Vom Guten zum Bösen übergegangen?

Dass die Eliten der USA vom Guten zum Bösen übergegangen seien, zeigt sich für Emmanuel Todd in der Ukraine. Die mächtigen Neocons der USA seien postreligiöse Nihilisten, wie es die Nazis Deutschlands waren.

Ich habe allzu lange nichts mehr von Emmanual Todd gebracht, der letzte Beitrag ist gerade 2 Jahre alt geworden.
Dabei hatte ich mein Blog vor fast 10 Jahren auch mit diesem Ziel gestartet:
das Denken des großartigen Emmanuel Todd in Deutschland bekanntmachen„.

Ende Oktober 2024 hatte Urike Guérot dieses Interview mit ihm geführt, das vor etwa einem Monat auf Deutsch veröffentlicht wurde:

(das franz. Original-Interview gibt es hier ohne Übersetzung)
Bei früheren Gesprächen wie 2013 im franz. Fernsehen ging es zwischen beiden hart zur Sache, weil Guérot (noch) eine glühende EU-Europäerin war und Todd die gemeinsame Währung, den Euro, schon lange entschieden abgelehnt und den wirtschaftlichen Niedergang Frankreichs und Südeuropas vorausgesagt hatte.

Für diejenigen, die lieber lesen als zuhören, gab es im Oktober auch ein schriftliches Interview im Cicero.
Dieses Interview war ein wenig konkreter auf die Fragen der Zeit fokussiert:
Angesichts dessen denke ich auch nicht, dass der Ausgang der bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen einen entscheidenden Einfluss auf den Krieg in der Ukraine haben wird
Ein interessanter Punkt für einen, der vor seiner 1. Wahl noch ein wenig positiver über Trumps Potenzial dachte. Und weiter:

Wenn sich Europa nicht endlich emanzipiert, wird es zu einem immer unbedeutenderen Vasallen der USA werden.
Ich habe aufgrund seiner demografischen Krise starke Zweifel daran, dass China zur Supermacht des 21. Jahrhunderts aufsteigt.
Russland wird sich tatsächlich, entgegen verzerrten Analysen aus dem Westen, als Großmacht mit konservativen Werten und militärischer Schlagkraft behaupten können. Doch seine niedrige Geburtenrate macht Russlands größeren Ambitionen einen Strich durch die Rechnung.
Es wird faszinierend sein, den Aufstieg Indiens zur Supermacht in den nächsten Jahrzehnten verfolgen zu können

Das Thema dieser Interviews war natürlich sein damals gerade auf Deutsch erschienenes Buch:


Der Grund, warum ich sein Buch und seine Thesen bisher nicht auf dem Blog hatte, ist wahrscheinlich, dass ich seine Analyse und Prognose für ein wenig riskant halte. Denn neben einem solchen Volltreffer („für Deutschland nicht zu bewältigen“), der sich jetzt aktuell wieder in Aschaffenburg als richtig erwiesen hat, hat er sich auch manchmal schon fundamental geirrt, wenn er sich zu sehr auf aktuelle Politik eingelassen hat.

Nachtrag 24.1.2025
Todd hat nach den deutschen Interviews von Oktober am Jahresanfang dem frz. Figaro auch eines explizit zum Wahlsieg von Trump gegeben:

Böse:
Die Amerikaner verachten uns (Westeuropäer) für unsere Unterwürfigkeit
Noch böser:

Wo ist da der Faschismus?

Ulrike Guérot provoziert mit einer Faschismus-Definition: sind „die Guten“ aus der radikalisierten Mitte die echten Faschisten?

Hier die Definition der Politikwissenschaftlerin Ulrike Guerot:

Ulrike Guerot definiert den Faschismus

Stimmt das?

Faschismusdefinitionen umstritten

Es ist festzuhalten, dass die Definition von Faschismus im Allgemeinen umstritten ist, wie u.a. auch die Wikipedia berichtet:

„Eine Definition von ‚Faschismus‘ gestaltet sich schwierig…
Was Faschismus ist oder sein soll, wurde vornehmlich von seinen Gegnern bestimmt…
Ein übergreifender (generischer) Faschismusbegriff, der die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Regime in Italien, im NS-Staat und in Japan umfasst, ist in der historischen Forschung umstritten“

Indizien

Es gibt durchaus Indizien dafür, dass es dort, wo sie Ulrike Guérot sie vermutet, tatsächlich Parallelen zum historischen Faschismus der 1920er und 30er Jahre gibt:

Corona

Lange vor Guérot hatte der Wissenschaftsphilosoph Prof. Michael Esfeld aus Lausanne in der Instrumentalisierung der Wissenschaft für die Legitimierung des Ausnahmezustands eine Parallele zu Eugenik und Rassentheorien der 1920 Jahren erkannt. Ebenso wie Ulrike Guérot hat Michael Esfeld ein Buch über die Beschädigung des Rechtsstaats durch die Corona-Politik veröffentlicht:


Am Ende mündete diese Corona-Politik schließlich in den faschistoiden Versuch, einen Impfzwang durchzusetzen. Dieser hätte den Nürnberger Kodex verletzt, der ausgerechnet als Lehre aus pseudowissenschaftlichen Zwangsbehandlungen der NS-Zeit gedacht war:
die freiwillige Zustimmung der Versuchsperson unbedingt erforderlich (ist). Das heißt, dass die betreffende Person im juristischen Sinne fähig sein muss, ihre Einwilligung zu geben; dass sie in der Lage sein muss, unbeeinflusst durch Gewalt, Betrug, List, Nötigung, Übervorteilung oder irgendeine andere Form der Überredung oder des Zwanges, von ihrem Urteilsvermögen Gebrauch zu machen; dass sie das betreffende Gebiet in seinen Einzelheiten hinreichend kennen und verstehen muss, um eine verständige und informierte Entscheidung treffen zu können“.
In einer orwellschen Verdrehung der Dinge hat sich die Justiz aber entschlossen, nicht die Verletzung dieses Kodex zu verfolgen, sondern die Erinnerung an ihn.

Klima-„KONSENS“

Genau wie bei Corona gibt es auch beim Klima bzw. seiner angeblichen Katastrophe die deutliche Tendenz unter den Wohlmeinenden und „Engagierten“, die Wissenschaft für geklärt und Widerspruch zu einem Verbrechen zu erklären:

Dabei ist dieser Konsens eine Illusion (um nicht zu sagen: ein Betrug) und der Widerspruch hat nicht nur bedeutende Personen, sondern auch bedeutende Argumente auf seiner Seite.

Dissensverbot im KRIEG

Guérot selbst bietet ein gutes Beispiel dafür, dass auch beim Thema Ukraine ein Dissensverbot wirksam durchgesetzt werden soll. Im Juni 2022 lieferte sie sich bei Lanz dieses Wortgefecht mit Agnes Strack-Zimmermann:

Guérot im „Gespräch“ mit Agnes Strack-Zimmermann

Im Herbst 2022 erschien ihr letztes Buch, in dem sie ihren Standpunkt wiederholte, dass der Krieg in der Ukraine mehr als einen Vater habe:


Im Februar 2023 wurde ihr angeblich wegen Plagiatsvorwürfen ihre Professorenstelle gekündigt:

Die Plagiatsvorwürfe (in einem nicht wissenschaftlichen Buch) sind natürlich vorgeschoben, die wahren Gründe für ihren Status „umstritten“ sind nicht nur oben, sondern auch im Artikel genannt. Der Prozess um ihre Kündigung ist im Januar 2024 immer noch nicht abgeschlossen und erneut (auf April 2024) verschoben worden: „Die Verlegung hat bereits Tradition„, mutmaßlich aus Mangel an Substanz.

Keine Kandidatur für BSW

Entgegen früheren Pressemeldungen

kandidiert Ulrike Guérot nicht auf der Liste der BSW für das Europa-Parlament, zumindest nicht auf einem der ersten 10 Plätze.
Über die Hintergründe ist nichts bekannt, aber das politische Verhältnis scheint ungetrübt:

Nachtrag
Auf der Suche nach dem wirklichen Faschismus, darf man natürlich solche Meinungsäußerungen nicht aus dem Blick verlieren: