Mutter Blamage gibt den Schrempp

Neues vom „freundlichen Gesicht“:

angelamerkel

So darf sich nicht nur die CDU in Zukunft ausrichten: die Mundwinkel steil nach unten.

Das befremdliche Gesicht will nicht weichen

Merkel hat nichts von dem umgesetzt, wofür sie angetreten ist, sondern fast überall das Gegenteil. Ihre angeblichen Erfolge sind samt und sonders Baustellen, auf denen es nicht gut aussieht.
Es ist ja nicht so, dass das niemand bereits vor langer Zeit über Mutter Blamage gesagt hätte. Die Kritiker von Rechts und von Links hatten gleichzeitig Recht. Das ist sogar der ZEIT klar geworden: „Angela Merkel ist eine der Hauptverantwortlichen für die globale ökonomische Krise und die wachsende Zukunftsangst.“ Genau deshalb muss sie aber unbedingt weitermachen! Darüber sind sich nicht nur die ZEIT und die WELT einig.
Woran erinnert diese feine Dialektik diejenigen, die noch Memory außerhalb ihres Smartphones besitzen?
Richtig: an Jürgen Schrempp, Daimler-Chrysler und die „Hochzeit im Himmel“.

Die Schrempp-Saga

Das war ein Drama in 3 Akten:

  1. Mai 1998: Aufbruch, Jubel und Lobhudelei
    Jürgen Schrempp, Vorstandsvorsitzender von Daimler-Benz verkündet die Fusion von Daimler und Chrysler „unter Gleichen“ (die erste Lüge). Es sollte auch eine „Hochzeit im Himmel“ sein. Schrempps Hauptziel war aber ein amerikanisches Managergehalt, wofür er sein Unternehmen aufs Spiel setzte. Vom ersten Tag an war das vielen klar, denn der Aktienkurs ist sofort nach Bekanntgabe tief gefallen. Aber zunächst hatten die Jubler die Oberhand und Schrempp wurde „Manager des Jahres“, ein böses Omen. Die „Stunde des Perfektionisten“ war aber sehr kurz.
  2. Ab 2000: Ernüchterung, Durchhalteparolen, Wundermänner
    Bald war klar, dass  es mit Chrysler ernste Probleme gab. Aber das konnte man nicht zugeben, ohne Schrempp und seine vielen Freunde im Aufsichtsrat sowie die Lobhudler in den Medien zu entlarven. Deshalb galt fortan die dialektische Parole: Schrempp muss richten, was Schrempp Daimler eingebrockt hat. Das hat ihm den Job gesichert, aber gerichtet hat er (wie von vielen vermutet) gar nichts mehr, sondern einfach das Scheitern der Übernahme lange verwaltet und hinausgezögert.
  3. Juli 2005 : Kapitulation
    Schrempp verliert seinen Job, Dieter Zetsche übernimmt trotz Misserfolg den Vorsitz und beendet das Abenteuer Chrysler, nachdem bereits zuvor Schrempp selbst das andere Abenteuer Mitsubishi beenden hatte. Die zu realisierenden Verluste sind gewaltig, aber die Börse jubelt.

Merkel steht in der Schrempp-Zeitskala irgendwo um 2000. Der Titel „Mächtigste Frau der Welt“ war das perfekte Pendant zum „Manager des Jahres“ für Schrempp, die „letzte Anführerin des freien Westens“ klingt dagegen schon verdächtig nach Durchhalteparole.
Die Kritiker verweigern hartnäckig den Jubel und sprechen zu Recht von Erschrecken: alles Pessimisten, Defaitisten? Wo kann ich bitte diese Regierung und dieses Land shorten?
Das Schrempp-Drama wird jetzt als Farce neu aufgeführt. Es steht uns wie Daimler damals also noch eine satte Legislaturperiode des Niedergangs, des Hoffnungmachens  und des Lügens bevor. Am Ende wird genau eine Person an der „Pleite nach Lehrbuch“ Schuld gewesen sein: Angela Merkel.
Alle diejenigen, die sie immer tüchtig gestützt haben, werden Merkels Fehler in seitenlangen Artikeln analysieren, aber natürlich nicht ihren eigenen Beitrag.

Exkurs: Woran ist die Chrysler-Übernahme gescheitert?

