tochter Ghislaine, und die Frage interessiert, für welchen Geheimdienst die beiden denn Prominente ausgehorcht und erpresst haben:
TalentedMrEpstein

Und auch ‚The Daily Beast‚ interessiert sich für Maxwell und ihren Verbleib:
„Ghislaine Maxwell’s disappearance in the wake of Jeffrey Epstein’s suicide has been one of the most mysterious elements of the entire scandal“

Nachtrag 21.07.2020
Auf die Familie einer US-Richterin wurde ein Anschlag verübt, ihr Sohn erschossen, der Mann verletzt von einem Schützen, der als Paketbote gekleidet war.


Die Richterin soll seit kurzem mit den Verbindungen von Epstein zur Deutschen Bank befasst gewesen sein.
Inzwischen wurde der mutmaßliche Täter tot aufgefunden. Er soll Selbstmord begangen haben. Er soll einen ‚Hass auf Frauen‘ gehabt haben. Und deshalb hat er den Sohn erschossen? 🤔
Der mutmaßliche Schütze soll einen Geheimdienstbezug haben, behauptet dieser Artikel.

Nachtrag 2.2.2026
Vor mehr als sieben Jahren schrieb ich (oben):
„Genau das ist die ‚Verschwörungstheorie‚, die mir erstmals im Zusmamenhang mit der Frage untergekommen ist, warum Großbritannien am Irakkrieg teilgenommen hat, obwohl die Bevölkerung den Krieg mehrheitlich heftig ablehnte. Damals munkelten Kriegsgegner im Netz, die Blair-Regierung sei wegen Pädophilie in der Hand Dritte“
Gestern nun hat Peter Mandelson seinen Austritt aus der Labour Party erklärt:

Er war einer der mächtigste „Berater“ und Spin-Doktoren von Tony Blair gewesen und hatte sich auch besonders aktiv für den Krieg im Irak eingesetzt. Jetzt tritt er, rücksichtsvoll und sebstlos wie immer, aus der Labour Party aus, um ihr „Peinlichkeiten“ zu ersparen: