Wie seriös ist der Klima-Konsens?

Die Klimawissenschaft und ihre überschätzten Daten

Harald Lesch versucht aufzuklären

Harald Lesch hat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen einen bemerkenswerten Terra-X-Beitrag gemacht, in dem er versucht, die Kritiker der Klimaerwärmungstheorie zu widerlegen:

Interessant an diesem Beitrag ist, dass er hauptsächlich Meta-Wissenschaft bietet, also Gerede über notwendiges Vertrauen in die Wissenschaft und ungerechtfertigte („lautstarke“) Zweifel an der Klimawissenschaft. Diese Argumentation hat ihre Schwäche darin, dass Glaube an die Wissenschaft keine Wissenschaft ist, sondern nur Glaube.
Die eigentlich wissenschaftlichen Informationen in dem Beitrag sind dagegen minimal:

  • Einige Grafiken über den Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte, die gar nichts über die Ursache des Anstiegs verraten können: menschengemacht oder mit anderen Ursachen?
  • Einen einzigen Chart über den Anstieg des Meeresspiegels, den ich als Standbild ausgeschnitten habe und hier zeige (nur die grünen Markierungen sind von mir):

StandbildLesch_bearbeitet

Dieser im Video nur kurz eingeblendete Chart ist aus vielerlei Gründen bemerkenswert:

  1. Der rote Kringel ist original und soll wohl ein Problem zeigen:
  2. Der seit ca. 1880 bis heute, also in 140 Jahren, stattgefundene Anstieg ist mit nicht einmal 25 cm objektiv nicht sehr groß
  3. Er war seit ca. 1880 ziemlich linear mit weniger als 25cm / 140 Jahre = 1.8 mm/Jahr
  4. Er war von einem ziemlich starken Rauschen überlagert, das den Meeresspiegel kurzfristig stark schwanken ließ
  5. Davor war der Meeresspiegel dagegen ziemlich glatt und langsam schwankend
  6. Um das Jahr 1880 herum zeigt sich also ein Bruch in den Daten, der sogar nahelegt, dass die Daten davor und danach nicht auf dieselbe Art gewonnen wurden. Diesen Punkt werde ich unter ‚Plausibilisierungen‘ ausführen.

Plausibilisierungen

Für eine einfache Plausibilisierung des Charts von Leschs vergleiche ich sie mit zwei Zeitreihen für die Pegel von Cuxhaven an der Elbmündung und Brest in der Bretagne:

Cuxhaven_140-012_meantrend

Brest_190-091_meantrend

An diesen Pegeln fallen zwei Dinge auf:

  • Sie steigen mit kleinen mittelfristigen und großen kurzfristigen Schwankungen langfristig bis heute ziemlich streng linear mit 2.1 mm/Jahr für Cuxhaven und 1.1 mm/Jahr für Brest. Brest liegt also ein gutes Stück unter der Rate von 1.8 mm/Jahr, die Lesch seit 1880 in seinem Chart gezeigt hat, und Cuxhaven liegt ein wenig darüber. Im Vergleich damit ist also Leschs Zahl durchaus plausibel. Dasselbe gilt auch für das Rauschen auf seinen Daten seit 1880.
  • Für beide Pegel ist aber dieser lineare Trend schon viel länger als seit 1880 bestätigt: im Falle Cuxhavens seit etwa 1840 und im Falle von Brest sogar seit 1820.

Wie plausibel ist es, dass sich der globale Meeresspiegel wie in Leschs Chart vor 1880 komplett anders verhalten hat als nach 1880, wenn zwei wichtige Seepegel durch dieses Datum ohne irgendeinen erkennbaren Trendbruch durchgelaufen sind?
Der in Leschs Chart gezeigte recht konstante Verlauf zwischen 1820 und 1880 ist mit den Pegeln von Brest und Cuxhaven schlecht vereinbar. Es wäre ein großer Zufall, wenn an beiden Orten andere Effekte exakt denselben Pegelverlauf fortgesetzt hätten, obwohl sich der globale Meeresspiegel in dieser Zeit kaum verändert hat.

