Der enorme Anstieg des Gold- und Silberpreises zeigt die Flucht vor einer extremen Krise. Da ist ein Endspiel im Gang, aber welches?
Silber kostet ~4.5 Mal so viele Euros wie vor 3 Jahren, Gold 2.5 Mal so viele Euros. Edelmetalle werden teurer und Währungen wie Dollar und Euro werden weniger wert, und auch der Schweizer Franken ist kein sicherer Hafen mehr und kauft heute ~4.2 Mal weniger Silber als vor 3 Jahren.
Was ist davon zu halten und wie geht es weiter? Dazu einige Stimmen ganz verschiedener Art.
Ich teile Ottes Ansicht, dass man Silber nicht mehr unbedingt kaufen sollte. Denn erstens hat es seine Unterbewertung gegen Gold vollständig abgebaut und zweitens kostet es in Deutschland für den Privatanleger 19% Mehrwertsteuer. Ansonsten äußert er sich sehr vorsichtig – aus guten Gründen: vielleicht steigen die Edelmetalle noch, vielleicht fallen sie auch ein gutes Stück, mindestens kurz- und mittelfristig.
Der Fokus auf langfristige Fakten und Entwicklungen, den Otte liefert, ist sehr wertvoll. Eine tagesaktuellere, aber in den Details ebenfalls sehr interessante Sicht bietet Markus Fugmann von der Finanzmarktwelt:
„Krieg oder Finanzkrise voraus?“
Geht der US-Finanzmarkt (und damit das internationale Finanzsystem) bald den Bach runter oder gibt es erst noch einen großen Krieg in Nahost? Gute Frage. Dass Trump für einen Krieg in Nahost ins Amt gehoben wurde, wenn auch nicht unbedingt von seinen Wählern, gab es hier auf dem Blog vor der Wahl 2024. Dass sich in den USA (wie in Europa) eine Finanzkrise zusammenbraut, die Trump vielleicht mit Getöse vernebeln will oder sogar zur Explosion bringen soll, war hier auf dem Blog letztes Jahr im April Thema.
Wie könnte es weitergehen? Sehr laut und spekulativ sind diese beiden Gesellen unterwegs:
Ihre neue Prognose für die nächsten 2-3 Jahre lautet: Ölpreis 200 Dollar, Inflation 20%+, Dollarentwertung um weitere 50%. Auch wenn sie in den letzten 6 Jahren mit ihren Prognosen gut gelegen haben, muss das dieses Mal nicht auch wieder (genau) so kommen, aber interessant sind die Thesen allemal, weil sie den Horizont erweitern.
Fazit
Egal, welches der 3 Videos wir uns anschauen, zwei Erkenntnisse:
1. Trump tut nicht das, was er seinen Wählern im Detail versprochen hat: Überraschung, Überraschung. Er arbeitet im Ergebnis mit extremer Dreistigkeit und Brutalität am Erhalt der US-Hegemonie und gleichzeitig am Great Reset, mit dem die Weltwirtschaft abgewrackt und neu aufgebaut wird. „Build Back Better“ nannten das andere Politiker, und Trump treibt es weiter:
2. Wir sollten uns als Bürger und Wirtschaftsubjekte beim Thema Energieversorgung nicht unvernünftig gegen Lösungen wie Wärmepumpen und elektrische Autos positionieren lassen. Ich persönlich setze auf gemischte Lösungen sowohl beim Heizen als auch beim Fahrzeugantrieb. Beim Heizen sehe ich die Kombination von Verbrennungsheizung mit Wärmepumpe/Klimaanlage als optimal an. Beim PKW-Antrieb hoffe ich aktuell auf einen kaufbaren seriellen oder Plugin-Hybriden: elektrisch für kürzere Strecken, wenn es günstigen Strom gibt, mit Benzin oder Diesel sonst, aber möglichst effizient. Der supersparsame Benziner hält im Moment noch mit den meisten Hybriden sehr gut mit, wenn auch vielleicht nicht ganz mit den besten (z.B. Toyota Prius + Corolla). Solange er gut läuft, lohnt sich aber ein Neukauf noch nicht. In der Zwischenzeit dürfen elektrische oder hybride Fahrzeuge gerne noch etwas nachreifen.
