Totschlag im kaputten Land

Die Tötung einer linken Aktivistin in Minneapolis wirft ein düsteres Licht auf die USA.
Und die Regierung Trump könnte gekommen sein, um die Zukunft noch düsterer zu machen.

Letzten Sommer, mitten im US-Wahlkampf, passierte ein schrecklicher Polizeimord in demokratisch regierten US-Bundesstaat Illinois.
Mir fiel auf, dass der unfassbare Mord eines Polizisten an Sonya Massey keine internationale Welle machte, gerade auch im Vergleich zum viel weniger eindeutigen Todesfall George Floyd:

Inzwischen wurde im Prozess das Verdikt gesprochen, also das Vergehen festgelegt: Mord 2. Klasse, also ähnlich dem deutschen Totschlag. Die Anklage hatte auf Mord 1. Klasse gelautet. Das Strafmaß steht noch aus und wird im Januar nicht von den Geschworenen, sondern von einem Richter festgesetzt.
Die Feinheiten zwischen Mord 1. und 2. Klasse nach US-Recht sind mir nicht klar. Deshalb kann ich das Urteil nicht negativ bewerten, sondern bringe es nur als Tatsache. Mord war es auch nach meinem persönlichen Rechtsempfinden, das also nicht substanziell von dem der Jury in Illinois abweicht.

Die Erschießung von Minneapolis

In Minneapolis ist eine weiße US-Bürgerin und Mutter mit wohl starkem Linksdrall von einem Beamten der Anti-Einwanderungsbehörde erschossen worden. Der Vorfall und die Umstände sind wiederum recht umfassend auf Video dokumentiert.

Der heftige Streit dreht sich inzwischen in erster Linie (neben der Tatsache, dass der Beamte mitsamt Dienstwaffe den Tatort verlassen hat, u.ä. Details) um die Frage, ob das Opfer den Schützen umfahren wollte, er das vermuten konnte und deshalb zumindest einem verständlichen Irrtum über die Lage unterlag. Dass das Opfer überforsch und unvorsichtig agiert hat, ist gemessen an der normalen Praxis in den USA relativ unstrittig. Allerdings unterscheidet sich diese Praxis wohl auch stark von Bundesstaat zu Bundesstaat, so dass nicht einmal darüber echter Konsens besteht.

Reaktion der Trump-Regierung

Die Regierung Trump hat in der Sache ein schlechtes, rechtsradikales Bild abgegeben und damit den (insgesamt lausigen) Trend der letzten Monate deutlich bestätigt.
In der ersten Runde haben Trump und die „Heimatschutz“-Ministerin Noem das Opfer als Terroristin dargestellt, obwohl das weder belegt ist noch angemessen erscheint.
Dann hat Trump behauptet, der Beamte sei knapp mit dem Leben davongekommen und liege im Krankenhaus. Eine offensichtliche und schamlose Lüge, wie alle US- und Weltbürger leicht verifizieren können:

Propaganda

Als dieses Narrativ dann erwartbar schnell zusammengebrochen ist, hieß es plötzlich, der Beamte sei vor 6 Monaten von einem Protestierenden angefahren und schwer verletzt worden. Damit wurde die erste Lüge aufgegeben, der Schütze als armes Opfer geframet, und die Vorwürfe wurden von der Erschossenen auf die Proteste gegen das (dokumentiert ruppige und teilweise auch unprofessionelle und unangemessene) Verhalten der ICE-Trupps geschoben. Mühelos lässt sich hier die Handschrift von Spin-Doktoren erkennen, die mit ständig neuen Geschichten versuchen, den Schaden zu begrenzen.

Noch schlimmer agierten Medien wie Fox-News, wo darauf herumgeritten wurde, dass das Opfer Pronomen (she/her) verwendet habe, also „woke“ war.
Hey, viele finden das so doof wie ich auch, aber soll das etwa ein Grund sein, jemanden ums Leben zu bringen?

Inzwischen sind immer mehr Video-Sichten aus anderen Blickwinkeln aufgetaucht und Fotos, die beweisen sollen, dass der Schütze vor dem Auto stand und akut gefährdet, also im Recht war.
Dabei war u.a. auch ein Foto von oben. Der Zufall wollte es, dass im richtigen Moment einen Drohne über dem Ort des Geschehens stand und das Foto schoss. Leider hat es sich dann auch noch als KI-Werk herausgestellt. Man sieht daran, wie schwer es ist, selbst mit Video-Material die reinen Fakten von Propaganda zu trennen.
Meine Sicht war es ziemlich schnell, dass ICE nicht weniger provokativ agiert als manche Protestierenden und dass der Tod dieser Frau nicht nötig gewesen wäre. Sie hat sich sicherlich dumm verhalten, aber es war auch dumm und brutal sie mit 3 (!) Schüssen zu töten, zwei davon nicht von vorne, sondern durchs Seitenfenster, also zu dem Zeitpunkt objektiv keine Gefahr mehr für den Schützen bestand. Die Frau wollte tatsächlich auch nur blöd und wohl gegen seine Aufforderung wegfahren, ihn nicht überfahren, wenn man sich die Szene unvoreingenommen anschaut.

Fakten aus Illinois und der Vergangenheit

Wenn man sich die zusammengetragenen Informationen zum Mord in Illinois nochmals genauer anschaut, findet man eine interessante Aussage über den Mörder von dort:

Prosecutors compared him to „an officer intentionally and unnecessarily putting himself in front of a moving vehicle and then justifying use of force because of fear of being struck.“

Ankläger verglichen ihn „mit einem Beamten, der sich absichtlich und unnötig vor ein fahrendes Auto stellt und sich dann damit für Gewaltanwendung rechtfertigt, dass er fürchten musste, überfahren zu werden.

Wow! Das passt ja exakt auf die Vorwürfe zu Minneapolis. Nun gut, das ist Wikipedia und wir wissen, dass Wikipedia keine solide Quelle ist, sondern oft voreingenommen.

Tatsächlich ist dieser Trick, der nicht auf Selbstverteidigung und Deeskalation, angelegt ist, sondern auf das Gegenteil, aber in diversen Quellen und auch schon lange dokumentiert, z.B. in diesem Bericht von 2014, Regierungszeit von Barack Obama:

Ein interner Bericht der US-Grenzpolizei stellt fest, dass ihre Agenten absichtlich vor fahrende Autos traten, um Schüsse auf diese zu rechtfertigen

Fazit

Da stellt sich doch die Frage, wer diese Beamten ausbildet und was ihre Aufgabe ist. Geht es darum ein Sicherheitsproblem zu lösen oder einen Polizeistaat zu schaffen, der so mit seinen eigenen Bürgern umgeht?
Das Verhalten der Regierung Trump legt den Verdacht nahe, dass sie für angeblichen Schutz vor illegaler Einwanderung diesen Polizeistaat weiter ausbauen will. Die Regierung Biden hatte ihn ja für angeblichen Virenschutz schon gut ausgebaut, und bei uns in Europa und Deutschland haben wir das auch gesehen.
Arbeitet man von „links“ und „rechts“ mit verschiedenen Begründungen am selben Ziel?
Das behauptet jedenfalls dieser Zeichner:

Rechtes Geschwätz von „Freiheit“ und „Recht und Ordnung“ bleibt genauso kritisch zu betrachten wie linkes Geschwätz von „Solidarität“. Und kritisch zu betrachten sind immer die Regierungen, weil sie die Macht haben und wirksam lügen können. Bei der Opposition muss man nur die Hoffnungen auf Besserung dämpfen.


Die Spalte überwinden

Die Spaltung der Gesellschaft nach Loyalität zu Narrativen, Personen und Parteien ist ein mächtiges und raffiniert eingesetztes Werkzeug.
Es ist sinnvoll, sich dieser Spalterei wenigstens manchmal zu entziehen und die Mühe eher in sachliche Information zu investieren.

Sehr guter Artikel von Peter Frey:

Die zentralen Zitate aus dem insgesamt lesenswerten Artikel:

Die uns erreichende Propaganda strebt nicht nur danach, dass gesellschaftliche Gruppen bis hinunter zu Individuen gespalten werden. Diese Gruppen sollen diese Spaltung auch noch selbst betreiben und verstärken

Aber warum sind sie alle, oder zumindest die große Mehrheit der Menschen dort, in den Gräben; in welchen auch immer? Was hat die Menschen dort hineingetrieben? Was lässt sie auf einem Spielfeld agieren, das sie sich nicht wirklich ausgesucht haben können? Glauben Sie weiterhin, dass man beim „Genuss“ der Massenmedien weghören kann? Glauben Sie auch, dass, so Sie sich unglücklicherweise unbewusst einem Psychopathen „empfehlen“, einfach weghören können, wenn er seinen psychologischen Angriff auf Sie beginnt? Weghören können wir da nicht, aber davongehen, das können Sie und ich sehr wohl.

Die „Brandmauer“ zur AfD hat auf beiden Seiten der Mauer ihre Wirkung entfaltet, nicht nur auf einer Seite. Aber die „Brandmauer“ ist ein strategischer Begriff und in Wirklichkeit keine Mauer, sondern ein Brandbeschleuniger. Das Ziel der „Brandmauer“ ist nicht etwa eine fiktive Rettung von Demokratie, sondern die Aufrechterhaltung und Vertiefung der innergesellschaftlichen Spaltung.

Aktuelles Beispiel

Den letzten Punkt kann man sehr schön durch die jüngsten Vorgänge in Thüringen illustrieren mit einer Frage an jede Seite:

Beide Seiten beantworten diese Frage nicht befriedigend, sondern nur mit Unterstellungen an die jeweils andere Seite. Der Eklat wurde also gezielt und auf Biegen und Brechen inszeniert. Er sollte nie vermieden werden, sondern politischen Profit bringen.
Das ist so eine Stelle, wo man als Beobachter, der sich nicht hineinziehen lassen will, einfach davongehen kann: Das Ergebnis ist, wie es ist. Aber es ist noch nicht klar, wer den politischen Profit am langen Ende einstreicht.
Die zweifelhafte Rolle des BSW in dieser Sache ist noch ein Thema für sich: das Risiko höher, der direkte Nutzen geringer als für die CDU, die am Ende den Landtagspräsidenten und wohl auch den Ministerpräsidentenposten besetzt.

Schleichwege über die Spalte

Wer sich aus der Inszenierung der Spaltungen heraushalten will, kann mehrere Dinge tun:

SPALTER beobachten

Schöne Beobachtungsobjekte sind derzeit etwa die späte und lammfromme Kritik von Cem Özdemir an der Migrationspolitik, die Zuspitzung durch die BILD-Zeitung und die teilweise heftige Empörung von Personen, die bisher der grünen Blase zumindest nahestanden. Es ist offensichtlich, dass Özdemir sich für konservative Wähler vor allem in Baden-Württemberg hübsch machen will und trotzdem nichts sagen, was ihm morgen zu 95% bei den Grünen wieder die Fortsetzung dieser Migratonspolitik erlaubt. Die BILD hilft dabei, ihn als starken Kämpfer gegen Migrantengewalt zu inszenieren, und die Grünen für die CDU wieder akzeptabler zu machen. Jeder weiß und konnte vorher wissen, dass die Migrationspolitik der letzten 10 Jahre extrem und gefährlich war, aber die AfD soll nicht davon profitieren, dass es jetzt zugegeben werden muss.

Eng damit im Zusammenhang steht der Streit um die Attacken von Merz (und Söder) gegen Habeck und die Grünen: Kinderkram wie „Kinderbuchautor„. Letztendlich geht es um die Frage, ob die Union unter Merz doch noch mit den Grünen eine Koalition bilden kann. Özdemir signalisiert ein kräftiges „Ja!“, und nach dem SPD-Wahlsieg in Brandenburg und den schweren grünen Niederlagen heißt die Alternative wieder Große Koalition (aber noch geschrumpfter als letztes Mal).

Sachthemen bearbeiten

Die lohnenden Sachthemen sind dieselben wie schon länger:

Schäden durch Corona-Impfungen sind statistisch mehr als wahrscheinlich, zu deutlich die Veränderungen seit 2021 bei Sterblichkeit, zahlreichen Krankheiten und besonders auch bei Geburten- und Totgeburtenraten. Ähnlich wie bei den folgenden Dingen handelt es sich hier um ein Thema, das viele Menschen in ihrem Lebensumfeld aus eigener Anschauung mitbekommen. Das macht sie zu einer weniger leichten Beute für dauerhafte Desinformation.

Die Wirtschaft rutscht jetzt in eine größere Krise, weil das deutsche Geschäftsmodell durch Krieg, Nordstream-Sprengung und auch China-Sanktionen beschädigt worden ist, mehr als nur ein bisschen.