Warum ist es wichtig, dass der lineare Anstieg in Wahrheit schon lange vor 1880 begonnen haben könnte? Die Antwort ist klar: die 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts liegt für den größten Teil der Welt vor der Industrialisierung. Von Menschen, also ihren Maschinen und Kohleheizungen, produziertes fossiles CO2 kann damals keine wesentliche Rolle gespielt haben. Der Meeresspiegelanstieg hätte also andere Ursachen.

Nun gehört es aber zu den häufigen und gut dokumentierten Vorwürfen an die Klimaforschung, dass sie ihre Effekte dadurch produziert, dass sie die Startzeitpunkte ihrer Zeitreihen geschickt wählt.

Rungholt gegen die Klimaforschung

Ein älterer Terra-X-Beitrag über Rungholt liefert eine weitere Plausibilisierung: er behauptet glaubwürdig, dass 1362 beim Untergang Rungholts der Meeresspiegel der Nordsee etwa einen Meter niedriger lag als zum Zeitpunkt der Ausstrahlung 2014. Rechnet man diese Differenz auf einen linearen Anstieg um, kommt man auf 1000 mm / 652 Jahre = 1,53 mm/Jahr. Das wäre wiederum eine Rate, die höher liegt als in Brest und niedriger als in Cuxhaven und gar nicht so weit von der, die Leschs Chart ab 1880 zeigt. Es ist also ein weiteres Indiz, dass der Meeresspiegel schon viel länger steigt als in Leschs Chart, dass der Knick um 1880 also nicht korrekt ist.

Sogar Wikipedia weiß es

In einem Wikipedia-Artikel, der zu beweisen versucht, dass der Anstieg des Meeresspiegel seit 1850 besonders bedrohlich ist, findet sich trotzdem dieser Chart, der den Anstieg des Meeresspiegels in den letzten 24000 Jahren zeigt:
600px-Post-Glacial_Sea_Level
Man erkennt, dass der Meeresspiegel vor  18000-24000 Jahren, im Höhepunkt der letzten Eiszeit, um nicht weniger als 120m tiefer lag als heute, bevor er dann Tausende von Jahren lang rasant anstieg. Aus dieser Sicht ist das, was wir in den letzten Jahrhunderten gesehen haben, zum Beispiel den einen Meter Anstieg in der Nordsee seit 1362, nur noch der letzte Ausläufer einer praktisch abgeschlossenen Entwicklung.

Auf diese abgeschlossene Geschichte versucht die Klimaforschung jetzt eine neue Bedrohung draufzusetzen, in dem sie den an vielen Pegeln messbaren Restanstieg des Meeresspiegels von 1-2 mm/Jahr u.a. mit neueren Satellitenmessungen auf über 3mm/Jahr hochrechnet:

TideGaugesSatelliteData

Diese Pegeldaten (rote Kurve) stehen in deutlichem Widerspruch zu den Beispielen Brest und Cuxhaven oben, die sogar bis heute einen konstanten langsameren Anstieg zeigen. Sehr viele Pegel zeigen einen linearen Trend, der klar unterhalb von 3mm/Jahr liegt. Es ist nicht so ganz klar, wie dazu  ein globaler Anstieg von mehr als 3mm/Jahr passen soll.

Wichtig ist hier aber auch der Vergleich zu Harald Leschs Daten: sein Chart zeigt einen linearen Anstieg von 1.8 mm/Jahr, also viel weniger als die gut 3mm/Jahr im letzten Chart ab 1990. Die Leute, die den Klima-Konsens verteidigen, scheinen sich nicht so ganz einig zu sein, was denn dieser Konsens aussagt, und zeigen gerne auch einmal abweichende Daten.

Eine uralte Horror-Story

Die Geschichte vom Anstieg des Meeresspiegels ist eine uralte Horror-Story, gerne auch in Relotius- und Hollywood-Manier optisch in Szene gesetzt:

MeeresspiegelEntwicklung

Der Horror des Meeresspiegelanstiegs konkretisierte sich immer mehr auf eine handhabbare Größe: 30-110 cm im Jahr 2100 laut dem letzten Sonderbericht des IPCC.

IPCC-Sonderbericht wiegelt gleichzeitig ab und auf

Die Horrorszenarien von mehreren oder gar vielen Metern Anstieg des Meeresspiegels in „naher Zukunft“ sind längst vom Tisch, prägen aber weiterhin den Eindruck eines Schreckensszenarios.

In den nächsten 81 Jahren würde allein der konstant fortgeschriebene lineare Trend von Cuxhaven (siehe oben) zu einem Anstieg des Meeresspiegels von 17 cm führen. Der IPCC hat seinen Schätzbereich von 30-110 cm also so gelegt, dass er sein Risiko begrenzt, stark daneben zu liegen.

Gleichzeitig würden auch selbst die in den letzten 20 Jahren (angeblich) gemessenen 3mm/Jahr bis 2100 nur zu zusätzlichen 25 cm führen. Die Prognose des IPCC-Sonderberichts setzt also noch eine spürbare Beschleunigung des Anstiegs voraus, vor allem dann, wenn das obere Ende des Schätzbereichs erreicht werden soll.

In den letzten Tagen sind international wieder zahlreiche Artikel (z.B. hier, hier, und hier) erschienen, die einen Meeresspiegelanstieg von bis zu 2 Meter bis 2100 verkaufen wollten. Offensichtlich sind manchen die einigermaßen moderaten Prognosen des IPCC nicht mehr knackig genug.

Fazit meines kleinen Exkurses in die Meeresspiegel-Messungen mit Harald Lesch:
Die Klimawissenschaft scheint über wesentlich weniger solide Daten zu verfügen, als sie behauptet. Selbst ein Fürsprecher des Klimawandels muss mit Daten auskommen, an denen schon einfache Plausibilisierungen mit Daten unterschiedlicher Quellen erhebliche Zweifel nähren. Gleichzeitig weicht er mit diesen Daten stark von dem ab, was die Klimawissenschaft in der Zwischenzeit an Daten aufgetan hat, um die Prognose einer bedrohlichen Entwicklung überhaupt noch aufrechterhalten zu können. Das Abwiegeln des IPCC wiederum führt zur Veröffentlichung von Szenarien, die seine Prognosen weit überschreiten..
Das ist nicht so vertrauenerweckend, wie man von einer Wissenschaft erwarten würde, an der nicht gezweifelt werden darf! Abweichungen vom Konsens, die nach oben zeigen, sind offensichtlich eher akzeptabel als Abweichungen nach unten. Das klingt viel mehr nach Politik als nach reiner Wissenschaft.

Nach diesem Exkurs in die Daten sind wir vorbereitet auf die Argumente sogenannter

Klimaleugner

Ich habe beispielhaft sechs Wissenschaftler ausgewählt, die der Klimawissenschaft in einigen Punkten widersprechen. Die meisten von ihnen sind Physiker, und alle haben in ihrem Berufsleben Beiträge geliefert zu einem Themengebiet, das die Klimaforschung tangiert.

Klimaleugner 1: Nils-Axel Mörner

Mörner ist Geologe, Geophysiker und Ozeanograph und hat sich sein ganzes wissenschaftliches Leben lang mit der Messung des Meeresspiegels beschäftigt. Das ist keine Trivialität, weil Pegeländerungen nicht nur durch einen absoluten Anstieg des Meeresspiegels, sondern auch durch Hebungen und Senkungen der Landmassen oder durch Änderungen von Meeresströmungen zustande kommen können. Das ist auch der Grund, warum die über die Welt verteilten Pegel sich unterschiedlich verhalten, auch innerhalb Europas.
In diesem Interview mit der Basler Zeitung gibt Mörner auf Deutsch einen guten Einblick in seine Kritik an den Meeresspiegel-Prognosen des IPCC. Bereits für 2007 lassen sich seine Thesen auf Englisch nachlesen:

“Ich habe als Experte für den IPCC Reviews durchgeführt, 2000 und letztes Jahr. Als ich es zum ersten Mal gelesen habe, war ich außerordentlich überrascht: Zunächst einmal hatte ich es mit 22 Autoren zu tun, aber keiner von ihnen —keiner— war ein Meeeresspiegel-Spezialist“
Kommentar: Das ist witzig, denn gerade Verteidiger der Klimaforschung lieben es, jeden in die Pfanne zu hauen, der es wagt der Klimaforschung zu widersprechen, ohne selbst ein Klimaforscher zu sein.
Die Meeresspiegel-Aussagen qualifiziert er in dieser Grafik größtenteils als ‚Nonsense‘:
MörnerMalediven

„All dieses Gerede vom Steigen des Meeresspiegels stammt aus Computer-Modellen, nicht von Beobachtungen. In den Beobachtungen sieht man das nicht”.

Das zeigen ja auch meine Plausibilisierungen oben: die Pegel zeigen nirgends die aus den Modellrechnungen häufig herauskommende und verbreitete Botschaft, dass der Meeresspiegel künftig schneller steigen soll als bisher. Die Pegel steigen bisher stur immer gleich langsam weiter oder fallen sogar.

Mörner hat es vor allem auf die Messungen eines beschleunigten Anstiegs seit den 1990er Jahren abgesehen, die ich oben aus einem Wikipedia-Beitrag gezeigt und kurz diskutiert habe:

“Nun zurück zur Satellitenhöhenmessung, die das Wasser zeigt, nicht nur die Küsten, sondern den Ozean als Ganzes. Und man misst das mit Satelliten. Von 1992 bis 2002 war das Chart des Meeresspiegels eine ebene Linie, Schwankungen entlang einer ebenen Linie, aber überhaupt ohne Trend. Wir konnten diese Spitzen sehen: einen schnellen Anstieg, aber dann fielen sie in einem halben Jahr wieder ab. Aber gar keinen Trend, und um einen Anstieg des Meeresspiegels zu haben braucht man einen Trend. Dann 2003 änderte sich plötzlich derselbe Datensatz, der in ihren Veröffentlichungen, auf ihrer Website eine ebene Linie war, und zeigte einen sehr starken Anstieg, 2.3 mm/Jahr, denselben wie von den Pegelmessungen. Und das sah nicht so schön aus. Es sah aus, als hätten sie etwas aufgezeichnet, aber sie hatten nichts aufgezeichnet. Es war der originale, den sie plötzlich nach oben gebogen hatten, indem sie einen ‚Korrekturfaktor‘ einführten, den sie von den Pegelmessungen nahmen. Also war es keine gemessene Sache, sondern eine Zahl, die sie von außen eingeführt hatten. Ich warf ihnen das bei der Akademie der Wissenschaften in Moskau vor – ich sagte Ihr habt einen Faktor von außen eingeführt. Das ist keine Messung. Es sieht aus, als sei es vom  Satelliten gemessen, aber Ihr sagt nicht, was wirklich passiert ist. Und sie antworteten, dass wir es hatten tun müssen, weil wir sonst keinen Trend bekommen hätten!“
Das ist ein Hammer: Mörner wirft den Kollegen hier einfach vor, dass sie die Daten so hingebogen haben, dass es zu dem passt, was sie sehen wollten, was sie aber nicht messen konnten: einen Anstieg des Meeresspiegels!

 “Ja, es könnte 1.1 mm pro Jahr sein, aber absolut nicht mehr. Es könnte weniger sein, weil sich andere Faktoren auf die Erde auswirken, aber sicher nicht mehr. Absolut nicht! Es ist wieder eine Frage der Physik”
So weit muss ich nicht gehen. Ich kann mit den 2.1 mm/Jahr, die man am Pegel von Cuxhaven ablesen konnte, gut leben, auch wenn ein Spezialist wie Mörner vielleicht weiß, dass das Land in Cuxhaven absinkt und deshalb den Anstieg des Meeresspiegels überzeichnet. Seine Behauptung würde jedenfalls gut zum Pegel von Brest passen, und der kündigt ganz sicher keine Katastrophe an.

Mit seinen Aussagen ist Mörner inzwischen jedenfalls ein rotes Tuch für die Klimaforschung. Entsprechend unfreundlich ist sein Wikipedia-Artikel. Und der deutsche Klima-Papst Stefan Rahmstorf haut ihn persönlich in die Pfanne: Wie erkennt man echte Klimaexperten?:
Natürlich ist die Zahl der Zitierungen nicht 100% “foolproof” – es gibt gelegentlich Betrüger, und es gibt Experten, die nach der Pensionierung zunehmend seltsamere Thesen verbreiten“

Nils-Axel Mörner ist ein Problem für die Klimaforschung, weil er nicht einfach als fachfremd abgetan werden kann. Deshalb muss er eben ein wunderlicher Pensionär sein. Seine Thesen sind nämlich ein Killer für die Klimaforschung, aber wir haben bereits gesehen, dass sie so ganz abseitig gar nicht sind, jedenfalls nicht zweifelhafter als Harald Leschs Chart, den Rahmstorf eher nicht in die Pfanne hauen wird.

Klimaleugner 2: David Dilley

David Dilley nennt sich Meteorologe und Klimatologe. Dilley ist bekannt durch ein Paper, das er 2012 veröffentlicht hat (mit einem Vorläufer von 2008). Er ist anders als Nils-Axel Mörner akademisch gar nicht  etabliert, sondern betreibt kommerzielle Wettervorhersagen mit seiner Firma ‚Global Weather Oscillations Inc‘. Er behauptet, dass  der menschengemachte Klimawandel Unsinn sei und die Temperaturen auf der Erde direkt durch die Sonne bestimmt werden und durch solare Zyklen schon immer sehr starken Schwankungen unterlagen. Diese hängen auch mit vulkanischen Aktivitäten auf der Erde zusammen. Alles das hat er in einem Chart untergebracht:
VolcanicCycles

Man sieht bei Dilley den Temperaturanstieg seit ca. 1880 und auch den Temperaturrückgang in den 100 Jahren davor, wie er z.B. auch im oberbayerischen Observatorium Hohenpeißenberg langfristig gemessen und dokumentiert wurde:
TemperaturenHohenpeißenberg

Ähnliche Zyklen mit etwas anderen Zahlen, z.B. einem 132-Jahre-Zyklus, werden uns später auch noch bei Piers Corbyn begegnen. Ähnlich wie Corbyn ist Dilley ebenfalls der Meinung, dass die wärmsten Jahre bereits hinter uns liegen. Absurd ist das nicht.
Ich habe Dilley hier in der Liste, weil er sich mit seinen Prognosen sehr weit aus dem Fenster hängt und präzise ab 2020 eine globale Abkühlung verbunden mit zunehmender vulkanischer Aktivität vorhersagt. Verifizierbare quantitative Vorhersagen z.B. mit Jahreszahlen sind eine wichtige Eigenschaft exakter Naturwissenschaften. Nun hatten wir 2019 bereits einen recht kalten Winter mit viel Schnee u.a. in den Alpen und auch mit recht vielen Ausbrüchen auf dem pazifischen Vulkanring. Deshalb ist es eine feine Sache, dass wir schon in den nächsten Jahren mehr dazu erfahren werden, ob David Dilleys Prognosen völlig falsch sind.
Bis wir Aussagen der Klimaforschung überprüfen können, müssen wir in jedem Fall Jahrzehnte warten, aber ihren Empfehlungen soll die Welt möglichst sofort befolgen. Dilley bietet also einen besseren Deal an — und kann damit scheitern.

Klimaleugner 3: Piers Corbyn

Piers Corbyn ist Astrophysiker (mit Master vom Imperial College in London), betreibt eine Website mit langfristigen (Monate im voraus) Wettervorhersagen und ist der ältere Bruder des Chefs der Labour-Party Jeremy Corbyn. Weil sein Wikipedia-Eintrag ganz informativ und einigermaßen fair ist, beschränke ich mich hier auf seine wichtigsten Aussagen.

Piers Corbyn bestreitet sehr vehement und radikal die Existenz eines menschengemachten Klimawandels und hat auch klare Vorstellungen darüber, wozu der ‚Betrug‘ der Klimaforschung gut ist:

„The climate policy we have is not to control climate, it’s to control you“
Klimapolitik ist nicht dafür da, das Klima zu kontrollieren, sondern Dich zu kontrollieren

Seine Methodik zur Wettervorhersage und seine Meinung über den menschengemachten Klimawandel erläutert er in einem älteren Video von 2010. Das Video zeigt, dass er damals auch Hitzewellen vorhergesagt hat, nur die Ursachen sieht er völlig anders als die Klimaforschung:

Für die nächsten Jahre sieht er dagegen ähnlich wie Dilley eine Mini-Eiszeit, die 2020 beginnen und 2035 ihren Tiefpunkt erreichen soll. Schon den kommenden Winter nennt er den „Winter of Discontent“ für Großbritannien. Das ist eine kühne Prognose, und wir sind gespannt.
Hier noch ein frisches Paper.

Klimaleugner 4: Nir Shaviv

Nir Shaviv ist ein israelischer Physik-Professor und sehr moderater Klimaleugner. Er schließt einen menschengemachten Klimawandel nicht aus, ist aber davon überzeugt, dass der Einfluss des CO2 auf das Klima geringer ist als der der solaren Schwankungen, wie sie ähnlich auch Corbyn und Dilley beschreiben. Den solaren Einfluss veranschlagt er mit 50-70%. Er empfiehlt, sich dem erwarteten geringen Temperaturanstieg durch CO2 eher anzupassen, als ihn zu bekämpfen, weil das viel teurer sei.

Klimaleugner 5: Richard Lindzen

Richard Lindzen ist Atmosphärenphysiker und war  bis 2013 30 Jahre lang Professor für Meteorologie am MIT und hat zahlreiche Beiträge auch zur Klimatologie geliefert. Er hält den menschengemachten Klimawandel für überschätzt:
„Lindzen war längere Zeit Mitautor an wichtigen Teilen des IPCC-Berichts, insbesondere zur zentralen Rolle des Wasserdampfs, und hat den in dem Zusammenhang allgemein wie auch den speziell in der IPCC-Zusammenfassung für die Politik des dritten Sachstandsberichtes (2001) genannten wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel energisch bestritten…
Es gehe vielmehr darum, eine früher eher am Rand befindliche Wissenschaft aufzuwerten und aufwendige Forschungsprojekte und Simulationsrechner im Zusammenhang mit Politikberatung zu finanzieren“.
Während die deutsche Wikipedia Lindzen in erster Linie als ‚Klimaleugner‘ vorführt, ist sein englischer Wikipedia-Eintrag erheblich umfassender und ausgewogener in der Darstellung seiner Standpunkte.
In öffentlichen Auftritten argumentiert Lindzen weniger mit klaren Kontrapositionen als mit einem betont agnostischen Standpunkt. Er leugnet nicht die grundsätzlichen Mechanismen, sondern die Größe der Effekte und hält die Prognosen über die Auswirkungen auf die Menschheit für Angstmacherei:

„Wenn ich mich über den Klimawandel täusche,
werden wir das in 50 Jahren sehen und dann etwas unternehmen“
Hier gibt es eine relativ muntere Debatte mit Richard Lindzen über den Klimawandel:

So ganz isoliert steht er nicht da, aber für meinen Geschmack sind seine Aussagen etwas wenig pointiert. Das macht ihn aber natürlich auch weniger angreifbar.

Klimaleugnerin 6: Judith Curry

Judith Curry ist Geophysikerin und hat Beiträge zur Klimaforschung geleistet, u.a. Klimamodelle evaluiert. Ihr Wikipedia-Beitrag denunziert sie (noch) nicht explizit und unwiderruflich als Klimaskeptikerin, sondern als Wissenschaftlerin, die für eine weniger politisierte Debatte in der Klimawissenschaft eintritt. Seit 2009 tritt sie jedoch regelmäßig mit agnostischen bis klimakritischen Äußerungen in Erscheinung und klagt die Vertreter des Klimakonsenses an, Kritiker rigoros auszugrenzen. Einfach mal reinhören in einen Podcast!
Judith Curry sagt darin u.a., dass die Meeresspiegelprognosen das greifbarste Objekt der Klimaforschung sind. Deshalb bin ich ganz froh, dass ich exakt diese Daten ausgewählt habe, um die Probleme zu erläutern.
Nachtrag 1.12.2019:
Judith Curry mit Ron Paul über die Tendenz, Kritiker zum Schweigen zu bringen

Ein angeblicher Konsens von 97% sagt nichts aus

Gute Wissenschaft war nie eine Frage eines Konsenses. Die überlegenen Argumente und vor allem ein geeigneter experimenteller Nachweis schlagen in der Wissenschaft letztlich auch den Konsens der vielen.

Die Beispiele zeigen, dass es eine durchaus intelligente und vielfältige Szene von wissenschaftlich kompetenten und tätigen Menschen gibt, die der Theorie vom menschengemachten Klimawandel skeptisch gegenüberstehen. Der Eindruck eines fast 100%igen Konsenses entsteht auch deshalb, weil diese Wissenschaftler in Medien verschwiegen und  gerade auch in der Wikipedia als irrelevant ausgegrenzt werden, in der deutschen mehr als in der englischen. Ihre teilweise sehr übertriebene und unfaire Negativzeichnung spricht letztlich auch gegen den guten Glauben der Anhänger des menschengemachten Klimawandels. Wer sich seiner Argumente sicher ist, kann auch Andersdenkende ertragen, ohne sie in die Pfanne zu hauen.

Für mich ist klar, dass das, was die Klimaforschung an Daten und Methoden zeigt, zu dünn und widersprüchlich ist, um einen echten 97%-Konsens zu rechtfertigen. Der übergroß dargestellte  Konsens ist deshalb eine Einladung, eine konträre Position  einzunehmen. Bei (angeblich) 97% Konsens bietet die Gegenposition mehr Chancen, vor allem dann, wenn die Daten eher für mindestens 30% Unsicherheit gut sind.

Und der Klima-Konsens bedeutet in der Sache auch denjenigen wenig, die so tun, als würden sie ihn unterstützen: Al Gore denkt nicht daran, seinen CO2-Fußabdruck zu verkleinern, Barack Obama hat sich ein Haus wenig über dem heutigen Meeresspiegel gekauft.

Klimaskeptiker sind keine Umweltsäue

Die Zweifel an der drohenden Katastrophe durch menschengemachtes CO2 sind keineswegs ein Plädoyer für hemmungslosen Verbrauch fossiler Brennstoffe. Es gibt andere gute Gründe, das nicht zu tun:

  • Die Förderung fossiler Brennstoffe ist immer mit Umweltschäden verbunden
  • Energieeffizienz senkt die Kosten und minimiert die Abhängigkeit des eigenen Lebens von Zulieferungen anderer: eine wichtige Voraussetzung für Resilienz und damit Freiheit
  • Besonders der Kampf ums Erdöl und Erdgas ist ein zentraler Grund für große Kriege und kleine Militäroperationen, für die hemmungslos gelogen und gemordet wird.
  • Photovoltaik ist für alle, die die bauliche Möglichkeit dazu haben, eine gute Option, um die eigene Energieunabhängigkeit zu verbessern und (für alle Krisenfälle[1]) eine Minimalstromversorgung bereitzuhalten. Überschussstrom kann ¾ des Jahres auch einfach für die Warmwassererzeugung genutzt werden, was das eigene Leben wieder ein Stück unabhängiger macht
  • Radfahren ist eine wunderbare Form der individuellen Mobilität ohne Stau und mit täglich erlebter Natur: immer wieder sehr erfrischend und belebend

Alle diese Argumente sind motivierender für die Gestaltung der eigenen Freiheit als der tägliche Horror einer pseudoreligiösen Schulderzählung, wie sie der ‚menschengemachte Klimawandel‘ offensichtlich auch bewusst darstellen soll. Die tägliche Klimameldung hat durchaus Ähnlichkeiten mit dem Marterl, das früher an jedem Feldweg stand: ‚da schau her, Du bist schuldig!‘

Macht Euch frei von dieser Kollektivschuld! Fahrt in aller Freiheit Fahrrad! Dreht mal die Heizung runter! Investiert in eine sparsamere Heizung. Es lohnt sich und macht unabhängiger. Aber staatliche Verbote und Vorschriften für jede Lebenslage gibt es bereits heute viel zu viele!

[1] Normale netzgeführte Photovoltaikanlagen können bei Stromausfall NICHT als Inselanlage Strom für den Hausgebrauch bereitstellen, nicht einmal mit einem Batteriespeicher! Dafür sind besondere Vorkehrungen notwendig, die aber inzwischen von einigen Herstellern angeboten werden.

Nachtrag 10.11.2019

Klimaleugner Nr. 7: Fritz Vahrenholt

Mit Vahrenholt will ich einen wichtigen deutschen Protagonisten nicht vergessen. Er kommt aus der Umweltbewegung, ist SPD-Mitglied und ein Klima-Dissident. In einem kürzlich gegebenen Interview (Paywall, Inhalt auch hier) kritisiert er die Klimahysterie:
Vahrenholt
Aus wissenschaftlicher Sicht vertritt er keine erkennbare Gegenposition, erkennt vielmehr einen durch CO2 menschengemachten Klimawandel an. Ähnlich wie Nir Shaviv (Nr. 4) und Richard Lindzen (Nr. 5) schreibt er diesem Effekt aber höchstens 50% der Erwärmung der letzten Jahrzehnte zu und hält die unter dem Stichwort Klimanotstand diskutierten Gegenmaßnahmen für völlig unangemessen und selbstzerstörerisch.

Nachtrag 14.11.2019

Piers Corbyn wurde am 6.11. im Bundestag angehört (auf Einladung der AfD-Fraktion). Die grüne Ausschutz-Vorsitzende hält es offensichtlich für eine Zumutung, dass da jemand etwas behauptet, was ihrer tiefempfundenen moralischen Überzeugung widerspricht, und der rechts neben ihm sitzende (Ökonomie-)Professor Schnellenbach wirkt auch ein wenig fassungslos:

Nachtrag 04.12.2019
In diesem Artikel der FAZ werden mehrere Klimaskeptiker erwähnt:
Die Zeugen der Zweifler
aus meiner Liste u.a. Nir Shaviv und Richard Lindzen. Di eigentlich wissenschaftlichen Argumente sind außerordentlich dünn und gehen nie ins Detail:

„Auch Astrophysiker dürfen sich zum Klima äußern“ – Was sollte dagegen sprechen?

„Die Studie von Veizer und Shaviv konnte nur in einem sehr nachgeordneten Blatt erscheinen und wurde in Fachkreisen nie ernst genommen“ – Nullargument

„Die Publikation der Arbeit von Soon und Baliunas schließlich wurde bald als ein Fall krassen Versagens des Begutachtungsprozesses gesehen und führte zum Austritt des halben Editorial Board der Zeitschrift Climate Research“ – Von wem? Und was sagt das aus?

„Es gab für mich nie einen Grund, sie zu lesen; sie waren einfach nicht bedeutend genug“ –  Wie kann er das beurteilen, wenn er sie nicht gelesen hat?

„Man generiert dort legitime Fragen, aber in Bezug auf Antworten ist es eher dünn“ – Solange legitime Fragen generiert werden, hat die Klimawissenschaft noch nicht alles beantwortet.

 

4 Kommentare zu „Wie seriös ist der Klima-Konsens?“

  1. Radfahren. Ja. Toll.
    Aber wieso (nur) Radfahren?
    Bin selber Radler und halte mich – als zu viele andere – an die Regeln.

    Noch besser:
    Wie isses mit Zu-Fuß-gehen? Man sieht viel mehr als wenn man durch die Gegend rast oder radelt. Man kann stehen bleiben und schauen. Menschen, Architektur (schöne und das Gegenteil)…
    Man muss nicht leben à la „heut‘ wieder 36 km und das in nur so-und-soviel Minuten“. Wozu? Wozu die Eile?

    Spaziere, laufen, sehen, stehen bleiben, umdrehen, neue Wege gehen.
    Allerdings geht das nur friedlich, wenn man von den widerrechtlich auf den Fußwegen Radelnden nicht belästigt wird.

    Liken

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