Dabei wurde bis heute hierzulande nicht ehrlich berichtet, woran die Übernahme von Chrysler wirklich gescheitert ist. Lag es wirklich nur daran, dass Chrysler ein „Rostladen“ war und Daimler zu gut(mütig)? Wenn ja, wie kommt es dann, dass Fiat 2009 Chrysler erfolgreicher übernommen und sich selbst sogar durch die Übernahme gerettet hat?
Ich habe Ende der 1990er Jahre in einer IT-Firma gearbeitet, die die IT-Systeme von BMW und Rover mit gewaltigem Aufwand vereinheitlicht hat, bevor auch diese Übernahme gescheitert ist. Ich war daran nicht persönlich beteiligt, habe nur die Gespräche meiner Kollegen in der Kaffeeküche gehört. Aber heute kann ich auf der Basis dieser Kenntnisse ein wenig einschätzen, warum deutsche Firmen schlecht darin sind, ausländische Unternehmen zu übernehmen:

  • Weil sie alles geringschätzen, was die anderen können, und sie damit vor den Kopf stoßen
  • Weil sie mit perversem Aufwand als ersten Schritt versuchen, den übernommenen Partner in ihre extreme Hierarchie zu integrieren und dabei seine eigene Kultur platt zu machen
  • Weil z.B. fähige Amerikaner und Engländer da nicht mitspielen, sondern lieber das Unternehmen verlassen: „Es ist nicht das Ding der Engländer, den Deutschen zu gehorchen
  • In Summe: weil Deutsche meist heillos hierarchisch denken, können sie selten fruchtbare Allianzen zum beiderseitigen Vorteil schmieden. Ausnahmen bestätigen die Regel.
  • Warum VW Skoda erfolgreich übernehmen und positionieren konnte, kann man auf dieser Karte sehen: weil die Tschechen ähnlich hierarchisch ticken wie die Deutschen

Ich bin mir sicher, dass der italienische Spitzenmanager Sergio Marchione diese deutschen Fehler vermieden hat, um mit Chrysler Erfolg zu haben. Er hat sicherlich Schnittstellen zwischen den Systemen von Fiat und Chrysler schaffen lassen, aber er hat Chrysler nicht in die Systeme von Fiat integriert. Er hat Chrysler seine Kultur gelassen und hat versucht, von den Stärken Chryslers zu profitieren. Keine Sekunde seiner kostbaren Arbeitszeit hat er mit der absurden Idee verschwendet, dass Fiat alles besser kann als Chrysler und Chrysler deshalb komplett umgemodelt werden muss.
Deshalb hat er Erfolg mit Chrysler gehabt: weil er ein schlauer, pragmatischer und toleranter Italiener ist, und kein deutscher Betonkopf wie Jürgen Schrempp oder Wolfgang Schäuble, die daran glauben, dass man Partner erst einmal ummodeln oder plattmachen muss, bevor man mit ihnen zusammenarbeiten sie brutal beherrschen kann.

Vor einer weiteren deutschen Katastrophe?

In Deutschland sind oft die größten Betonköpfe an der Spitze und werden dort so lange für großartig und alternativlos gehalten, bis die Karre an der Wand klebt. Das ist unser großes Problem, das uns in regelmäßigen Abständen so unglaublich teuer zu stehen kommt und alle operativen Leistungen des Fußvolks und Mittelbaus zunichtemacht.
Es spricht tatsächlich immer mehr dafür, dass Europa unter deutscher Führung vor einer weiteren Katastrophe steht: „Europa bewegt sich auf eine Katastrophe zu…Der Zusammenbruch Europas wird uns überraschen“. Dass Angela Merkel das Epizentrum dieser Katastrophe ist, ist mindestens so wahrscheinlich wie die kühne Hoffnung, dass sie die Rettung vor dieser Katastrophe ist. Wer solchen Unfug ohne #aufschrei twittern lässt und so hundeelend aussieht („In private she is even more miserable than she looks in public“) ist viel eher Teil des Problems als Teil der Lösung.

Ceterum censeo Angelam esse mittendam

Nachträge:
Ein hervorragender Kommentar zur Merkel-Republik von Wolfgang Herles (3.12.2016):
Wie zu Kaisers Zeiten – Der Mainstream-Populismus gefährdet die offene Gesellschaft
Und noch zwei von Ferdinand Knauß in der Wirtschaftswoche:
Warum niemand den Aufstand gegen Merkel wagt (3.12.2016)
Warum die aktuelle Politik nicht glaubwürdig ist (12.12.2016)
Werner Rügemer hat im neuen Magazin ‚Rubikon‘ ein böses Stück geschrieben:
Die deutsche Musterschülerin (6.4.2017)

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