Das Klima-Narrativ hat schon bei den Landtagswahlen im Osten und heute in Österreich politisch geschwächelt, aber es wackelt grundsätzlicher und deutlicher, als viele wissen. Das zeigen nicht nur starke Schneefälle in Südafrika, sondern auch Eisbären, die von Grönland nach Island auswandern, weil die Population in Grönland eher wächst als schrumpft und es dieses Jahr im Sommer besonders viel Eis vor seiner Küste gab. Da stirbt so bald nichts aus!

Ausblick

Lassen Sie sich weniger spalten, liebe Leser!
Das Eis und auch die Eisbären werden Grönland so bald nicht ausgehen. Und das ist eine gute Nachricht.
Es ist Unsinn, diese den Strenggläubigen ins Gesicht zu brüllen, aber es ist (noch) erlaubt, es ganz sachlich und immer wieder den anderen zu berichten und auch denen zu widersprechen, die uns mit Angst spalten wollen in Strenggläubige und Leugner.

Verloren weiterkämpfen

Ein Fundstück bietet einen seltenen Einblick in Hitlers Sicht auf den Krieg im Sommer 1942: schon vor Stalingrad deprimierend.
Die Fähigkeit, das Offensichtliche öffentlich zu leugnen, ist auch heute noch groß.

Diese Tonaufnahme ist etwas Besonderes, weil es die einzige sein soll, die Hitler nicht bei einer Rede, sondern mit normaler Stimme im Gespräch zeigt:

Hitler spricht über den Krieg

Hier gibt es noch eine kommentierte Version davon.
Die Aufnahme ist aus dem Juni 1942, als Hitler überraschend Mannerheim, den Oberbefehlshaber und späteren Staatspräsidenten des damals im 2. Weltkrieg verbündeten Finnland zum Geburtstag besuchte. Der finnlandschwedische ehemalige Offizier der Armee des russischen Zarenreiches Mannerheim verstand und sprach auch Deutsch.

Die Tonaufnahme ist absolut bemerkenswert, weil Hitler relativ offen und propagandaarm über den Krieg spricht:
„Wir wussten das selber auch nicht so ganz genau, wie ungeheuerlich dieser Staat (die Sowjetunion) gerüstet war… Sie haben die ungeheuerste Rüstung die menschendenkbar ist.
Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ein Staat mit 35000 Tanks (Panzern) antreten kann, dann hätte ich gesagt: „Sie sind wahnsinnig“. 35000 Panzer.
Wir haben zur Zeit über 34000 Panzer vernichtet. Wenn mir das jemand gesagt hätte, wenn ein General von mir erklärt hätte, dass hier ein Staat 35000 Panzer…, dann hätte ich gesagt: „Sie sehen alles doppelt oder zehnfach. Das ist Wahnsinn. Sie sehen Gespenster“. Das haben wir nicht für möglich gehalten. Wir haben Fabriken gefunden, allein eine da in Kramatorsk(aja) zum Beispiel, das war vor 2 Jahren im Bau und wir hatten keine Ahnung. Heute ist dort eine Panzerfabrik, die in der ersten Schicht etwas über 30000 und im Vollausbau über 60000 Arbeiter beschäftigen soll. Eine einzige Panzerfabrik! Wir haben sie besetzt, eine gigantische Fabrik, Arbeitermassen, die allerdings wie die Tiere… im Donezkgebiet…nur Rüstung…
Ich habe das vorher nicht geahnt, hätte ich das geahnt, dann wäre mir noch schwerer zu Herz gewesen, aber den Entschluss hätte ich dann erst Recht gefasst, denn es blieb ja gar keine andere Möglichkeit. Ich war mir ja schon klar, schon im Winter 1939/40, dass der Krieg beginnen musste. Ich hatte nur den Alpdruck auf mir, der Zweifrontenkrieg war unmöglich, daran wären wir auch zerbrochen. Das sehen wir heute besser, als wir es damals bereits erkannten…

Ich wollte an sich noch im Herbst 1939 den West-Feldzug durchführen. Nur dieses dauernde schlechte Wetter, das wir hatten, das hat uns daran gehindert. Unsere ganze Bewaffnung war ja, es ist eine Schönwetterbewaffnung. Sie ist sehr tüchtig, sie ist gut, aber es ist leider eine Schönwetterbewaffnung. Wir haben das jetzt auch in dem Krieg gesehen, unsere ganzen Waffen sind auf den Westen zugeschnitten und wir alle waren bisher der Überzeugung, das war bisher, das war unsere Meinung eben von den ältesten Zeiten her: im Winter kann man nicht Krieg führen. Und die deutschen Panzer und die deutschen Fahrzeuge, die sind nicht erprobt worden, um sie etwa für den Winterkrieg herzurichten, sondern man hat Probefahrten gemacht, um zu beweisen, dass man im Winter nicht Krieg führen kann. Es ist ein anderer Ausgangspunkt gewesen.
Wir sind im Herbst 1939 immer vor der Frage gestanden, ich wollte unter allen Umständen angreifen und war der festen Überzeugung, wir könnten mit Frankreich in 6 Wochen fertigwerden. Aber es war die Frage, ob man sich bewegen kann. Es war dauernd Regenwetter und nun kenne ich ja dieses französische Gebiet sehr gut , und auch ich konnte mich der Auffassung vieler meiner Generale nicht verschließen, dass wir wahrscheinlich diesen Elan nicht bekommen würden, dass wir die Panzerwaffe nicht auswerten (=ausnutzen) würden können, dass wir auch die Luftwaffe nicht würden auswerten können mit den Feldflugplätzen in Folge des Regens. Ich kann nur sagen, ich bin 4 Jahre Soldat gewesen in dem Großen Krieg, und so kam diese Verzögerung. Hätte ich im Jahre 39 Frankreich erledigt, dann wäre die Weltgeschichte anders gelaufen….(mehr Klagen über alles, was bisher schiefgelaufen ist im Krieg)“

Unbedingt bis zum Ende anhören!

Bewertung

  1. Hitler hat einen unkontrollierten Monolog gehalten: wozu hat er Mannerheim so viel über die Vergangenheit erzählt?
  2. Der erfahrene Offizier Mannerheim muss (schon im Juni 1942, also 3 Monate vor dem Angriff auf Stalingrad!) daraus gefolgert haben, wie beschissen die Lage seines Verbündeten war. Der GröFaZ klingt bereits da verzweifelt und so, als würde er die Bilanz eines verlorenen Krieges ziehen. Spätestens nach der Niederlage in Stalingrad, Januar 1943, 1,5 Jahre nach dem Angriff auf Russland, musste das jedem halbwegs gut informierten zu 100% klar sein.
  3. Das offene Eingeständnis, die Sowjetunion extrem unterschätzt zu haben und mit einer nicht wintertauglichen Armee nach Russland gezogen zu sein, erstaunt besonders.
  4. Trotzdem ging der Krieg ohne Aussicht auf Erfolg und unter riesigen Verlusten für Deutschland selbst nach Stalingrad noch mehr als zwei Jahre weiter.
  5. Finnland gelang aber schon 1944 der Ausstieg aus dem 1941 nach der Operation Barbarossa selbst begonnenen Fortsetzungskrieg gegen die Sowjetunion mit einem Separatfrieden, der seine Unabhängigkeit rettete. Mannerheim wusste offensichtlich genug und war strategisch beweglich genug, um sich nie in einen totalen Krieg gegen die Sowjetunion hineinziehen zu lassen und sich kühl von einem verlorenen Verbündeten wieder zu lösen, dessen Truppen am Ende gar anzugreifen, wie mit Stalin im Friedensvertrag vereinbart.

Geschichte reimt sich

im Sommer 1942, spätestens aber Anfang 1943 war Hitlers Krieg gegen Russland für Insider (wie auch ihn selbst) verloren. An der Heimatfront hielt er aber noch kernige Reden über den Endsieg und ließ „Wehrkraftzersetzer“ und Deserteure erschießen. Ist es da erstaunlich, dass er dafür Drogen brauchte und bald an überdeutlichen Symptomen des körperlichen Verfalls litt?

Es klingt makaber, dass Hitler in der Tonaufnahme über die „riesige Panzerfabrik“ von Kramatorsk „im Donezkgebiet“ spricht. Das ist nämlich ganz nahe an der Front im heutigen Krieg Russlands gegen die Ukraine:

Zeichen verdichten sich

Der ehemals ranghöchste Bundeswehrgeneral Harald Kujat hat in einem Interview mit dem Youtube-Kanal des privaten Unternehmen HKCM Anfang November diesen Krieg für verloren erklärt:

General Kujat sieht die Ukraine erneut ohne Siegchance

Kujat hat immer wieder öffentlich die Meinung vertreten, dass die Ukraine den Krieg letztlich nicht gewinnen kann. Dieses Interview hat auch wieder für einige Aufregung gesorgt.

In einem MDR-Beitrag hat ein anderer Ex-Bundeswehr-General Kujat widersprochen:

Selbst anhören und General Bühler mit General Kujat vergleichen!

Hier noch eine kleine Presseschau zu den weiteren Aussichten:

Fazit des Focus-Artikels:

„Nichts spricht dafür, dass sich an diesem Abnutzungskrieg und dem Mangel an Kämpfern und Material in absehbarer Zeit etwas ändert. Vieles spricht hingegen dafür, dass sich für die Ukraine eine fortgesetzte militärische Offensive nicht durchhalten lässt“

Darf man hoffen, dass sie nicht noch 2 Jahre weitermachen?
Oder wird man wieder sagen, man habe nichts wissen können?

Nachtrag 6.12.2023
Diese beiden Aussagen gehören eigentlich auch hier rein.
Senator Lindsay Graham, Mai 2023:

„Russen sterben…Besser haben wir Geld nie ausgegeben“

Senator und späterer US-Präsident Harry S. Truman, Juni 1941:

„Wenn wir sehen, dass Deutschland gewinnt, sollten wir Russland helfen, und wenn Russland gewinnt, sollten wir Deutschland helfen, und sie auf diese Weise möglichst viele töten lassen…“

Mehr Diktatur wagen

Die Süddeutsche Zeitung hat 2021 eine lausige Forderung nach mehr Diktatur veröffentlicht.
Das könnte viel mit dem Nachfolger von Heribert Prantl zu tun haben.

Sind Sie erschrocken über diesen Titel? Haben Sie sich gefragt, was sich wohl dahinter verbergen mag? Ob der Blogbetreiber jetzt durchgedreht ist, zugibt, dass er ein Antidemokrat ist? Weil früher oder später alle „Populisten“ damit um die Ecke kommen?

Nein, alles halb so wild, es hat nur in der Süddeutschen Zeitung gestanden:
(den ganzen Text ohne Paywall hier)


Der Autor Thomas Brussig hat diesen Käse geschrieben in der großen Zeit der Corona-Psychose in Deutschland, im Jahr 2021. Es steht auch in seinem Wikipedia-Eintrag.
Es steht nicht drin, dass Brussig ein bekennender Antidemokrat ist, sondern:

Der Essay löste in den sozialen Medien Empörung aus„.

Warum hat er nicht in allen Medien Empörung bzw. einhellige Verdammnis ausgelöst, vor allem in der Süddeutschen Zeitung?
Wäre das auch so gewesen, wenn ein „Essay“ derselben Stoßrichtung, sagen wir mal, von Uwe Tellkamp in der „Jungen Freiheit“ veröffentlicht worden wäre? Sicherlich nicht, es kommt aber auch auf das Thema an. Zum Thema Corona wäre er damit vielleicht sogar auch durchgekommen („Tellkamp wird vernünftig“), bei anderen Themen mit einem Ermittlungsverfahren beim „Staatsschutz“ überzogen worden. Weil da jemand einen Umsturz legitimiere, ein Schreibtischtäter Hand an unsere Demokratie“ lege! Unsere Demokratie!
Wenn aber eine plumpe Hand an eure Demokratie gelegt wird, liebe Oppositionelle, dann ist das nur ein Essay, also einen gepflegten Versuch wert.

Ganz schwacher Versuch

Schon in Titel, Bebilderung und Bildunterschrift verrät der „Essay“ seine inhaltliche Schwäche: „Mehr Diktatur wagen“. Wenn ich von etwas „mehr“ fordere, dann muss zum Zeitpunkt der Forderung bereits etwas davon vorhanden sein. Anfang 2021, das wird sprachlich klar zugegeben, war schon ein wenig Diktatur im Spiel gewesen. Und dazu passt ja auch das Bild mit dem Rücken-Plakat. Dann aber zieht der Autor sofort die Trumpfkarte: weil die „Corona-Leugner“ (auch) eine Diktatur im Spiel sehen, muss man sie die jetzt schmecken lassen! Der primäre Impuls zur Begründung einer Diktatur kommt nicht daher, dass die Diktatur überlegene Lösungen bieten könnte, sondern daher, dass Oppositionelle sie am Werk sehen. Das Thema wird am Ende des Textes nochmals aufgenommen:
„Dass ausgerechnet die Corona-Leugner eine ‚Corona-Diktatur‘ heraufziehen sehen, sollte erst recht Grund sein, sie zu wollen. Die Leugner sind außerstande, die Gefahr durch das Virus einzuschätzen, aber sie ahnen, wie ihr beizukommen ist“
Kann man noch mehr Schwachsinn schreiben? Ja, man kann eine ganze Argumentation auf falsche Fakten aufbauen:

Fake Facts als Basis

„Angenommen, es gäbe ein Virus, so hervorragend übertragbar wie das Coronavirus, aber so tödlich wie der Tollwut-Erreger“
Das Virus war ihm (leider) noch nicht tödlich genug, um eine schöne Diktatur zu rechtfertigen. Also argumentierte er mit einem hypothetischen Virus.

„obwohl es einige wenige Länder vermochten, das Virus auszuschalten“
„Zwar gibt es Demokratien, die der Pandemie Herr wurden (zum Beispiel Australien, Neuseeland, Taiwan und Südkorea)“
So ging es in diesen Ländern im Vergleich zu den deutschsprachigen Weiter:

Ein langfristiger Vorteil für die vermeintlichen Vorbilder war nicht erkennbar

Speziell in Neuseeland führte die schlechte Entwicklung ab Sommer 2021 in eine Regierungskrise und Anfang 2023 zum Ende der für Corona vielgelobten Ministerpräsidentin Ardern. Die Liste der Länder zeigt aber im Rückblick, dass Brussig der gescheiterten totalitären ZeroCovid-Ideologie auf den Leim gegangen ist. Er hat sie für eine Wissenschaft gehalten, von der er sich die Rettung ohne Widerspruch diktieren lassen wollte, ein gefährlicher Irrweg mit historischen Vorbildern. Kurz vor Brussigs Pamphlet, im Januar, wurde ZeroCovid in der Süddeutschen auch in anderen Artikeln gepusht.

leider findet sich – wieder mit China, ausgerechnet – auch ein Beispiel, dass ein autoritär verfasstes Land das Virus schnell loswurde“ – es ging auch in China noch lange weiter. Von „Loswerden“ konnte also keine Rede sein.

Genauso traurig sieht es bei den Lösungsideen aus:

Lächerlicher (Er-)Lösungsglaube

„Wollen wir das Virus loswerden, sind wir gezwungen, bestimmte Maßnahmen zu ergreifen“
„Dank der Wissenschaft wissen wir, welche Maßnahmen nötig sind, wir wissen sogar, welchen Preis wir zahlen müssen, wenn sie ausbleiben“
Und welche sollten das konkret sein?

Scharfstellen der App

🤡 Hahaha! Die App war teuer und hat keinen messbaren Beitrag zur Lösung des Problems geleistet. Die Süddeutsche selbst nannte sie 2023 bei der Verabschiedung eine Nervensäge:



Brussigs Glaube an bekannte Lösungen hatte mit Wissenschaft wenig zu tun, mit einem absurden Technikglauben aber vielleicht sehr viel. Vor allem halfen sie, Demokratieverachtung schriftstellerisch auszuleben:

Demokratie und Freiheit sind Mist

Die Zitate aus dem „Essay“ sprechen für sich:

„Dabei war vor nicht mal dreißig Jahren das liberale Selbstbewusstsein auf dem Höhepunkt“
„Der Brexit hingegen machte Demokratie zur Karikatur
„Impotenz der Demokratie“
„der effektive Pandemiebekämpfer muss auf der Höhe der Forschung sein. Der demokratische Pandemiebekämpfer hingegen muss eine Mehrheit gewinnen, einen Konsens bilden und einen Kompromiss finden“

Brussig fand Demokratie blöd und ein Auslaufmodell und träumte von der allmächtigen Hand eines Staates, der absolute Wahrheiten kennt. Bei anderen als ihren Autoren nennt die Süddeutsche Zeitung das „Sehnsucht nach Stärke“:

Merkwürdigerweise hat „der autoritäre Orban“ zu keinem Zeitpunkt eine so autoritäre Corona-Politik praktiziert wie in Deutschland, vor allem aber, wie in der Süddeutschen gefordert. Davon konnte ich mir ab 2021 persönlich einen Eindruck verschaffen.

Stefan Kornelius‘ Furcht vor autoritärer Politik muss zwischen 2019 und 2021 stark nachgelassen haben, denn kurz vor Brussigs autoritärem Erguss stieg er vom Leiter Außenpolitik zum Leiter Politik auf. Er ersetzte damit Heribert Prantl, der die Corona-Politik exakt im Januar 2021 scharf kritisierte.

Wie wäre es mit der Theorie, dass Prantls Ausscheiden, das gerade einen Monat her war, etwas mit seinem Widerstand gegen die Corona-Politik zu tun hatte, und dass das Erscheinen von Brussigs Essay etwas mit dem Amtsantritt von Kornelius zu tun hatte?

Fazit

Die Süddeutsche Zeitung pflegt eine merkwürdige Doppelmoral im Umgang mit antidemokratischen Äußerungen: Kleinigkeiten der Wortwahl bei politischen Gegnern anprangern und offene Demokratieverachtung von genehmen Autoren und zu genehmen Themen veröffentlichen.

Forderungen nach mehr Demokratie etwa sind Brandstiftung,
Forderungen nach mehr Diktatur aber wichtige Debattenbeiträge.

Dieser Kurs, der mit dem Thema Corona viel Fahrt aufgenommen hat, hat viel mit dem neuen Ressortleiter Politik und ehemaligen Leiter Außenpolitik Stefan Kornelius zu tun. Und über Publikationen dieses Verantwortlichen, lässt sich ganz gut auflösen, wo das letztlich alles herkommt: Corona, Klima und die Liebe zu mehr Diktatur. Viel mehr Diktatur!

Die Afghanistan-Pipeline

Hochinteressante Hintergründe des Einmarsches in Afghanistan im Rahmen der Energie-Geopolitik.

Avatar von Paul SchreyerPaul Schreyer

Kunduz-a

30. September 2019   —   Am vergangenen Wochenende fanden in Afghanistan Präsidentschaftswahlen statt, an denen allerdings bloß 20 Prozent der registrierten Wähler teilnahmen. Die politische Lage ist weiterhin so instabil wie seit Jahrzehnten. Abseits der Wahlen bleiben die Taliban ein bestimmender Faktor im Land, jüngst brach Donald Trump direkte Verhandlungen mit ihnen ab. Den folgenden Text, der die Vorgeschichte des Angriffs der USA und der Nato auf Afghanistan schildert, schrieb ich vor 15 Jahren, im Herbst 2004. Es war meine überhaupt erste journalistische Arbeit, entstanden und veröffentlicht damals im Rahmen eines Buchprojektes – eines Romans über 9/11, der auch einen 80-seitigen Faktenanhang enthielt. Das Buch ist lange vergriffen, der vorliegende Text aber, so scheint mir, weiterhin aktuell. Die Pipeline, um die es darin geht, wird derzeit gebaut.

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Apokalyptischer Tritt in den Hintern

Der Spiegel kam am letzten Samstag mit einem grotesken Titel heraus:

NACH IHR DIE FINSTERNIS

Angela Merkels apokalyptischer Blick auf die Lage der Welt

Du lieber Himmel, so schlimm sieht es aus! Aber es war tatsächlich schon schlimmer, sogar in Farbe

MerkelBande

Dieser Eindruck eiAngelaMerkelner großen Finsternis bedrückt mich seit Jahren, nicht nach ihr, sondern gleichzeitig mit ihr.
Da stimmt offensichtlich etwas nicht: Warum regiert sie so, wie sie regiert? Warum macht sie das Gegenteil der Politik , die sie ihren Wählern einmal versprochen hat (mir gottseidank nie). Was macht sie durch? Wie schlimm wird sie bedroht? Trinkt sie? Warum hilft ihr niemand?

Da war natürlich ein großes Erstaunen: sollte ein Spiegel-Redakteur tatsächlich dieselben Fragen an Angela Merkel haben? Und sie sogar in diesem Heft beantwortet werden?

Eigentlich war das nicht zu erwarten, aber zum ersten Mal seit Jahren hat mich diese  trügerische Hoffnung verleitet, mal wieder am Samstagmorgen einen gedruckten Spiegel zu kaufen. Der Artikel selbst befindet sich hier, augenblicklich noch hinter der Bezahlschranke.

Aber es gibt keine Antworten

die wirklich von Angela Merkel kommen.
Im Grunde steht nur ein Aufguß des seit Jahren Bekannten drin: trotz ihrer nicht mehr in Abrede gestellten Düsternis sei Angela Merkel eine Lichtgestalt, lässt der Redakteur René Pfister natürlich eine Amerikanerin sagen, denn höhere Weihen werden immer aus Amerika nach Deutschland gespendet:

„eine Frau, die gegen den Nationalismus kämpfe und den Klimawandel.
Die Kanzlerin habe Standards gesetzt beim Umgang mit den Verzweifelten dieser Welt“

Und nun wieder Pfister: „Angela Merkel hat ein Lächeln im Gesicht.(aha. Wo?)..Sie hat trotz allem, einen Ruf als bescheidenste Politikerin des Westens zu verteidigen.“
„Es ist alles ein bisschen dick aufgetragen“ schreibt René Pfister selbst ganz richtig, sehr dick. Angela Merkel ist fast eine Heilige, und doch klingt alles auch irgendwie nach betreutem Regieren, wie auf Besuch bei der Oma, die so bewundert wird, weil sie so tapfer immer noch den Kaffee selbst kocht, was Rührung auslöst und vorweggenommenen Abschiedsschmerz: „Wir werden sie noch vermissen“, sagt Herfried Münkler.

All die Erinnerungen an die „internationale Ordnung, so wie wir sie kennen“, die jetzt „immer mehr ins Wanken gerate“.
Und das Schlimme, was in der Zukunft droht, ist doch seit Jahren Dasselbe:

Trump, Putin, China und Trump

Moment, China ist aber neu in der Liste der Alpträume! Da stand früher immer noch Erdogan oder Orban. China ist definitiv neu auf der Achse des Bösen. China war vor nicht so langer Zeit noch ein Verbündeter im Freihandel. Da verschiebt sich was, fällt uns auf.

Aber sonst ist die Geschichte unverändert schlimm: „Obama, so erzählen es seine Leute, habe Merkel sehr dazu ermutigt, noch einmal anzutreten“.„Merkel weiß um Trumps Desinteresse an Details“. „Putin bleibt erst bockig…aber mit Fleiß kann sie Putin nicht zur Vernunft zwingen. Er hat kein Interesse an einem Frieden…“

Der Weiße Ritter Joe tritt auf

Zwei Mal schafft er es in die Geschichte: Joe Biden oder immerhin seine Beraterin Smith. Rettet er uns vor Donald Trump?
„Merkel hätte die Macht, etwas Großes anzustoßen“, sagt Julianne Smith, die stellvertrende Sicherheitsberaterin des früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden. „Aber was wir erleben ist ein gelähmtes Deutschland, und das ist schlecht für Europa und schlecht für die USA.“
Ganz unvermittelt lässt Pfister später Frau Smith richtig scharf werden:
Heute, acht Jahre später ist das Unverständnis über Merkels Untätigkeit in Wut umgeschlagen. „Es ist eine Schande, dass Merkel nicht die Chance des Moments ergreift und Führungsstärke zeigt“, sagt die Biden-Beraterin Smith.
Da ist jetzt Schluss mit lustig und Heiligenschein und Oma-Gemütlichkeit und Arbeitsverweigerung:

Kommen Sie endlich in die Gänge, Frau Merkel!

Was denn? Sie ist doch schon so lange im Amt, zwar noch beeindruckend rüstig, aber doch kurz vor der Finsternis, die nach ihr kommt. Was kann sie denn noch leisten, für den guten Joe Biden? Raus mit der Sprache!

„Sie müsste die Deutschen an den Gedanken gewöhnen, dass die Bundeswehr mehr Geld braucht und dass die deutschen Soldaten künftig häufiger in gefährliche Einsätze geschickt werden“
„Ein erster Schritt in Richtung mehr Verantwortung wäre eine Reform des deutschen Parlamentsvorbehalts für bewaffnete Einsätze, der es im Moment schwer macht, schnell auf Krisen zu reagieren. Aber Merkel weiß, wie umstritten das ist, also lässt sie lieber die Finger davon“

Die will wohl nicht so, wie sie soll? So richtig neu sind die beiden Forderungen auch nicht. Genaugenommen sind sie länger in der deutschen Politik als Angela Merkel: Asbach-uralt.

Und Moment, wieso braucht es dafür eigentlich den edlen Ritter Biden und seine Frau Smith? Ist sich der in diesen Punkten mit dem angeblichen Finsterling Donald Trump nicht 100% einig? Wickie

Na klar, ich hab’s: es handelt sich hier um

Eine Spiegel-Propaganda-Geschichte

mit der Angela Merkel vom Auftraggeber des Spiegel, der amerikanischen „außenpolitischen Community“ als Ganzes , und nicht etwa vom bösen Trump oder dem guten Biden, zur Lieferung ihres Tributs aufgefordert wird. Die ganze Lobhudelei für ihre humanitäres, umweltpolitisches  Engagement und ihren Kampf gegen den Nationalismus sind nur die Verpackung, in der ihr René Pfister die Anweisung überreicht.
Und der Blick in die Finsternis ihres Gesichts sollte allen den Ernst der Lage deutlich machen.
Das ist die letzte Warnung: nach ihr kommt nur noch die Finsternis!

Tatsächlich wird die Bundeskanzlerin und / oder die dt. Öffentlichkeit mit solchen Medienveröffentlichungen unter Druck gesetzt und gesteuert. Diejenigen, die in Deutschland nicht gewählt sind, teilen ihr so mit, wohin die Reise gehen muss, egal, was ihre Wähler wollen.  Gleichzeitig werden auch die Wähler bearbeitet, damit sie die Unausweichlichkeit akzeptieren.
War es so nicht auch schon 2015? Die intensive Berichterstattung über das palästinensische Mädchen Reem und der Vorwurf der Empathielosigkeit? Die medial stark in Szene gesetzte Geschichte um Alan Kurdi? Man ahnt, wie gering ihr Entscheidungsspielraum tatsächlich sein könnte. Die Frage, inwieweit sie freiwillig mitspielt, bleibt unbeantwortet, ist aber womöglich auch gar nicht entscheidend: Solange die Öffentlichkeit nicht lernt, diese Botschaften zu lesen und sich ihnen ggf. auch zu widersetzen, ist es müßig zu verlangen, dass es eine Bundeskanzlerin tut.

 

Falscher Held im Mummenschanz

Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat“ Friedrich Dürrenmatt

Jetzt ist der Herr Maaßen also gefeuert und befördert. Sauber.

Kein Held und Freiheitskämpfer

Da stellt sich die Frage, wie er zum Helden eines Teils der Anti-Merkel-Fraktion werden konnte. Durch diese Aussage soll es geschehen sein:

„Es liegen keine Belege dafür vor, dass das im Internet kursierende Video zu diesem angeblichen Vorfall authentisch ist. Nach meiner vorsichtigen Bewertung sprechen gute Gründe dafür, dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken“

Da war nichts dahinter. Die Authentizität des Videos hat er zu keinem Zeitpunkt erschüttern können, was auch gar nicht nötig war bei der geringen Aussagekraft eines Videos über einen unklaren Einzelfall. Der zweite Teil der Aussage ist nichts weiter als eine parteiische Behauptung. Kann man so sehen, aber „gute Gründe“, die mehr wären als auch meine Meinung, hat er ebenfalls nie geliefert. Was wurde da spekuliert über Wunderwaffen, die er bald noch aus dem Ärmel ziehen würde, um alles zu beweisen! Dabei konnte es diese der Natur der Sache nach gar nicht geben — außer das Video wäre in einer Werkstatt des VS auf Geheiß seines Chefs angefertigt worden.
Dann, ja dann, hätte er die Vogel-Strauß-Presse aber sauber vorführen können! „Wir haben es zusammengeschustert, und Ihr Pressetölpel habt den Köder dumm und gierig gefressen, um Eure Inländerfeindlichkeit mal wieder widerlich ausleben zu können„. Das alles kam aber (natürlich) nicht. Was sonst hätte kommen sollen?

Was hat Maaßen also in der Sache geleistet? Gar nichts. Moment, er hat den sächsischen Behörden und ihrem Ministerpräsidenten Kretschmer die Beachtung dafür gestohlen, dass sie sich zuvor mit dieser Aussage vor die sächsische Öffentlichkeit gestellt haben:KretschmerAussage
Die autoritätssuchenden Merkel-Verzweifelten hofften wohl, dass der Behördenchef Maaßen dem gewählten politisch Verantwortlichen einen höheren Segen erteilen würde. Aber da kam nichts, konnte nicht, außer dass eben ein Behördenchef plötzlich in der ersten Reihe stand und den Politikern die Autorität absprach, das Geschehen politisch zu werten. Darüber kann man sich schon aufregen als gewählter Politiker: Merkel darf das und Kretschmer hätte das natürlich auch dürfen. Auch wer Merkel und ihre Politik gar nicht mag, darf das erkennen, dass der Behördenchef Maaßen seine Kompetenzen überschritten hat, indem er keine Fakten lieferte, aber die politische Kommunikation und Wertung an sich zog. Die politische Debatte zwischen dem absolut vertretbar und entschlossen zugunsten seiner Bürgerschaft argumentierenden MP Kretschmer und dessen politischen Gegnern hat von Maaßen nicht profitiert, auch Kretschmers Position hat nicht profitiert. Es war ein Bärendienst, für den der Bär von großen Teilen der rechten Presse frenetisch als Freiheitsheld gefeiert wurde. Das ist peinlich. Das spricht gegen diese Presse.

Die Amri-Weste des Geheimdienstchefs

Taugt ein Geheimdienstchef zum Freiheitshelden? Ich denke, eher selten. Und die Weste des Geheimdienstchefs ist so stark mit dem Fall Amri verbunden, dass ich sie unmöglich weiß nennen würde. Mit starken Zweifeln am Fall Amri bin ich keineswegs allein:
SchützendeHandÜberAmri
Und der Geheimdienstchef soll sich dafür stark gemacht haben, dass Medien nicht über die V-Leute in Amris Nähe berichten:

Korrekturbitten

Jetzt darf man natürlich zweifeln an dem, was der Tagesspiegel berichtet, und auch über den Zeitpunkt der Veröffentlichung, 1.5 Stunden nach dem Artikel über die Kretschmer-Rede (!), kann man ins Grübeln kommen. Aber für die V-Leute im Umfeld von Amri sollte man sich interessieren, auch und gerade wenn der islamistische Terrorist wunderbar zur eigenen Angst vor dem islamistischen Terror passt. Die Berichte gibt es nämlich schon lange:
VMannAmriMerkur

Das Attentat vom Breitscheid-Platz und die Vorgeschichte Amri sind, gelinde gesagt, insgesamt sehr dubios, geheimdienst-verdächtig. Die Frage lautet: Welcher Geheimdienst? Und: Was weiß der VS darüber?

Die allererste Merkwürdigkeit entstand nämlich sofort am Abend des Attentats:
LutzBachmannWeißZuviel
Zum Zeitpunkt, als Bachmann von einem Tunesier twitterte, hatte die Berliner Polizei noch einen Pakistani als Verdächtigen in Gewahrsam. Der Tunesier Amri kam erst am nächsten Mittag ins Spiel, als die Berliner Polizei die Ermittlungen an den Generalbundesanwalt übergeben hatte.
Wie wäre es, wenn Lutz Bachmann seine Insider-Informationen nicht von der Polizei, sondern von einem Geheimdienst erhalten hätte, und wenn der Schutz Amris vor polizeilichen Ermittlungen vor dem Attentat damit in Zusammenhang stünde?

Die Linke wittert eine Kumpanei zwischen Maaßen und dem Rechtsextremismus. Man mag das für eine fixe Idee halten, aber es wäre in vielen Ausprägungen denkbar. Es sollte jeden interessieren, ob es irgendeine Form der Zusammenarbeit gibt. Der Verdacht, dass Bachmann von Geheimdiensten gefüttert und zum Verbreiten vorbereiteter Informationen genutzt wird, sollte gerade auch Rechte interessieren.

Dass ein Geheimdienstchef mit einem solchen Verdacht an der Backe zum Staatssekretär im Innenministerium aufsteigt, sollte jeden interessieren. Die Frage, ob und was er zu seinem Wissen und seiner Rolle am 26. September noch im Bundestag sagen wird, sollte jeden interessieren. Es ist eher unwahrscheinlich, dass aus diesem Material reinweisse Freiheitshelden gemacht werden.

Update 1.8.2019
Es findet jetzt eine mediale Offensive für Maaßen statt, u.a. im Tagesspiegel:
MaaßenTagesspiegel
Notabene: Maaßen ist ein ‚Radikalkritiker‘, kein Rechter. Dieses Prädikat vergibt der Tagesspiegel viel lieber an Michael Kretschmer, dem ausgerechnet Maaßen zu Chemnitz in die Parade gefahren war:

KretschmerTagesspiegel2
KretschmerTagesspiegelDie Foto-Auswahl spricht ja auch Bände: Maaßen intellektuell, Kretschmer ein Tölpel zwischen Überforderung und rechtsaußen. Wirklich?
Der Autor der Maaßen-Hymne ist Frank Jansen, ein alter Bekannter  und Nebelkerzen-Werfer aus der NSU-Vertuschung, also ein sehr geheimdienstnaher Journalist. Passt doch gut zu Maaßen, dem ehemaligen Chef des sogenannten ‚Verfassungsschutzes‘!
Und dieser Frank Jansen darf natürlich auch solche Titelzeilen in den Artikel einbauen:

„Das erste Ziel der Werteunion: Merkel muss weg“

Sonst ist das doch ein sicheres Kennzeichen für AfD und andere Rechtsradikale? Tja, wenn zwei das Gleiche sagen, dann ist es nicht Dasselbe!

Und auch in der Rheinischen Post gibt es ein freundliches Interview mit Maaßen:
MaaßenRheinischePost
Ganz billige Masche: eine nichtssagende Phrase und ein ansprechendes Foto. Die rote Krawatte: Ton in Ton mit dem hohlen Anspruch ‚links‘ zu sein. Feinste PR-Arbeit: Maaßen wird für höhere Aufgaben vorbereitet.

Hoppla, der gestrige Maaßen-Artikel im Tagesspiegel scheint heute nachgebessert worden zu sein. Er war wohl doch zu schmeichelhaft:
MaaßenTagesspiegel2

Ein bemerkenswerter Sieg

Wenig ist im Medien-Mainstream zu lesen über den Erfolg von Gerhard Wisnewski bei der Abwehr einer Klage von Richard Gutjahr. Dabei hatte der BR-Journalist Richard Gutjahr noch Anfang des Jahres ein großes Medien-Echo ausgelöst mit der Ankündigung, sich Personen „weise“ auszusuchen und gegen sie vorzugehen, die ihm ein Vorwissen zu den Attentaten von 2016 in Nizza und München unterstellen. Dabei haben er und sein Anwalt sich offensichtlich gewaltig verschätzt. Hier das  Thriumphgeheul der „Verschwörungstheoretiker“ und hier ein seriöser Jammertext zum überraschenden Prozessausgang.

In meinem Beitrag geht es wenig um den Fall Gutjahr und mehr um Gerhard Wisnewski, seine Stärken und Verdienste und die Schwächen und Grenzen seiner Arbeit. Und natürlich geht es auf dieser Grundlage auch um eine Einschätzung des Urteils:

Gut oder weniger gut für die Freiheit von Meinung und Berichterstattung?

Die Verdienste des Gerhard Wisnewski

Gerhard Wisnewski hat sich als WDR-Journalist mit Recherchen zuRAF-Phantomm Thema RAF-Terrorismus einen Namen gemacht. Er hat im Magazin ‚Monitor‘ nach Recherchen im Sommer 1992 zur bis heute nicht aufgeklärten Ermordung von Alfred Herrhausen Hinweise präsentiert, dass der Kronzeuge der Behörden für eine RAF-Täterschaft, der V-Mann Siegfried Nonne, zu dieser Aussage genötigt und gedrängt worden war. Der Untergang dieser Spur hat zu einem erheblichen Glaubwürdigkeitsverlust des bis dahin in Deutschland in der breiten Öffentlichkeit nie in Frage gestellten Narrativs vom gefährlichen Linksterrorismus geführt. Der Glaubwürdigkeitsverlust könnte so groß gewesen sein, dass er ein Jahr später zum Zwischenfall von Bad Kleinen geführt hat, bei dem mit dem toten Wolfgang Grams endlich ein Mitglied der 3. Generation der RAF auftauchte. Diese Geschichte hat Wisnewski mit 2 Mitautoren in diesem Buch dokumentiert, für Deutschland eine Pionierarbeit auf dem Feld des Terrorismus unter falscher Flagge. Wisnewskis früher Verdacht ist später in sehr akribischen Arbeiten sogar für die 2. Generation der RAF bestätigt worden: Der RAF-Terror muss von staatlichen Stellen mindestens gedeckt worden sein.

Im Jahr 2003 hat es Wisnewski wieder im WDR gewagt, Zweifel an der offiziellen Version zum 11. September zu äußern, namentlich an den Flugzeugabstürzen von Shanksville und ins Pentagon. Dieses Mal hat ihn diese Kühnheit nach sehr negativen Berichten im Spiegel und anderen Medien die Aufträge seines wichtigsten Brötchengebers, des WDR, gekostet.

9/11 – eines der stärksten Tabus unserer Zeit

Wisnewski war eines seiner ersten Opfer, aber das Tabu, den Ablauf des 11.9.2001 in Frage zu stellen, ist eines der stärksten der letzten Jahrzehnte. Kein Wunder, hat doch dieses Ereignis die Rechtfertigung für eine ganze Serie von Kriegen „gegen den Terror“ u.a. in Afghanistan und im Irak geliefert, die allesamt zu katastrophalen humanitären und auch strategischen Ergebnissen geführt haben, wie inzwischen allgemein anerkannt wird.
Wegen Verletzung dieser Tabus sind nach Wisnewski noch weitere Medienschaffende ins Visier massiver Kampagnen geraten, u.a. Ken Jebsen und Daniele Ganser.

Eine der größten medialen Niederlagen für die Staatsversion der Attentate vom 11. September war aber die Veröffentlichung einer rein technischen Arbeit von Vertretern der amerikanischen Ingenieur-Organisation „Architects & Engineers for 9/11 Truth“ in „Europhysics News“, dem Mitteilungsblatt der Dachorganisation der Europäischen Physikalischen Gesellschaften. Dabei wurden solche verstörenden Detailfotos von offensichtlichen Explosionen aus dem Inneren der Gebäude weit unterhalb der aktuell einstürzenden Etagen gezeigt:

AE911ThruthSquibs

und Berechnungen auch zum weniger bekannten Einsturz des dritten, nicht von einem Flugzeug getroffenen Gebäudes  WTC-7 vorgestellt, das bereits im Mittelpunkt von Daniele Gansers Artikel im Schweizer Tagesspiegel im Jahr 2006 zu dem Thema gestanden hatte.
Tatsächlich sind also Zweifel am Ablauf des 11. Septembers in den Jahren seit 2003, dem Jahr des Rauswurfs von Gerhard Wisnewskis beim WDR, durch viele unabhängige Autoren und mit ganz anderen Ansätzen zu verschiedenen Aspekten immer weiter fundiert und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt worden. Die Aussagen des Bürgermeisters von Shanksville, der laut Wisnewski ursprünglich am angeblichen Einschlagsort des Flugs kein Flugzeug gesehen haben will („Da war nichts! … Nur dieses Loch.“) haben seither sehr stark an Bedeutung verloren, denn die inzwischen gesammelten physikalisch-technischen Einwände insbesondere zum Einsturz von WTC1, WTC2 und vor allem WTC7 sind durch korrigierte Zeugenaussagen[1] nicht mehr zu entkräften.
Trotzdem fühlt sich auch ein Medien-Watchdog wie Übermedien noch heute genötigt, diesen Beitrag von Wisnewski als Grund für seinen Rausschmiss beim WDR zu unterstützen:

ÜbermedienEmpört

Andere mutmaßliche journalistische Fehlleistungen oder Unsauberkeiten desselben Kalibers werden von Übermedien wohl gelegentlich kritisiert, aber praktisch nie mit der Forderung verknüpft, den Verantwortlichen auch zu entlassen. Woher die doppelten Standards? Woher der giftige Eifer im Fall Wisnewski? Und warum in einem Fall, wo Wisnewskis Verdacht inzwischen durch viele andere und schwer widerlegbare Arbeiten erhärtet worden ist?

[1] Bei der hohen Brisanz der Thematik für die Weltpolitik ist gleichzeitig auch klar, dass es einem Staat, der bei  einem anderslautenden Befund mit dem Rücken zur Wand stehen würde, nicht schwerfallen sollte, einen kleinen Bürgermeister im eigenen Land zu einer korrigierten Aussage zu drängen, zu nötigen oder auch zu erpressen. Eine Korrektur auch von gegenüber Wisnewski tatsächlich gemachten Aussagen wäre unter diesen  Bedingungen also wenig überraschend und wenig beweiskräftig.

Best of Wisnewski:
Der begründete Anfangsverdacht

Nach der Nachricht vom juristischen Sieg Gerhard Wisnewskis über Richard Gutjahr habe ich mir den betroffenen Jahrgang von „verheimlicht vertuscht vergessen“ bestellt. VVV2017Im Gegensatz zum „RAF-Phantom“ hatte ich bisher kein Buch Wisnewskis aus dieser Reihe gelesen. Das Buch ist seit dem Prozesserfolg und damit dem Ablauf  einer einstweiligen Verfügung beim Autor wieder verfügbar, so dass sich jeder ein eigenes Bild von dem machen kann, was Wisnewski über Gutjahrs mögliche Rolle beim Terror von Nizza und München geschrieben hatte.
Man kann das durchaus als „Raunen“ bezeichnen: Außer bekannten Tatsachen und Spekulationen und Fragen, die Richard Gutjahr nicht beantwortet hat, stehen da keine weiteren Details.

Auch bei anderen Themen findet man viel Gegen-Meinung zu dem, was der Mainstream als Tatsache berichtet oder bewirbt. Die Bandbreite reicht von Flüchtlingen über die Gesundheitsschädlichkeit des Frauen-Karriere-Ideals bis zur Mondlandung. Viele Quellen sind im Mainstream nicht gerade besonders wohlgelitten.

Aber einen Fall, der an die Pionierleistungen des Gerhard Wisnewski anknüpft, habe ich in dem Buch doch gefunden:

Das Eisenbahnunglück von Bad Aibling

Die offizielle Version des Geschehens findet man hier. Dagegen lässt sich der Verdacht Wisnewskis mit wenigen Quellen skizzieren:
Mir war anhand dieses Berichts auch schon damals aufgefallen, dass sich der behauptete Ablauf mit dieser komplexen Fehlerkette mit Fahrlässigkeit durch Ablenkung kaum vereinbaren lässt. Die von Wisnewski zitierte Behauptung der Staatsministerin Haderthauer, dass das Unglück vorsätzlich  entstanden sein müsse, weil die Möglichkeit, dass Fahrlässigkeit so die technischen Sicherungen außer Kraft setzen könne, absolut schockierend sei. Diese Aussage habe ich so im Netz nicht mehr gefunden, stattdessen nur eine stark entschärfte Version davon. Nehmen wir zugunsten von Wisnewski (ähnlich wie beim Bürgermeister von Shanksville) einmal an, dass diese Aussage von interessierter Seite medial nachjustiert worden ist. Die sehr spät angeordnete Untersuchungshaft für den Beschuldigten fand wie von Wisnewski berichtet tatsächlich auch das Lawblog sehr ungewöhnlich. Wisnewski vermutet, dass er damit unter Druck gesetzt wurde, um ein passendes Geständnis zu erreichen. Im Lawblog-Beitrag wird übrigens auch Wisnewskis Hinweis bestätigt, dass der Fahrdienstleiter sein Online-Spiel einige Minuten vor dem Unglück beendet hatte, die Ablenkung so groß also nicht gewesen sein kann. Wisnewski weist auch korrekt auf die Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hin, die bestätigt, dass just am Tag vor dem Unglück eine Inspektion des Stellwerks stattgefunden hat, bei der nach seiner Ansicht eine Manipulation der Anlage vorgenommen worden sein könnte:
„Die in der Antwort zu Frage 3 angesprochene Inspektion am Stelltisch und der Innenanlage fand am 8. Februar 2016 in der Zeit von 9:10 Uhr bis 15:36 Uhr statt. Da anschließend wieder ein regulärer Zugbetrieb erfolgte, kann hieraus kein Zusammenhang mit der Notwendigkeit von Ersatzhandlungen am Folgetag hergestellt werden“
Die alte Spürnase Wisnewski hat damit nach meiner Meinung tatsächlich einen begründeten Anfangsverdacht, dass bei dem Unglück von Bad Aibling nicht alles so gelaufen ist, wie die Medien und die Politik behaupten, dass da durchaus auch ein Sabotage- oder Terrorakt vertuscht worden sein könnte. Wisnewski selbst spekuliert, dass über die Bundesbehörde Bahn die Bayerische Staatsregierung unter Seehofer eingeschüchtert wurde, ihre damals harte Opposition gegen Merkels Politik einzustellen. Das ist aber wirklich Spekulation, denn Hintergründe lassen sich aus den von Wisnewski aufgeführten validen Argumenten nicht ableiten. Inzwischen ist der Fahrdienstleiter übrigens wieder aus der Haft entlassen worden.

Wisnewski hat in diesen Fall offensichtlich wesentlich mehr Mühe investiert als in andere Behauptungen aus dem Buch. Was hätte er noch tun können und müssen, um seinen (ungeheuerlichen) Anfangsverdacht weiter zu bestätigen? Er hätte damals den Prozess beobachten oder beobachten lassen können, um zum Beispiel die Aussagen des Fahrdienstleiters wörtlich festzuhalten. Die Frage ist, ob er dafür als freischaffender Journalist, der vom Mainstream ausgestoßen und isoliert wurde, genug Zeit investieren und trotzdem wirtschaftlich überleben kann.

Fazit

Der Freispruch für Gerhard Wisnewski ist im Sinne der Meinungsfreiheit zu begrüßen. Es muss möglich bleiben, medial favorisierte und staatlich erwünschte Narrative über Terror zu hinterfragen und insbesondere auf merkwürdige Zufälle und die Möglichkeit von Vorwissen bei wichtigen Akteuren hinzuweisen, ohne gerichtsfeste Beweise zu haben.
Gerhard Wisnewski bewegt sich inzwischen sicherlich manchmal am Rande des Seriösen und eines angemessenen Aufwands bei schwerwiegenden Überlegungen und Vorwürfen. Allerdings hielt sich der journalistische Aufwand des Medien-Mainstreams von SPIEGEL bis taz, ihm Fehler und Falschmeldungen wirklich nachzuweisen, anstatt sie ihm mit Gegenbehauptungen einfach nur zu unterstellen, eher in noch engeren Grenzen. Das gilt sowohl für die Arbeiten zum RAF-Phantom als auch zu 9/11 und den Flugzeugabstürzen von Shanksville und ins Pentagon. Behördenbehauptungen waren dem vermeintlichen Qualitätsjournalismus immer schon ausreichend, um Behauptungen eines unbotmäßigen Kollegen in die Verschwörungsecke zu stellen. Deshalb freuen mich der Sieg von Wisnewski und die schlecht verborgenen langen Gesichter im sogenannten „Qualitätsjournalismus“.
Als Denkanregung und Kontrapunkt zu einem Journalismus, der überwiegend staatliche Erzählungen zu jeder Form von Terror geradezu grotesk stützt, finde ich jetzt sogar sein Buch „Verheimlicht vertuscht vergessen 2017“ gar nicht einmal so schlecht. Es lohnt sich durchaus, gelegentlich einmal eine Theorie Wisnewskis zu lesen und darüber nachzudenken, ob sie stimmen könnte und wo seine Argumente gut sind und wo nicht.

Der Leser sollte aber wissen, dass die meisten der vielen Theorien Wisnewskis keine Volltreffer sein dürften. Bei ihrer großen Zahl ist das noch unwahrscheinlicher als die Möglichkeit, dass Richard Gutjahr an 2 Terror-Tatorten innerhalb einer Woche aufgetaucht ist, ohne dass irgendjemand Vorwissen über die Taten hatte. Wer auf dieser vergleichsweise dünnen Grundlage Menschen wie Gutjahr mit Hassmails schmäht und verfolgt, ist tatsächlich nicht gut beraten. Das Gericht hat Wisnewski bestätigt, dass er es schlauer angestellt hat. Trotzdem ist die Gutjahr-Geschichte kein Glanzlicht für einen investigativen Journalisten, der Qualität liefern will. Wisnewski kann es besser, immer noch.

Randnotiz

Sehr interessant finde ich auch die Tatsache, dass Richard Gutjahrs Anwalt Markus Kompa nicht nur diesen Prozess gegen Gerhard Wisnewski, sondern auch einen anderen Prozess mit umgekehrten Vorzeichen verloren hat, bei dem er den Blogger ‚Blauer Bote‘ gegen die Klage des Stern und des Bertelsmann-Konzerns verteidigte. Der ‚Blaue Bote‘ hatte dem Stern nur vorgeworfen, mit der Geschichte von der syrischen Bloggerin Bana Alabed Fake News zu verbreiten. Diese These ist weniger kühn als die von Gerhard Wisnewski über Richard Gutjahr, die Niederlage des ‚Blauen Boten‘ mindestens so bemerkenswert wie der Sieg Gerhard Wisnewskis. Vielleicht hat ja das Hamburger OLG tatsächlich weniger für die Meinungsfreiheit übrig als das Kölner. Vielleicht.

Nachtrag 12.09.2018
Diesen Videokommentar zum Thema finde ich nicht schlecht, um den Rechtsstreit zwischen Richard Gutjahr und Gerhard Wisnewski einzuordnen
WikiWeltKommentarAber auch dieser Kommentar darunter bringt nochmals gute Aspekte ins Spiel:
„gutjahr war privat in nizza, und filmte als einziger exakt zur richtigen zeit am richtigen ort, in münchen war er ebenso zur richtigen zeit am richtigen ort, von der anderen seite filmte seine tochter, die normalerweise in usa studiert, und auch zur richtigen zeit am richtigen ort war um die berichterstattung für die usa zu übernehmen. seine frau war beim israelischen militärgeheimdienst…. ich empfehle etwas stochastik. du begehst in deiner analyse einen denkfehler: der vorwurf lautet ja nicht automatisch dass hinter den geschichten ein geheimdienst steckt, sondern nur dass geheimdienste ein vorwissen hatten, und das ist der punkt den es zu hinterfragen gilt: war es möglich ein vorwissen zu haben? die frage irgendeiner schuld kommt erst danach.“
Personen, die Gutjahr hemmungslos bepöbeln, scheinen aber genau diesen Punkt auch nicht zu verstehen!

Nachtrag 01.01.2020
Der ‚Blaue Bote‘ hat im Dezember 2019 Fotos von der 911-Absturzstelle in Shanksville veröffentlicht, die Gerhard Wisnewskis damaligen Bericht über die Ungläubigkeit des Bürgermeisters durchaus plausibel erscheinen lassen. Schwer vorstellbar, dass hier eine große Passagiermaschine einfach im Boden verschwunden ist:
flight_93_crash_crater_911_shanksville_pennsylvania_september11_united_airlines_usa_2001_terror

Dafür, dass er Zweifel an dieser Geschichte im WDR öffentlich gemacht und (angeblich) den Bürgermeister falsch zitiert hat, hat Gerhard Wisnewski seine Aufträge als freier Mitarbeiter des WDR verloren. Und heute beklagt sich Richard Gutjahr, dass ihm die BR nicht in den Prozessen u.a. gegen Wisnewski beigestanden hat 🤔
Hier der originale WDR-Beitrag, für den Gerhard Wisnewski vom WDR geschasst wurde:

Phantom gegen die Wissenschaft

Erinnern Sie sich noch an das „Phantom von Heilbronn“?
Eine unbekannte weibliche Person (uwP) wurde von 2007 bis 2009 fast 2 Jahre lang dringend als Mörderin der Polizistin Kiesewetter in Heilbronn gesucht. Gefunden wurde am Ende nur eine Packerin, die die Entnahmestäbchen für die Tatortarbeit über lange Zeit immer wieder mit winzigen eigenen DNA-Spuren verunreinigt hatte.
Diese Geschichte ist ein Lehrstück darüber, wie weit unterhalb des tatsächlichen Stands der Wissenschaft Behörden und Medien in heiklen Kriminalfällen die Öffentlichkeit informieren. Die in diesem Beitrag nachgewiesenen Details und das Ausmaß legen nahe, dass diese Fehlermittlung in Wahrheit der Verschleppung der Mordaufklärung diente. Das wirft natürlich auch ein sehr schlechtes Licht auf die Geschichte vom NSU, dem der Mord seit 2011 letztlich zugewiesen wurde.

Zunächst der zeitliche Ablauf vom Mord bis zum Eingeständnis einer Fehlspur:

Zeitablauf

25.04.2007         Tag des Mordes an Michèle Kiesewetter
18.06.2007         ‚Mysteriöse Frau‘ zu einer ‚heißen‘ DNA-Spur gesucht
27.08.2008         Bericht über Ergebnisse der Innsbrucker DNA-Forensiker
23.12.2008         Heilbronner Stimme mit Verdacht auf Falsche DNA-Spuren
11.02.2009         LKA übernimmt Phantom-Fall. Man ist weiter optimistisch.
25.03.2009         Das Phantom wird bundesweit als Fehlspur berichtet

Bücher

Folgende drei ganz verschiedenen Bücher zum Thema habe ich gelesen und mit den Inhalten von Zeitungsartikeln über das Phantom von Heilbronn abgeglichen:

DNAAnalyseStrafverfahren


[1] Ein Standardwerk für Praktiker aus einem renommierten juristischen Verlag, das eine gut verständliche Einführung in die biologischen und rechtlichen Grundlagen der DNA-Analyse bietet. Es war bereits 2003, also Jahre vor dem Heilbronner Mord von 2007 erschienen, und mindestens seine Inhalte sollten deshalb an der einen oder anderen Stelle der polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen bekannt gewesen sein, nachdem diese für so viel öffentliche Aufregung sorgten.

FantomeDeHeilbronn


[2] Das Buch des französischen Autors Michel Ferracci-Porri, der bereits andere Bücher über Serienmörder geschrieben hatte, erschien im Juni 2009, als bereits klar war, dass es sich um eine Fehlspur handelte.
Der Titel des Buches lautet auf Deutsch:
„Die Affäre um das Phantom von Heilbronn. Eingetaucht in eine Ermittlung außer der Norm“
Der Autor begleitete die Ermittlungen bereits ab der ersten Jahreshälfte 2008 und liefert in seinem Buch viele Details über die Spurenfunde und Eindrücke über die Stimmung in der Polizei.

Parson


[3] Populärwissenschaftliches Buch von 2014 über die Möglichkeiten der DNA-Analyse. Diese erläutert der Experte Walther Parson von der Uni Innsbruck anhand spektakulärer Fälle, u.a. Ermordung der Zarenfamilie, Identifizierung der Leiche von Günther Messner, Ötzi…
Zu diesen Fällen gehört ebenfalls das „Phantom von Heilbronn“, und der Autor verrät dabei so einige Details, nicht nur, dass und warum er bereits in der ersten Jahreshälfte 2008 mit einer Verbesserung der Sicherheit der Geschlechtsbestimmung speziell für das Phantom beauftragt wurde.

Kurzeinführung in die DNA-Analyse

Eine gut verständliche Kurzeinführung in die Biologie der DNA-Analyse bietet Buch [1]:GrundlagenDNAAnalyse

Wichtig ist es, die Schlüsselbegriffe zu verstehen: Es gibt ausgedehnte Bereiche der DNA, die nichtkodierend sind, also nicht den Phänotyp des Individuums, seine äußere Erscheinung, bestimmen. In diesen Bereichen gibt es charakteristische Längenpolymorphismen, also Längenunterschiede, mit denen einerseits hochsensitiv ein bestimmtes Individuum identifiziert werden kann. Andererseits können (und dürfen) damit aber auch Merkmale wie das Geschlecht festgestellt werden. Das ist im Kapitel „IV Geschlechtsbestimmung“ des Buches erläutert:

GeschlechtsbestimmungAmelogenin
Hier wird besonders deutlich, dass die Geschlechtsbestimmung nichts mit dem Phänotyp, also dem tatsächlichen biologischen Geschlecht des Individuums und seinem männlichen oder weiblichen Aussehen zu tun hat. Denn gemessen werden Längenvariationen in nichtkodierenden Bereichen im System eines Zahnschmelz-Proteins. Diese Bereiche haben eine rein statistische Korrelation mit dem Geschlecht der Person, beeinflussen dieses aber nicht.
Diese Information hat eine sehr hohe Bedeutung für alles Weitere, die Verzweiflung der Ermittler, die Arbeit von Walter Parson an den Proben des Phantoms und für den unglaublichen, vernebelnden  Unsinn, den die Medien ihren Lesern über den Fall berichtet haben.

Warum das Geschlecht des Phantoms so wichtig war

Diese Frage kann einfach beantwortet werden: Die Spur war bereits seit 2001 aus Taten seit 1993 bekannt. Die Taten passten aber nur schwer zu einer Frau. Männer waren öfter dabei und, wenn Männer verhaftet wurden, dann wussten sie nichts von einer Frau. So schreibt auch Walter Parson:

GeschlechtPasstNicht

Parson verschweigt die Tatsache, dass dieses ‚Irgendwann‘ bereits vor dem Mord an Michèle Kiesewetter war. Denn schon im ersten Bericht in der Heilbronner Stimme über die Spur konnte man am 18.6.2007 lesen:

ZweifelVonAnfang

Die Problematik, die zu den Zweifeln an der Frau führte, war also bereits im Juni 2007 vorhanden und hat sich nicht in den folgenden 20 Monaten langsam aufgebaut. Die Zweifel kamen aus den Fällen selbst, nicht aus der Analyse der DNA, vor allem aus dem gelösten Fällen, in denen einfach keine Täterinnen vorkamen. Die Ermittler und folgsame Medien wollten sich damit aber einfach nicht zufrieden geben. Typisch dafür ist der Fall eines Einbruchs in Saarbrücken von 2006, bei dem ein Phantombild des einzigen Täters angefertigt werden konnte. Nach der Ansicht der Zeugen und aller Beteiligten zeigte dieses einen Mann. In einem Artikel der WELT aus dem Juni 2008 wurde dieser Fall mit neueren Spurenfunden vermischt, um eine Botschaft unters Volk zu bringen:
„Die Polizei vermutet, die Täterin werde eher als männlich wahrgenommen“.
Wenn Sie verstehen wollen, warum die WELT diesen merkwürdigen Augen-Ausschnitt des Phantombilds zeigte, habe ich die Antwort für Sie hier:

DasEchtePhantomBild

Der Bart tut der Täuschung mit der „Wahrnehmung“ nicht so gut und musste deshalb ab. Wer würde behaupten, dass hier die Täuschung etwas anderes sein kann als gezielter, ausgeklügelter Betrug?

Eine andere Variante, um den Leser über den Unsinn zu täuschen, wählte der SPIEGEL:
„Damals hatten Zeugen einen Mann am Tatort beobachtet. Das könnte den Verdacht erhärten, dass die gesuchte Täterin sich als Mann tarnt“
Dieser krampfhafte Versuch, die DNA-Spur einer Frau mit Taten in Verbindung zu bringen, bei denen die Täter offensichtlich, nach Zeugenaussagen und brutalem Tatgeschehen, eindeutig Männer waren, traf nun auf ein Problem des Amelogenintests, das Walter Parson beschreibt: die Korrelation dieses Längenpolymorphismus mit dem Geschlecht war nicht perfekt: er führte statistisch in einem von 5000 Fällen zu einer Frau, obwohl der Täter ein echter Mann war, mit Y-Chromosom und allem anderen dran. Es fehlte lediglich die längere Bande im Signal des Amelogenin.
Zur Erinnerung: das Y-Chromosom bestimmt das Geschlecht, nicht die Amelogenin-Bande im Messsignal. Diese entsteht nämlich in einem nichtkodierenden Bereich und hat nichts mit dem Phänotyp zu tun, der männlichen oder weiblichen Erscheinung der Person. Diese beiden völlig unabhängigen Erscheinungen haben die Medien (und die Behörden) den Lesern lediglich in einem Paket verkauft, um sie mit Pseudowissenschaft über das Problem zu täuschen, dass beim sogenannten Phantom von Heilbronn gar nichts zusammenpasste, aber passen musste, weil es doch die allerheißeste Spur beim Polizistenmord war und offensichtlich bleiben sollte. Es half aber alles nichts, und die DNA-Forensiker um Parson kamen mit ihrer Genderplex-Verfeinerung des Amelogenintests zu einem eindeutigen Ergebnis:

GenderplexErgebnis

Daran gab es also irgendwann im Sommer 2008 keinerlei Zweifel mehr. Die uwP war eine Spur, die mit den Tätern in den meisten Fällen der Serie erwiesenermaßen nichts zu tun hatte. Warum hätte sie es eigentlich beim Polizistenmord haben sollen?

Der Tatbezug einer DNA-Spur

Eine DNA-Spur am Tatort ist ein zweischneidiges Schwert: Sie gibt einerseits hochempfindlich Auskunft darüber, welche Person in irgendeinem Zusammenhang zum Tatort und zur Tat stehen könnte, aber sie sagt oft sehr wenig darüber aus, ob und welchen Beitrag die Person zur Tat geleistet hat [1]. Diese Tatsache wird in Buch [1] klar benannt:
„Der große Fortschritt, den die Entwicklung molekularbiologischer Methoden in der forensischen Genetik bewirkt hat, ist vor allem an der Sensitivität der Analysemethode festzumachen“
Immer kleinere Spuren können analysiert werden, aber es bleibt das in Buch [1] im Kapitel „VII Möglichkeiten und Grenzen der DNA-Analyse“ erläuterte Problem:

TatbezugDerSpur

Das führt uns auf die Frage, wo denn die DNA-Spur des Phantoms im Fall des Heilbronner Polizistenmords abgenommen wurde. Walter Parson und manche Zeitungsartikel nennen pauschal den Dienstwagen, in und an dem die beiden Opfer gefunden wurden. Der Autor von Buch [2] präzisiert diesen Punkt und nennt auf S. 32: „einen Spritzer Schweiß, abgenommen vom Armaturenbrett des Polizeifahrzeugs Nr. 51“.
Der offizielle Tathergang geht von 2 Personen aus, die seitlich neben dem Fahrzeug stehend auf die beiden Insassen geschossen haben. Einer der beiden Täter muss Michèle Kiesewetter zusätzlich noch mit großem Krafteinsatz die Dienstwaffe aus dem Holster gerissen haben. Dabei kann „ein Spritzer Schweiß“ auf das Armaturenbrett geraten sein, aber die DNA-Spur selbst enthält diese Information nicht.  Ganz wie bei dem in Buch [1] als Gegenbeispiel genannten Schraubendreher kann dieser Spritzer auch bei einem früheren Einsatz mit anderen Polizisten auf das Armaturenbrett geraten sein und gar nichts mit dieser Tat zu tun haben. Es könnte natürlich sein, dass die Angabe von M. Ferracci-Porri falsch ist [2] und die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen die wirkliche Entnahmestelle verschwieg, um sie erst dann z.B. in Verhören zu nutzen, wenn die uwP gefasst war. Im ersten Bericht am 18.6.2007 hatte es nämlich großspurig geheißen:

„Ihre Fundstelle am Streifenwagen lassen nur einen Schluss zu:
Die europaweit gesuchte Frau war am Tatort auf der Heilbronner Theresienwiese“

Die Vermutung eines Tatbezugs im Geheimwissen der Polizei wird aber dadurch widerlegt, dass die uwP ja tatsächlich identifiziert wurde. Im Frühjahr 2009 wurde eine 71-jährige Packerin beim Hersteller der Wattestäbchen als Spurenverursacherin identifiziert. Niemals werden wir erfahren, was diese Frau am Tatort auf der Heilbronner Theresienwiese gemacht hat. Der postulierte Tatbezug ist damit widerlegt, denn wenn er belastbar gewesen wäre, müsste er ja auch für diese Packerin weiter Gültigkeit gehabt haben. Mit ihrer Entdeckung war die uwP kein Phantom mehr, sondern der immer nur behauptete dringende Tatzusammenhang wurde als Phantom entlarvt, nein, als Fiktion, als Erfindung, als Lüge. Es konnte ihn niemals gegeben haben!

Zu viel Widerstand gegen die Einsicht

Wir haben jetzt an zwei kritischen Stellen, Geschlecht und Tatbezug, herausgearbeitet, dass die Phantom-Spur (wie der Name eigentlich von Anfang an offen zugab) eine äußerst windige Spur war, eine Spur, die aus rein wissenschaftlich-forensischer Sicht niemals hätte die Hauptspur oder gar die einzige Spur werden dürfen[3]. Allerspätestens nach erfolgreicher Bestätigung des weiblichen Geschlechts im Sommer 2008 hätte aber die Phantom-Reißleine gezogen  werden müssen, weil sie nichts mit den Taten zu tun haben konnte.

Chefermittler Frank Huber machte aber munter weiter und pflegte die Fiktion noch am 19.12.2008:

WirHabenEineDNASpur

Und nachdem der Fehler (um nicht zu sagen: der Schwindel) aufgeflogen war sagte er noch sturer in einem weiteren Interview:

FrankHuberSiehtsNichtEin

Und das fast ein Jahr, nachdem die SoKo Walter Parson und sein Institut beauftragt und mit ihm natürlich auch gesprochen hatte. Parson schreibt über Leerproben:
„Immer öfter machte das Wort Kontamination die Runde. Es wurde vermutet, es könnte sich bei dem weiblichen Phantom-Profil um DNA handeln, die nichts mit den Tatorten und den Verbrechen zu tun hatte…
Blindproben wurden immer wieder gemacht. Da aber nicht alle Wattestäbchen aus der fraglichen Firma kontaminiert waren, war das Raster, durch das die Blindtests fallen konnten, recht groß.“

Die Idee einer Kontamination war da, nicht nur bei Prof. Brinkmann und in der Heilbronner Stimme  im Dezember 2008. Sie war schon immer da. So steht im Buch [1] aus dem Jahre 2003 auf S. 107 unter der Überschrift „2. Kontaminationsgefahr und Sicherheitsvorkehrungen“:
„Aufgrund der hohen Sensitivität der PCR-Technologie muss möglichen Kontaminationen vorgebeugt werden“

Die Evidenz ist erdrückend: die Heilbronner Ermittler haben katastrophal und weit unter dem bekannten Wissensstand ihrer Zeit gearbeitet. Und sie müssen es gewusst haben.
Und die Presse hat überwiegend nichts unternommen, um dem Unfug wirklich zu widersprechen und zu begegnen. Die Heilbronner Stimme hat mit ca. 3 Monaten Vorlauf zumindest öffentlich gezweifelt. Der große Rest ist blökend hinter den Behörden hergelaufen, ohne Erkenntnisse für den Leser beizutragen. Den Vogel hat wieder einmal die WELT abgeschossen. Sie hat noch am 10.03.2009 den längst widerlegten Quatsch neu aufgewärmt und verwirrt, statt nach Erkenntnis zu streben. Hinterher hat der ‚Stern‘ tatsächlich die Hand ein wenig in die Wunde gelegt: „Ermittler täuschten monatelang die Öffentlichkeit“.

Schlussfolgerung zum Phantom von Heilbronn

Die Klärung der Phantom-Spur, die seit 2001 durch die Fälle und Labore geisterte, wie Walter Parson schreibt, war sicherlich überfällig. Dieses wurde u.a. mit seiner Beauftragung und letztlich der Ermittlung der Spurenverursacherin sowie der anschließenden Verbesserung der Kontaminationsvorsorge geleistet, wenn auch recht gemütlich.
Gleichzeitig war es nicht Dummheit, sondern Sabotage, die Ermittlungen zum namensgebenden Heilbronner Polizistenmord gegen jedes Wissen und die Logik an diesen langsamen Prozess anzukoppeln. Diese  Verschleppungs- und Vernebelungstaktik lief objektiv auf einen wirksamen, fast 2-jährigen Schutz der Polizistenmörder vor Ermittlung hinaus.

Bedeutung für den NSU und den Prozess

Für den NSU, dem die Tat 2011 nach dem ebenso dubiosen Ende des Duos in Eisenach prompt zugewiesen wurde, lässt das nur 2 Möglichkeiten:

  1. Der NSU, also Böhnhardt und Mundlos als ausführende Organe, hat Michèle Kiesewetter ermordet und wurde dann von Behörden (und Medien) aufwändig und mühsam gedeckt
  2. Die Zuweisung der Tat an den NSU ist bis heute die Fortsetzung der Deckung der echten Mörder mit anderen Mitteln

Es gibt keine 3. Möglichkeit, höchstens eine Mischung von beiden der Art, dass dieser NSU etwas mit der Tat zu tun hatte, aber das Duo nicht die Täter waren. Suchen Sie sich Ihre Variante aus! Das OLG München wird sich morgen mit dem Urteil nach einem fast 5-jährigen Prozess nolens volens auch eine Variante aussuchen. Hilft ja nichts, dass sie beide nicht vertrauenserweckend sind!

Weitere Evidenz für Ermittlungsbetrug

Es gibt zahllose weitere interessante Hinweise auf Ermittlungsbetrug im Fall des Heilbronner Polizistenmords. Ich beschränke mich hier auf diejenigen mit Bezug zur DNA-Analyse und zu den oben genannten Büchern:

  1. Andere, bessere DNA-Spuren vom Tatort, u.a. von Kollegen, blieben bis 2009 unbearbeitet. Die Ermittlungen nahmen 2011 gerade wieder Fahrt auf, als sie durch die „Entdeckung“ des NSU gestoppt wurden. Quelle
  2. Aus den im Netz veröffentlichten Ermittlungsakten geht hervor, dass der Fall des bei Heilbronn ermordeten jungen Deutschkasachen Arthur Christ nach Zeugenaussagen mit dem Kiesewetter-Mord in Beziehung steht. Quelle
    In Buch [2] habe ich eine hochinteressante Parallele zu dieser Behauptung gefunden: Der Tod von Arthur Christ ist in die Fallhistorie zur uwP gerutscht, obwohl in seinem Fall (anders als beim ebenso mysteriösen Todesfall Diana Pawlenko) keine entsprechenden DNA-Spuren gefunden wurden. Eine mögliche Erklärung dafür wäre, dass Ferracci-Porri, der sich zusammen mit seiner deutschsprechenden Unterstützerin Karola Reich eine Weile in Heilbronn aufhielt, mitbekam, dass in den Ermittlungen der Mord an Arthur Christ inoffiziell sehr eng mit dem Kiesewetter-Mord verknüpft wurde.
  3. Ferracci-Porri berichtet in seinem Buch [2] im Zusammenhang mit einem Einbruch in Niederstetten über die Verzweiflung der Polizisten. Einige von ihnen trainierten dort in der Turnhalle Kampfsport, was aber in der Öffentlichkeit verschwiegen worden sei (s. den Artikel in der Heilbronner Stimme). Er zitiert einen Polizisten:
    Seit dem Auftauchen dieses Phantoms irgendwo inmitten unseres bisher geschützten Universums, erscheint nichts mehr wirklich wie zuvor. Auch wenn wir unter uns nicht von legitimem Verdacht sprachen und wir uns nicht einmal daran zu denken trauten, konnten wir doch nicht anders als im Leugnen einer Frage aneinander zu leben: ‚Gab es ein unzuverlässiges Kettenglied in der Polizei?‘“
    Dieses Zitat zeigt, dass sicherlich nur wenige Polizisten fest wussten, dass mit dem Phantom etwas faul war. Andererseits ist es ganz einfach, den Phantom-Wirrwarr von einer zentralen Stelle aus, z.B. im DNA-Labor des LKA künstlich zu erzeugen und die an der Basis ermittelnden Beamten in eine regelrechte Verzweiflung zu treiben durch völlig willkürliche und unverständliche Kreuztreffer. Wer wäre in der Lage gewesen, in Zweifel zu ziehen, dass die zuvor recht seltene Phantomspur jetzt plötzlich überall auftauchte?
    Eine solche Manipulation aus zentralen Ermittlungsinstitutionen heraus auch zu Lasten der normalen Polizeiarbeit ist z.B. im RAF-Kontext (Schleyer-Fahndung, Deckung für Verena Becker) bekannt und deutet auf eine gezielte Einwirkung von Geheimdiensten. Gerade Michael Buback legt in seinem Buch Wert darauf, die Masse der Polizisten von plumpen Vorwürfen zu entlasten, indem er darauf hinweist, wie die Ermittlungen aus wenigen herausgehobenen Stellen heraus hintertrieben worden sein können.

Was steckt wirklich dahinter?

SchützendeHand

Der NSU ist ein Fall-Komplex, in dem man an jeder Ecke auf gezielten Betrug stößt, wenn man anfängt, mit Wissen und Logik tiefer zu bohren. Hier nur einige Beispiele und wenige Belege:

  1. Es fängt an mit dem Doppelmord von Eisenach. Den habe ich selbst bereits vor fast 4 Jahren mit ganz anderen Methoden nachgewiesen als Wolfgang Schorlau. Die Ergebnisse passen zusammen. Und sie passen auch dazu und dazu und dazu. Reicht das noch nicht?
  2. Die auch im morgen endenden Prozess nicht bezweifelte Herkunft der Ceska aus der Schweiz ist höchst zweifelhaft, wie dieser Beitrag des Schweizer Fernsehens zeigt.
  3. Die Anwesenheit des Geheimdienstlers Temme am Tatort des letzten Ceska-Mordes 2006 an Halit Yozgat in Kassel ist weithin bekannt. Natürlich wird das medial immer wieder alles irgendwie so hingedreht, dass jeder an die Geschichte glauben kann, der es unbedingt will. Wer aber will noch so dumm sein?

Das Problem besteht darin, dass es viel einfacher ist zu zeigen, dass die NSU-Geschichte zusammenmanipulierter Unsinn ist, als die Wahrheit hinter der Geschichte herauszufinden. Zum Nachweis reichen nämlich vergleichende Arbeiten wie diese. Die Falschheit der Geschichte ergibt sich aus dem Aufzeigen der Inkonsistenzen und aus dem Nachweis der Manipulationsversuche.
Die richtige Geschichte benötigt dagegen Zugang zu zuverlässigen Ermittlungsergebnissen, und diese habe ich nicht. Jede alternative Theorie steht deshalb automatisch auf schwächeren Beinen als der Nachweis des Unsinns.

Deshalb beschränke ich mich ganz strikt auf die Zerstörung der Lügen. Diese erst einmal sacken lassen! Danach wird man weitersehen. Schönen Tag und lustigen Urteilsspruch morgen am OLG in München. Aber glauben Sie kein Wort! Die Roben der Richter dienen allein der Verschönerung der Lügen. Zur Wahrheitsfindung haben sie nur unfreiwillig beigetragen. Es muss ja zu einem fünfjährigen Schauprozess eine Menge Papier produziert werden. Je mehr Papier, desto mehr Widersprüche. Außer man schreibt nur das auf, was man wirklich gut belegen kann und was auch der Logik nicht widerspricht.

Liste interessanter Links zum Phantom

26.04.2007 Spiegel: Oettinger-Interview sorgt für Wirbel
26.04.2007 Spiegel: Plauder-Vorwurf bringt Oettinger in Verruf
27.04.2007 Focus: Mafia-Racheakt nicht auszuschließen
18.06.2007 Heilbronner Stimme: Mysteriöse Frau hinterlässt blutige Spur brutaler Taten
19.06.2007 Heilbronner Stimme: Polizistenmord – Spur führt zu Bruderfehde
29.06.2007 Stern: Die Jagd nach dem Phantom
09.04.2008 Augsburger Allgemeine: Keine heiße Spur im Heilbronner Polizistinnenmord
19.04.2008 WELT: Sieben Fakten zu der gesuchten Serientäterin
24.04.2008 ZEIT: Die Unsichtbare
03.06.2008 WELT: Neue Spur im Heilbronner Polizistenmord
03.06.2008 Heilbronner St.: Das Phantom hinterlässt die 32. Spur
05.06.2008 Heilbronner St.: Phantom verbreitet Unbehagen und Angst
28.07.2008 Heilbronner Stimme: Dem Phantom auf der Spur
07.08.2008 SPIEGEL: Phantom hinterlässt erneut DNA-Spur
22.08.2008 Heilbronner Stimme: Die Frau ohne Gesicht – ZDF-Film über Phantom
25.08.2008 FAZ: Genetische Spurensicherung
27.08.2008 Heilbronner Stimme: Ist die Mutter des Phantoms Osteuropäerin?
28.08.2008 Heilbronner St.: Haut- und Augenfarbe des Phantoms bleiben ein Geheimnis
18.12.2008 Heilbronner St.: Polizistenmord: Das Phantom kehrt zurück
19.12.2008 Stern: Das Phantom – eine „tickende Zeitbombe“
23.12.2008 Heilbronner Stimme: Polizistenmord: Falsche DNA-Spuren?
13.01.2009 WELT: Höchste Belohnung der Geschichte ausgelobt
02.01.2009 Heilbronner St.: „Schlinge zieht sich immer enger zu“
01.02.2009 FAZ: Nicht zu fassen
11.02.2009 Heilbronner St.: Heilbronner Polizistenmord: LKA übernimmt Phantom-Fall
20.02.2009 Heilbronner St.: „Fall Arthur Christ“: Polizei noch ohne heiße Spur
25.02.2009 SternTV: Auf der Suche nach einer Mörderin
05.03.2009 ZEIT: Steckbrief aus dem Erbgut
10.03.2009 WELT: Was das Phantom mit der Sauerland-Zelle zu tun hat
25.03.2009 Heilbronner Stimme: Rechtsmediziner: DNA an Stäbchen ist immer möglich
26.03.2009 ZEIT: Die falsche Formel der Fahnder
27.03.2009 Stern: Ein GAU der Kriminalistik
01.04.2009 Frankfurter Rundschau: „Das war ein herber Rückschlag“
01.04.2009 bj-diagnostik: Die Grenzen der DNA-Analyse: Die Wattestäbchen waren schuld
05.04.2009 Stern: Trickst und tarnt Stuttgarts Innenminister
14.07.2009 Stern: Ermittler täuschten monatelang die Öffentlichkeit
17.07.2009 Stern: Das Phantom im Spitzelauto
13.09.2010 Stern: Die mysteriöse Mafia-Islamisten-Verbindung
24.08.2013 Heilbronner Stimme: Polizistenmord: Geheimdienst war in Heilbronn
02.04.2015 Locard’s Lab: Forensic Failures: DNA Evidence and the Phantom of Heilbronn
13.09.2016 Stern: Aufklärung unerwünscht?
21.09.2016 Spektrum: Fälschliche Genetische Fingerabdrücke
06.04.2017 Stimme: Polizistenmord Heilbronn: Fall lässt Ermittler nicht los
09.05.2017 Stern: „Null Aufklärungswillen“ im Fall Michèle Kiesewetter
09.09.2017 Strafverteidigervereinigungen: Das Phantom von Heilbronn

[1] Eine wichtige Ausnahme bilden Sexualverbrechen, weil bei ihnen häufig die Entstehung der Spur und die Tat selbst in einem besonders engen  Zusammenhang stehen.

[2] Der Schweiß-Spritzer widerspricht auch Walter Parsons Erläuterungen in Buch [3], dass die Phantom-Spur nur dann gefunden wurde, wenn es sonst keine nennenswerte DNA an der Probe gab. Ein Schweiß-Spritzer wäre auch für seine Quantifizierungen zu groß!

[3] Interessanterweise verteidigt auch Walter Parson die Ermittlungen wortreich, aber wenig überzeugend

Nachtrag 14.07.2018: Widerspruch in der Spurengröße
Der Einbruch in eine Turnhalle in Niederstetten (Spur Nr. 32) ist besonders interessant. Laut Buch [2] wurde diese Turnhalle von Heilbronner Polizeioberen für Kampfsport genutzt. Der Autor behauptet auch, dass die DNA-Probe hier von einer makroskopischen  Blutspur abgenommen wurde. Das bestätigt der Bericht in der Heilbronner Stimme:

Auf dieser Bank fanden sich die Blutreste.
Käss berichtet, dass sie mit bloßem Auge zu sehen waren

Das ist nun erstaunlich, weil es eklatant dem widerspricht, was Walther Parson darüber geschrieben hat, wann und warum die Phantom-Spur gefunden wurde:

SpurenGrößeParson

Ein Wattestäbchen, das in eine deutlich sichtbare Blutspur getaucht wurde, musste nach Parsons Angaben mehr als genug Blutzellen enthalten, damit die Phantom-Spur bei weitem überdeckt wurde.
Dieser Widerspruch ließe sich dadurch auflösen, dass die Phantom-DNA im DNA-Labor gezielt hinzugefunden wurde. Ferracci-Porri berichtet außerdem darüber, dass dieses  Ergebnis nicht im DNA-Labor des LKA, sondern im Labor des Dr. Werner gefunden  wurde.

Nachtrag 17.07.2018: Leerproben
10 Jahre nach dem Mord wies der damalige Leiter der Heilbronner Polizei Rittenauer auf folgenden Zufall hin:
„Ich möchte deutlich machen, dass wir wegen der angesprochenen Zweifel lange Zeit zu den Wattestäbchen, die zur Spurensicherung verwendet wurden, Stäbchen aus derselben Packung als Leerproben mitgeschickt hatten. Und das heute Unfassbare war, dass die uwP-Spur kein einziges Mal an den Leerproben gefunden wurde, sondern immer nur an den zur Spurensicherung verwendeten“
Das ist allerdings interessant. Man müsste jetzt nur noch wissen, wie oft wie viele unbenutzte Stäbchen mitgeschickt wurden, um die Größe des Zufalls wirklich abzuschätzen. Es passt aber tendenziell zu der Hypothese, dass die Heilbronner aus einem Labor gezielt an der Nase herumgeführt wurden.

Nachtrag 23.07.2018
Die nach meiner Meinung beste Zusammenfassung der ungenügenden Prozessergebnisse ist in Tichys Einblick erschienen: „Urteil über ein Phantom“
Interessanterweise sieht auch der Autor Heilbronn als einen Schlüssel-Fall im ganzen NSU-Phantom: »Wenn Heilbronn kippt, kippt NSU-Verfahren. Wenn das kippt, haben wir ein rechtsstaatliches Problem«.

Nachtrag 15.5.2025
Diese Zusammenstellung zeigt sehr schön, wie die Süddeutsche Zeitung im Mai 2010 nicht nur 2 Artikel zur Aufklärung des Phantoms von 2009 nachträglich verändert hat, sondern auch noch einen von 2008, mit dem sie das unwissenschaftliche Narrativ stützte:

Der 1. Artikel datiert den Inhalten nach vom Sommer 2008 und wurde im Mai 2010 nur 20 Minuten nach den beiden anderen verändert, die selbst aus dem März 2009 stammen: der mittlere vom 26.3.2009 und der letzte vom 27.3.2009.

 

Nesactium – die schlimmen Istrier

In Istrien, Kroation, ca. 10 Kilometer östlich der Hafenstadt Pula, findet man die Ruinen der alten istrischen Hauptstadt, die später den römischen Namen Nesactium erhielt. Ein Ausflug dorthin lohnt sich, wenn das Badewetter an der Adria einmal zu wünschen übriglässt:

NesactiumLuftbild

Im Jahr 177 vor Christi Geburt ereignete sich hier eine Tragödie.

Das kleine Istrien war erstaunlich lange unabhängig von dem nahen, expandierenden und bereits sehr großen römischen Reich geblieben.

RomIstrien

Die Geschichtsschreibung nennt lapidar die Gründe für den Krieg:

„Nach dem Sieg der Römer über Karthago im 2. Punischen Krieg (218-201 v. Chr.), strebten diese die Herrschaft im gesamten Mittelmeerraum an. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf Istrien, und so waren es eher politische und wirtschaftliche Gründe, die sie veranlaßten, gegen die Histrier militärisch vorzugehen

Hochinteressant ist der Bericht des römischen Historikers Titus Livius, den Sie ganz sorgfältig und aufmerksam lesen sollten:

„Wenige Tage vorher hatten Junius und Manlius begonnen, die Stadt Nesactium, wohin sich der Führer der Histrier und ihr Fürst Aepulo selbst zurückgezogen hatten, mit aller Macht anzugreifen. Dorthin führte Claudius seine beiden neuen Legionen, entließ das alte Heer mit seinen Feldherrn, belagerte selbst die Stadt und beabsichtigte, sie mit Sturmdächern anzugreifen und gab einem Fluß, der an ihren Mauern vorbei floß und der beim Angriff ein Hindernis bildete und die Histrier mit Wasser versorge, in mehrtägiger Arbeit ein neues Bett und änderte seinen Lauf. Dies versetzte die Barbaren in Staunen und Schrecken. Aber auch jetzt dachten sie nicht an Frieden, sondern machten sich daran, ihre Frauen und Kinder umzubringen, und damit diese schreckliche Tat auch den Feinden ein Schauspiel bot, töteten sie die ganz offen auf der Mauer und stürzten sie dann hinab. Unter dem Geschrei der Frauen und Kinder und während des unsagbaren Gemetzels überstiegen die Soldaten die Mauer und drangen in die Stadt ein. Als der König aus dem bangen Geschrei der Flüchtenden merkte, daß die Stadt eingenommen war, stieß er sich sein Schwert in die Brust, um nicht in Gefangenschaft zu geraten. Die übrigen wurden gefangen oder erschlagen. Darauf wurden die beiden Städte Mutila und Faveria mit Gewalt genommen und zerstört. Die Beute war bei einem so armen Volk wider Erwarten groß und wurde ganz den Soldaten überlassen. 5632 Menschen wurden als Sklaven verkauft. Die für den Krieg Verantwortlichen wurden mit Ruten geschlagen und mit dem Beil enthauptet. In ganz Histrien kehrte durch die Zerstörung der drei Städte und den Tod des Königs der Friede ein, und alle Stämme schickten von überall her Geiseln und kamen zur Unterwerfung.“

So wird Geschichte geschrieben:
Grausam und verantwortlich für den Krieg waren die Verteidiger.
Diejenigen, die selbst offen zugaben, kühl kalkulierend das Land angegriffen, 3 Städte zerstört, Beute gemacht und 5632 Menschen als Sklaven verkauft zu haben, haben letztlich nur den Frieden nach Istrien gebracht.

Gönnen Sie sich einfach mal das Vergnügen, die propagandistischen Grundelemente dieses römischen Zeugnisses in heutigen Zeitungsartikeln zu suchen. Die Zeiten sind nicht ungünstig dafür.