Nachtrag 1.2.2026 Erklärungsversuche für den Silber- und Gold-Crash:
Ich denke einfach, dass der Anstieg zu schnell war und die Edelmetalle überkauft. Wie es weitergeht, wird man sehen (müssen). Aber es gibt eine Menge anderer Theorien:
Die exakt gleiche Theorie wurde übrigens auf Youtube in verschiedenen Kanälen und mit verschiedenen (KI?-)Sprechern verbreitet. Das ist nicht unbedingt vertrauensbildend, kann aber stimmen – oder auch nicht. Sie besagt, dass JP Morgan exakt bei 75 Dollar/Uuze auf dem Shorting von Silber ausgestiegen ist und deshalb der Silberkurs schnell, schon ab 2.2.2026, wieder durch die Decke gehen muss. Aktuell werden physische Silberunzen als Münzen für ca. 88,90 Euro angeboten – immer noch ziemlich teuer.
Nachtrag 10.2.2026 Mal wieder ein interessantes Interview mit Dr. Andreas Beck über Anleihen, Gold, Silber, Bitcoin, Aktien und auch die Grenzen von KI:
Fugmann widerspricht sofort, dass das Platzen der KI-Blase nicht problemlos wäre und deshalb alles versucht wird, um das zu verhindern:
Trump überrascht mit dem Krieg gegen Iran Teile seiner Basis, aber mich nicht. Die Entwicklung war seit einem Jahr absehbar.
Donald Trump schockiert mit seinem Auftreten im Nahost-Krieg Teile seiner MAGA-Basis.
Die Beispiele zeigen sehr deutlich, dass Trump nicht die Wahrheit sagte, was seine Unterstützer aber nicht gewusst haben wollen.
Es war vorhersehbar
Wer dieses Blog regelmäßig liest, konnte aber seit fast einem Jahr wissen, dass Trump zurückkehren und den Krieg in Nahost gegenüber dem Krieg in der Ukraine priorisieren würde:
Hier die entscheidende Passage aus meiner Analyse der Gründe dafür, warum die Demokraten fallengelassen wurden:
Die Realität in den Wirren von Politikerlügen, Mediendesinformation und Kämpfen zu erkennen, ist schwierig genug. Wenn man viel liest und sich anstrengt, kann man es schaffen, die kommende Realität so wie hier richtig zu erkennen. Für das Befördern frommer Wünsche bleibt da wenig Raum. Immerhin habe ich es noch erreicht, dass unsere WEG rechtzeitig Heizöl gekauft hat, als es billiger war als die letzten 3 Jahre, aber die dunklen Wolken schon sichtbar:
Ausblick
Die Erkennbarkeit der Entwicklungen für einen kleinen Blogger bedeuten auch, dass die Machtzentren der Welt mit Sicherheit schon lange wissen, was gespielt wird, und auch schon darüber verhandelt haben. Trump selbst lässt das immer wieder durchblicken, sehr zur Empörung deutscher Leitartikler und „Experten“. Es ist also möglich, dass er sich mit der russischen Regierung geeinigt hat, dass er ein Kriegsende weitgehend zu ihren Bedingungen in der Ukraine durchsetzt, wenn Russland Iran zum Einlenken beim Atomprogramm bewegt, und sei es in letzter Minute: „They would like to talk, but they should have done it first….I had 60 days, and they also had 60 days, and on the 61st day I said, ‚We don’t have a deal. They need to reach an agreement.‘ And it hurts both sides, but I say – Iran is not winning this war. They should talk, and they need to talk immediately, before it’s too late.“ Bereits beim Ende der Assad-Regierung in Syrien gab es dafür deutliche Anzeichen. Der Teil Chinas an der Entwicklung wäre dann noch interessant, aber Trump könnte aus der Sache herauskommen, hätte Stärke demonstriert und einen großen Krieg (vorerst) vermieden und einen anderen beendet, was auch seine Basis versöhnen würde. Wenn das schiefgeht, aus welchen Gründen auch immer, sieht es allerdings übel aus, und ein noch größerer Krieg, ein Weltkrieg könnte im Mittleren Osten beginnen. Ich hoffe natürlich das Beste für alle Unschuldigen.
Nachtrag 18.6.2025 Es ist immer wieder schön, wenn wenige Tage oder gar nur Stunden nach meinem Beitrag die Bestätigungen in etablierten Medien eintrudeln. Hier in der ZEIT: „Alles Verständnis also dafür, dass sich Benjamin Netanjahu zum Handeln entschlossen hat: Ein für alle Mal will er Schluss machen mit der atomaren Bedrohung durch den Iran. Zumal er mit Donald Trump einen Freund im Weißen Haus hat, der ihn gewähren lässt. Selbst wenn es wohl kein amerikanisch-israelisches Doppelspiel gegeben hat – wir verhandeln nur zum Schein, ihr habt grünes Licht für einen Angriff –, so konnte sich Netanjahu doch Trumps Rückendeckung gewiss sein. Bei Joe Biden war das anders. Der traute ihm nicht über den Weg„ Und auch mit meinem positiven Ausblick ist der Kommentar von Matthias Nass (noch) kompatibel.
Und Politico (Springer) schlug gestern vor, die Ukraine jetzt zu opfern, weil sie nicht mehr „gewinnen“ kann: „Patt“ nennen sie es.
Der US-Präsidentschaftskandidat Robert Kennedy Jr. hat überraschend deutlich ausgesprochen, worum es in der Geopolitik der USA geht, um die Kontrolle des Öls nämlich.
In einem kurzen Mitschnitt sagt Robert Kennedy Jr., worum es immer geht:
„Israel ist entscheidend. Es ist ein Bollwerk für uns im Nahen Osten. Es ist beinahe wie ein Flugzeugträger im Nahen Osten. Es ist unser ältester Verbündeter, war unser Verbündeter seit 75 Jahren. Es war ein unglaublicher Verbündeter für uns, was den Technologie-Austausch angeht. Und der Bau des Iron Domes, für den wir eine Menge bezahlt haben, hat auch uns gelehrt, wie wir uns selbst verteidigen können. Diese Militärausgaben gehen alle, gehen zu 75% an US-Unternehmen nach dieser Vereinbarung. Aber wenn Sie sich anschauen, was im Mittleren Osten jetzt passiert: Iran ist jetzt der engste Verbündete von Russland und China. Iran kontrolliert auch das ganze Öl Venezuelas. Hisbollah ist in Venezuela. Sie haben das Maduro-Regime gestärkt. Deshalb kontrollieren sie dieses Öl. BRICS. Saudia-Arabien schließt sich jetzt den BRICS an. Deshalb werden diese Länder 90% der Öl-Vorkommen in der Welt kontrollieren. Wenn Israel verschwindet, haben wir ein Vakuum im Nahen Osten. Es ist unser Botschafter, unsere Präsenz, unser Brückenkopf im Nahen Osten. Es gibt uns Ohren und Augen im Nahen Osten. Es gibt uns Geheimdienstinformationen. Es gibt uns die Kapazität, die Dinge im Nahen und Mittleren Osten zu beeinflussen. Wenn Israel verschwindet, kontrollieren Russland und China den Mittleren Osten, und sie kontrollieren 90% der Ölversorgung der Welt, und das wäre katastrophal für die nationale Sicherheit der USA“
Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, was es bedeutet, wenn hochrangige Politiker sich treffen und über „Klimaschutz“ sprechen und sich dafür auch noch viel Geld in die Tasche stecken?
Auffällig ist zunächst, dass schon im Titel ein kurzfristig eminent wichtiges Thema wie der Krieg in der Ukraine und der scheinbar langfristige Klimaschutz gleichberechtigt nebeneinander stehen. Im ganzen Artikel laufen beide Themen ständig nebeneinander her, als ob beide ganz eng zusammenhingen. Aber in Klimafragen ist man sich einig, in der Bewertung des Krieges dagegen zögernd. Nun, Scholz und Deutschland sind in der Bewertung des Krieges nicht zögernd, seit Wochen gibt es kaum ein wichtigeres Thema und es wird kräftig bewertet. Zögernd ist also Indien, und es weigert sich, Russland zu verurteilen, auch in der UN. Und das ist ein Problem:
Und es fließt (deshalb) auch kräftig Geld von Deutschland an Indien: 10 Milliarden in 10 Jahren – für die Klimaschutz-Anstrengungen Indiens. Was sind diese Klimaschutz-Anstrengungen? Indien verbraucht pro Kopf sehr viel weniger Öl und Gas als Deutschland, seine Bevölkerung wächst schneller als die Chinas: wobei und wie soll es sich (mehr) anstrengen? Modis primäre Herausforderung besteht darin, das oft unterschätzte Riesenland mit dem zu versorgen, was es zum Leben braucht.
Indien kauft billig russisches Öl
Weil Russland weniger Öl in Europa verkaufen kann, verkauft es mit Rabatt (auf den stärker gestiegenen Ölpreis, also immer noch mit mehr Gewinn) an Indien:
Und Indien lässt sich die Chance nicht entgehen, für seine riesige, oft energiearm lebende Bevölkerung an günstigere Energie zu kommen, die für andere Staaten kaum noch erschwinglich ist. Im Ergebnis kauft Indien mehr Öl von Russland als vor dem Krieg, nämlich viel von dem Öl, das andere Staaten weniger kaufen:
Die europäischen Verbraucher zahlen jetzt aber erheblich mehr für Öl und Gas
Weil Indien jede Wirkung der Sanktionen zunichte machen könnte, zahlen ihm europäische Regierungen, vor allem die deutsche, noch Geld, mit dem Indien Russland für Öl bezahlen kann.
Damit das deutsche Publikum nicht merkt, was da gespielt wird, nennen deutsche Medien das indische Spiel „Klimaschutz-Anstrengungen“ und behaupten, dass die eigene Regierung genau diese „Anstrengungen“ mit Geld unterstützt, und dass man sich genau darin sehr einig ist.
So ist das ein wunderbares Arrangement für viele Beteiligte, aber nicht für den deutschen Steuerzahler, der das Ganze bezahlt (und darüber zunehmend verarmt). So ist das also mit dem Klimaschutz: ein Talking-Point, eine vermeintlich gute Sache, hinter der sich herrlich verstecken lässt, worum es wirklich geht: um Energie-Geopolitik, nicht ums Klima, das die Politik nämlich gar nicht steuern kann.
„Klimaschutz“ = Energie-Geopolitik
In einem Beitrag vor 2,5 Jahren habe ich ausführlich auseinandergesetzt, wie und warum sich die Klima-Debatte in den USA in den letzten 15 Jahren gedreht hat, obwohl die „Klimawissenschaft“ wissenschaftlich viel weniger taugt, als man vermuten würde. Hier das Fazit knapp zusammengefasst:
G.W. Bush hat mit dem Krieg im Irak 2003 versucht, die Ölquellen des Mittleren Ostens unter amerikanische Kontrolle zu bringen. In Afghanistan ging es um die Energieverteilung, z.B. mit Pipelines an einem neuralgischen Drehkreuz zwischen Russland, Indien, China und Iran:
als dieser Versuch mit der Niederlage im Irak absehbar gescheitert war, also gegen Ende der Amtszeit von Bush, wurden fossile Brennstoffe böse, weil sie absehbar von anderen kontrolliert wurden. Inzwischen ist die NATO auch aus Afghanistan abgezogen und hat also die Kontrolle über das Drehkreuz auch noch verloren. Iran, Russland, China und Indien können sich dort jetzt über Energielieferungen arrangieren. Der größte Störfaktor für alle vier ist Pakistan, das allein aus diesem Grund wichtiger, aber anstrengender US-Verbündeter bleibt.
In dem Moment, als die Niederlage im Irak absehbar war, kam Al Gore (der von G.W.Bush 2000 um seinen Wahlsieg gebracht worden war, damit die Ölkriege in Nahost überhaupt geführt werden konnten) mit Unbequeme Wahrheit (2006) wieder groß heraus
die Klima-Wissenschaft, die insbesondere von US-Konservativen bekämpft worden war, wurde plötzlich eine unbestreitbare Wahrheit, weil sie benötigt wird, um die sogenannte Klimaschutz-Politik, die Energie-Geopolitik der krachend gescheiterten Öl-Eroberer, dem schlecht informierten breiten Publikum moralisierend zu verkaufen.
Mainstream dackelt hinterher – bisschen spät
In einem weiteren Blogbeitrag vor gut 2 Jahren hatte ich insbesondere die für die Versorgungssicherheit fatale Politik gegen Kohlekraftwerke kritisiert: Energiezukunft statt Klimahysterie Es war einfach klar, dass man zwar auf Kernkraftwerke oder Kohlekraftwerke verzichten kann, aber nicht auf beides gleichzeitig, ohne in eine schwere Energiekrise zu rutschen. Erst unter dem Eindruck der akuten Krise, kommen hochbezahlte Politiker und Medien zur selben Erkenntnis:
Zweifel kann es daran übrigens wenig geben: die letzten heimischen Energieträger wie Braunkohle sind in Zeiten der Energie-Geopolitik goldwert für die Versorgungssicherheit der Bevölkerung und sollten nicht komplett aufgegeben, aber sparsam ausgebeutet werden.
Indien handelt nach seinen Interessen
Noch ein Blogbeitrag von vor 2,5 Jahren hatte mich auf einen Autor und sein Buch von 2010 gebracht, das mir lange vor diesem Krieg die indische Politik verständlich und seine (sehr maßvolle, rationale) Haltung zum Krieg in der Ukraine vorhersehbar gemacht hat:
Der Autor Martin Sieff erklärt darin die indische Politik und ihre Kerninteressen:
Die Versorgung und Entwicklung seiner wachsenden Bevölkerung
Standhalten gegen den (noch) übermächtigen Nachbarn China
Sich nicht für fremde Interessen zum Rammbock und Kanonenfutter gegen China machen lassen (wie es der Ukraine mit Russland passiert ist)
Diese Interessen, schreibt Sieff, habe Indien immer und unabhängig von Regierungswechseln in einer stabilen Wirtschafts- und Militär-Zusammenarbeit mit Russland gesucht, auch über den Zerfall der Sowjetunion hinweg. Gerade weil Russland freundliche Beziehungen zu China unterhält und für China wichtig ist, ist es auch in der Lage, Indien zu schützen und Konflikte mit China vermeiden zu helfen. Außerdem ist Russland kein Verbündeter seines Erbfeindes Pakistan, um dessen Gunst wiederum China mit den USA konkurriert. Das erklärt auch, warum sich die Atommacht Indien mit langfristig guten Beziehungen zu Russland und einer insgesamt ruhigen Außenpolitik am sichersten fühlt und daran festhält. So seien zB G.W.Bushs Versuche, Indien als Truppensteller in den Irakkrieg hineinzuziehen, krachend gescheitert.
Das wichtigste Fazit von Sieffs Buch ist, dass die USA (und Großbritannien) Indien notorisch falsch einschätzen würden wegen der ex-kolonialen, im Grunde aber nicht unfreundlichen Beziehungen zu den Angelsachsen und weil es eine Demokratie ist wie kein anderes Riesenland der Welt. Die indische Demokratie versuche im besten Interesse ihres Landes zu entscheiden und sei dabei moderat, ausgleichend und rational unterwegs. Die letzten 3 Monate deuten stark daraufhin, dass Martin Sieff das alles sehr richtig eingeschätzt hat, die US-Außenpolitiker aber nicht.
Fazit
Die indische Politik scheint Egon Bahrs fast schon berühmtes Zitat sehr genau umzusetzen:
Man könnte Bahrs Ansicht ergänzen: „Es geht auch nicht um Klimaschutz“ Er hat im Dezember 2013, wenige Monate vor dem 1. offenen Ausbruch des Ukraine-Konflikts, als dieses Zitat in Heidelberg gefallen ist, übrigens noch mehr Richtiges gesagt: Sehr hellsichtig, und er dürfte sich mit Helmut Schmidt einige Monate später einig gewesen sein, wo die Lunte brannte.
Nicht berichtet wurde über das, worüber sie mit den Pakistanis verhandelt hat. Erklärungen über afghanische Flüchtlinge dürften eher ein Nebenthema gewesen. Oben hatte ich geschrieben: „Iran, Russland, China und Indien können sich dort (in Afghanistan) jetzt über Energielieferungen arrangieren. Der größte Störfaktor für alle vier ist Pakistan, das allein aus diesem Grund wichtiger, aber anstrengender US-Verbündeter bleibt„ War Baerbock wohl wegen Feminismus in Pakistan oder wegen dieser wichtigen Rolle des Landes?
Nachtrag 27.6.2022 Am 2. Tag des G7-Gipfels gibt es wieder diese Paarung aus Ukraine und Klimaschutz im Gespräch mit den Gastländern Indien, Indonesien, Senegal, Südafrika und Argentinien: „Man versucht Schwellenländer mit ins Boot zu holen in Abgrenzung zu Russland, weil Teile dieser Länder keine Berührungsängste mit Russland haben“ Auch in der Hauptsendung der Tagesschau um 20:00 Uhr ist dieser Punkt mit Indien und Südafrika wieder vertieft worden:
Mit dem G7-Gipfel wäre also erwiesen, dass es sich nicht um eine Marotte der dt. Politik, sondern um eine gemeinsame G7-Geostrategie handelt:
Nachtrag 28.06.2022 Aus Elmau wurde mir ein (offensichtlich nicht ganz offizieller) Videomitschnitt eines Gesprächs zwischen Emmanuel Macron und Joe Biden ansichtig, der sehr klar bestätigt, worüber man leise zwischen den offiziellen Reden spricht: Darüber, wer wann wieviel Öl liefern kann, nicht etwa über Klimaschutz:
Klar verständlich ist vor allem Macrons Aussage, dass die Saudis keine riesigen Kapazitäten haben und in den nächsten 6 Monaten die Lieferungen nur sehr wenig steigern können. Das Video wird unverständlich und endet dann abrupt, als er Biden („Allerletzter Punkt…“) auf seine Haltung zum russischen Öl anspricht. Schade!
Nachtrag 1.9.2022 Indien hat im 2. Quartal 2022 ein Wirtschaftswachstum von 13,5% gemeldet. Dieser Artikel („Die indische Öl-Brücke von Russland zu denen, die es sanktionieren“) schlüsselt auf, um wieviel dafür die indischen Importe von russ. Öl gewachsen sind: „In the April to June 2022 period since shortly after the outbreak of the war in Ukraine (we exclude March as refiners had not yet had time to significantly react), Indian refiners imported an average of 583 kb/d of Russian crude. This compares to just 36 kb/d in 2021.“ Die Produkte, die aus diesem Rohöl raffiniert wurden, flossen hauptsächlich in diese Länder, die Russland sanktionieren: „Of these, the top 5 countries are South Korea, Singapore, the USA, Australia, and the Netherlands„
Das Interview im O-Ton fehlt im ORF-Artikel inzwischen, angeblich „aus rechtlichen Gründen“. Es ist zB hier noch zu finden:
Es geht ziemlich kontrovers bis turbulent zu, worüber im ORF-Artikel nichts zu lesen ist. Man ahnt also, warum es herausgenommen wurde. Dass der Inder nicht spurt, mag für Herrn Wolf und seine Zuschauer eine Überraschung sein, die zornig macht. Die Leser meines Blogs wissen es seit 9 Monaten sine ira et studio (Tacitus): teilweise begründet der Außenminister seine Politik sogar mit genau den Beweggründen, die ich oben aus meiner Kenntnis und Lektüre vermutet und genannt habe.
Nachtrag 25.7.2024 Indien ist dauerhaft der große wirtschaftliche Gewinner des Krieges in der Ukraine und der Sanktionspolitik geworden. IWF-Bericht:
Das ist womöglich der Grund, warum die Menschenrechte in Indien immer mehr in den Fokus des „Westens“ rücken: Das Thema wird seit Monaten auf zahlreichen US-Kanälen „gespielt“. Der Geopolitik-Spinner Peter Zeihan fabulierte gar schon von einem indischen Mordprogramm in Nordamerika: